islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Ein Überblick: „Die Religion des Islam“

    Ein Überblick: „Die Religion des Islam“

    Rate this post

     

    Das Buch „Die Religion des Islam“ der bekannten Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel (1922-2003) aus dem Jahre 1990 behandelt den Islam und stellt im Wesentlichen dar, wie er sich von seiner Entstehung bis heute durch verschiedene Strömungen entwickelt hat. In diesem Artikel soll ein Überblick über die behandelten Themen des Buches gegeben werden.

     

    Zu Beginn geht Schimmel auf die abendländische Haltung gegenüber dem Islam ein. Demnach trugen die Einnahme Spaniens aus dem 8. Jh. und die Belagerung Wiens 1683 dazu bei, dass Muslime als die Erzfeinde der Christen betrachtet wurden. Auf der anderen Seite wird der Orient seit Beginn des 18. Jh. auch als „Wunderland“ angesehen, aus dem beispielsweise die Märchen aus 1001 Nacht stammen.

     

    Im Anschluss wird das vorislamische Arabien beschrieben. Angehörige primitiver Stammesreligionen beten dort vor allem bestimmte Steine an. Dadurch entsteht jedoch bei vielen ein Bedürfnis nach einer reinen monotheistischen Religion. Das macht die Araber, so die Autorin, so empfänglich für den Islam.

     

    Sodann wird die Aufgabe Muhammads (saw) als Gesandter Gottes dargestellt. Er ist Warner und Verkünder der Botschaft Allahs. Als solcher ruft er die Menschen zum Islam, also zur Hingabe an den Willen des einen Gottes auf, der ohne Partner ist.

     

    Der Islam breitet sich schnell aus. Doch bereits wenige Jahrzehnte nach dem Tod des Propheten beginnt die Einheit der Muslime zu bröckeln. Als der Prophetenenkel Husayn (ra) beim Machtantritt Yazids versucht, das Kalifat für sein Haus zu gewinnen, wird er am 10. Muharram 680 n. Chr. in der Schlacht von Kerbela getötet. Dieser Tag ist bis heute vor allem bei den schiitischen Muslimen ein wichtiger Gedenktag.

     

    Anschließend geht die Autorin auf den Koran und seine Lehre ein. Dieser stellt das unverfälschte Wort Gottes (Kalamullâh) dar. Auch der Koran beinhaltet eine Schöpfungsgeschichte, wonach Adam (as) und Eva (ra) von den Früchten des verbotenen Baums gegessen haben. Entgegen der christlichen Vorstellung sieht der Islam diesen Vorfall jedoch nicht als Ursünde an, in die die Menschen als Nachfahren von Adam und Eva hineingeboren werden. Der Mensch ist im Islam nach seiner natürlichen Veranlagung (Fitra) rein von Sünden. Den Sünden und dem Unglauben (Kufr) wird er erst im Laufe seiner Entwicklung durch äußere Einflüsse ausgesetzt.

     

    Nach dem Koran wird die Bedeutsamkeit der prophetischen Tradition, die Sunna, behandelt. Diese werden in Hadithen, Überlieferungen, aufrechterhalten. Der Prophet stellt gemäß Sure 54, Vers 7 ein schönes Vorbild für die Gläubigen dar. Seine Gewohnheiten sind eine Auslegung des Korans.

     

    Mit der weiteren Ausdehnung des Islams entstehen weitere Quellen der Rechtsfindung. Koran und Sunna reichen für die zunehmenden Bedürfnisse der Muslime nicht mehr aus. Dieser Umstand führt zur Entwicklung der Rechtsschulen. Die Scharia wird von der Autorin als das Gesetz beschrieben, das die Gesamtheit der Vorschriften in Bezug auf die Handlungen des Menschen darstellt.

     

    Nach der Behandlung von Theologie und Philosophie im Islam, wird auf die Schia und das Sektenwesen eingegangen. Bereits 657 spaltet sich der Islam in zwei Richtungen. Die Parteigänger Alis (ra) bilden die Schia. Bei den Schiiten kommt als Glaubensgrundsatz der Glaube an den Imam als Führer der Gläubigen und wahren Interpreten des Korans hinzu. Dieser kennt auch das Verborgene, zumal der Prophet sein Wissen kurz vor seinem Tod Ali (ra) weitergegeben hat. Zudem lehnen die Schiiten die ersten drei Kalifen ab. Was die islamische Mystik betrifft, gibt es Gruppen, die im Gehorsam und Vertrauen gegenüber Allah weiter als andere gehen. Danach gibt es Gruppen, die selbst Erlaubtes verbieten.

     

    Auf der anderen Seite lehnt die hanbalitische Schule, aus der die sogenannten Wahhabiten stammen, jede Form von Mystik und Heiligenverehrung ab. Das Tragen von Talismanen oder Amuletten zum Schutz vor Krankheiten usw. wird deutlich abgelehnt, denn nur Allah kann einen vor so etwas schützen.

     

    Sodann wird auf die aktuelle Situation (Schimmel starb 2003) des Islams eingegangen. Die Salafiyya sieht die Rechtsschulen heute als überholt an. Die einzigen neu zu interpretierenden Quellen sind Koran und Tradition (Sunna). Dadurch kann sich der Islam ohne weiteres der modernen Zivilisation anpassen. Überdies gibt es auch Stimmen, die eine Vereinbarkeit von Islam und Demokratie betonen.

     

    Schließlich werden die muslimischen Migranten in Europa erwähnt. Diese bringen andere Gewohnheiten und somit auch Probleme mit sich. Es wird auch ein Ausblick für die Zukunft angestellt. Der Islam befindet sich im Wandel. Eine Prognose ist jedoch nicht möglich. Dennoch wird ein Koranvers dafür herangezogen, wonach Gott das Geschick eines Volkes nicht ändert, solange dieses Volk sich nicht selbst ändert: „… Gewiss, Allah verändert die Lage eines Volkes nicht, solange sie sich nicht selbst innerlich verändern…“ (Sure Hudschurât, [13:11])

     

    Annemarie Schimmel, Die Religion des Islam. Eine Einführung, Reclam, Ditzingen; Auflage: 11. Auflage. (1. Juni 2010), ISBN-10: 9783150186596

     

    Quelle: Igmg.de