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    Hadith al-Halila (Teil 1)

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    – Imam Jaafar as-Sadiq (ع) widerlegt den Atheismus –
    übersetzt von Hessam K. und Hanan al-Maschat

     

    Mufaddal bin ‘Umar al-Jau`fi schrieb einen Brief an Imam Jaafar as-Sadiq (ع) und beschwerte sich darin über einige Leute, die dem Atheismus angehörten und untereinander sinnlose Argumente austauschten. Er verlangte vom Imam, dass er die Pseudoargumente der Atheisten widerlegt, wie er es bereits bei früheren Diskussionen getan hatte.

     

    Der Imam antwortete: Im Namen des barmherzigen und gnädigen Allahs. Möge Allah uns rechtleiten, so dass wir stets Seinen Willen ausführen. Dein Brief bezüglich jener Menschen die üble Gedanken unter uns verbreiten, ist bei mir angekommen. Du erwähnst, dass diese „atheistischen Debatten“ und Kontroversen eine Drohung für unsere Religion darstellen und möchtest nun, dass ich darüber ein Buch veröffentliche, um all ihre falschen Gedanken zu widerlegen, wie ich es bereits früher zu tun pflegte.

     

    Lass uns zuerst Allah danken für Seine Segnungen und für Seinen unvergleichbaren Beweis (Hujjat) und für Seine gerechte Prüfung, mit der er sowohl Seine Lieblinge als auch Seine gewöhnlichen Sklaven prüft. Eines der größten und wichtigsten Segnungen Allahs ist die von Ihm in unser Herz gelegte Überzeugung, dass „Er“ existiert. Der Allmächtige schickte uns Sein heiliges Buch, damit unsere Zweifel beseitigt werden. Allah hat all diese Dinge für uns Menschen getan. Diese ignoranten Menschen sind die wahren Verlierer, wenn sie Allahs Existenz ablehnen angesichts all dieser Beweise und Zeichen, die sie umgeben. Der Himmel, die Erde und all die anderen Dinge, bestätigen das Bestehen eines Schöpfers. Die Menschen haben sich selber das Tor zu Verbrechen geöffnet. Ihr genusssüchtiger Wunsch hat die Reinheit ihrer Herzen verdorben. Für ihre Unterdrückung und Tyrannei hat Allah sie verlassen. Der Satan hat die Herrschaft über sie genommen. Allah versiegelt die Herzen der Arroganten und Stolzen.

     

    Es ist sehr verwunderlich, wie jemand, der sich selbst vollkommen perfekt erschaffen sieht, trotzdem die Theorie vom perfekten Schöpfer ablehnt. Seine Körperform, die Perfektion seiner Bauweise und die Verbindung des Körpers mit der Seele, beweist doch die Existenz seines Schöpfers. Ich schwöre bei meinem Leben, das sich diese Männer über all diese Fragen noch keine Gedanken gemacht haben. Es gibt nicht eine einzige Sache, die nicht Allahs Zeichen zeigt. Ich schreibe dir hier einige Argumente auf, worüber ich bereits mit einem atheistischen Arzt aus Indien diskutiert hatte. Er besuchte mich häufig und wir sprachen öfters über seine atheistischen Ansichten miteinander. Eines Tages schlug er auf eine Halila (Myrobalanfrucht) ein und plötzlich kam ihm ein Gedanke.

     

    „Dieses Universum existierte bereits vor der Ewigkeit und wird weiterhin bis zur Ewigkeit existieren. Ein Baum wächst und ein anderes verschwindet allmählich. Eines wird geboren, während ein anderes stirbt und die Verbindung, die sie beide miteinander verbindet, bestand in der Vergangenheit und wird auch zukünftig bestehen. Der Glaube wird weitervererbt durch die Vorväter und die Überlieferungen.“

     

