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    Imam Mussā Kāzim (a.s.) (Teil 3)

    • Ayatollah Motaharie
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    Sein Einfluß

     

    Wie groß der Einfluß der Imame (a.s.) war, ist aus all dem zu erkennen. Sie hatten weder Waffen noch standen ihnen Publikationsmittel zur Verfügung. Was sie aber besaßen, waren die Herzen. Die Herzen der Mitmenschen. Selbst in Haruns engstem Kreis gab es Schiiten.

     

    Mit anderen Worten, Recht und Wahrheit sind nicht unterzukriegen und auf die Dauer totzuschweigen. Heute lasen wir beispielsweise in der Presse, daß Malik Hussein sagte, er habe nun verstanden, daß selbst sein Chauffeur mit den Partisanen zusammenarbeite. Auch sein Koch gehöre zu ihnen. Ali Ibn Yaqtayn aber war sogar der Minister Hāruns, also der zweite Mann im Staate. Aber – ein echter Schiit, wenngleich ein „getarnter“. Und als solcher unterstützte er die Ziele Mussa bne Ğa’fars, obwohl er dem Schein auf der Seite Hāruns stand. Allerdings, zwei-, dreimal erstattete man Bericht gegen ihn, doch Mussa bne Ğa’far konnte Schwierigkeiten für Ali Ibn Yaqtayn verhindern, indem er – diese frühzeitig erkennend, und zwar aufgrund seiner außergewöhnlichen Voraussicht, die eben nur ein Imam hat – Maßnahmen traf, so daß ihm, also Ali Ibn Yaqtayn, Unannehmlichkeiten erspart blieben.

     

    In Hāruns Staatsapparat gab es Leute, die dem Imam in hohem Maße verbunden waren, dies jedoch geheimhielten und somit auch keinen direkten Kontakt zu dem Imam hatten.

     

    Ein Iraner jener Zeit – aus Ahwāz stammend und ebenfalls Schiit -berichtet: „Man verlangte von mir eine überaus schwere Steuerabgabe. Wenn ich diese hätte zahlen müssen, wäre das mein Ruin gewesen. Nun traf es sich aber, daß der Gouverneur von Ahwäz abgesetzt und ein anderer ernannt worden war. Ich trug mich nun mit der Sorge, daß dieser neue Gouverneur in die Steuerakten sehen und von mir ebenfalls die hohe Steuerleistung verlangen könnte. Wie gesagt, das hätte meinen Ruin bedeutet.

     

    Einige meiner Freunde klärten mich auf: ‚Der neue Gouvernuer ist in Wirklichkeit ein Schiit, genau_wie_du.‘

     

    Ich aber hatte nicht den Mut, zu ihm zu gehen und ihm das zu sagen. Einfach deswegen nicht, weil ich das nicht glauben konnte. Und so entschloß ich mich, nach Medina zu reisen, zu Mussa bne Ğa’far. (Damals war der Imam noch nicht in Haft). Wenn er mir bestätigen würde, daß der neue Gouverneur tatsächlich Schiit ist, dann…

     

    Ich reiste also nach Medina und suchte den Imam auf. Dieser schrieb zwei, drei Zeilen. Zwei, drei Anordnungen und zwar in einem Stil, den ein Imam nur denen gegenüber anwendet, die zu ihm gehören. Es waren Anordnungen wie:

     

    ‚Der Bitte des Gläubigen zu entsprechen, ist dir geboten. Ihm aus seiner Not zu helfen ist das, zu was Gott aufruft.‘

     

    Ich nahm den Brief mit nach Ahāwz. Weil ich wußte, daß ich vorsichtig zu Werke gehen mußte, machte ich mich eines Abends auf den Weg zu dem Gouverneur. Der Torhüter öffnete mir. Ich sagte ihm, er möge dem Gouverneuer ausrichten, jemand sei da, der ein Schreiben von Mussa bne Ğa’far für ihn hätte. Es dauerte nicht lange, und er kam selbst und begrüßte mich. Als ich ihm sagte, daß ich ihm einen Brief von dem Imam bringe, nahm er die Zeilen entgegen, erkannte die Schrift des Imam und küßte sie. Dann küßte er mich. Meine Wangen, meine Augen. Und führte mich unverzüglich in sein Haus. Wie ein braves Kind saß er nun vor mir. Fragte:

     

    – Du warst beim Imam?

    -Ja.

     

    – Du hast mit eigenen Augen den Imam gesehen?

    -Ja.

     

    – Was ist dein Problem?

    –     Man hat mir so hohe Steuern auferlegt, die meinen Ruin bedeuten, wenn ich sie bezahlen müßte…

     

    Noch am gleichen Abend ordnete er an, ihm die Steuerakten zu bringen, die er nun korrigierte. Und da der Imam noch geschrieben hatte: ‚Wer einen Gläubigen erfreut, den wird Gott reichlich belohnen‘, fügte der Gouverneur hinzu:

     

    – Erlaubst du, daß ich noch etwas für dich tue?

    – Natürlich.

