islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Die Unfehlbarkeit in der Umsetzung (Teil 3): Analyse der Überlieferungen

    Die Unfehlbarkeit in der Umsetzung (Teil 3): Analyse der Überlieferungen

    Rate this post

     

    Es ist möglich, diese Überlieferungen von zwei Standpunkten aus zu analysieren. Es ist zum Einen möglich, sie auf andere starke Überlieferungen auszulegen oder aber auf den heiligen Qur’ān selbst, um zu schauen, was die reinen Quellen zu diesen Berichten sagen.

     

    3.1   Erste Analyse: ihre Auslegung an starke Überlieferungen

     

    In unseren Quellen existieren viele Überlieferungen und Berichte, welche allesamt den Vorwurf zurück weisen, dass der Gesandte Gottes (s.) und seine reine Ahl al Bayt (a.) vergessen würden oder Fehler begangen haben. Die Anzahl jener Überlieferungen, welche die absolute Fehlerfreiheit bestätigen, dominieren in aller Deutlichkeit die Überlieferungen, welche von Fehlern in der Umsetzung der Religion sprechen. Im Lichte dieser Tatsache ist es vernünftig diejenigen Überlieferungen anzuerkennen, welche vertrauenswürdiger sind, in ihrer Anzahl dominieren und mit anderen authentischen Quellen übereinstimmen.

     

    Von Imam al-Sādiq (a.) wird berichtet, dass der Fürst der Gläubigen Ali Ibn Abi Tālib (a.) hinsichtlich der Eigenschaften eines Imams sagte: „Und davon ist, dass ein Imām vor Sünden geschützt ist, seien diese kleine oder große. Er begeht keine Fehler in seiner Rechtsprechung und Antworten und er vergisst nicht (ist nicht nachlässig) und er wird durch nichts abgelenkt von den Angelegenheiten des Diesseits.“[1]

     

    Von Imām al-Riđa (a.) wird berichtet, dass er sagte: „Wenn Allah (t.) einen Seiner Diener für die Angelegenheiten Seiner Diener auserwählt, so weitet Er ihm die Brust und macht sein Herz als Quelle zur Weisheit. Er erfüllt ihn mit Wissen durch Eingebung, sodass er danach niemals einer Antwort unkundig ist. Er ist fehlerfrei (ma‘`sūm) und geleitet, erfolgreich, er ist befreit von Fehlern und Überschreitungen und Stolperer. Allah (t.) hat ihn auserkoren und mit diesen Spezialitäten ausgestattet, damit er ein Beweis gegen Seine Diener ist.“[2]

     

    Al-Mufađal Ibn `Umar berichtet, dass er Imam al-Sādiq (a.), bezüglich des Wissens des Imāms befragt hat und dass er das Wissen über die (Regen-) Tropfen der Erde hat und dabei in seinem Heim lebt. Da antwortete er (a.): „O Mufađal, Allah (t.) legte fünf Geister in den Gesandten Gottes (s.): der Geist des Lebens, der Geist der Stärke, der Geist der Begierde, der Geist des Glaubens und der Geist der Heiligkeit, welcher das Prophetentum trägt. Als der Prophet (s.) verstarb, wurde der Geist der Heiligkeit zum Imām übertragen. Der Geist der Heiligkeit schläft nicht und verfällt nicht der Nachlässigkeit und wird nicht abgelenkt und ist nicht hochmütig.“[3]

     

    Dazu schrieb al-Schaykh Muĥammad Ĥassan al-Najafi (r.): „Das Resultat (dieser Überlieferungen) lautet, dass ihnen das Vergessen (nachlässig sein) nicht vorgeworfen werden kann, denn die Überlieferungen bestätigen, dass ihre Augen zwar schlafen, nicht aber ihre Herzen. Ihr Zustand beim Schlaf ist gleich ihrem Zustand im Bewusstsein und sie wissen was war und was sein wird – vom Beginn der Zeit bis zum Ende. Sie wurden als Zeugen berufen gegen die Taten der Menschen. Die Engel des Tages und der Nacht waren beim Morgengebet des Propheten (s.) anwesend und sie kamen zu den Imāmen zur Zeit jedes Gebetes und es gab keinen Tag und keine Stunde, außer dass sie nicht unter ihnen weilten. Sie waren ausgestattet mit dem Geist der Heiligkeit, welcher sie informierte und bestärkte.“[4]

     

    Die Frage, welche sich hier nun stellt lautet, wie es denn sein kann, dass der Gesandte Gottes (s.) die Zeit des Morgengebets verschläft, obwohl doch sogar das Nachtgebet für ihn verpflichtend war, ganz zu schweigen von den fünft Pflichtgebeten.