    Fortfahrend mit der gleichen Kraft, fuhr er fort zu sagen: „Die Existenz von unterschiedlichen Dingen in diesem Universum kann nur mithilfe der fünf Sinne wahrgenommen werden. Aber Allah habe ich niemals durch eines der fünf Sinne wahrgenommen und deshalb kann ich nicht an Ihn glauben.“ Als er an diesen Punkt angelangt war, sprach ich (Imam Jaafar as-Sadiq) zu ihm: „Ich werde dir Seine Existenz durch den in dir innewohnenden Instinkt, den jeder Mensch in sich hat, beweisen.“

     

    „Wie kannst du so was sagen?“, erwiderte der Inder. Er sagte: „Der Verstand hat nur Kenntnis von den Dingen, die es mit den fünf Sinnen wahrnehmen kann. Hast du Allah gesehen, Seine Stimme gehört, Seinen Geruch gerochen, Ihn mit deiner Zunge geschmeckt oder Seine Hände oder Füße jemals angefasst? Wie kann man nur an Ihn glauben?

     

    Ich (Imam Jaafar as-Sadiq) fasste seine Argumente zusammen: „Du glaubst also nicht an Allah, weil du Ihn nie durch deine Sinne wahrgenommen hast. Auch ich habe Ihn niemals durch irgendeines der fünf Sinne wahrgenommen. Jedoch ist mein Glaube an Allah genauso stark, wie dein Unglaube an Ihn. Wir können nicht beide Recht haben, stimmst du dem zu?“

    Inder: „Zweifellos. Entweder hast du Recht oder ich.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Wenn du Recht hast, dann gibt es für mich keinen Grund dir weiterhin mit dem Unmut Allahs für deine Ungläubigkeit zu drohen. Aber falls ich recht habe, glaubst du dann nicht, dass du für deinen Unglauben bestraft wirst und ich im Gegenzug belohnt werde?“

    Inder: „Gut möglich.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Sag mir, wer von uns beiden ist klüger.”

    Inder: „Oh. Dein Glauben ist eine Einbildung/Vermutung/Annahme, eine grundlose Behauptung. Meine Sicht ist richtig und ist allgemein bekannt. Ich nehme Allah nicht durch meine Sinne war und deshalb existiert Er nicht.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Da deine Sinne Ihn nicht wahrnehmen können, lehnst du Ihn ab. Im Gegensatz dazu glaube ich an Ihn, gerade weil meine Sinne Ihn nicht wahrnehmen können. Deine Ansichten haben dich zum Unglauben geführt und mich zum Glauben.“

    Inder: „Wie ist das möglich?”

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Die Dinge sind ‚murakkab’ (Zusammensetzung aus verschiedenen Teilen). Jedes Teil besitzt eine Form und Farbe, die unsere Sinne anzieht. Anders gesagt; alles was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, hat eine bestimmte Form und Farbe. Allah besitzt aber keine Form und Farbe! Dein Argument für deinen Unglauben ist dumm, weil Allah überhaupt nicht so sein kann, wie die Dinge, die wir durch unsere Sinne wahrnehmen. Der Allmächtige ist nicht ‚murakkab’. Wenn Er für das Auge oder den anderen Sinnen wahrnehmbar wäre, würde Er den anderen geschaffenen und ‘murakkab’ Dingen gleichen und in diesem Fall wäre Er nicht mehr unser Schöpfer.”

     

    Inder: „So ein Unsinn. Worüber redest du? Ich kann nicht glauben, solange ich Allah nicht durch eines meine Sinne wahrnehme.“

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Für deine Behauptung hast du keine Beweise. Deine Argumente sind somit auf derselben Linie, wie meine.“

    Inder: „Wieso sollen unsere Argumente vergleichbar sein?”

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Du hast mir am Anfang unserer Diskussion vorgeworfen, dass mein Glaube auf Tradition beruhen würde. Das was du über mich gesagt hast, ist nun auf deinen eigenen Gedanken anwendbar. Du bestehst auf der Annahme, dass eine Sache nicht existiert, wenn man sie nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann. Du ignorierst dabei all die Botschaften Allahs, die Er durch seine Propheten und Lieblinge uns übermittelt hat. Sag mir: Hast du jede Ecke dieser Welt besucht?“

    Inder: „Nein. Natürlich nicht.”

