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    Die Vorzüge des Fastenmonats Ramadan

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    Die Vorzüge des Fastenmonats Ramadan
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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.
    O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    …Das Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr euch schützt…“[1]

     

    Wir sind Gott, dem Mildtätigen, für die Gaben dankbar, die Er uns zur Verfügung gestellt hat. Seine Gaben sind unendlich und unzählbar:

    „Und wenn ihr Gottes Wohltaten aufzählen wolltet, könntet ihr sie nicht berechnen.“[2]

     

    Der Prophet (ص) sagte: „Gott hat die ganze Welt für die Menschen erschaffen.“ Gott hat die Berge, Meere, Wüsten, Flüsse und alles Sein nur erschaffen, damit der Mensch daraus Nutzen ziehen kann. Dies bedeutet, dass der Mensch aus islamischer Sicht Ziel und Zweck der Welt ist.

     

    „Gott ist es, Der euch das Meer dienstbar gemacht hat“[3], „und Er hat euch die Flüsse dienstbar gemacht“[4], „…dass Gott euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist“[5]; „In euren Dienst stellte Er die Sonne und den Mond“[6] … Der Mensch ist also der Gipfel der Schaffung, und alles fließt auf ihn zu. Gott hat dem Menschen alles Sein zur Verfügung gestellt, damit er diese Gaben dazu nützt, Gott und die Vervollkommnung anzustreben. So ist die heilige göttliche Essenz Ziel und Zweck der Menschheit, wie auch die Menschheit Ziel und Zweck der Welt ist.
    „Ich habe Dich erschaffen damit Du mich aufsuchst.“ Gott hat dem Menschen alles zur Verfügung gestellt, was er für sein Wachstum und seine Entwicklung braucht. Die Propheten und Gesandten Gottes und die himmlischen Bücher wurden gesandt, damit sie die Rolle der Software für die Rechtleitung erfüllen, während die materiellen Mittel, die uns zur Verfügung gestellt wurden, die Hardware darstellen, die von der erwähnten Software gesteuert werden. All dies wurde entworfen, damit der Mensch wächst und sich verbessert.

     

    Abgesehen von all dem, hat Gott aus Liebe zum Menschen eine Gelegenheit für ihn vorgesehen, bei der er an dieser Rechtleitung Teil haben kann. Er suchte sich einen Monat für diese Gelegenheit aus und nannte ihn Ramadan. Darum sagte der Prophet (ص) über diesen Monat: „Ihr seid an die Festtafel Gottes eingeladen.“ Das bedeutet, dass die Gaben und Bedingungen in diesem Monat dem Menschen besonders dienlich sind; so werden Gottesdienste in diesem Monat um das Mehrfache belohnt und wirken sich entsprechend mehr auf die Entwicklung und Entfaltung des Menschen aus. Es wurde überliefert, dass die Rezitation eines einzigen Qur’anverses gleich der Rezitation des gesamten Qur’an belohnt wird. Ein Zyklus des Gebets gilt so viel wie 70 Zyklen, und selbst das Schlafen und das Atmen gelten in diesem Monat als Gottesdienst und Lobpreisung. Laut dem Propheten (ص) stehen den Menschen die Tore des Paradieses offen, und die Satane sind in Ketten gelegt.

     

    Bedeutet das jedoch, dass Gott den Menschen in allen anderen Monaten die Tore des Paradieses verschließt? Wann sind die Tore des Paradieses verschlossen? Gewiss sind die Tore des Paradieses immer offen, doch dieser besondere Zugang im Monat Ramadan deutet auf besondere Umstände und Gelegenheiten hin, die sich zu anderen Zeiten nicht ergeben. Der Mensch wird zu Gott gerufen, damit er sich in seiner Nähe niederlässt. So wie man beim Eintritt in Gottes Haus, die Moschee, das Weihegewand tragen muss, so muss man auch für das Eintreten in den Monat Ramadan vorbereitet sein. Gott hat ein Land für die Pilgerfahrt ausgewählt, und der Pilger geht zum Gottesdienst in die Heilige Moschee.

