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    Die Unfehlbarkeit der Propheten (Teil 3)

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    übersetzt von Hanan al-Maschat

     

    In diesem Teil gehen wir auf Fragen und Gegenargumente der Leser zum Thema der Unfehlbarkeit der Propheten ein und stehen Rede und Antwort.

     

    Leserkritik

     

    Eine Person fragte uns, wie wir uns den folgenden Koran-Vers bezüglich der Unfehlbarkeit erklären:

    Würde Allah den Menschen ihre Freveltaten übel nehmen, würde Er keine einzige Kreatur mehr auf Erden lassen. Er gewährt ihnen Aufschub bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wenn ihre Zeit gekommen ist, werden sie keine Stunde länger verweilen noch vorauseilen (16:61)

     

    Mein Kommentar diesbezüglich: Zunächst bezieht sich „die Menschen“ am Anfang des Verses auf die „ungerechten Menschen“ und „die Ungläubigen“. Man beachte, dass im vorhergehenden Vers die Ungläubigen explizit angesprochen wurden. Der obige Vers besagt nicht, dass jeder auf Erden ungerecht ist, sondern führt uns vielmehr die Tatsache vor Augen, dass im Gegensatz zum Leben danach, im Falle einer weltlichen Bestrafung der Menschen auf der Erde infolge ihrer ungerechten Taten, alle davon betroffen sein werden, gute und schlechte Menschen gleichermaßen und auch die Tiere. Natürlich ist diese Plage ein totaler Verlust und eine Bestrafung für Missetäter, während es für die Gläubigen eine Prüfung ist. In einem anderen Vers sagt Allah:

    Und fürchtet die Plage, die insbesondere jene treffen wird, die Unrecht tun, und wisset Allah ist streng in seiner Bestrafung. (8:25)

    Demzufolge beweist dieser Vers nicht, dass jeder dhalim (ungerecht) ist.

     

    Darüber hinaus wird der Begriff „Dhulm“ (Unrecht, Tyrannei, Unterdrückung, Übles tun etc.) im Koran mit verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Nur eine der allgemeinen Bedeutungen von „Dhulm“ bedeutet „Schlechtes tun“, was eine Bestrafung im Jenseits nach sich zieht. Unter den Propheten (ع) und Imamen (ع) gab es keine Übeltäter (Dhalim), was auch der Koran belegt, worauf wir später zurückkommen. Aber zunächst möchte ich hier ein bekanntes Zitat aus der sufischen Lehre anbringen, das auch von sunnitischen Gelehrten wie al-Razi und al-Baidhawi zur Erläuterung erwähnt wird:

    „Die guten Taten der rechtschaffenen Menschen sind Sünden für diese, die Allah nahe sind“

    حسنات الأبرار سيئات المقربين

     

    Das bedeutet dass für Menschen, die Allah sehr nahe sind wie z.B. Propheten, Sünde eine viel feinere Bedeutung hat, und diese unterscheidet sich deutlich von dem, was wir gewöhnliche Menschen als Sünde betrachten. Aufgrund ihres hohen Grades an Rechtschaffenheit betrachten sie sich als Sünder und befragen sich selbst, ob sie denn nicht mehr gute Taten hätten vollbringen sollen, als das was sie bisher geleistet haben und werfen sich vor, dass sie Allah nicht bis zu dem Maße angebetet und verehrt haben, wie Ihm wegen Seiner Erhabenheit zukommt und dass sie Ihm noch näher hätten sein können, und das obwohl sie bei allem ihr Bestes gegeben haben. Solche Sünden sind es, wenn Propheten von Sünden sprechen; Sünden, die überhaupt nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Ihre Sünde ist nur ein Gefühl ihrer Wenigkeit gegenüber der Großartigkeit Allahs.

     

    Ein Mensch ist von Natur aus so veranlagt, dass er geradewegs dem Weg des allmächtigen Gottes folgt. Im Zuge seiner Weiterentwicklung, erkennt er immer mehr die herrliche Macht des Allmächtigen und wird aus einem höheren Level auf seine Vergangenheit zurückblicken. Er wird einige seiner vergangenen Taten bedauern, auch wenn er dabei nur seine Pflicht getan hatte. Und das weil er jetzt ihre Unangemessenheit erfasst. Er interpretiert seine vergangene Form der Gottesverehrung insofern als Sünde, als dass sie im Vergleich zu der großartigen Position Gottes gar keinen Wert haben. Aus dieser neuen erweiterten Perspektive betrachtet er seine Unterwerfung in Anwesenheit Gottes als sündhaft und sogar als eine nicht gerade lobenswerte Geste.