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Hast du jemals den Himmel betreten, den du jeden Tag mit deinen Augen siehst? Warst du in den tieferen Schichten der Erde? Hast du die Welt durchquert? Bist du in jedem Meer gewesen oder durch die Atmosphäre geflogen? Um das Bestehen eines Schöpfers zu widerlegen, müsstest du an all diesen Orten gewesen sein.“

    Inder: „Nein. Du weißt, dass ich so was nie gemacht habe.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Wie kannst du dann behaupten, es gäbe keinen Schöpfer, obwohl weder du noch irgendeines deiner Sinne an all diesen Orten waren. Vielleicht lebt Er da.“

    Inder: „Ich weiß nicht, aber vielleicht gibt es jemanden, der mit einer außergewöhnlichen Intelligenz gezeichnet ist und an diesen Orten sich aufhält.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): “Wie? Du erwähnst also die Möglichkeit eines Schöpfers. Anfangs hast du diesen Gedanken eine kategorische Absage erteilt und nun zweifelst du bereits. Vielleicht wirst du doch noch gläubig.“

    Inder: „Meine Zweifel beruhen auf deine Frage über die verschiedenen Orte, die meine Sinne nicht wahrnehmen können. Aber ich kann immer noch nicht richtig begreifen, wie etwas existieren kann, wenn ich es nicht fühlen kann.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Ich werde es dir mithilfe dieser Halila (Myrobalanfrucht) erklären.”

    Inder: „Oh ja. Versuch es mir zu erklären. Die Halila gehört zu den Früchten, die für medizinische Forschungen gebraucht wird und ich kenne mich damit gut aus.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Ich nehme die Halila, weil sie genau vor uns wächst. Ich hätte auch etwas anderes nehmen können, um die Existenz Allahs zu beweisen. Alles was aus verschiedenen Teilen besteht ist geschaffen. Die Schöpfung führt uns zum Schöpfer. Das was war, ist nicht mehr und das was ist, wird von Allah wieder vernichtet. Allah schafft etwas und vernichtet es wieder. Sag mir: Siehst du diese Halila?“

    Inder: „Ja, ich sehe sie.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Kannst du mir auch sagen, was sich in dieser Frucht befindet?“

    Inder: „Nein, kann ich nicht.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Da du mit deinen Augen nicht sehen kannst, was in dieser Frucht ist, dürfte darin auch kein Kern sein.”

    Inder: „Aber wie kann ich das sagen? Aber vielleicht ist da wirklich kein Kern. Ich weiß es nicht.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Glaubst du, dass diese Frucht auch an anderen Orten auf dieser Erde wächst? Existieren noch andere Halilas, die wir mit unseren Augen nicht sehen können?“

    Der Inder überlegte etwas und antwortete: „Nein. Das ist die einzige Halila Frucht auf dieser Erde.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع) bemerkte seine Ignoranz und fragte weiter: „Sag mir: Ist diese Halila das Produkt eines Baumes oder kam es durch sich selber auf diese Welt?“

    Der Inder: „Ich bin nicht dumm zu sagen, die Frucht hätte sich selber geschaffen oder dergleichen. Die Halila ist natürlich das Produkt eines Baums.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Dann glaubst du an einen Baum, den du überhaupt nicht gesehen hast.“

    Der Inder: „Ja.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Hast du die Halila gesehen, bevor sie noch nicht existierte?“

    Der Inder: „Nein. Wie könnte ich das anstellen?“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Dann könnte es sein, dass die Frucht plötzlich von sich aus entstanden ist. Als du den Baum anfangs angeschaut hast, besaß er noch keine Halilas. Später jedoch waren plötzlich Halilas da. Glaubst du, dass diese Früchte aus der Nicht-Existenz auf diese Welt kamen?“

    Der Inder dachte wieder nach und sagte: „Ja. Wieso eigentlich nicht? Ich sage, dass das was die Halila zur Halila gemacht hat, bereits im Baum war, sich später vereinigt hat und zu dieser Frucht geworden ist.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Hast du den Samen gesehen, aus der die Halila entstanden ist?“

