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    Ein Aufruf an Schiiten und Sunniten zum Dialog: Warum und Wie?

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    Besonders im Irak und in Pakistan hat die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten in den letzten Jahren zugenommen. Es scheint, dass jeden Monat in boshafter Aufrechnung unter den Extremisten auf beiden Seiten viele Schiiten und Sunniten ermordet werden. Viele der Opfer sind während des Gebetes oder in Moscheen getötet worden. Diese Vorfälle täuschen über das reelle Nebeneinander und die Zusammenarbeit von Schiiten und Sunniten hinweg.

     

    Im Irak schätzt man, dass bis zu dreißig Prozent der Ehen zwischen Schiiten und Sunniten geschlossen werden. Die Angehörigen von Gewaltopfern nehmen regelmäßig an gegenseitigen Totengebeten teil. Nach einem Ereignis helfen sich die Gruppen oft gegenseitig. Diese stille Mehrheit muss durch einen Dialog zusammenkommen, um die Terroristen zu bekämpfen, die für diese Ermordungen verantwortlich sind. Im Nachfolgenden sieben Gründe, warum ein Dialog zwischen Schiiten und Sunniten notwendig ist: Theologische Unterschiede zwischen Schiiten und Sunniten sind alt und sollten besser von Gott entschieden werden, da er es am besten weiß und im Qur’an gesagt hat, dass er es ist, der letztendlich über die religiösen Uneinigkeiten richten wird. Das Töten von Schiiten und Sunniten wird jedenfalls nicht diese Diskussion lösen.

     

    Das Prinzip „ kein Druck in Glaubenssachen“ (Qur’an 2, 256) ist nicht nur auf die Verbindung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen begrenzt. Es bezieht sich auch auf muslimische Interpretationen des Islam. Diese Anweisung Gottes dient als Leitfaden dafür, dass eine muslimische Gemeinschaft ihre Interpretation anderen nicht aufzwingt. Aus diesem Grund haben nicht nur Hanafiten und Schafiiten trotz ihrer Unterschiede miteinander zusammengearbeitet, sondern auch Schiiten und Sunniten haben miteinander gelebt und gearbeitet. Wenn Leute sich hinsetzen und miteinander reden, lernen sie einander zu respektieren. Der Dialog erlaubt den Parteien, einander besser dadurch zu verstehen, dass die Teilnehmer direktes Wissen über die verschiedenn Glaubensansichten erwerben, anstatt dass sie sich auf Propaganda und stereotype Bilder verlassen (Qur’an 49, 6-12). Dialog isoliert die extremistische Peripherie.

     

    Es ist eine große Sünde, einen Menschen zu töten. Einen Menschen zu töten, kommt dem Töten der gesamten Menschheit gleich. Indem Schiiten und Sunniten miteinander reden, werden sie fähig sein, Leben zu retten, was dem Retten der gesamten Menschheit gleichkommt (Qur’an 5, 32). Rache ist keine Gerechtigkeit. Aus Rache zu töten ist ungerecht, unmenschlich und unislamisch. Die Rechtfertigung einer Maßregelung durch den Staat, welche der Qur‘an bei einem Kapitalverbrechen erlaubt, bezieht sich nicht auf Einzelne, welche das Gesetz in ihre Hände nehmen oder eine unschuldige Person aus Rachesucht töten. Der Aufruf „Auge um Auge“ heißt nicht: ein unschuldiges Auge für ein unschuldiges Auge. Selbst wenn sich einige Schiiten und Sunniten miteinander für verfeindet halten, fordert uns der Qur’an dazu auf, sogar gegen unsere Feinde gerecht zu sein;

     

    „Oh die ihr gläubig seid! Steht standhaft vor Gott als ein Zeugnis gerechten Handelns und lasst den Hass anderer nicht zu euch, damit ihr nicht vom rechten Weg abkommt und euch von der Gerechtigkeit trennt. Seid gerecht, das steht der Frömmigkeit näher, und fürchtet Gott, denn Gott ist alles, was ihr tut, wohl bekannt.“ (Qur’an 5:8)

