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    Hasan Al-Banna auf einen Blick

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    Hasan Al-Banna auf einen Blick
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    Ustad Hasan AL-Banna ist der Begründer der Muslimischen Bruderschaft, welche auch Gesellschaft der muslimischen Brüder genannt wird und die größte und einflussreichste Organisation der sunnitischen Wiederbelebung im 20. Jahrhundert bildet.

     

    Nach ihrer Gründung im Jahr 1928 wurde die Muslimische Bruderschaft die erste massenbasierte, überpolitische Bewegung, welche dem Aufkommen weltlicher und westlicher Ideen im Mittleren Osten entgegenstand. Die Bruderschaft sah in diesen Ideen die Wurzeln des Verfalls der islamischen Gesellschaft in der modernen Welt und riet als Lösung für die Krankheit, welche die muslimische Gesellschaft befallen hatte, zu einer Rückkehr zum Islam. Das Wachstum der Bruderschaft während der 1930- er und 1940- er Jahre war spektakulär. In den frühen 1950- ern waren sowohl in Syrien, im Sudan und in Jordanien Zweige errichtet worden. Bald wurde der Einfluss dieser Bewegung in ferneren Ländern wie der Golfregion und nichtarabischen Staaten wie Iran, Pakistan, Indonesien und Malaysia spürbar. Der Reiz dieses Organisationsmodells, welches in der ursprünglichen, in Ägypten basierenden Sektion der Bruderschaft lag, war diese Erweiterung zu lenken und lag in dem Erfolg der Schriften al-Bannas. Diese Schriften, welche in verschiedene Sprachen übersetzt worden waren, haben weltweit zwei Generationen von sunnitischen, religiösen Aktivisten geformt.

     

    So wie viele andere islamische Führer, welche seinen Fußstapfen folgten, profitierte Al-Banna von einer modernen Ausbildung, war aber in einem traditionellen islamischen Umfeld groß geworden. Er wurde 1906 in Mahmudiyya, einer Kleinstadt im Nildelta, geboren. Sein Vater, ein Uhrenmacher, der aber auch als Gebetsführer und Koranlehrer in der örtlichen Moschee diente, hatte an Al-Azhar studiert. Als Autor einiger Bücher über islamische Rechtssprechung gab er Al-Banna starke religiöse Gefühle mit. Schon in der Grundschule besuchte Al-Banna verschiedene religiöse Gemeinschaften, welche sich der Förderung des islamischen Standards in Bezug auf moralisches Benehmen widmeten. Schon in diesem jungen Alter wurde er ein Mitglied des Sufi- Ordens der Hasafiyya Brüder. Seine frühe Teilnahme an Dhikr – Zirkeln und ein ausführliches Lesen von Sufi- Literatur helfen zu erklären, warum er immer die moralische Reform des Einzelnen als die Vorbedingung für die Islamisation der Gesellschaft gehalten hatte.

     

    1923, im Alter von sechzehn Jahren, zog Al-Banna nach Kairo, um am berühmten Dar al-`Ulum Kolleg zu studieren. Die vier Jahre, welche Al-Banna in Kairo verbracht hatte, konfrontierten ihn mit der politischen Zersetzung der ägyptischen Hauptstadt in den frühen 1920-ern und machten ihm das Ausmaß bewusst, mit dem säkulare und westliche Wege die Grundstrukturen der Gesellschaft durchdrungen hatten. Al-Banna konzentrierte sich daraufhin besonders auf das, was er als das Abtriften der jungen Generation vom Islam ansah. Er glaubte, dass der Kampf um Herz und Geist der Jugend hinsichtlich des Überlebens einer Religion, welche unter westlicher Attacke stand, auf eine kritische Probe gestellt werden würde. Während seines Studiums in Kairo vertiefte er sich in die Schriften der Gründer des Islamischen Reformismus (die Salafiyya- Bewegung), einschließlich in die Werke des Ägypters Mohammad `Abduh (1849 – 1905), bei welchem sein Vater während seines Aufenthaltes in Al-Azhar studiert hatte. Aber es ist `Abduhs Schüler, der Syrer Raschid Rida (1865 – 1935) gewesen, der Al-Banna am meisten beeinflusst hat. Al-Banna war ein leidenschaftlicher Leser der Zeitschrift Al-Manar, welche Rida in Kairo von 1898 bis zu seinem Tod 1935 veröffentlichte.

