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    Himmelfahrt (Teil 1): Die Versammlung

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    Zu den eindrucksvollsten Ereignissen des Lebens des Gesandten Gottes Muhammad (s.) gehört ohne Zweifel die Nacht der Himmelfahrt. In dieser Nacht offenbarten sich dem Gesandten Gottes (s.) vielerlei Geheimnisse. So war es ihm möglich, sämtliche Propheten und Engel zu sehen und sie im Gebet anzuführen, auch die verschiedenen Himmelsstuffen wurden besucht. Einblicke in das Paradies und die Hölle, sowie ein Gespräch mit Allah, dem Erhabenen, gehören zu den Höhepunkten dieser Reise.

     

    سُبْحَانَ الَّذِي أَسْرَى بِعَبْدِه ِِ لَيْلا ً مِنَ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ إِلَى الْمَسْجِدِ الأَقْصَى الَّذِي بَارَكْنَا حَوْلَه ُُ لِنُرِيَه ُُ مِنْ آيَاتِنَا إِنَّه ُُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِير

     

    Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee zu der fernen Moschee, deren Umgebung Wir gesegnet haben, hinführte, auf dass Wir ihm einige Unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende
    (Sure 17, Vers 1)

     

     

    Inhaltsverzeichnis
    1. Die Versammlung
    2. Die erste Himmelsstufe
    3. „Munkar“ und „Nakir“
    4. Einblicke in die Hölle
    5. Die restlichen Himmelsstufen
    6. Das Paradies und die Nachfolgerschaft des Propheten
    7. Die Rückkehr

     

     

    1. Die Versammlung

     

    Von Imam Ja‘afar Ibn Muĥammad al-Sādiq (a.) wird berichtet, dass er sagte:

     
    Eines Nachts kamen die Engel Gabriel (a.), Mikail (a.) und Israfil (a.) mit einem Wesen Namens „Buraq“[1] zum Gesandten Gottes Muĥammad (s.). Der Prophet benannte diese Gestalt so aufgrund ihrer Geschwindigkeit, vergleichbar mit dem „Barq[2]“. Allah, der Erhabene, hat dem „Buraq“ erlaubt, zwischen dem Dies- und Jenseits mit nur einem Schritt zu reisen. Es handelt sich hierbei um ein Geschöpf, welches kleiner als ein Pferd ist und 40 unterschiedliche Lichtarten ausstrahlt. Da setzte Gabriel (a.) ihm einen Sattel auf und legte ihm Zügel an und machte ihn rittbereit für den Propheten (s.). Als der Prophet (s.) auf den „Buraq“ hinaufsteigen wollte, zappelte es. Da gab ihm Gabriel einen kleinen Klaps und sagte: „Beruhige dich, O Buraq. Dich hat vor ihm noch kein Prophet geritten und nach ihm wird es auch keiner mehr tun.“ Der Prophet (s.) stieg auf dem „Buraq“ auf und hob mit ihm und Gabriel an seiner Seite ab, wobei Gabriel ihm die Zeichen der Himmel und der Erde zeigte.

     
    Der Prophet (s.) sagte: „Während meiner Reise rief ein Rufer zu meiner Rechten: O Muĥammad. Ich antwortete ihm jedoch nicht und wandte mich ihm nicht zu. Dann rief mich ein Rufer zu meiner Linken: O Muĥammad. Ich antwortete ihm jedoch nicht und wandte mich ihm nicht zu. Dann empfing mich eine Frau, welche die ganze Schönheit des Diesseits an sich hatte. Sie sagte: O Muĥammad. Sieh mich an, damit ich mit dir spreche. Ich wandte mich ihr nicht zu und sah sie nicht an.“ Da hörte ich ein lautes Geräusch, welches mich erschrecken lies. Gabriel stieg auf mich hinab und sagte: „Bete!“ und ich betete. Er fragte, ob ich wisse, wo ich betete. Ich verneinte. Da sagte er: „Du hast in Medina gebetet und hier wirst du auch leben.“ Dann stieg ich auf den „Buraq“ und wir hoben ab. Gabriel sagte nach einer Weile: „Steig ab und bete!“. Ich stieg ab und betete.