    Der Inder: „Ja, das habe ich.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Sag mir: Wie können so viele Sachen in so einen kleinen Samen gelangen?“

    Der Inder: „Ich kann mir das nicht erklären.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Kann es sein, dass die Eigenschaften nicht im Samen enthalten waren, sondern erst hinterher aus dem Nichts dazu kamen?“

    Der Inder: „Ja. Ich glaube nicht, das sie jemand geschaffen hat und du kannst es mir nicht beweisen.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wieso nicht? Wenn ich dir ein Bild zeige, wirst du auch sofort glauben, dass es jemand gemalt hat.“

    Der Inder: „Ja.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wundert es dich nicht, dass diese Halila eine spezifische Farbe, eine spezifische Größe, eine spezifischen Samen und einen spezifischen Geschmack besitzt? Der weiche Teil der Frucht verschmilzt mit dem harten Teil. Die Farben überdecken sich gegenseitig. Eine Schicht überdeckt die andere. Seine Struktur besteht aus zusammen gesetzten Teilchen. Es besitzt eine Haut, die es vor äußere Einflüssen schützt und Wurzeln, die es mit Wasser versorgen.“

    Der Inder: „Wäre es aber nicht besser, wenn der Samen mit Blättern umgeben wäre?“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Allah ist der beste Beurteiler. Wenn es mit Blättern umgeben wäre, wie du es vorgeschlagen hast, würde es nicht genügend Luft abbekommen, um Stärke und Vitalität zu erhalten. Es könnte nicht mehr durch die Kälte beeinflusst werden, die es robust machen. Die Sonne könnte es nicht zum reifen bringen. Es würde verfaulen. Die unterschiedlichen Einflüsse wurden von Allah, dem Allmächtigen, geschaffen um die Frucht zu perfektionieren.“

    Der Inder: „Der Samen in seinem rudimentären Zustand, war weder Kern noch eine Schale. Es besaß weder eine Farbe, noch einen Geschmack. Es war nur eine Flüssigkeit“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Ja, das ist mir bekannt. Wenn Allah nicht die Teilchen in dieser Flüssigkeit gleichmäßig geteilt hätte, wie könnte dann dieses winzige Tröpfchen Wasser ihre jetzige Entwicklungsstufe erreichen?  Wie konnte es seine jetzige Form annehmen? Du musst von einer Entwicklung ausgehen.“

    Der Inder: „Du hast mich überzeugt. Es muss etwas geben, das diese Dinge geschaffen hat. Deine Argumente über das Wachstum der Bäume, ihre Entwicklung und die Beschreibung ihrer Früchte haben mich überzeugt. Aber wieso soll ein Schöpfer das alles erschaffen haben? Wieso können wir nicht sagen, dass diese Dinge aufgrund ihres eigenen Antriebs zur Welt kamen?“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Ihr Design deutet auf eine perfekte Intelligenz hin. Tut es das nicht?“

    Der Inder: „Ja, das tut es. Es ist offensichtlich.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Glaubst du, dass es nun vernünftig wäre zu behaupten, dass diese perfekte Intelligenz und Weisheit aus der Nicht-Existenz entstanden sind.

    Der Inder: „Nein.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Weißt du nicht, dass diese Halila geschaffen worden ist, vorher nicht existierte und später wieder verschwinden wird?“

    Der Inder: „Doch, das ist mir klar. Diese Halila könnte geschaffen sein, aber ihr Schöpfer muss dann ‚Wajib-ul-wujud’ (ewig dauernde Existenz) sein.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Sag mir: Wieso kann diese Halila, die nach deiner Meinung sich selber geschaffen hat, sich nicht davor schützen gepflückt zu werden?“