     

    – Alles, was ich besitze, möchte ich noch heute abend mit dir teilen. Die Hälfte meines Barvermögens bekommst du jetzt sofort. Den Wertmeiner übrigenGüter werde ich taxieren lassen und dir dann die Hälfte davon geben. Nimm es bitte von mir an…

     

    Der Iraner schloß ab mit den Worten: So war es. Einige Zeit später, als ich auf einer Reise den Imam wieder besuchte, erzählte ich ihm, was sich zugetragen hatte. Er lächelte und freute sich…

     

    Was befürchtete Hārun also? Welche Tatsache schreckte ihn, daß er sich so verhielt?

     

    Eben dieses:

     

    „Worte genügen nicht, seid Vorbilder in der Praxis, durch euer Tun!“ 92

     

    Vergessen wir nicht: Nicht allein durch das geschriebene und gesprochene Wort wird publiziert und bekanntgemacht. Ganz abgesehen davon, daß die Wirkung des gesprochenen oder geschriebenen Wortes lange nicht so groß und nachhaltig ist wie die des praktizierten Wortes..

     

    Wer Mussa bne Ğa’far, dessen hochverehrten Vätern oder aber Söhnen und Nachkommen begegnete und einige Zeit mit ihnen zusammen war, erkannte. Begriff, daß sie wirklich und wahrhaftig Gott kannten. Daß sie wirklich und wahrhaft voller Gottesfurcht waren und Gott über alles liebten. Daß alles, was sie taten, tatsächlich Gottes wegen war…

     

    Beides war charakteristisch sie

     

    Beides war charakteristisch für unsere Imame (a.s.) – ihre Ehrfurcht vor Gott, ihre Gottgewißheit und ihr Mitempfinden für die Notleidenden. Völlig klar und offenkundig trat dies bei ihnen in Erscheinung.

     

    Sie waren von einer Gottgewißheit erfüllt, die wirklich erstaunlich war. In ihrer Ehrfurcht vor Ihm bebten sie geradezu und weinten – als würden sie Ihn konkret vor sich sehen. Ihn, die Auferstehung, die Rückkehr zu Ihm, das Paradies, die Höllenverdammnis…

     

    Über Mussa bne Ğa’far wird berichtet:

     

    Seine Niederwerfungen vor Gott dauerten lange und waren begleitet von heißen Tränen… 93

     

    Zum anderen aber – wie gesagt – ist es ihr starkes Mitempfinden für die Notleidenden und Schwachen, für die Entrechteten und Geknechteten. Auch dies war typisch für sie alle. Überhaupt – für sie war der „Mensch“ wirklich von Wert. Und der Wert, den sie ihm beimaßen, war ein anderer als der, der ihm allgemeinhin beigemessen wird. Denken wir nur an Imam Hassan, an Imam Hussayn. An Imam Zaynul ‚Ābidin, an Imam Bāqir, Imam Sādiq, Imam Kāzim und die späteren Imame (a.s.). Wenn wir in die Geschichte hineinblicken und uns in das Leben eines jeden von ihnen vertiefen, so stellen wir fest, daß das, nämlich ihre Hilfe und Unterstützung für die Bedrängten, Bedürftigen und Schwachen, ihr Programm war. Zudem: Sie halfen persönlich, eigenaktiv sozusagen. Beauftragten damit nicht andere. Nein, sie selbst taten es.

     

    Daß sich dies natürlich herumsprach, steht außer Frage…

     

    Was planten Hārun und sein Stab?

     

    Während der Zeit, da der Imam verhaftet und hinter Kerkermauern zubrachte, setzten Hārun und dessen Leute alles daran, das Image Mussa bne Ğa’fars (a.s.) zu ruinieren. So wurde zum Beispiel eine junge, bildhübsche Unfreie zu ihm ins Gefängnis geschickt. Sie war beauftragt, dem Imam -sozusagen – zu dienen und ihn mit Speise und Trank und allem, was er brauchte, zu versorgen. Sie also – eine junge hübsche Unfreie – hatte sich um das alles zu kümmern. In der Hoffnung, daß er – ein Mann – vielleicht doch ein Auge auf sie würfe und in den Bann ihrer Schönheit und Jugend geriete. Schließlich war er ein Mann. Allein mit einer jungen Frau – in einem Raum.

     

    Zumindest aber könnte man Gerüchte über ihn in die Welt setzen…

     

    Doch was geschah?

     

    Entgegen ihrer Erwartung erfuhren sie dann eines Tages, das sich in der jungen Frau eine Art Revolution vollzogen habe. Sie sei völlig umgewandelt. Und auch sie werfe sich nun vor Gott nieder, in tiefer Andacht… Stundenlang. Wie Mussa bne Ğa’far.94

     

    Diese junge Frau war nun also schon die zweite in dem Kerkerverließ, die sich in Gottesanbetung niederwarf. Der Imam und sie. Dies wurde Hārun mitgeteilt, woraufhin er sie holen und zu sich bringen ließ. Auch er erkannte, daß sie völlig verändert war. Sie schaute nicht ihn an, sondern sah zum Himmel hoch oder senkte ihre Blicke.