     

    Die Propheten und die von Gott bestimmten Imame haben genau diesen Level erreicht. Da sie die Großartigkeit ihres Herren und seine hohe Position erkannt haben, stufen sie sich selbst, ihre Taten, ihre Ergebenheit und ihre Lobpreisungen Gottes so niedrig ein, dass sie auch dieses hohe Maß an Hingabe und Korrektheit als Sünde interpretieren und zeigen ihre Reue in Form von Gebeten und Anrufung und bitten Gott um Vergebung. Sie verinnerlichen die göttlichen Gebote, erkennen dadurch die Herrlichkeit des Allmächtigen und unterwerfen sich ihm. Für sie sind ihre Taten verglichen mit Gottes Größe geradezu wertlos und unangemessen. Sie vertrauen auf die Großzügigkeit und Großartigkeit Gottes, dass Er ihre im Vergleich zu seiner erhabenen Größe bescheidene Anbetung anerkennt.

     

    Menschen wie der Prophet Mohammed und seine Ahlu ul-Bait (Friede sei mit ihnen) erkannten die göttliche Position mit einem noch weiteren Blick. Sie erreichten durch ihr Wissen und ihre Taten eine höhere und erhabenere Stellung. Sie fanden kontinuierlich immer mehr über die Großartigkeit Gottes heraus und über ihre eigenen Unzulänglichkeiten, infolgedessen erkannten sie umso mehr ihre gegenüber der Macht und Größe Gottes unangemessenen Taten. Und stets bemüht diesen Defizit auszugleichen, beichteten sie ihre „Sünden“ und baten den Herren um Vergebung mit dem Bedauern, dass sie Gott in ihrer Anbetung nie gerecht werden können, und hofften darauf, dass Gott sie auf eine höhere Stufe hebt, bis sie im Laufe ihres Entwicklungsprozesses die höchsten Charaktereigenschaften und die höchste Rechtschaffenheit erlangen.

     

    Der Koranvers 16:61 sollte also in diesem Sinne verstanden werden, dass kein Mensch in seiner Anbetung Gott gerecht werden kann. Es ist als ob man unbegrenzte Schulden mit begrenzten Mitteln decken möchte. D.h. dass jeder sündhaft und peinlich klein vor der Großartigkeit Gottes ist. Je näher zu Gott, umso beschämender erscheint einem seine unzureichende Gottesverehrung.

     

    In einem Koran-Vers zeigt Allah, dass „Dhulm“ für Propheten eine ganz andere Bedeutung hat:

    Und als Abraham mit bestimmten Worten von seinem Herrn geprüft wurde und er sie erfüllte, sagte Er, ich werde dich zum Imam der Menschen machen, und er (Abraham) sagte, und von meinen Nachkommen, dann sagte Er: Mein Abkommen erhalten nicht die Übeltäter. (Koran 2:124)

     

    Allah (swt) bestätigt in diesem Vers, dass die Stellung eines von Gott bestimmten Führers nicht an Übeltäter geht. Es bestehen keine Zweifel daran, dass der Prophet Mohammed (ص) ein von Gott bestimmter Führer war und ein Nachkomme Abrahams (ع). Und nicht nur er, auch Moses, Jesus, David und Salomo (ع) waren Nachkommen von Abraham und wurden von Allah als Führer bestimmt. Das beweist, dass keiner von ihnen ein „Dhalim“ (Übeltäter) war, sonst würde der letzte Satz des Verses 2:124 nicht mehr stimmen!

     

    Dementsprechend herrscht kein Widerspruch zwischen den Versen 16:61, 2:124, 33:33 etc., denn erstens bezieht der Vers 16:61 „Dhulm“ nicht auf alle Menschen und zweitens hat das Wort „Dhulm“ im Koran mehrere Bedeutungen und nicht nur die allgemeine Bedeutung „Schlechtes tun“, das Allahs Bestrafung im Jenseits zur Folge hat. Sünde hat eine andere Bedeutung für Menschen, die Allah nahe stehen. Ihre Sünden können nur in Anbetracht der unendlichen Größe Allahs als unzureichend gute Taten oder unzureichende Gottesverehrung definiert werden. Diese Form von Sünde, die sogar aufrichtige Menschen nicht wahrnehmen, ruft nicht den Zorn Allahs hervor, noch hat sie eine Bestrafung als Folge.

