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    Die Unfehlbarkeit in den diesseitigen Aspekten (Teil 2): Die Zeugenaussagen der Imame

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    Wenn die Propheten die Zeugen über die Geschöpfe am Tage des Gerichts sind, wer ist dann der Zeuge über die Gemeinschaft, wenn diese ihren Propheten verliert, so wie es in der heutigen Zeit der Fall ist?

     

    Die Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) ist der Auffassung, dass der Zeuge in diesem Fall der fehlerlose Imam ist, der ein rechtmäßiger Nachfolger des Propheten ist, so wie es er heilige Qur’ān selbst beschreibt.

     

    وَكَذَلِكَ جَعَلْنَاكُمْ أُمَّة ً وَسَطا ً لِتَكُونُوا شُهَدَاءَ عَلَى النَّاسِ وَيَكُونَ الرَّسُولُ عَلَيْكُمْ شَهِيدا

     

    Und so machten Wir euch zu einer mittleren Gemeinschaft, auf dass ihr Zeugen sein möchtet über die Menschen, und der Gesandte möge ein Zeuge sein über euch[1]

     

    Die Kernfrage hierbei lautet, was unter der „mittleren Gemeinschaft“ zu verstehen ist.

     

    Die Exegesen, welche sich nicht zur Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) bekennen, sehen die „mittlere Gemeinschaft“ als die gesamte muslimische Gesellschaft an, welche als Zeugen gegen die restlichen Gemeinschaften auftreten werden und der Gesandte Gottes Muhammad (s.) wird Zeuge über sie (der muslimischen Gemeinschaft) sein. Die fehlerlosen Imame der Ahl al Bayt (a.) jedoch interpretieren die „mittlere Gesellschaft“ nicht als die gesamte muslimische Gemeinschaft und erachten es als unmöglich, dass die gesamte muslimische Gemeinschaft als Zeugen gegen andere Gemeinschaften geladen werden, so wie andere Rechtsschulen dies behaupten. Imam al-Sādiq (a) bestätigt diesen Aspekt in aller Deutlichkeit:

     

    Von al-Zubayri wird überliefert, dass Imam al-Sādiq (a.) sagte: „Ist es etwa möglich, dass jemand, dessen Zeugenaussage im Diesseits nicht einmal eine geringe Menge von Datteln wert ist[2], Allah (t.) seine Zeugenaussage am Tage des Gerichts gegenüber den restlichen Gemeinschaften annimmt? Nein, dies verlangt Allah (t.) nicht von seiner Schöpfung.“[3]

     

    Mit der „mittleren Gemeinschaft“ ist damit nur ein Teil der Gemeinschaft gemeint und nicht die Gesamtheit, so wie es auch in anderen Versen des heiligen Qur’ān deutlich wird.

     

    إِذْ جَعَلَ فِيكُمْ أَنْبِيَاءَ وَجَعَلَكُمْ مُلُوكا

     

    als Er aus eurer Mitte Propheten erweckte und euch zu Königen machte[4]

     

    Ein weiterer Beweis dafür, dass nur ein Teil der Gemeinschaft gemeint sein kann, ist, dass viele Menschen aus der Gemeinschaft nicht über die Erkenntnisse und Philosophie der Taten verfügen und damit nur das Bild der Tat kennen. Dies ist natürlicherweise für den Rang eines Zeugen ungenügend, denn der Zeuge muss die Wahrheit hinter der Tat durchschauen, sowie den Glauben kennen und wissen, ob es Glaube oder Unglaube ist. Es ist die Kenntnis über all jene Aspekte, welche sich den empirischen Sinnen entziehen und was die Herzen verbergen, denn dies ist der Maßstab, nach dem Allah (t.) den Menschen richtet.

     

    وَلَكِنْ يُؤَاخِذُكُمْ بِمَا كَسَبَتْ قُلُوبُكُمْ

     

    allein Er wird Rechenschaft von euch fordern für eures Herzens Vorbedacht[5]

     

    Es reicht nicht aus, dass der Mensch lediglich die Tat sichtet und damit den Rang eines Zeugen gemäß dem heiligen Qur’ān erhält, denn es kann sein, dass eine Person betet, sich jedoch Heuchelei in seinem Herzen befindet und das Gebet nicht angenommen wird. Dieser Aspekt verdeutlicht uns, dass es damit zwangsläufig Menschen geben muss, die über dieses Wissen verfügen und damit den Rang eines Zeugen einnehmen können. Sie müssen die Wahrheit hinter den Taten eines Menschen kennen, also die verborgenen Aspekte der Taten, der sich den sinnlichen Erkenntnissen entzieht. Hinzu kommt, dass ein Zeuge ehrlich, gerecht, gottesfürchtig und vertrauenswürdig sein muss und dies trifft nicht auf die gesamten Menschen zu, welche zu der Gemeinschaft der Muslime zählen. Wie sollen diese dann als Zeugen gegen andere Gemeinschaften geladen werden?[6]

     

    Wer sind jedoch diejenigen, welche als Zeugen geladen werden und deren Zeugenaussage auch angenommen wird, sodass es als Beweis gegen den Menschen hervorgebracht wird?