     

    Einige Erwägungen für den Dialog: Sowohl die schiitische als auch sunnitische Gesellschaft ist vielfältig. Es gibt unter den schiitischen Gruppe viele Unterschiede. Deshalb ist es wichtig, dass aus dem Dialog zwischen Schiiten und Sunniten eine Bewegung und ein Prozess durch die Gesellschaft wird, anstatt dass jeder auf einen Superdialog wartet, der Ergebnisse auf Führungsebene hervorbringt. Hier sind einige vorläufige Gedanken darüber, wie ein Dialog zwischen Schiiten und Sunniten auf beiden Seiten nützlich sein kann. Ziele des Dialogs: Obwohl ich den Dialog für einen Prozess halte, der für alle nützlich ist, ist es notwendig, dass jeder, der daran beteiligt ist, etwas von seinem fühlbaren Nutzen erkennt.

     

    Es folgt nun ein Satz erreichbarer Ziele für den schiitisch- sunnitischen Dialog: Entwicklung einer Agenda mit gemeinsamen Anliegen Erkennen von Konfliktpunkten Herausgabe gemeinsamer Fatwas (religiöses Rechtsurteil) gegen das Töten Isolation von Extremisten auf beiden Seiten Verhüten eines möglichen Konfliktes oder Schlichtung bei einem existierenden Konflikt Bildung, um gegenseitige Stereotypen aufzuklären Errichten von gemeinsamen Arbeitseinheiten zum Lösen offenstehender Punkte Wer soll an dem Dialog teilnehmen? Imame und Personal von Moscheen Schüler der Theologie-Hochschulen Universitätsstudenten Religiöse Führer auf nationaler Ebene Schiitische und sunnitische Medienvertreter Schiitische und sunnitische Geschäftsleute Mechanismus des Dialogs: Der Dialog ist ein Prozess, der sich auf allen Gesellschaftsebenen vollziehen sollte.

     

    Im Pakistan der 1960-er Jahre, als die Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten wesentlich unbedeutsamer gewesen waren, veranstalteten städtische Beamte gemeinsame Versammlungen von schiitischen und sunnitischen Führern, um Pläne für Muharram zu entwerfen, damit verwirrende Zustände nicht in Gewalttätigkeiten ausarten konnten. Diese vom Staat arrangierten Dialoge halfen, die Konflikte auf einem Minimum zu halten. Hinsichtlich des gegenwärtigen Maßes des Misstrauens wird es nützlich sein, wenn die zivile Bevölkerung die Initiative für einen Dialog auf allen Ebenen der Gesellschaft übernimmt. Privater Dialog: Zuerst Abhalten von Diskussionen am Runden Tisch auf der Ebene der obersten Führerschaft. Dies sollte später dazu ausgedehnt werden dass andere durch Arbeit in verschiedenen Komitees mit eingeschlossen wird. Öffentlicher Dialog: Sowohl Schiiten als auch Sunniten besuchen beide öffentliche Foren und Medien, um zu der Hörerschaft des anderen zu sprechen Gegenseitiges Besuchen von Moscheen, um Vertrauen zu wecken und um zu zeigen, dass sie nicht die Extremisten unterstützen, welche die beiden Gemeinschaften voneinander isolieren Schiitisch-sunnitische Abendessen: Moscheen und soziale Verbände sollten schiitische und sunnitische Freunde einladen, um mit ihnen öffentlich zu essen. Veröffentlichung des Dialogs Die Veröffentlichung des Dialogs wird Hoffnung und Vertrauen erzeugen und wird diejenigen stärken, welche gegen die Extremisten sind.