     

    Ein aus der katholischen Kirche zum Islam konvertierter Leser wendet ein, dass im Alten Testament von Davids Ehebruch berichtet wird. Die Propheten waren auch Menschen. Man solle sich im Klaren sein, dass Mohammeds vergangene und künftige Sünden ihm vergeben wurden. Es ist nicht so, dass er gar keine hatte. Der Prophet (ص) hatte stets für sich selbst um Vergebung gebeten. Solch eine Haltung sei deutlich einem Sünder zuzuordnen, der eine üble Tat bereut.

     

    Es erübrigt sich von selbst, dass dieses Zitat über David keiner weiteren Kommentare bedarf, da jeder weiß, dass die Bibel vielfach von Menschenhand manipuliert wurde.

     

    Und bezüglich des Propheten Mohammed (ص), habe ich bereits wenige Zeilen zuvor auf diese Frage geantwortet und durch den Koran und die Überlieferungen belegt, dass Propheten und Imame eine von unseren Vorstellungen abweichende andere Auffassung von Sünde haben, infolge der sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Deswegen teilt Allah (swt) seinem Propheten (ص) mit, dass all seine vergangenen und künftigen „Sünden“ ihm vergeben wurden.

     

    Wenn Allah (swt) sündige Propheten und Gesandte mit der Rechtleitung der Menschen beauftragt hatte, hieße dies Allah (swt) billige Sündhaftigkeit! Warum sollte Er sie sonst erlauben? Was für ein Spiel spielt Allah (swt) denn? Was für ein Schöpfer ist Er, wenn Er einerseits etwas billigt und es gleichzeitig verbietet? Man sollte mit diesem Unsinn und der Verleumdung Allahs (swt) aufhören, zu behaupten, seine Propheten und Gesandten wären Sünder gewesen. Man sollte doch mehr Ehrfurcht vor Allah haben bevor der Tag kommt, an dem man zur Rechenschaft gezogen wird. Erhaben ist der Barmherzige von diesen irrsinnigen Verleumdungen.

     

    Ein anderer Leser erwähnte, dass Moses (ع) einen Mann tötete. Gibt es eine größere Sünde als einen Menschen umzubringen?

    Auch der Prophet Mohammed (ص) und Imam Ali (ع) töteten viele Kuffar, um Allahs Vorschriften nachzukommen. Außerdem ist das Töten einer Person in Selbstverteidigung oder zum Schutz der Gläubigen vor den Angriffen eines Kafirs kein Verbrechen.

     

    Darüber hinaus sind die im Koran erwähnten Sünden der Propheten jene Taten, die für die Tyrannen ihrer Zeit als Sünde galten und nicht für Allah. Das bedeutet, dass der Herrscher den Propheten aufgrund einer bestimmten Tat für schuldig erklärt hatte, was nicht bedeutet, dass sie für Allah schuldig waren. Der Fall von Moses, der bei der Verteidigung einer seiner Schia (Anhänger) einen Ungläubigen tötete, fällt genau unter dieser Kategorie. Und im Koran wird diese Tatsache bestätigt:

     

    26:10  Und da rief der Herr Moses: Gehe zum frevelhaften Volk
    26:11  Dem Volk des Pharao, werden sie denn nicht gottesfürchtig sein?
    26:12  Er sagte: Oh mein Herr, ich fürchte, sie werden mich der Lüge bezichtigen
    26:13  und meine Brust wird beklemmt sein und die Worte mir fehlen, so teile dies auch Aaron mit.
    26:14  Und sie haben eine Schuldklage gegen mich; und ich habe Angst, dass sie mich töten

    ولهم علي ذنب فأخاف أن يقتلون

     

    Wie aus diesem Vers deutlich erkennbar, betrachtete das Volk des Pharao die von Moses begangene Tat als Sünde und nicht Allah (swt). Für sie war Moses schuldig. Folglich war es keine Sünde nach dem Maßstab Allahs, sondern eine von der tyrannischen Regierung erhobene Anklage.

     

    Der Prophet Moses hatte nur seine Pflicht getan als er einen unterdrückten Gläubigen gegen seinen Unterdrücker verteidigt hatte. Obwohl er nicht die Absicht hatte, den Unterdrücker zu töten, ist es doch während der Verteidigung passiert. Da war nur die Hand des Teufels mit im Spiel, um die Situation für Moses (ع) noch komplizierter zu machen. Durch diesen unvorhergesehenen Mord wurden Moses’ Lebensumstände erschwert und er musste aus Ägypten fliehen, was aber nicht bedeutet, dass er eine Sünde begangen hatte. Für Gerechtigkeit und Wahrheit gerade zu stehen bringt manchmal nur Ärger mit sich, aber keine Sünde. Trotz all der Schwierigkeiten verhalf Allah letztlich Moses zum Sieg über die Ungläubigen. Sicher ist, dass Prophet Moses (ع) kein Übeltäter (Dhalim) war, sonst würde dies in Widerspruch zum Vers 2:124 stehen, in dem Allah sagt, dass Übeltäter nie die von Gott bestimmte Führerschaft erhalten.