     

    أَقِمِ ٱلصَّلَوٰةَ لِدُلُوكِ ٱلشَّمۡسِ إِلَىٰ غَسَقِ ٱلَّيۡلِ وَقُرۡءَانَ ٱلۡفَجۡرِ‌ۖ إِنَّ قُرۡءَانَ ٱلۡفَجۡرِ كَانَ مَشۡہُودً۬ا٧٨وَمِنَ ٱلَّيۡلِ فَتَهَجَّدۡ بِهِۦ نَافِلَةً۬ لَّكَ عَسَىٰٓ أَن يَبۡعَثَكَ رَبُّكَ مَقَامً۬ا مَّحۡمُودً۬ا٧٩

     

    Verrichte das Gebet beim Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht, und das Lesen des Korans bei Tagesanbruch. Wahrlich, die Lesung des Korans bei Tagesanbruch ist besonders angezeigt.

     

    und wache auf dazu in der Nacht – ein weiteres für dich. Mag sein, dass dich dein Herr zu einem löblichen Rang erhebt[5]

     

    Aus diesem Grund sind die Berichte über das Verschlafen und Vergessen des Propheten (s.) bezüglich des Gebetes mehr als verwunderlich, wie beispielsweise, dass er (s.) aus Nachlässigkeit das Morgengebet verschlafen hat, wie uns folgende Überlieferung zeigt.

     

    Von Abu Ja’far (a.) wird berichtet, dass er sagte: „Der Gesandte Allahs (s.) sprach: „Wenn die Zeit eines verpflichtenden Gebets eintrifft, so gibt es kein Nafila-Gebet, außer dass das verpflichtende Gebet (zuerst) verrichtet wird.“ Der Überlieferer erzählt: „Ich ging nach Kufa und berichtete al-Ĥakam und seine Gefährten darüber und sie nahmen dies von mir an. Daraufhin traf ich Abu Ja’far (a.) und er berichtete mir, dass der Gesandte Allahs (s.) eine Rast (auf einer Reise) einlegte und sagte: „Wer ist es, der uns beschützt“?[6] Da sagte Bilal: „Ich!“ Jedoch schlief Bilal und alle anderen bis die Sonne aufging. Der Gesandte Allahs (s.) sprach: „O Bilal, was hat dich gehindert?“ Er antwortete: „O Gesandter Allahs, derjenige der euer Selbst nahm, hat auch mein Selbst genommen.“ Der Prophet (s.) sagte daraufhin: „Steht auf und wechselt euren Platz an dem euch Nachlässigkeit wiederfahren ist.“[7]

     

    Diese Überlieferung besagt, dass dem Gesandten Gottes und seinen Gefährten die Nachlässigkeit und Achtlosigkeit wiederfahren ist. Die Frage jedoch lautet, wie dies denn sein kann, wo doch der heilige Qur’ān die Nachlässigen und Unachtsamen mit der Strafe des Feuers droht.

     

    وَٱلَّذِينَ هُمۡ عَنۡ ءَايَـٰتِنَا غَـٰفِلُونَ٧أُوْلَـٰٓٮِٕكَ مَأۡوَٮٰهُمُ ٱلنَّارُ بِمَا ڪَانُواْ يَكۡسِبُونَ٨

     

    und die Unserer Zeichen achtlos sind (7) Sie sind es, deren Wohnstatt das Feuer ist, um dessentwillen, was sie sich erwarben (8)[8]

     

    وَٱذۡكُر رَّبَّكَ فِى نَفۡسِكَ تَضَرُّعً۬ا وَخِيفَةً۬ وَدُونَ ٱلۡجَهۡرِ مِنَ ٱلۡقَوۡلِ بِٱلۡغُدُوِّ وَٱلۡأَصَالِ وَلَا تَكُن مِّنَ ٱلۡغَـٰفِلِينَ

     

    Und gedenke deines Herrn in deinem Herzen in Demut und Furcht, und mit Worten – jedoch nicht zu laut – des Morgens und des Abends; und sei nicht einer der Unachtsamen[9]

     

    Wie kann es sein, dass das Siegel der Propheten (s.) nachlässig und achtlos ist, wobei das heilige Buch den Propheten befiehlt, nicht demjenigen zu gehorchen und zu befolgen, der unachtsam ist.

