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    Imam Mussā Kāzim (a.s.) (Teil 2)

    • Ayatollah Motaharie
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    Hāruns Forderung

     

    Ungefähr eine Woche vor dem Schahādat des Imam (a.s.) schickte Harun Yahyā Barmaki zu dem Imam ins Gefängnis und ließ ihm – mit milden Worten – ausrichten:

     

    ‚Mein Gruß an meinen Vetter, dem ich hiermit mitteile, daß ihn selbst keine Schuld trifft. Nur – leider habe ich geschworen. Meinen Schwur aber darf ich nicht brechen. Ich schwor, dich nicht eher auf freien Fuß zu setzen, als bis daß du deine Schuld eingestanden und mich um Gnade gebeten hast. Niemand braucht etwas davon zu erfahren, wenn du das tust. Es genügt, wenn du dieses Eingeständnis Yahyā gegenüber aussprichst. Nicht ich brauche bei deinem Geständnis zugegen sein und nicht jemand anders – nur Yahyā. Es geht mir lediglich darum, meinen Schwur nicht zu brechen.

     

     

    Also, du brauchst nur vor Yahyā zu sagen: ‚Ich bitte um Verzeihung, ich habe mich vergangen. Der Kalif möge mir vergeben.1

     

    Das reicht. Wenn du das tust, werde ich dich freilassen, du kannst zu mir kommen und ich werde mich erkenntlich zeigen…‘

     

    Ja – und nun seht, wie stark und fest sich der Imam (a.s.) demgegenüber verhielt.

     

    Warum werden sie – unsere Imame – wohl als „Schufa’dār ul fanā‘ “ bzeichnet?! Warum fanden sie das Schahādat?!

     

    Auf dem Wege ihres unverbrüchlichen Glaubens und ihrer festen Überzeugung wurden sie Schahid. Damit brachten sie zum Ausdruck: Unser Glaube erlaubt uns nicht, mit den Tyrannein gemeinsame Sache zu machen…

     

    Kurz – Mussa bne Ğa’far (a.s.) antwortete Yahyā: ‚Richte Hārun aus, mein Leben geht nun sowieso zuende.‘

     

    Und so geschah es. Nach einer Woche wurde der Imam (a.s.) vergiftet.

     

     

    Grund seiner Verhaftung

     

    Warum ließ Hārun Imam Mussā Kāzim (a.s.) festnehmen?

     

    Weil er den Imam um sein Ansehen und seine Beliebtheit beneidete und die eigene Position gefährdet sah. Wenngleich doch Mussā Kāzim in keinster Weise aufrührerische Aktionen unternahm. Wirklich und wahrhaftig – er tat nichts, das nach einer offenen Meuterei und Rebellion ausgesehen hätte. Aber man befürchtete, daß er eine geistig-ideologische Revolution in die Wege leitete.

     

    Als Hārun die Thronfolge seines Sohnes Amin – und nach diesem dann seiner weiteren Söhne Ma’mun und Mu’tamin – absichern wollte und dazu die Gelehrten und hohen Persönlichkeiten des Landes aufforderte, sich nach Mekka zu begeben, da er, der Kalif, dort ein großes Treffen veranstalten wolle, bei dem alle denTreueid schwören sollten, ging ihm jedoch der Gedanke, daß da jemand ist, der das alles verhindern könnte, nicht aus dem Kopf.

     

    Wer?

    Jener, der – solange er lebt – die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht und sich jedermann sagt: Nur er ist des Kalifats würdig…

     

    Wer also?

    Natürlich – Mussa bne Ğa’far.

     

    Als Hārun nach Medina kommt, erteilt er den Befehl, den Imam zu verhaften. Nebenbei, Yahyā Barmaki hatte zuvor schon einem seiner Vertrauten gesagt: ‚Ich denke, daß der Kalif heute oder

     

    Morgen den Befehl geben wird, Mussa bne Ğa’far einzukerkern.‘ Man fragte ihn: ‚Warum?‘ Yahyā antwortete: ‚Ich begleitete den Kalifen, als er das Grabmal des Propheten besuchte. Als er dem Propheten sein „Salām“ entbot, hörte ich, wie er hinzufügte:

     

    ‚O Gesandter Gottes, verzeih mir, daß ich genötigt bin, deinen Sohn Mussa bne Ğa’far festzunehmen. Ich kann nicht umhin, denn wenn ich es nicht tue, wird es im Land zu Unruhen kommen. Um der Ruhe und Sicherheit im Staate willen muß ich leider so vorgehen. Verzeih mir darum, o Gesandter Gottes.‘

    (Als ob man dem Gesandten Gottes etwas vormachen könnte!)