     

    Von einem anderen Religionsbruder erhielt ich den Einwand, dass Allah (swt) uns laut Vers (53:32) „Haltet euch nicht für rein (schuldlos)…“ , uns verboten hätte eine Person als „rein“ zu betrachten und aus diesem Grund dürfen auch Propheten und Gesandte nicht als rein angesehen werden.

     

    Meine Antwort darauf ist, dass der Vers völlig aus seinem Kontext gezogen wurde, was zur Trübung geführt hat. Schauen wir uns den ganzen Vers an.

    „Jene, die Sünden und schändliche Taten vermeiden und nur kleine tadelnswerte Fehler begehen, so zeigt dein Herr großzügige Vergebung. Er kennt euch allzu gut, als er euch aus der Erde hervorbrachte und als ihr als Embryos in den Bäuchen eurer Mütter verweiltet, also erklärt euch nicht für schuldlos. Er weiß bestens, wer unter euch gottesfürchtig ist.“ (53:32)

     

    Der Inhalt dieses Verses besagt, dass jene die kleine Fehler begangen haben, sich nicht als schuldlos betrachten sollen. Sie sollten achtsam sein und nicht übermütig und Opfer ihres eigenen Egoismus werden und so tun als seien sie die Besten, wo doch nur Allah weiß, was wirklich in ihren Herzen vorgeht. Und demnach bezieht sich dieser Vers nicht auf den Propheten (ص), der überhaupt keine Fehler hatte, sonst hätte Allah ihn mit dem Vers direkt angesprochen, wie es sonst der Fall war, wenn er zu ihm oder über ihn sprechen wollte. Und deswegen ist dieser Vers nicht mal annährend ein Beweis für die Aufrechterhaltung der Behauptung, der Prophet (ص) wäre ein Sünder gewesen.

     

    Weiterhin erwähnt Allah (swt) im Koran-Vers 33:33, dass die Ahl ul-Bait des Propheten (ص) vollkommen rein und tadellos sind, also können wir doch daraus schließen, dass Allah selbst die Reinheit des Propheten bestätigt und so ist es in Übereinstimmung mit dem oben erwähnten Vers, der besagt, dass nur Allah bestens weiß, wer der Beste und Reinste ist. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass der Prophet das Oberhaupt der Ahl ul-Bait ist, und wenn die Ahlu ul-Bait vollkommen rein sind, dann ist es der Prophet (ص) selbstverständlich auch.

     

    Ein anderer Leser schrieb mir, wir würden uns mit den Propheten und Gesandten durch ihre Sünden identifizieren bzw. auf ihre Sünden schauen und unsere eigenen Sünden mit denen ihrer vergleichen!

     

    Diese Behauptung ist völlig widersinnig. Wir identifizieren uns keineswegs mit den Propheten durch ihre Sünden, sondern eher mit ihrem Leid, das ist ein großer Unterschied. Leid erfordert Geduld in Zeiten der Drangsale und der Not, um die durchlebte Qual zu überstehen. Alle Propheten und Gesandten (möge Gott sie segnen) erlitten großes Leid aufgrund ihrer Stellung als Vertreter des Allmächtigen Allah (swt). Wir identifizieren uns damit und bleiben in schwierigen Zeiten standhaft. Die Propheten sündigten nicht, sie litten vielmehr. Die Gnade von Gott besteht nicht darin, wie der oben erwähnte Leser angibt, dass die Propheten und Gesandten sündigen, sondern dass sie gesandt wurden, um uns Allahs Botschaft mitzuteilen. So waren sie in ihrer Mission keine Könige oder Hohepriester, die sich nicht mit der unterdrückten Masse identifizieren könnten. Schauen wir uns in diesem Zusammenhang den großen Gesandten Allahs Moses an, dessen ganzes Leben ein einziges Wunder war. Das Leid, das Moses (ع) ertragen hat, erzeugte in den anderen Anhängern eine innere Ruhe und Standhaftigkeit, die sie in Zeiten großer Nöte unter der Unterdrückung des Pharao verstärkte.

