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    Fälschung der Geschichte in der Fernsehserie „Muawiya, Hassan und Hussein“ (Teil 1)

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    Fälschung der Geschichte in der Fernsehserie „Muawiya, Hassan und Hussein“ (Teil 1)
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    Schon seit vielen Jahren hat die Produktion von Filmen und Fernsehserien mit historischem Inhalt eingesetzt und das Publikum begrüßt  diesen Trend zur Rekonstruktion der Geschichte.

     

    Im Iran sind in den letzten Jahren mehrere Fernsehserien über verschiedene große religiöse Persönlichkeiten wie Jesus, Maria und  Prophet Josef aber auch Imam Ali, Imam Hassan und Imam Resa – gegrüßet seien sie alle – produziert worden. Diese Fernsehreihen fanden ein breites Publikum unter den Muslimen in der Region. Das jüngste Beispiel war die Serie „Mochtarnameh“, die sich mit dem Märtyrertod Imam Husseins a.s. und den darauffolgenden Ereignissen befasst. Diese Serie baut auf zuverlässigen geschichtlichen Quellen auf. Nachdem sie mit Erfolg im iranischen Fernsehen gezeigt wurde, hat man  sie auch über Satellit in anderen Muslimländern  ausgestrahlt. Wegen ihrer zuverlässigen geschichtlichen Grundlagen fand sie ein gutes Echo.

     

    Aber diese erfolgreiche Serie missfiel einigen arabischen Fernsehnetzen in der Region und diese habe eine Serie zu produzieren begonnen, die eine Gegenreaktion auf diese geschichtlich fundierte iranische Filmserie zu sein scheint.

     

    2009 startete die Produktion dieser Serie unter dem Titel „ Muawiya, Hassan und Hussein“ mit Filmarbeiten in mehreren arabischen Ländern. Die Ausstrahlung begann Anfang des diesjährigen Fastenmonats. Diese Fernsehproduktion erhebt den Anspruch, die Geschichte der Islamischen Frühzeit darzustellen. Aber  Verfälschung und  Unzuverlässigkeit der Quellen sind so offensichtlich, dass schon nach Ausstrahlung weniger Teile,  Gelehrte und viele Bürger protestiert haben.

     

    Die Geschichte dieser Serie beginnt bei dem Aufruhr gegen den dritten Kalifen, Uthman Ibn Affan und danach werden die drei aufeinanderfolgenden Epochen, in denen Imam Ali, Imam Hassan und Imam Hussein –  aleihom salam -die geistigen-politischen Führer der Muslime waren, dargestellt. Abschließend erfolgt die Schilderung des Märtyrertodes Imam Husseins in Karbala. Die Produzenten der Filmserie „Muawiya, Hassan und Hussein“ behaupten, sie hätten durch diese Serie Einheit unter den Muslimen hervorgerufen, aber die Serie zeugt nicht dafür.

     

    Das Regiebuch und ein kurzer Blick auf das, was bisher von dieser Serie gezeigt wurde, lassen erkennen, dass hier geschichtliche Wahrheiten verzerrt werden. Die Produzenten haben als erstes versucht, Leute wie Muawiya und Yazid reinzuwaschen. Muawiya und Yazid sind Leute, die im Gegensatz zu der Darstellung in dieser Filmserie,  eindeutig verursacht haben, dass die Islamische Gesellschaft vom Kurs abgeraten ist. Sie haben die Regierung an sich gerissen und den Tod der  beiden edlen Nachkommen des Gesandten Gottes (s.a.a.s.) und Schutzfreunde der Muslime, Imam Hassan und Imam Hussein herbeigeführt.  In dem Film „Muawiya, Hassan und Hussein“ wird  versucht, entgegen den historischen Belegen, die Feindschaft des Muawiya und Yazids gegen die Familie des Propheten zu vertuschen und aus ihnen würdige Persönlichkeiten zu machen, die sie aber nie gewesen sind.

     

    Mohammad Hussein Radschabi Dawani, ein Dozent und Forscher auf dem Gebiet der islamischen und schiitischen Geschichte sagt darüber: „In dieser Serie wird Muawiya, welcher das Kalifat aus der spirituellen Bahn brachte,  positiv dargestellt. Aber keines der  zuverlässigen historischen Dokumente  hat Muawiya je auf diese Weise beschrieben. Die große Untat  seines Sohnes Yazid , nämlich die,  dass er die Tragödie von Karbala , die  zum Märtyrertod Imam Husseins , seiner Verwandten und seiner Helfer führte, hervorrief wird in dieser Fernsehserie weggelassen und ganz offen wird die Geschichte zugunsten einer bestimmte Gruppe und Denkweise verfälscht.“

     

    Außerdem versucht die Fernsehserie „Muawiya, Hassan und Hussein“ unter Zugrundelegung einer Lügengeschichte  die Überzeugungen der Schiiten falsch darzustellen,  Zweifel zu erregen und zwischen den Muslimen zu spalten. Die Produzenten dieser Serie haben aufgrund ihrer Phantasie und einiger weniger unzuverlässigen und geschichtswissenschaftlich nicht fundierter Bücher, die Behauptung aufgestellt, dass eine Person namens Abdullah  Ibn Sabba den schiitischen Glauben begründet habe. Seine Anweisungen hätten zur Entstehung der Schiiten geführt! Aber wer ist diese Person in Wirklichkeit und inwieweit stimmt sie mit dem Bild, das der Regisseur dieser Serie, Abdul Bari Abu al Khair, von dieser Figur  zeichnet, überein?