     

    Er teilte mit Rida die zentrale Besorgnis hinsichtlich des Rückgangs der islamischen Zivilisation aufgrund des Westens. Auch er glaubte daran, dass dieser Trend nur durch eine Umkehr zu einer unveränderten Form des Islam, die frei von allen Beifügungen, welche die Stärke der ursprünglichen Botschaft verdünnt hatten, ist, rückgängig gemacht werden könnte. So wie Rida, aber nicht so wie `Abduh und andere islamische Modernisten, fühlte Al-Banna, dass die Hauptgefahr für das Überleben des Islam in der modernen Zeit weniger vom Konservativismus Al-Azhars und den Ulama (welcher er nichts desto trotz kritisierte), sondern vom Aufkommen der säkularen Ideen des Westens herrührte.

     

    Al-Banna drängte zur Verwerfung aller westlicher Ansichten, wobei er die Notwendigkeit, zu den Grundlagen und der ursprünglichen Reinheit des Islam zurückzukehren, betonte. Tatsächlich demonstrierte Al-Banna bald durch seine Organisationsfähigkeiten, dass er mehr als jeder andere Denker jener Zeit zu der Eklipse des islamischen Reformismus und dem Modernismus durch islamischen Fundamentalismus beitrug. Nachdem al-Banna das Dar al-`Ulum- Kolleg 1927 im Alter von 21 Jahren abgeschlossen hatte, war er zum Arabischlehrer in einer Grundschule in Isma`iliyya ernannt worden. Zu jener Zeit diente Isma`iliyya der von den Briten besetzten Kanalzone als Hauptsitz und beherbergte die Zentralstelle der Suez Canal Company (SCC). Britische Militärcamps und die Wohnungen der ausländischen SCC- Mitarbeiter waren genauso ein Teil dieser rasch heranwachsenden neuen Stadt wie die miserablen Bedingungen, unter welchen die Mehrheit der ägyptischen SCC- Mitarbeiter lebte. Auf diese Weise wuchs Al-Bannas Groll auf das, was er als die militärische Besetzung Ägyptens, ökonomische Zerstörung, kulturelle Beherrschung und Verlust der Würde ansah. Dies alles stärkte seine Entschlossenheit, Ägypten von den Briten und allgemein vom westlichen Einfluss zu befreien.

     

    Von dem Moment an, wo Al-Banna in Isma`iliyya eintraf, beteiligte er sich aktiv am Leben dieser Gemeinde. Er versuchte mit den geachteten Kreisen der Stadt in Kontakt zu treten, wobei er gleichzeitig soviel wie möglich die Volksmasse zu erreichen bestrebt war. Er hielt für die Eltern seiner Schüler Abendkurse ab und führte in Moscheen, Kaffeehäusern, Klubs und privaten Häusern unformelle Diskussionen. Seine grundlegende Botschaft war, dass Ägypten seine Seele verloren hatte. Es war politisch untertänig und ökonomisch abhängig geworden, weil es von dem Weg, den ihm Gott vorgelegt hatte, abgewichen war. Das einzige Heilmittel für die Dekadenz des Staates und der Gesellschaft war, die islamischen Werte und den islamischen Lebensstil wieder zu behaupten.

     

    Im März 1928 war die Nachricht verkündet worden, dass Al-Banna die Gesellschaft der Muslimischen Bruderschaft gegründet hatte. Zunächst ist diese Gesellschaft nur eine unter zahlreichen kleinen islamischen Vereinigungen gewesen, welche zur damaligen Zeit existierten. Ähnlich wie bei den Vereinigungen, welche Al-Banna seit seinem zwölften Lebensjahr besucht hatte, zielten diese auch wieder darauf ab, persönliche Frömmigkeit zu fördern und sich in Wohltätigkeitsdiensten zu engagieren. Ein Jahrzehnt später hatte die Bruderschaft 500 000 aktive Mitglieder und allein in Ägypten genauso viele Sympathisanten, wobei ihre Anziehungskraft jetzt in verschiedenen anderen Ländern spürbar wurde. Die Gesellschaft wurde vor allem dann größer, als Al-Banna seinen Hauptsitz 1932 nach Kairo verlegt hatte. Der einzige und wichtigste Faktor, welcher diese spannende Expansion möglich machte, war die organisatorische und ideologische Führung, welche von Al-Banna besorgt wurde.