    Der Inder: „Weil es nur die Kraft besitzt, sich selber zu schaffen.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wenn du auf deine Sturheit bestehen willst, dann mach das, aber sag mir: Hat sich diese Halila vor ihrer Existenz geschaffen oder danach? Wenn du danach sagst, ist deine Behauptung absurd. Es ist unmöglich für eine Sache sich selber zu schaffen, obwohl es bereits existiert. Die Halila müsste sich dann zweimal geschaffen haben. Wenn du behauptest, die Halila hätte sich vor ihrer Existenz geschaffen, dann ist das ebenfalls absurd. Vor seiner Existenz war es absolut nichts. Wie kann eine nicht existierende Sache etwas Existierendes hervorbringen? Während ich sage, dass eine existierende Sache (Allah) nicht existierende Dinge (Halila) schöpft, behauptest du, dass eine nicht existierende Sache existierende Dinge schafft. Wessen Theorie ist logischer?“

    Der Inder: „Deine Ansichten sind richtig.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wieso akzeptierst du sie dann nicht?“

    Der Inder: „Ich akzeptiere das, aber ich habe noch einen Zweifel. Könnte der Baum nicht die Halila erschaffen haben, da die Frucht schließlich das Produkt des Baumes ist?“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Gut. Wer hat den Baum dann erschaffen?”

    Der Inder: „Eine andere Halila.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Du behauptest wieder dasselbe wie vorhin. Wir sind dabei uns im Kreis zu drehen, ohne jemals an ein Endpunkt zu gelangen. Wenn wir alles zusammenfassen, kommen wir zu der Überzeugung, dass Allah der Schöpfer von allen Dingen ist. Wenn du aber auf deine Ansichten beharren willst, dann wäre ich bereit, dich erneut aufzuklären.“

    Der Inder: „Ja mach das.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Kann der Baum von der Halila entspringen, wenn die Halila erst nachher entsteht?“

    Der Inder: „Ja.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Der Baum lebt auch hundert Jahre nach dem Tod der Halila weiter. Wer hat dann den Baum erschaffen? Wer schützt den Baum und macht ihn dick und stark? Wer versorgt es mit dem Nötigen? Sicherlich musst du sagen, dass Allah es war, der diesen Baum erschaffen hat. Die Halila kann nicht der Schöpfer sein, da es selber vorher schon verschwindet. Eine tote Sache, kann keine existierende Sache versorgen. Außerdem beginnt der Baum erst richtig an zu wachsen, wenn die Halilas sich bereits auflösen. Wenn der Baum voll ausgewachsen ist, ist der Halila Samen bereits Tod. Sag mir: Wer versorgt, schützt und formt nun den Baum?

    Der Inder: „Das kann ich nicht sagen.“

     

    Imam Jaafar as-Sadiq (ع): „Wieso kannst du nicht glauben, dass Allah der Schöpfer ist? Du kannst keine Zweifel mehr haben.“

    „Doch, ich habe noch Zweifel, du hast mir nicht genügend Beweise für Seine Existenz gegeben“, sagte er (der Inder).

     

    „Wenn du immer noch auf deine absurde Theorie beharrst, dass existierende Dinge mithilfe der fünf Sinne erkannt werden müssen, so sage ich dir, dass die Sinne nichts ohne die Hilfe des Verstands erkennen können. Der Verstand ist der wahre Leiter. Nur der Verstand bringt alle Dinge in eine enge Beziehung zueinander. Und du behauptest genau das Gegenteil, indem du sagst, dass der Verstand nicht in der Lage ist irgendetwas zu erkennen, ohne auf die Sinne zurückzugreifen. Das ist doch eine falsche Behauptung“, sagte ich (Imam Jaafar as-Sadiq).

     

    „Deine Argumentation ist mir neu“, sagte er, „ich muss erst mehr Details erfahren, bevor ich etwas gestehe“.

    „Dann gebe ich dir einige“, sagte ich. „Du musst wissen, dass im Falle des Versagens eines Sinnes oder gar aller Sinne – wie taube Ohren, blinde Augen, verschwundener Geruchsinn – der Verstand allein die entsprechenden Funktionen der Sinne reguliert. Nur der Verstand hat noch die Kontrolle darüber, ob eine bestimmte Handlung ausgeführt wird oder nicht. Und Handlungen, die auf Anraten des Verstands erfolgen, bringen umfassende Ergebnisse“.