     

    Laut dem muslimische Geschichtsschreiber Tabari (838–923 n.Chr.) hat zur Zeit des dritten Kalifen Uthman ein Jude namens Abdullah Ibn Sabba den Islam angenommen.  Er habe  sich dann in verschiedene Städte wie Kufa, Scham (Großsyrien), Basra (Irak) begeben, anscheinend um die Religion zu verbreiten und um das Kalifat von Imam Ali a.s. zu verteidigen. Tabari stellt Abdullah Ibn Sabba aber auch als eine Person vor, die die Bevölkerung zum Mord an Uthman aufstachelte.

     

    Tabari stützt sich dabei auf den Bericht des Seyf Ibn Umar, den die Gelehrten und Geschichtsschreiber als unzuverlässig und Lügner betrachten, denn Seyf Ibn Umar hat zahlreiche „Überlieferungen“ frei erfunden und er hat in seinen Büchern Namen von angeblichen Prophetengefährten  genannt, die sonst in keinem anderen Buch stehen, und  er spricht von angeblichen Ereignissen, von denen sonst niemand etwas gesagt hat. Deshalb gilt Seyf Ibn Umar für die Historiker nicht als vertrauenswürdig. Aber es ist verwunderlich, dass Tabari und nach ihm Orientalisten eine Vorliebe für die Geschichten, die von ihm stammen, zeigen. In diesen Geschichten wird die Existenz eines Abdullah Ibn Sabba und seiner abwegigen Ansichten unterstrichen.

     

    Einige Historiker streiten ab, dass es einen Ibn Sabba gegeben hat, aber zuverlässige Dokumente und Überlieferungen der Imame des Islams zeigen, dass es ihn tatsächlich gab. Allerdings geht aus diesen Quellen hervor, dass er abwegige Ansichten vertrat und dass die Großen der Schiiten ihren Abscheu gegenüber ihm erklärt haben. Zum Teil wird er dabei als Abtrünniger, Lügner und Verdammter bezeichnet.  Große Denker wie Scheych Tussi, Alameh Helli  und Ibn Davud gehören zu denen, die ihn offen einen Gottesleugner (Kaafer) nannten  und sich scharf über ihn äußerten.

     

    Dennoch sind einige Religionsgelehrten der Meinung , dass er zu  den wichtigen Personen bei  den Ereignissen in der islamischen Frühzeit gehört. Sie glauben daher, dass er in der Serie „Muawiyeh, Hassan und Hussein“ richtig dargestellt wird. Aber interessant ist,  dass der renommierte schiitische Korankommentator Alameh Tabatabai 1952 in einem Artikel schrieb: „Wenn in den Texten von früheren  Autoren und  Chronisten, die mit Aberglauben vermischte  Geschichte von Ibn Sabba nur kurz auftaucht, so hat sich das ungefähr seit zwei Jahrhunderten völlig geändert und es sind ganze Geschichtsbücher über ihn voll geschrieben worden, ohne das Recherchen über die eigentliche Geschehen in jener Zeit erfolgt wären.“  Tababai führt in diesem Artikel die erfolgten Verleumdungen nicht auf Radikale unter den Sunniten  sondern auf die böswilligen Absichten von Orientalisten und den Verteidigern  des Wahhabitentums  zurück, welche mit imperialistischen Zielen solche Tendenzen schürten.

     

    Viele Historiker und  Gelehrten sagen: selbst wenn es einen Ibn Sabba gegeben hat und er eine abwegige Sekte gründen konnte, so bestehen keiner Verbindungen zwischen ihm und den Schiiten und er ist sogar seitens der Schiiten und ihrer Anführer gemieden und verflucht worden. Dr. Taha Hussein, ein Ägypter, ist davon überzeugt,   dass es ein Verrat an der Geschichte ist, diese Person hochzubringen, weil in den wichtigen zuverlässigen Geschichtsquellen gar nichts über Abdullah Ibn Sabba steht und wahrscheinlich die Feinde der Schiiten absichtlich sein Vorhandensein und seine Maßnahmen großartig aufgebauscht haben.

     

    Im zweiten Teil möchten wir die Reaktionen von muslimischen Gelehrten und Gläubigen auf die oben genannte  beleidigende Fernsehserie behandeln.