     

    Er strebte danach, seine Änderungen durchzusetzen und hoffte dies durch den Aufbau von Institutionen, unentwegten Aktivismus auf Graswurzelebene und das Sich-Verlassen auf Massenkommunikationsmittel durchsetzen zu können. Er setzte seine Bemühungen fort, indem er eine komplexe Massenbewegung aufbaute, welche die Züge einer hochentwickelten Regierung hatte- Sektionen, deren Aufgabe es war, gesellschaftliche Werte unter Bauern, Arbeitern und Fachleuten weiterzubilden, Einheiten, die mit Schlüsselfunktionen, einschließlich der Verbreitung von Botschaften, Verbindungen mit der islamischen Welt sowie der Presse und Übersetzungen betraut waren und spezialisierte Komitees für Finanz- und Gesetzesfragen.

     

    Bei der Verankerung dieser Organisation in die ägyptische Gesellschaft verließ sich Al-Banna geschickt auf schon existierende Netzwerke, vor allem auf solche, welche um Moscheen herum gebaut worden waren, islamische Wohlfahrtsorganisationen und Nachbargemeinschaften. Dieses Einweben der traditionellen Bänder in eine besondere moderne Struktur ist die Wurzel seines Erfolgs gewesen. In direkter Verbindung zu der Bruderschaft und ihre Verbreitung unterstützend gab es zahllose Geschäfte, Kliniken und Schulen. Zusätzlich waren die Mitglieder mit der Bewegung durch eine Reihe von Zellen, welche bedeutungsvoll usar (Familien) genannt wurden, verbunden. Die materielle, soziale und psychologische Unterstützung, welche auf diese Weise zur Verfügung gestellt wurde, war ein Instrument dafür gewesen, um unter ihren Mitgliedern eine enorme Loyalität zu erzeugen und neue Zöglinge anzuziehen. Die Dienste und die organisatorische Struktur, um die herum die Gesellschaft aufgebaut wurde, waren dazu beabsichtigt, einzelne Personen zu befähigen, sich in eine klare islamische Richtung, welche von Richtlinien der Gesellschaft geschliffen worden war, zurückzuintegrieren.

     

    Al-Bannas Botschaft nahm Punkte wie einschließlich Kolonialismus, öffentliche Gesundheit, Erziehungsrichtlinien, Rohstoffverwaltung, Marxismus, soziale Ungerechtigkeit, arabischer Nationalismus, die Schwachheit der Islamischen Welt auf der internationalen Szene sowie den wachsenden Konflikt in Palästina in Angriff, wobei sie im Islam verwurzelt war. Durch das Hervorheben der Anliegen, welche eine Vielfalt von Interessengruppen betraf, war Al-Banna fähig gewesen, einen Querschnitt der ägyptischen Gesellschaft anzuziehen, obwohl modern erzogene Bürger, Beamte und Fachleute weiter unter den Aktivisten und Entscheidungsträgern der Organisation dominierten.

     

    Als sich die Gesellschaft in den 1930-ern vergrößerte, wechselte sie schnell von einer Bewegung für geistige und moralische Reformen zu einer Organisation, welche direkt in der politischen Szene Ägyptens aktiv wurde. Parallel zu dieser Transformation siedelten sich radikale Tendenzen in der Organisation an. Ein geheimer Apparat (al-jihaz al-sirri) wurde gebildet, welcher eine Reihe von Anschlägen auf Feinde der Bruderschaft ausübte.

     

    Zwischen 1948 und 1949, kurz nachdem die Gemeinschaft Freiwillige zum Kampf nach Palästina geschickt hatte, erreichte der Konflikt zwischen ihr und der Monarchie ihren Höhepunkt. Aufgrund der Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Standhaftigkeit und Beliebtheit der Bruderschaft sowohl aufgrund der Gerüchte, dass ein Aufstand geplant sein sollte, ließ Premierminister Nuqraschi Pascha die Muslimbruderschaft im Dezember 1948 auflösen. Das Eigentum der Gesellschaft wurde beschlagnahmt und die Wortführer der Mitglieder wurden verhaftet und eingekerkert. Weniger als drei Wochen später wurde der Premierminister von einem Mitglied der Bruderschaft ermordet. Im Gegenzug dazu erfolgte der Märtyrertod Al-Bannas, der sehr wahrscheinlich von einem Regierungsagenten im Februar 1949, als Al-Banna erst 43 Jahre alt und auf dem Höhepunkt seiner Erfolgsbahn stand, ausgeführt wurde.

     

    Obwohl die Gemeinschaft sich niemals vollständig von dem Verlust ihres charismatischen Gründers erholt hatte, überlebte sie. Seitdem ist die Bruderschaft entweder direkt oder durch die von ihr inspirierten Bewegungen als eine bedeutende Gewalt in der Politik verschiedener arabischer Länder verblieben.