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    Gedankliche Grundlagen für die Annäherung

    • Ajatollah Taskhiri
    • http://www.taqrib.info/germany
    Gedankliche Grundlagen für die Annäherung
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    Die Einladung zur Annäherung der religiösen Denkschulen stützt sich auf zahlreiche gedankliche Grundlagen und Prinzipien. Alle diese sind in der Schrift und der Tradition verankert oder ihr Rückhalt besteht in der Beachtung des Wohles der Islamischen Weltgemeinde, einem Punkt, den jeder gesunde Verstand einsieht. Einige von diesen Grundlagen sind:

     

    1-Gemeinsame Grundsätze

     

    Die große Zahl der religiösen Denkschulen zeigt von sich aus, dass die Muslime in Bezug auf einen Teil der scholastischen und religionsrechtlichen Ansichten voneinander verschieden sind. Dies ist das natürliche Resultat der Freiheit zur selbständigen Urteilsfindung (Idschtihad) und der unterschiedlichen, von den erzieherischen Rahmenbedingungen abhängigen denkerischen Deutungen. Aber es darf nicht vergessen werden, dass unsere Glaubensgrundsätze, und die Grundsätze in der Scholastik, dem Religionsrecht und in Bezug auf die Ethik eine sehr große Gemeinsamkeit aufweisen. Einige Religionsgelehrten haben die Gemeinsamkeiten auf 95 Prozent aller Angelegenheiten des Religionsrechtes und sogar des Glaubens beziffert. Und in der Ethik erreicht dieser Anteil fast 100 Prozent.

     

    In Bezug auf die Glaubensgrundsätze, den Glauben an Gott, den Höchsterhabenen, an Seine Eigenschaften, die Aussendung von Propheten und Herabsendung von Schriften, das Paradies, die Hölle, die göttliche Belohnung bzw. Bestrafung von Taten usw. und ebenso in Bezug auf die Forderungen des   Religionsgesetzes wie der tägliche Gebetsdienst, das religiöse Fasten und die Gebetsrichtung, der Hadsch und die Zakkatabgabe und die Anweisung, zum Guten anzuspornen und das Schlechte zu verwehren, denken wir alle gleich und sind derselben Überzeugung. Unterschiede gibt es nur in den sekundären Fragen dieser Dinge, zum Beispiel in Bezug auf die Towhid-i Sefat, Einheit Gottes in Seinen Eigenschaften , die Grenzen der Unfehlbarkeit und Reinheit (Ismat), die Bestandteile der rituellen Wusu`-Waschung u.ä. – Es bildet eine der festen Säulen der Islamischen Einheit und Annäherung der religiösen Denkschulen, sich auf die gemeinsamen Grundsätze und Faktoren im Glauben und im Handeln zu stützen.

     

    2-Grundsatz der Einheit

     

    Der Grundsatz von der Einheit der Muslime und der Bildung der geschlossenen Weltgemeinde ist im Qur`an und in der Tradition des Propheten und der Lebensart der Imame der Muslime verankert. Neben den zahlreichen Qur`anversen und zahllosen Überlieferungen, deren wiederholte Anführung wir hier nicht mehr für nötig erachten, ist auch der Lebensweg und die Art des Amir al Mu`menin Ali und der Reinen Imame (a.s.) für uns ein praktisches Leitbild, dem wir folgen sollten.

     

    Amir al Mu`menin hat – obwohl er mit Sicherheit das Kalifat als sein Recht betrachtete, gesagt:

     

    „Ich befürchtete, falls ich nicht dem Islam und seinen Anhängern zur Hilfe eile, Zeuge der Zerstörung und Spaltung im Islam zu werden und dies war für mich ein größeres Übel als der Verzicht auf das Kalifat und die Regierung über euch. Denn es ist dieser kurze Abschnitt des Lebens auf der Erde, welcher vergeht – so wie eine Fata Morgana endet oder so wie die Wolken rasch auseinandergehen. Deshalb war ich darum bemüht, Unglück abzuwehren, bis das Unrecht vernichtet wurde und die Religion sich festigte.“

     

    Natürlich hat sich dieser Ehrwürdige während der ganzen Zeit, in der die Kalifen regierten, an seinen Eid gehalten. Dass er das Wohl der Islamischen Gesellschaft wollte, die Kalifen mahnte und ihnen aufrichtige Ratschläge anbot, seinen Anhängern erlaubte, Posten in der Regierung zu übernehmen und die Kalifen zu unterstützen usw. …das alles zeigt, dass er die Interessen der Allgemeinheit über seine persönlichen Wünsche stellte.