     

    Beim Fasten hingegen erweitert Gott seine Stätte auf die ganze Welt; somit kann jeder in Seine Nähe gelangen, egal wo er sich befindet. So wie Gott zur Pilgerzeit alle Menschen zu sich ruft und die Pilger diesem Ruf antworten, muss auch der Fastende diesem Ruf antworten, damit er Gottes Stätte betreten darf. Bei der Pilgerfahrt müssen Gewänder gemieden werden, die verschiedene Farben haben und somit für Unterschiede und Selbstverherrlichung sorgen könnten. Auch der Fastende muss sich von jeder Art der Heuchelei, Selbstverherrlichung und Intrige reinigen, sich allen anderen gleichsetzen und an ihrer Freude und Trauer teilhaben.

     

    In diesem Monat sollten Reich und Arm nebeneinander die göttlichen Gaben nutzen. Die Reichen sollen wie die Armen für eine Weile die Völlerei lassen und fasten. So wird der Fastende geweiht. Der Pilger muss den Pfad des Miqat hinter sich legen und das Weihegewand anlegen, damit ihm der Zutritt erlaubt ist. Auch der Fastende muss den Ruf beim „Miqat“ der Gottesfurcht erhören, damit er eintreten darf, denn im Qur’an steht: „…Das Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr euch schützt…“

     

    Nachdem der Pilger den Weihezustand erlangt hat, ist es ihm erlaubt, das Haus Gottes zu betreten, wo er die Kaaba umkreist und wo die Vorhänge aufgezogen und Kenntnisse offenbart werden. Auch der Fastende erlangt den Weihezustand durch Gottesfurcht, und ihm wird Zutritt zu Gottes Stätte gewährt, wo die Schleier gehoben werden und seine Augen anfangen zu sehen. Er wird seine Vergangenheit bereuen und Gott für seine Sünden um Vergebung bitten, er wird den belebenden Pfad der Gottesfurcht beschreiten, Kenntnisse gewinnen, wachsen und sich entfalten.
    „Und fürchtet Gott; Gott wird euch Wissen geben“[7]

     

    So umkreist er seinen Gott und wird zu seinem speziellen Gast. Sein Schlaf, sein Essen und sein Atmen, sein gesamtes Verhalten werden zum Gottesdienst. Je weiter er den Pfad der Gottesfurcht beschreitet, desto mehr gewinnt er die Fähigkeit, Recht von Unrecht zu unterscheiden:
    „Wer Gott fürchtet, dem wird das Unterscheidende gegeben“.[8]

     

    Er wird niemals in eine Sackgasse geraten. Ein gottesfürchtiger Mensch ist ein mächtiger Weiser, der in den Konflikten des Lebens zwischen Gut und Böse zu unterscheiden weiß, in seiner Weisheit den Weg der Rechtleitung für sich selbst und andere erkennt und die Menschen dazu aufruft. Dieser Mensch hungert nicht nur, sonder er verschließt seine Augen auch vor dem Verbotenen und hütet seine Zunge, wie es der Prophet (ص) vorgeschrieben hat. Er hilft anderen, versucht sie aus ihren Irrwegen zu befreien und ist ihrem Schicksal gegenüber nicht gleichgültig. Der Islam ist eine Religion der Nächstenliebe und Wohltat, wie der Prophet (ص) feststellte: „Helft anderen in diesem Monat, und wenn ihr nicht über die materiellen Mittel dazu verfügt, so könnt ihr die Anderen auf eine trockene Dattel einladen.“

     

    Ich hoffe dass wir alle den besonderen Segen dieses Monats nützen können. Gott schenke allen Muslimen und Dienern des Islam den Segen dieses Monats. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.

     

     

    [1] Sure al-Baqara, Vers 183.
    [2] Sure an-Nahl, Vers 18.
    [3] Sure al-Jathiya, Vers 12.
    [4] Sure Ibrahim, Vers 32.
    [5] Sure Luqman, Vers 20.
    [6] Sure Ibrahim, Vers 33.
    [7] Sure al-Baqara, Vers 282
    [8] Sure al-Anfal, Vers 29.