     

    Dem Gesandten Allahs (swt) Mohammed erging es dabei nicht anders als er am Kopf geschlagen und sein Kiefer schwerwiegend verletzt wurde. Er musste Hunger, Zurückweisung, Boykottierung, Verspottung, Verlockungen, Kriege und Aufruhr seitens der Ungläubigen, Argwohn und Missgunst seitens einiger seiner heuchlerischen Gefährten und Verrat ertragen und letztendlich nach seinem Tode litt er ebenfalls aufgrund der Massaker an seiner Familie. Diese Aussage wird auch von der authentischen Überlieferung untermauert: „Kein Prophet litt je soviel wie ich gelitten habe.“ Hier wird darauf hingewiesen, wie sein eigenes Fleisch und Blut, seine Familie, die er mehr als sich selbst liebte, nach seinem Tode behandelt werden, ganz zu schweigen von den harten Umständen denen er selbst während seiner Lebenszeit ausgesetzt war. Und genau diese Art des Leidens ist es, die uns dazu bewegt, uns mit den Propheten zu identifizieren, nicht ihre Sünden!

     

    Außerdem hält diese Argumentation einer näheren Betrachtung nicht stand, denn sie lässt sich nicht mit dem „Vorbild-Prinzip“ vereinen, das Allah im Koran erwähnt: „Wahrlich, ihr habt im Gesandten Allahs ein ausgezeichnetes Vorbild, für jene, die Allah und den letzten Tag ersuchen und die Allah viel gedenken“ (Koran 33:21), womit uns nahe gelegt wird, uns in unserem Leben nach diesem vorzüglichem Vorbild zu richten. Daher kommt auch das Wort Sunna – die Gepflogenheiten und Überlieferungen des Propheten. Und wenn dieses Vorbild verdorben sein soll (möge Allah uns vergeben), wie können wir uns danach richten und entfalten? Wir würden dann nie in der Lage sein, unsere Fehler zu beheben und uns zum Besseren weiterzuentwickeln!

     

    Ein anderer Glaubensbruder sagte, Mensch zu sein heißt Sünder zu sein. Sünde sei ein untrennbarer Teil des Menschen. Ich finde die Tendenz unter Muslimen, Schiiten und Sunniten gleichermaßen, den Propheten Mohammed (ص) beinahe als eine Art unfehlbaren Halbgott zu betrachten höchst fragwürdig.

     

    Zuerst möchte ich diesbezüglich hier festhalten, dass Muslime an der Unfehlbarkeit der Engel glauben. Denn sonst könnte man unter anderem die Gültigkeit des von Engel Gabriel übermittelten Korans anzweifeln, oder die Engel, die unsere Taten aufzeichnen, dass diese falsche Dinge schreiben und auch der Engel des Todes könnte das Leben der falschen Person nehmen! Allah sagt im Koran: „…die Engel verletzen nicht die Anweisungen Allahs und tun das, was ihnen beordert wurde.“ (66:6)

     

    Wenn wir darin übereinstimmen, dass Engel unfehlbar sind und wenn man die obige Aussage „Mensch zu sein heißt Sünder zu sein“ vertretet, dann betrachtet man Engel entweder als Götter oder Halbgötter (?!) (möge Allah uns davor hüten). Deswegen ist die obige Aussage falsch. Ich gebe hier nur ein Beispiel von unfehlbaren Wesen, die nichts anderes sind als die Geschöpfe Gottes. Sie sind weder Gott noch Beinahe-Gott noch Halbgott, und dennoch unfehlbar.

     

    Engel sind programmiert und arbeiten wie einwandfreie Computer. Sie können nicht gegen die Anweisungen Allahs handeln. Propheten jedoch sind keine Engel. Sie sind alle „bereinigte“ Menschen. Die „Bereinigung“ durch Allah (swt), wie sie bereits in den erwähnten Versen angesprochen wurde, macht sie nicht göttlich, sondern erhebt sie über die Stellung von gewöhnlichen Menschen und erhöht ihre Sensibilität für Sünden.

     

    Der Vorteil der Menschen gegenüber den Engeln liegt darin, dass Menschen frei nach ihrem Willen Gott gehorchen können. Mit anderen Worten: der Prophet hat die Wahl, richtig oder falsch zu handeln, aber er entscheidet sich immer für das Richtige und so ist er unfehlbar, trotz seiner Entscheidungsfreiheit. Ein Mensch kann Fehler machen, aber er muss es nicht. Wenn wir Fehler machen, basiert es nicht darauf, dass wir dazu bestimmt sind, sondern auf unsere Torheit, Ignoranz und unseren Mangel an Wissen oder weil wir unsere weltlichen Gelüste nicht kontrollieren können. Menschen die glauben, ein Mensch müsse Fehler machen, um ein Mensch zu sein, projizieren ihre eigene Schwäche auf alle anderen und verallgemeinern diese Haltung. Sie folgen ihren Gelüsten und sind neidisch auf andere, die den Willen und die Kraft haben, diesen zu widerstehen.