     

    Jedenfalls – Harun befiehlt seinen Häschern, den Imam festzunehmen. Sie gehen also zu seinem Haus, doch der Imam ist nicht da. Wo ist er? In der Moschee des Propheten. Als sie eintreten, verrichtet der Imam gerade das Gebet. Sie aber lassen ihn nicht zuende beten, sondern stürzen sich auf ihn und zerren ihn – noch während seines Betens – hinaus auf die Straße. Und sehen, wie der Imam noch einen letzten Blick auf das Grabmal des Propheten wirft und spricht:

     

    „O Gesandter Gottes – o mein Vater, sieh nur, wie deine Gemeinde mit deinen Nachkommen umgeht!“

     

    Warum geht Hārun in dieser Weise vor? Warum nur?!

     

    Darum, weil er möchte, daß man seinem Sohn – als Thronfolger – den Treueid schwört. Dabei hatte Mussa bne Ğa’far doch nichts getan, nicht gemeutert, keinen Aufstand veranlaßt. Nichts…

     

    Der Grund ist ein ganz anderer. Nämlich der, daß Hārun und dessen Söhne das Kalifat wollten, auch wenn es ihnen nicht zustand. Daß sie es unrechtmäßig an sich rissen.

     

    Ma’muns Rückerinnerung

     

    Ma’mun verhielt sich so, daß viele Historiker ihn als Schi’it verstehen. Und was mich betrifft – nun, ich denke, daß es schon möglich ist, daß jemand zwar von etwas überzeugt ist, aber dennoch entgegen seiner Überzeugung handelt. Meiner Meinung nach war er Schi’it, einer der schiitischen Gelehrten. Die Geschichte berichtet über etliche Diskussionen, die er mit sunnitischen Gelehrten hatte. Und tatsächlich, ich wüßte keinen Gelehrten Ahl-Taschayyuhs, der so logisch-fundiert wie er diskutiert hätte…

     

    Vor einigen Jahren schrieb ein türkischer Gelehrter Ahl-Tassannuns ein Buch, das sich mit den Nachkommen des Gesandten Gottes befaßt.91 In diesem Buch wird die Argumentation Ma’muns vor sunnitischen Gelehrten -und zwar im Zusammenhang mit dem unaufhebbaren Kalifat Imam Alis (a.s.) und der weiteren Imame (a.s.) – zitiert. Die Begründungen Ma’muns sind dermaßen interessant und brilliant, wie bisher wohl kaum jemals ein schiitischer Gelehrter diskutierte.

     

    Wie berichtet wurde, hatte Ma’mun geäußert: Wollt ihr wissen, wer mich mit der schiitischen Lehre vertraut machte?

     

    Sie fragten ihn: Wer?

    Er: Mein Vater – Hārun. Er hat mich die schiitische Lehre gelehrt.

     

    Sie: Wie kann das sein?! Niemand war Ahl-Taschayyuh und den schiitischen Imamen so feindlich gesonnen wie er.

     

    Er: Trotzdem – so ist es aber. Auf einer seiner Hağpilgerungen begleitete ich meinen Vater. Ich war noch ein Bund damals, und alle kamen, um ihn zu begrüßen. Auch die hohen und angesehenen Persönlichkeiten des Landes, die Ältesten der Sippen und Stämme – insbesondere sie mußten kommen und ihn begrüßen. Mein Vater hatte zudem angeordnet, daß jeder, der kam, sich vorzustellen habe. Das heißt, jedermann mußte seinen Namen und den seines Vaters und seiner Vorväter nennen. Deswegen, damit der Kalif feststellen konnte, wer von den Quraisch abstammte und wer nicht. Wer beispielsweise zu den „Ansār“ – zu den „Khazrağ“ oder aber „Us“- gehörte. Das wollte er wissen – von einem jeden, der kam.