     

    Diese Vorgehensweise setzt sich in der Lebensweise seiner Söhne Imam Mudschtaba (Hassan) und Imam Hussein und ebenso im Leben des vierten Imams Zeyn-ul Abedin und Imam Baqir (gegrüßet seien sie alle) fort. Ein Beweis dafür ist zum Beispiel das Gebet des vierten Imams für die Ahl-i Thoghur (Leute des Engpasses) in seiner edlen Gebetssammlung oder auch die Tatsache, dass Imam Baqir der Ummayadenregierung bei der Prägung von islamischen Münzen Hilfe leistete.

     

    3-Grundsatz der Bruderschaft und Brüderlichkeit zwischen den Muslimen

     

    Die Verhaltensweise der Unfehlbaren gegenüber Gegnern und ihre Empfehlungen an die Schiiten hinsichtlich eines friedlichen Zusammenlebens und Wahrung der brüderlichen Beziehungen zu beschreiben, würde den Rahmen dieses kurzen Artikels sprengen, aber wir möchten ihn dennoch mit einigen edlen Hadith (Überlieferungen) bereichern.

     

    (Hadith) von Abi Abdullah (aleihe salam):

     

    „Wenn jemand mit ihnen zusammen in der ersten Reihe das Gebet verrichtet, so ist es, als ob er hinter dem Propheten Gottes (s.) in der ersten Reihe das Gebet verrichtet hätte“ (Wassa`il, Bd. 8, Kapitel 5, S. 299)

     

    und auch:

     

    „Eine meiner letzten Empfehlungen lautet, dass ihr gottesfürchtig sein sollt und es nicht so weit kommen lasst, dass diese Menschen euren Rücken besteigen können (d.h. gebt acht, dass ihr nicht von den Menschen dieser Gesellschaft herabgesetzt werdet und sie euch misstrauen); denn Gott hat in Seiner Schrift gesagt: `Sprecht gut mit anderen.`“ Dann sagte er: „Wenn einer von ihnen krank ist, dann besucht ihn. Nehmt auch an ihrer Beisetzung teil. Legt Zeugnis ab, wenn sie sich streiten und betet mit Ihnen zusammen das Gebet in ihren Moscheen.“ (Wassai`l, Bd. 8, Kapitel 5, H. 8, S. 301)

     

    4-Hohe Interessen der Islamischen Ummah

     

    Es besteht kein Zweifel daran, dass die Verhaltensweise des Amir al Mumenein Ali (a.) gegenüber den Kalifen zu seiner Zeit und ebenso die Empfehlungen, welche die Unfehlbaren Imame den Schiiten gaben, abgesehen von all ihren Grundlagen im Qur`an, auch auf einem weiteren Grundsatz beruhten. Dieser Grundsatz war, dass die Interessen des muslimischen Volkes über die persönlichen Interessen und Vorteile und Interessen von Gruppen und sogar von religiösen Glaubensgruppen hinausgehen. In unserer Zeit, in der die Islamische Gemeinde in der gesamten Islamischen Welt von Ostasien bis nach Westafrika, ebenso wie die Muslimminderheiten in den USA selber und in Europa von allen Seiten den Offensiven und den gemeinsamen Angriffen des arroganten Imperialismus ausgesetzt sind, und so zu sagen der Feind dicht neben uns im Hinterhalt hockt, sind nicht Meinungsverschiedenheiten, Streit und gegenseitiges Bemängeln sondern Zusammenschluss, die Einstellung von Streit, Kooperation und gegenseitige Hilfen zu unserem Wohl. Dies ist eine Vorgehensweise, die der Vater der Islamischen Republik Iran, der geehrte Imam Chomeini (Gott heilige seine geläuterte Seele) immer ans Herz gelegt hat, was eindeutig an seinen Fitwas insbesondere über die Gebote des Hadsches und des Gemeinschaftsgebetes u.ä. ebenso wie an seiner Treue zu dieser Vorgehensweise zu erkennen ist.