     

    Er sagte: „Deine Argumentation scheint überzeugend zu sein, aber du musst es mir noch präziser und genauer erklären“.

    „Gut“, ich fragte, „weißt du, dass der Verstand das Versagen der Sinne überlebt?“

    „Ja“, antwortete er. „Jedoch schwinden seine Wahrnehmungen und sein Wissen mit den Sinnen dahin. Z. B können Ohren hören, aber nicht der Verstand, also wird es taub mit den Ohren“.

     

    Ich fragte: „Weißt du, dass wenn eine Mutter ein Kind gebärt, die Sinne dieses Kindes noch nicht in der Lage sind zu funktionieren. Die Sinne sind noch nicht so ausgeprägt, dass sie irgendeine Funktion in dieser Lebensphase übernehmen können“.
    „Ja, das weiß ich sehr wohl“, antwortete er.

     

    „Dann sag mir doch“, erwiderte ich, „welches dieser Sinne das Kind zum Schreien nach Milch veranlasst, und fröhlich und heiter zu sein, wenn es seine Milch bekommen hat? Welches der Sinne animiert die Vögel auf Beutezug zu gehen, und was bringt die Vögel, die sich von Getreide ernähren, dazu ihre Kücken mit Körnern zu füttern, und die Fleisch fressenden Vögel ihre Küken mit Fleisch zu füttern? Warum ernährt sich die eine Vogelart von Fleisch und die andere kleinere Art von Körnern? Und betrachten wir mal die Wasservögel, warum können sie auf der Wasseroberfläche schwimmen, und jene, die das Land besiedeln, ertrinken und sterben, wenn sie ins Wasser geworfen werden? Wenn alle Geschöpfe die gleichen Sinne haben, wie wird es den Wasservögeln ermöglicht, größere Nutzen als die Landvögel zu ziehen? Warum sterben Landvögel, wenn sie für kurze Zeit in Wasser gehalten werden, und warum sterben die Fische, die die Meere bewohnen, wenn sie für kurze Zeit aus dem Wasser raus genommen werden? Widerlegen diese verschiedenen Eigenschaften der Sinne nicht deine Theorie von der Allmächtigkeit der Sinne und weisen auf ein größeres Intellekt hin, ein Intellekt, das diese Vögel- und Fischarten erschaffen und sie mit Absicht so angeordnet hat, dass die eine Art für das Landleben und die andere für das Leben im Wasser bestimmt ist, und das die Gegebenheiten erschaffen hat, die ihren Bedürfnissen entsprechen? Wenn die Sinne durchwegs allmächtig wären, hätten sie Ähnlichkeiten in den Handlungen bei allen Arten aufgewiesen. Hast du auch schon die Ameise beobachtet, die nie Wasser gesehen hat und trotzdem anfängt zu schwimmen, wenn sie ins Wasser geworfen wird, und der starke und kluge Mensch, der nicht schwimmen gelernt hat, der sinkt bis zum Meeresgrund und kommt anschließend als toter Mann auf die Wasseroberfläche? Nun, wenn die Theorie, dass alle Dinge durch die Sinne in Erfahrung gebracht werden, stimmen sollte, warum benutzt der weise, erfahrene und starke Mensch denn nicht seine Sinne, um sich zu retten so wie die Ameise? Weißt du denn auch nicht, dass der Verstand – die Schatzkammer der Weisheit – genauso in einem Tierjungen als auch in einem Menschenjungen gleichermaßen gegenwärtig ist? Und dass es der Verstand ist, der das Kind zum Schreien nach Milch anregt, und die Körnervögel sich von Körnern zu ernähren und die Fleisch fressenden Vögel nach Fleisch zu jagen“.

     

    „Ich weiß nur dies“, sagte er, „dass der Verstand nur durch die Sinne Dinge in Erfahrung bringen kann“.

     

    Quelle: http://al-shia.de/ueberlieferungen/halila.htm