     

    Von Bareed al-Idschli wird berichtet, dass er sagte: „Ich befragte Imam Abi Ja’far al-Bāqir (a.) über den heiligen Vers (mittlere Gesellschaft) und er (a.) antwortete: „Wir sind die mittlere Gemeinschaft und wir sind die Zeugen Allahs (t.) über Seine Schöpfung und die Beweise auf Erden (über sie).“[7]

     

    In einer anderen Überlieferung wird die mittlere Gemeinschaft als diejenige Gemeinschaft bezeichnet, welche im Folgenden Vers angesprochen wurde.

     

    كُنْتُمْ خَيْرَ أُمَّةٍ أُخْرِجَتْ لِلنَّاسِ تَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَتَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنكَرِ وَتُؤْمِنُونَ بِاللَّهِ

     

    Ihr seid das beste Volk, hervorgebracht zum Wohl der Menschheit; ihr gebietet das Gute und verwehrt das Böse und glaubt an Allah[8]

     

    Auch damit ist die Ahl al Bayt (a.) gemeint, denn wie kann es sonst sein, dass die gesamte Gemeinschaft gemeint ist und es befinden sich darin Leute wie Yazid Ibn Mu’āwiya?

     

    So wird deutlich, dass der heilige Qur’ān davon spricht, dass die Propheten und Nachfolger Zeugen über die Taten der Menschen am Tage des Gerichts sein werden. Die Zeugenaussagen beschränken sich jedoch nicht auf die sichtbaren Taten, wie beispielsweise das Gebet und das Fasten, sondern erstrecken sich auch auf die verborgenen Aspekte und der Glaube des Herzens und der Zustand der Seele.

     

    Mit dieser Fähigkeit, nämlich die Überschaubarkeit über die gesamten Taten der Geschöpfe, seien es sichtbare oder verborgene Aspekte, ist es unmöglich, dass derjenige, der über diese Fähigkeiten verfügt, in seinen weltlichen Angelegenheiten Fehler macht oder vergisst. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig, dass der Zeuge, der in das göttliche Gericht geladen wird und als Beweis gegen den Menschen steht, fehlerlos und makellos in sämtlichen Angelegenheiten ist, seien es kleine oder große. So bestätigt sich die Tatsache, dass die Propheten und Imame selbst in den weltlichen Angelegenheiten fehlerlos sind, da sie über eine absolute Unfehlbarkeit besitzen, welche alle Aspekte umfasst.

     

    Was ist jedoch das Mittel, mit dem die Propheten und Imame die Taten der Geschöpfe sehen können? Hierzu gibt es verschiedene Überlieferungen, dazu gehören:

     

    Von Abi Abdillah (a.) wird überliefert, dass er sagte: „Wenn Allah einen Imam erschaffen will, … [bis er sagte] so hört er (der Imam) im Bauch seiner Mutter und wenn er zur Welt kommt, so erstreckt sich ihm eine Säule aus Licht, worin er die Taten der gesamten Geschöpfe sieht.“[9]

     

     

    [1] Der heilige Qur’ān: Sure 2, Vers 143

    [2] Eine arabische Ausdrucksweise dafür, dass die Zeugenaussage dieser Person im Diesseits kein Stäubchen wert ist. Wie soll sie dann im Jenseits akzeptiert werden?

    [3] Siehe: Tafsir Nour al-Thaqalayn, Band 1, S. 113, Hadithnummer 409

    [4] Der heilige Qur’ān: Sure 5, Vers 20

    [5] Der heilige Qur’ān: Sure 2, Vers 225

    [6] Al-Schaykh Ja’far al-Sobĥāni: „Muĥādharāt fi Al-Ilhiyāt“, S. 443

    [7] Al-Schaykh al-Kulayni: „Usūl al-Kāfi“, Band 1, S. 191, Hadithnummer 4

    [8] Der heilige Qur’ān: Sure 3, Vers 110

    [9] Allamah al-Madschlisi: „Bihār al-Anwār“, Band 25, S. 37

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de/prophetentum