     

    Gemäß dem Koran ist die menschliche Kapazitätsgrenze viel höher als bei Engel, (und natürlich kann sie andererseits bis unter der Kapazitätsgrenze der Tiere sinken!). Der Koran legt dar, dass alle Engel sich vor dem Propheten Adam (ع) niedergeworfen haben. Das ist ein Beweis dafür, dass Propheten eine höhere Stellung als Engel haben. In der Tat, die „besten“ Menschen (hinsichtlich der Taqwa [Gottesfürchtigkeit, -verehrung]) sind die besten aller Geschöpfe, und sind für Allah die ehrenhaftesten. Man erinnere sich an das Mi’raj Ereignis, bei dem nur der Prophet an Orten am Himmel gelangte, aber der Engel Gabriel nicht hingelangen konnte. Dann sagte Gabriel zum Propheten (ص), er könne nur bis dahin und nicht weiter vordringen, sonst würde er verbrennen.

     

    Hier sei nur am Rande bemerkt, dass Satan kein Engel war. Er war von den Jinn (unsichtbare Geschöpfe). Dies bezeugt auch der Koran an der Stelle, an der die Aussage vom Satan zitiert wird als er aufgefordert wurde, sich vor Adam niederzuwerfen: „Da Du mich aus Feuer geschaffen hast“. Die unsichtbaren Geschöpfe (Jinn) sind aus Feuer geschaffen und sind deswegen keine Engel. Die Jinns haben wie die Menschen die Wahl, den richtigen oder falschen Weg zu gehen und werden am Tage des Jüngsten Gerichts für ihre Taten zur Verantwortung gezogen.

     

    Ein anderer Muslim sprach von einem religiösen und nicht-religiösen Lebensteil des Propheten. Es bestehe die Gefahr, dass Muslime, um Gott zu gehorchen, den Propheten bis ins feinste Detail imitieren, wenn sie tatsächlich daran glauben, dass alles, was der Prophet gemacht hat, auf Befehl Gottes folgte!!! Dass sie sich sogar hinsichtlich des Essens und Trinkens nach ihm richten würden,…

     

    Meine Antwort darauf ist, dass alle Handlungen des Propheten eine Gottesverehrung waren. Sogar seine Mahlzeiten, sein Schlaf, etc. waren eine Art Gottesverehrung, deswegen gab es keinen nicht-religiösen Teil im Leben des Propheten (ص). Alles was er tat, war in vollkommener Übereinstimmung mit Gottes Wünschen und Anweisungen. Religion beschränkt sich nicht nur auf die Festlegung von Pflichten und Geboten. Viele Handlungen des Propheten fallen unter die Kategorie „Mustahab“ (empfohlen) bzw. „Mubah“ (erlaubt).

     

    Darüber hinaus wird von niemandem verlangt, alle Handlungen des Propheten zu imitieren. Wenn man isst, was der Prophet bevorzugte, geht das in Ordnung und niemand wird ihn deswegen tadeln, es sei denn er behauptet, man solle nur das essen, was der Prophet auch gegessen hat. Aus religiöser Sicht obliegt uns Gehorsam gegenüber dem Propheten dann, wenn er uns gebietet, etwas zu tun oder zu unterlassen, ungeachtet davon ob wir den bestehenden religiösen Zusammenhang erkennen oder nicht. Im Grunde genommen sind alle Anweisungen und Untersagungen des Propheten ein untrennbarer Bestandteil der Religion. Auch seine Entscheidungen in Sachen Rechtsfragen (Ijtihaad) übereinstimmten in vollkommener Weise mit Allahs Wunsch, schließlich versah Allah ihn mit einem vollkommenen Verstand. Was auch immer dem Propheten durch den Sinn ging, war eine Anordnung Gottes und damit auch ein Teil der Religion. Und dieser erfundenen Überlieferung über den Rat im Ackerbau sollte nicht länger Aufmerksamkeit geschenkt werden.