     

    وَلَا تُطِعۡ مَنۡ أَغۡفَلۡنَا قَلۡبَهُ ۥ عَن ذِكۡرِنَا

     

    und gehorche nicht dem, dessen Herz Wir achtlos machten[10]

     

    3.2  Zweite Analyse: ihre Auslegung auf den heiligen Qur’ān

     

    Es ist eindeutig und zweifelsfrei bestätigt, dass die Überlieferungen, welche von der absoluten Unfehlbarkeit des Propheten (s.) berichten (die das Vergessen oder die Nachlässigkeit ausschließen), in ihrer Anzahl und Authentizität deutlich über die Berichte dominieren, welche von Fehlern des Propheten im Gebet berichten. Nehmen wir jedoch an, dass dem nicht so wäre und dass die Anzahl der Überlieferungen, welche von Fehlern sprechen gleich der Anzahl der Überlieferungen ist, welche die absolute Unfehlbarkeit bestätigen. Es soll auch angenommen werden, dass die Berichte beider Seiten in ihrer Authentizität gleich sind. Was ist in solch einem Fall zu tun und welchen Überlieferungen ist mehr Glauben zu schenken und welche sind zu verwerfen? Was sieht die Gesetzgebung in diesem Fall vor, zumal der fehlerlose Imām verborgen und unzugänglich ist?

     

    Die Gesetzgebung führt uns in diesem Fall zu einer Lösung und einem Kriterium, womit entschieden werden kann, welche Überlieferungen anzunehmen sind und welche verworfen werden müssen. Die Berichte werden auf den heiligen Qur’ān ausgelegt, wobei diejenigen Überlieferungen akzeptiert werden, welche vom heiligen Buch bestätigt werden, wohingegen jedoch die Überlieferungen, welche dem Qur’ān widersprechen, allesamt verworfen werden. Auf diese Vorgehensweise deuten die zuverlässigen Aussagen der reinen Ahl al Bayt (a.).

     

    Von Abu Abdillah al-Sādiq (a.) wird berichtet, dass er sagte: „Was von den Berichten nicht mit dem heiligen Qur’ān zu vereinen ist, so ist es eine Fälschung.“[11]

     

    Von Ayyub Ibn al-Ĥurr wird berichtet, dass er Abu Abdillah (a.) sagen hörte: „Alles wird auf den heiligen Qur’ān und der Sunnah ausgelegt und jede Überlieferung, welche nicht mit dem heiligen Buch übereinstimmt, ist verfälscht.“[12]

     

    Von Abu Abdillah (a.) wird berichtet, dass er sagte: „Was mit dem Buch Allahs (t.) übereinstimmt, so nehmt es und was ihm widerspricht, so weist es ab.“[13]

     

    Im Lichte dieser Tatsache ist es vernünftig und erforderlich, diejenigen Überlieferungen anzunehmen, welche mit dem heiligen Qur’ān übereinstimmen und diejenigen Berichte zu verwerfen, welche dem heiligen Buch widersprechen. Die vorangegangenen Analysen machten die Stellung und den Rang des Gesandten Gottes (s.) anhand des heiligen Qur’ān deutlich: Er (s.) ist derjenige, der die höchste Stufe der göttlichen Nähe erreicht hat, er (s.) ist das Mittel, womit Allah (t.) Seine Segnungen und Barmherzigkeit auf Seine Geschöpfe herabsendet, er (s.) war der erste Muslim und damit der erste, der den göttlichen Eid ablegte und er (s.) war Prophet, als Adam noch zwischen Wasser und Erde war. Wie kann jemand, welcher solch höhe Ränge bei Allah (t.) erreicht hat, das Morgengebet verschlafen, zumal seine Augen zwar schlafen, aber niemals sein Herz und seine Seele, welche kontinuierlich Allahs gedenken? Es wird berichtet, dass sogar einige Vorbilder der Nachahmung niemals das Morgengebet verpasst haben, wie kann in diesem Sinne akzeptiert werden, dass der Herr der Schöpfung und das Siegel der Propheten das Gebet verschläft oder unachtsam ist und mehr Gebetseinheiten betet als erforderlich?

     

     

    [1] Allamah al-Madschlisi: „Biĥār al-Anwār“, Band 17, S. 108

    [2] Al-Schaykh al-Kulayni: „Usūl al-Kāfi“, Band 1, S. 202

    [3] Al-Schaykh al-Kulayni: „Usūl al-Kāfi“, Band 1, S.272

    [4] al-Schaykh Muĥammad Ĥassan al-Najafi: „Jawāhir al-Kalām fi Schara’e` al-Islam“, Band 13, S. 72

    [5] Der heilige Qur’ān: Sure 17, Vers 78 – 79

    [6] Gemeint: „Wer ist es, der uns vor dem Verschlafen des Morgengebetes schützt?“

    [7] Al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasā’el al-Shi`a”, Band 4, S. 385 – 386, Bāb 61, Hadithnummer 6

    [8] Der heilige Qur‘ān: Sure 10, Vers 7 – 8

    [9] Der heilige Qur’ān: Sure 7, Vers 205

    [10] Der heilige Qur’ān: Sure 18, Vers 28

    [11] Al-Schaykh al-Kulayni: „Usool al-Kāfi“, Band 1, S. 69

    [12] Al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasā’el al-Shi`a”, Band 27, S. 110, Hadithnummer 12

    [13] Selbe Quelle, Hadithnummer 35

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de/prophetentum