     

    Die Medien sollten Selbstkritik und Selbstbetrachtung durch religiöse Führer fördern. Die Führer, welche an einem Dialog teilnehmen, sollten durch Interviews, Reportagen und Dokumentationen bekanntgemacht werden. Forschungsberichte sollten ausgestrahlt werden, wodurch die Wahrheit hinter der Propaganda von Sekten öffentlich gemacht werden soll. Es ist für die Gesellschaft wichtig, die schiitischen und sunnitischen Führer zu ehren, welche Initiative ergriffen haben und ihre Führerrolle darin zeigen, dass sie an dem Dialog teilnehmen. Sunniten, als Mitglieder der größeren Gemeinde, haben ein größeres Maß an Verantwortung hinsichtlich der Initialisierung eines Dialoges und an dessen Teilnahme zu tragen. Sponsoren des Dialoges: Eine finanzielle Grundlage vereinfacht immer den Anfang eines Prozesses in einer zivilen Gesellschaft. Jede Aufgabe verlangt Zeit und Geld. Während teilnehmende Organisationen und Individuelle ihre Kosten alleine übernehmen können, wäre es sehr lohnend, wenn einige Individuelle und Geschäftsleute mit Spenden den Anfang machen würden, um die Dialoge zu finanzieren und abzuhalten.

     

    Amerikanische Muslime können in Nordamerika, wo es zwischen schiitischen und sunnitischen Gesellschaften keine Konflikte gibt, mit einem Dialog anfangen und dann da, wo Dialoge am nötigsten sind, welche anregen und finanzieren Nach dem Dialog: Dadurch, dass Schiiten und Sunniten Seite an Seite in der muslimischen Welt miteinander leben, sind sie einander nicht unbekannt und wenn man bedenkt, dass die meisten von ihnen nichts mit dem gegenwärtigen Extremismus, der für die Morde und Gewalttätigkeiten verantwortlich ist, zu tun haben, ist es für die gemäßigte Mehrheit wichtig, einige wenige Initiativen aufkommen zu lassen, welche für die Harmonie zwischen Schiiten und Sunniten nützlich ist. Dies könnte in gedruckter Form oder durch andere Medien in Umlauf gebracht werden.

     

    Es sollten folgende Themen diskutiert und/oder die hier hervorgehobenen Methoden verwendet werden: Predigtinhalte, die der Harmonie zuträglich sind Welche Art von Rede kann auf persönlicher Ebene verletzen? Gemeinsamkeiten zwischen Schiiten und Sunniten Gemeinsame Überlieferungen zwischen Schiiten und Sunniten Was ist eine Hassrede? Islamische Toleranzlehre Eine schiitisch- sunnitische Sicherheitskraft, welche vereint für einander die Gebetshäuser bewacht, wird ein bedeutender Schlag gegen die Agenda der Extremisten sein.

     

    Fazit

     

    Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten zerreißt unsere Gemeinschaft. Der Qur’an, der Prophet Mohammad, Friede und Segen sei mit ihm, die Kaaba und die fünf Säulen des Islam sind Schiiten und Sunniten gemein. Deswegen hat in der Geschichte nie jemand versuchte, die Schiiten vom Hadsch abzuhalten, obwohl die Kaaba seit jeher unter der Kontrolle der Sunniten stand. Selbst heutzutage können die Schiiten, obwohl diejenigen, welche sich um die Kaaba kümmern, ein Teil einer vorherrschenden salafidischen Einrichtung sind, welche extrem schlechte Ansichten über Schiiten vertreten, wie andere Mosleme den Hadsch frei ausüben. Gleichermaßen sind Schiiten seit der Iranischen Revolution 1979 von Imam Chomeini dazu aufgerufen, anstatt separat hinter denselben salafidischen Imamen zu beten. Diese gegenseitige Anerkennung gibt uns Hoffnung, dass ein Dialog die Frucht des Friedens und der Harmonie zwischen den beiden Gemeinschaften tragen kann. Der Autor dieses Artikels, Abdul Malik Mujahid ist ein amerikanischer muslimischer Religionsführer und setzt sich für die Beziehungen zwischen den Religionsgruppen ein. Er wurde 1951 in Pakistan geboren.

     

    Quelle: Taghrib.ir