     

    Hinsichtlich der Nahrung ist alles „halal“ (erlaubt), sofern nicht der Prophet bzw. der Koran es definitiv verboten hat, wie z.B. das Schweinefleisch. Ebenso ist jedes heutzutage neu eingeführte Produkt auch dann „haram“ (verboten), sobald es einige Inhaltsstoffe aus unerlaubten Quellen beinhaltet.

     

    Daraus leiten wir ab: Wenn der Prophet  etwas Bestimmtes nicht aß, es aber auch nicht verbot, können wir es essen, weil wir seine allgemeine Regel befolgen, dass alles halal ist, was nicht haram ist. So verhält es sich auch, wenn er etwas Bestimmtes bevorzugte, jedoch nicht erwähnte, dass es zu essen obligatorisch ist. Es wird nicht zur Pflicht eines jeden Muslims es zu essen. Infolgedessen wird die Bevorzugung des Propheten etw. Bestimmtes zu essen nicht als eine Anleitung des Propheten betrachtet, wie fälschlicherweise oft interpretiert wird. In der Religion gibt es viele Dinge, die weder obligatorisch noch verboten sind, und bei denen wir die Wahl haben sie zu tun oder zu unterlassen. Was der Prophet aß, könnte als empfohlen gelten und nicht obligatorisch, sofern nicht anders vorgegeben.

     

    Bezüglich des Verses: „Noch spricht er was aus eigenem Sinn, es ist nur eine Offenbarung, die offenbart wird“ (Koran 53:3-4), schrieb mir ein Glaubensgenosse, dass damit der Koran gemeint ist. Die heidnischen Araber beschimpften den Propheten, er wäre verrückt, und legten die Koran-Offenbarung als Machenschaften des Propheten ab. Der Vers bedeutet, dass die Koran-Verse, die der Prophet verkündet, nicht seine eigenen sind, sondern wirklich eine Offenbarung. Wenn alles, was der Prophet sagte oder tat eine Offenbarung ist, was ist dann der Unterschied zwischen dem Koran und den authentischen Überlieferungen?

     

    Antwort: Weder der oben erwähnte Vers noch die umgebenden Verse legen sich begrifflich fest. Das Wort „Koran“ wird weder in den obigen Versen noch in den Versen danach erwähnt und deshalb ist diese Argumentation nicht stichhaltig, zumindest aus der Sicht des Korans. Der Vers 53:3 spricht ausdrücklich über die „Rede“ des Propheten und nicht unbedingt über den Koran. Und die Regel, die im nächsten Vers erwähnt wird, bezieht sich auf alle seine Reden. Die heidnischen Araber kritisierten den Propheten nicht bloß hinsichtlich des Korans, sondern auch hinsichtlich seines Anspruchs auf Prophetentum und seine Lehren und Ideen.

     

    Der Koran und die authentischen Überlieferungen stammen beide von derselben Quelle, nämlich von Allah, der Unterschied liegt jedoch darin, dass

    – der Koran 100% verlässlich ist (d.h. er wurde nicht verfälscht und seine Authentizität wird nicht in Frage gestellt) aber nicht gut verständlich (d.h. er bedarf größtenteils einer Auslegung)

    – die Überlieferungen nicht 100% verlässlich sind, und gut verständlich (bedürfen keiner weiteren Auslegung).

     

    Der Koran ist nicht gut verständlich, weil die meisten darin enthaltenen Verse mehrdeutig sind und nur „jenen, die sicheres fundiertes Wissen haben“ (bzw. der Prophet und seine Ahl ul-Bait) seine tiefe Bedeutung zugänglich ist. Zudem legt der Koran die allgemeinen Regeln fest. Aus diesen und vielen anderen Gründen kann er nicht als einzige Anleitungsquelle betrachtet werden. Er braucht einen Exegeten und hier spielen die Überlieferungen eine wesentliche Rolle. Authentische Überlieferungen helfen uns, den Koran zu verstehen. Allah sagte im Koran:

     

    Er hat euch das Buch herab gesandt, darin sind manche klaren Verse, diese sind die Essenz des Buches, und andere sind mehrdeutig, aber jene, die in ihren Herzen krank sind, folgen dem mehrdeutigen Teil, um Streitereien zu entfachen und suchen nach seiner verborgenen Bedeutung, aber keiner kennt seine verborgene Bedeutung außer Allah und jene, die sicheres fundiertes Wissen haben. (Koran 3:7)

     