     

    Das heißt, wer kam, wurde zunächst vom Schloßwart vorgestellt. Dieser sagte: ‚Soundso, dessen Vater und Vorväter diese und jene sind, ist gekommen,; um dich zu sehen.‘

     

    Einmal sagte er: ‚Da kommt jemand, der sagt, daß er Mussa bne Ğa’far ibn Muhammad Ibn Ali Ibn al Hussayn Ibn al Ali Ibn Abi Tālib sei.‘

     

    Wie er diesen Namen nannte, sprang mein Vater auf und sagte:

    ‚Sag ihm, er möge kommen. Aufsitzend komme er, nicht zu Fuß.‘

    Uns aber gebot mein Vater, ihm entgegenzugehen.

     

    Und wir gingen ihm entgegen. Ihm, einem Mann, dem man seine Gottesfurcht und Tugend deutlich ansah. Er war einer jener außergewöhnlichen Gottesfreunde. Er ritt näher heran. Mein Vater rief ihm schon von weitem entgegen: ‚Bei wem soll ich dich beschwören, nicht abzusteigen, sondern aufsitzend zu mir zu kommen?‘

     

    Und weil er so sehr darauf bestand, kam der Mann aufsitzend näher. Dann, als er bereits auf den Teppichen war, liefen wir hin zu ihm und hoben ihn herunter. Mein Vater wies ihn an, sich zu ihm zu setzen. In aller Höflichkeit. Nun begann die Befragung.

     

    – Wieviel Kinder hast du? (Er hatte eine große Familie.)

    – Wie geht es dir? Wie kommst du zurecht?

    – Meine Situation ist diese.

    – Wie ernährt ihr euch?

    – Meine Einkünfte bestehen aus diesem oder jenem.

     

    Dann ging er wieder. Als er sich verabschiedete, sagte mein Vater zu mir:

    ‚Begleitet ihn.‘

     

    Wir begleiteten ihn. Bis zu seinem Haus. Er sagte in ruhigem Tone zu mir:

    ‚Du wirst einst Kalif sein und ich möchte, daß du dich gegen meine Nachkommen nicht schlecht verhältst.‘

     

    Ich wußte nicht, wer er war. Wir kehrten zurück, zu meinem Vater. Als alle fort und wir allein mit ihm waren, fragte ich – ich war beherzter als meine Geschwister – ihn: ‚Wer war er, daß du ihn so respektvoll behandeltest?!‘

     

    Hārun lachte und meinte: ‚Wenn du es richtig wissen willst – nun, der Thron, auf dem wir sitzen, ist eigentlich der seine.‘

    ‚Sagst du das in allem Ernst, Vater? Bist du dir sicher, daß das wahr ist, was du sagst?‘

    ‚Ganz sicher‘, antwortete er.

     

    Ich daraufhin: ‚Warum trittst du dann den Thron nicht an ihn ab?‘

     

    Er: ‚Weißt du denn nicht: „AI mulku aqim…“ Du bist mein Sohn. Aber wenn es so wäre bzw. wenn ich wüßte, daß du mich um den Thron bringen und ihn an dich reißen willst, würde ich dir das, in dem deine Augen stecken, abschlagen.‘ (Mit anderen Worten: Dann würde ich dir den Kopf abschlagen)

     

    Später – nach diesem Vorfall – machte Harun Geschenke. Viel viel Geld gab er aus und schickte es dem einen und anderen. Dem einen fünftausend Rotgolddinare, dem anderen viertausend und so fort. Ich dachte, bestimmt wird er jenem Mann, den er so höflich behandelte, eine sehr hohe Summe zukommen lassen.

     

    Aber ihm schickte er den geringsten Betrag. (200 Dinare)

     

    Ich fragte ihn deshalb: ‚Ihm schickst du nur so wenig, warum?‘

     

    Er: ‚Weißt du denn nicht, daß sie unsere Konkurrenten sind? Daher empfiehlt es sich, sie immer knapp bei Kasse zu halten. Sie dürfen nicht über ausreichend Finanzen verfügen. Wenn sie nämlich genügend Geld haben, kann es sein, daß sie sich rüsten und sich mit hunderttausend Schwertern gegen deinen Vater erheben.‘

     

    …………….

    91 „Taschrih wa muhākemch dar bāreyc Āle Muhammad“