     

    Man fragte sie: Was ist mit dir los?

     

    Sie antwortete: Als ich ihn, diesen Mann im Gefängnis sah, wußte ich nicht mehr, wie mir geschah. Eine Wandlung trat in mir ein. Ich begriff, daß ich in meinem bisherigen Leben viel gesündigt hatte. Ich habe viel zu bereuen, und ich denke, daß ich mein restliches Leben damit zu tun habe. Nämlich zu bereuen, umzukehren.

     

    Und so war und blieb sie, bis daß sie starb…

     

     

    Buschr Hāfī und Imam Kāzim

     

    heraus. Er wollte sie augenscheinlich am Straßenrand ablegen, damit die Stadtreiniger sie fortbrächten.

     

    Der Imam fragte ihn nach dem Besitzer des Hauses:

    – Ist er ein Freier oder ein Knecht?Eine seltsame Frage.

     

    Der Mann antwortete:

     

    –     Kannst du das an all der Pracht des Hauses nicht schon selbst erkennen?

    Es ist das Haus des Buschr, eines angesehenenMannes. Eines aus den Kreisen der Adeligen. Versteht sichdoch wohl von selbst, daß er ein Freier ist!

     

    Der Imam daraufhin:

     

    –     Völlig richtig. Er ist ein Freier. Wäre er ein Knecht 95, würde nicht dieser Lärm aus seinem Hausedringen.

     

    Was sie sonst noch miteinander sprachen, darüber wird nichts berichtet. Nur soviel noch:

     

    Nach einer kleinen Weile ging der Imam weiter.

     

    Inzwischen aber hatte Buschr seinen Bediensteten, der doch nur Abfälle hinaustragen sollte – eine Arbeit, die höchstens zwei, drei Minuten in Anspruch nahm – vermißt. Wo blieb er nur so lange?! Er kam hinaus und stellte ihn zur Rede.

     

    –     Warum trödelst du so?

    – Jemand sprach mich an und wollte etwas von mir wissen.

    -Was?

    – Eine merkwürdige Frage war es, die er mir stellte.

    – Nun sag es schon – was fragte er dich?

     

    –     Er wollte wissen, wer der Besitzer dieses Hauses ist, ein Freier oder ein Knecht?

     

    Und ich sagte ihm: Natürlich, ein Freier ist es! Und er erwiderte: Ganz bestimmt ist es ein Freier. Denn wäre er ein Knecht, dränge dieser Lärm nicht aus seinem Hause heraus…

     

    –     Wie sah der Mann aus?

     

    Als der Bedienstete ihn beschrieb, begriff Buschr. Es konnte nur Mussa bne Ğa’far gewesen sein. Und so fragte er nun, welchen Weg der Imam eingeschlagen habe.

     

    –     Er ging diese Straße weiter, in dieser Richtung…

     

    Barfüßig – er nahm sich nicht einmal die Zeit, Schuhe anzuziehen – lief Buschr dem Imam hinterher. Also auf bloßen Füßen rannte er los, denn wenn er sich erst seine Schuhe holen und anziehen würde, könnte es sein, daß er

     

    Eines Tages kam der Imam (a.s.) – in Bagdad – an einem Haus vorüber, aus dem Gegröhle, wilde Musik, Lauten- und Guitarrenklänge und das Stampfen vieler Tanzbeine drangen. Jemand kam mit Abfällen aus dem Haus

    ihn nicht mehr fände. (Und genau das war es, das in ihm, in seinem Inneren, eine Revolution verursachte.)

     

    Buschr rannte und rannte und holte den Imam schließlich ein. Warf sich ihm zu Füßen und sagte:

     

    – Sag mir genau, was hast du zu meinem Bediensteten gesagt?

     

    – Ich habe ihm folgendes … gesagt.

     

    Buschr begriff, was der Imam mit seinen Worten gemeint hatte. Sprach:

     

    – Ab jetzt, von diesem Augenblick an, will ich ein Knecht Gottes sein.

     

    Und er war es.   Von der gleichen Stunde an ward Buschr ein Gottesknecht…

     

    Von dieser Begebenheit hörte Hārun. Er fühlte sich und sein Kalifat gefährdet. Meinte: Sie dürfen nicht existieren… Und so war seine Rede dem Imam gegenüber:

     

    – Dein Dasein allein schon ist meiner Meinung nach sündhaft.

     

    – Was tat ich denn? Habe ich gegen dich rebelliert, einen Aufstand gegen

    dich angezettelt? Welche Schuld beging ich,daß du so denkst?, antwortete er:

     

    Hārun wußte darauf nichts zu antworten. Doch seine vorausgegangenen Worte waren schon beredt genug:

     

    ‚Dein Dasein allein schon ist sündhaft‘.

     

    Kurz – die Imame (a.s.) unterließen dennoch nichts, über den wahren Sachverhalt aufzuklären. Und sie – die Schi’ah und auch andere – begriffen und verstanden…