    Angesichts der Tatsache, dass wir den Propheten (oder seine Gefährten) nicht persönlich gesehen haben, können wir nicht von der Authentizität aller Überlieferungen ausgehen, das heißt dass sie nicht „100% verlässlich“ sind. Der wichtige Punkt, der auch die Frage über den Unterschied zwischen der Überlieferung und dem Koran beantwortet: Wenn wir zu Lebzeiten des Propheten eine Überlieferung aus dem Munde des Propheten (ص) gehört hätten, dann wäre diese Überlieferung für uns genauso bindend wie der Koran, und wir könnten den Koran nicht diesem Hadith vorziehen. Im Gegensatz, eine persönlich gehörte Überlieferung ist für unser beschränktes Auffassungsvermögen dem Koran vorzuziehen, da die meisten Verse des Korans mehrdeutig sind und die Überlieferung, die wir vom Propheten gehört haben klar und deutlich ist. In vielen Fällen enthalten Überlieferungen Erklärungen über die Ausnahmen der allgemeinen Koranregeln, und deswegen scheinen sie auf den ersten Blick in Widerspruch zum Koran zu stehen.

     

    Da wir jedoch nicht persönlich die Überlieferungen vom Propheten gehört haben (oder seinen wahren Nachfolgern) müssen wir seine Dokumentation bzw. die Erzählerkette verfolgen und die Anzahl ähnlicher Erzählungen zu einem bestimmten Thema überprüfen, um die Stichhaltigkeit dessen festzulegen, was dem Propheten (ص) zugewiesen wird. Eine Überlieferung muss u. a. folgende Kriterien erfüllen, um als authentisch klassifiziert zu werden:

     

    – Sie darf nicht den allgemein bekannten Konzepten des Korans widersprechen

    – Sie darf nicht mit den bereits anerkannten Überlieferungen in Widerspruch stehen

    – Die Übermittler der Erzählerkette müssen rechtschaffene und aufrichtige Menschen sein

     

    Dennoch betrachten viele Sunniten die Aufrichtigkeit der Erzähler nicht als ein maßgebliches Kriterium. Sie übernehmen eine Überlieferung von jedem, der den Propheten (ص) gesehen und behauptet hat Muslim zu sein.

    Der Glaubensgenosse fragte dann: Wenn die Rede des Propheten die buchstäblichen Worte Gottes sind, warum sind sie dann nicht im Koran enthalten?

     

    Nicht alle, sondern nur manche Überlieferungen sind die buchstäblichen Worte Gottes wie zum Beispiel der Hadith Qudsi (Heilige Überlieferung). Aber auch diese sind nicht Teil des Korans. Manche Überlieferungen sind die Anweisungen Gottes, die vom Engel Gabriel übermittelt wurden und sind somit die indirekten Worte Allahs. Sie kommentieren über die Verse des Korans und wurden gleichzeitig mit diesen Versen zusammen übermittelt, aber nicht als Teil des Korans. Die restlichen authentischen Überlieferungen sind Erklärungen oder zusätzliche Informationen und Anweisungen, die Allah direkt in das Herz des Propheten eingab und sind somit die indirekten Worte Gottes. Dies schließt auch seine Entscheidungen von Rechtsfragen (Ijtihaad) und alles was ihm in den Sinn kam mit ein.

     

    Deshalb sind einige Überlieferungen die buchstäblichen und andere die indirekten Worte Gottes und aus diesem Grund entweder Offenbarung oder Eingebung und sind alle von Allah. Der Prophet sagte nichts aus eigener Laune heraus. Der Grund, dass sie nicht Teil des Korans sind, ist weil sie es nicht sein sollen! Oder auf den Punkt gebracht: Der Koran ist eine kompakte Datenbank mit zeitlosen Informationen. Ein Hadith ist spezifischer und liefert mehr Einzelheiten und Kommentare über die Koran-Gebote, ohne die der Koran nicht richtig verstanden werden würde.

     

    Schlussfolgerung

     

    Abschließend lenke ich wieder das Augenmerk darauf, dass es der Vernunft nicht zugänglich ist, dass Allah (swt) „sündige“ Propheten und Gesandte an die Menschen sendet, um sie auf den richtigen Weg zu führen! Das würde doch bedeuten, dass Allah (swt) Sündhaftigkeit akzeptiert! Warum verbietet Er sie dann?

     

    Allah und seine Engel senden ihre Segen an den Propheten: oh ihr Gläubigen, bittet für seinen Segen und wünscht ihm Frieden in aller Ehrerbietung. (Koran 33:56)

     

     

    Quelle: http://www.al-islam.org/encyclopedia/

     

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    Quelle: http://www.al-shia.de/artikel/unfehlbarkeitderpropheten3.htm