     
    Er fragte, ob ich wisse wo ich betete. Ich verneinte. Da sagte er: „Du hast in „Tale Tuwa“[3] gebetet, wo Allah mit Moses (a.) gesprochen hat.“
    Ich stieg anschließend auf den „Buraq“ und wir hoben wieder gemeinsam ab. Nach einer gewissen Zeit sagte Gabriel: „Steig ab und bete“. Ich stieg ab und betete. Er fragte, ob ich wisse, wo ich betete. Ich verneinte. Da sagte er: „Du hast in „Bayt al-Lahm“[4], in der Nähe von „Bayt-ul-Maqdis“ gebetet, wo Jesus (a.), der Sohn der Maria, zur Welt gekommen ist.“ Dann stiegen wir hinab zur heiligen al-Quds Moschee. Ich band den „Buraq“ an der Kette, wo die Propheten vor mir ihre Pferde gebunden hatten. Ich betrat die Moschee mit Gabriel an meiner Seite. Wir sahen Ibrahim (a.) und Moses (a.) und Jesus (a.) und jegliche Propheten, die Allah entsandte. Sie versammelten sich um mich und die Gebetszeit brach herein. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass Gabriel das Gebet führen würde. Als alle versammelt waren, nahm Gabriel meinen Arm und führte mich nach vorne und ich führte das Gebet, ohne den Gedanken des Hochmuts.

     
    Dann kam ein Wächter zu mir, der drei Krüge in den Händen hielt. Der eine Krug enthielt Wasser, der andere Wein, und der andere Milch. Ich hörte jemanden sagen: „Wenn er das Wasser nimmt, ertrinkt er und seine Gemeinschaft. Wenn er den Wein nimmt, werden er und seine Gemeinschaft berauscht. Wenn er die Milch nimmt, wird er und seine Gemeinschaft rechtgeleitet.“ Da nahm der Prophet die Milch und trank davon, worauf Gabriel sagte: „Du und deine Gemeinschaft wurden rechtgeleitet.“ Dann fragte er, was ich während der Reise gesehen habe. Ich sagte, dass mich jemand zu meiner Rechten gerufen hat. Er fragte, ob ich ihm geantwortet habe. Ich verneinte. Weder hab ich ihn gesprochen, noch hab ich mich ihm zugewandt. Da sagte Gabriel: „Das ist derjenige, der zum Judentum aufruft. Hättest du ihm geantwortet, so wäre deine Gesellschaft nicht standhaft geblieben.“

     
    Dann fragte er, was ich gesehen habe. Ich sagte, ein Rufer rief mich zu meiner Linken. Er fragte, ob ich ihm geantwortet habe. Ich verneinte. Da sagte er: „Das ist der Rufer zum Christentum. Hättest du ihm geantwortet, so hätte deine Gesellschaft dem Ruf gefolgt.“ Anschließend fragte Gabriel, was mich empfing. Ich sagte, eine Frau empfing mich, die die ganze Schönheit des Diesseits an sich hatte. Sie sagte: „O Muĥammad, sieh mich an, damit ich mit dir spreche.“ Da fragte Gabriel, ob ich ihr geantwortet habe. Ich verneinte und sagte, dass ich mich ihr nicht zugewandt habe. Daraufhin sagte Gabriel: „Das ist das Diesseits. Wenn du ihr geantwortet hättest, so hätte deine Gemeinschaft das Diesseits dem Jenseits vorgezogen.“ Dann hörte ich ein Geräusch, das mich erschauern lies. Da fragte Gabriel: „Hörst du das, O Muĥammad?“ Ich sagte: „ Ja.“ Er sagte: „Das ist ein Stein, den ich vor 70 Jahren in die Hölle geworfen habe. Er ist eben am Untergrund der Hölle angekommen.“

     
    Danach wandte ich mich zu meiner Rechten und sah einen jungen Mann, der gut angezogen war und das schönste Gesicht und den besten Duft von allen hatte. Er sagte mit hoher Stimme: „Komm zu mir, O Muĥammad, denn ich bin dir wohlgesinnt.“ Ich kam näher und betete zwei Gebetseinheiten. Dann kam er zu mir und umarmte mich und ich umarmte ihn. Er ging fort und sagte:

     
    „O Muĥammad. Du bist das beste und gutmütigste Geschöpf aller Geschöpfe und deine Gemeinschaft ist die beste Gemeinschaft.“ Ich fragte Gabriel, wer das gewesen sei. Da antwortete er: „Das ist die Religion „Islam“. So verkünde, O Muĥammad, deine Gemeinschaft wird als Muslime leben und als Muslime sterben.“ Hierauf sagte ich: „Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.“
    Dann stiegen wir wieder auf dem „Buraq“ und hoben zum Himmel ab.

     

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    [1] براق
    [2] البرق – Blitz
    [3] إِنَّكَ بِالْوَادِ الْمُقَدَّسِ طُوى – Sure: Taha, Vers 12
    [4] Bethlehem

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de/prophetentum