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    In der Karawane zur Sonne

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    In der Karawane zur Sonne
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    Wenn Monat Muharram kommt, erwacht wieder die Erinnerung an das ewige Epos in Karbala.  Jeder nimmt gedanklich und seelisch eine Beziehung zu Imam Hussein, Sohn des Ali a.s. und seiner Bewegung auf, denn sein Aufbegehren war kein Kampf wie jeder andere. Seine Bewegung ist ein Lehrgang für die höchsten moralischen Inhalte.

     

    Damals, als Imam Hussein seine Bewegung begann, gehörte noch ein sehr großer Teil der Einwohner von Kufa zu den Freunden des Prophetenhauses. Sie waren sich über die Frevelhaftigkeit des Herrschers Yazid und seine völlige Inkompetenz im Klaren und ihnen war der hohe Rang Imam Husseins bewusst.

     

    Doch von diesen vielen Kufanern blieben nur wenige dem Imam treu. Diese Treuen gehörten zu denen, die ihr Leben für das Recht aufs Spiel setzen. Wer wissen will, was sich in Karbala ereignet hat, der  muss auch die Helfer Imam Husseins kennenlernen.

     

    Eine der augenfälligsten Eigenschaften dieser Menschen, war ihre tiefe Überzeugung über den Weg, auf den sie den Fuß gesetzt hatten.  Gewissheit stärkt den Willen der Menschen. Gewissheit ist wie eine Flamme, die Zweifel zu Asche macht. Ohne Gewissheit kommt es zum Abweichen vom Wege und zum Sturz.  Die Helfer von Imam Hussein Ibn Ali hatten tiefe Erkenntnis erreicht. Sie wussten, wen sie unterstützen und das ist aus ihren Worten zu entnehmen – aus den Worten des 14-jährigen Neffen Imam Husseins Qassim Ibn Hassan genauso wie aus den Worten des 80-jährigen Habib Ibn Mazaher. Wir sollten mehr über die  Geschichte  eines dieser Opferbereiten in Karbala berichten.

     

    Er war spät in Richtung Karbala aufgebrochen.  Zusammen mit Muslim Ibn Aus Dscha hatte er Kufa verlassen. Habib Ibn Mazaher zählte 80 Jahre aber er ritt schnell wie ein junger Reitersmann daher . Er war Helfer Imam Alis gewesen und nun eilte er herbei, um dessen Sohn Imam Hussein zur Seite zu stehen. Habib sah zurück auf Kufa. Kufa glich in der Ferne nur noch einem dunklen Strich.  Diese Stadt  hatte Verrat an Hussein begangen. Erst waren alle Muslim Ibn Aqil, dem Boten Husseins a.s. entgegen geeilt und hatten Freudestränen geweint,, als Muslim ihnen sagte, dass Hussein a.s. nach Kufa kommen würde. Aber als sie der Verwalter von Kufa eingeschüchtert hatte, waren diese Freunde von gestern die Komplizen des Feindes geworden.

     

    Habib Ibn Mazaher und Muslim Ibn Aus Dscha setzten ihren Weg in Richtung Karbala fort. Habib musste daran denken, wie er sich von seiner Familie verabschiedet hatte und dass seine Frau und Kinder  an seinen Augen ablesen konnten, dass er von dieser Reise nicht mehr zurückkehrt.

     

    Habib Ibn Mazaher war am 6. Muharram zusammen mit Muslim Ibn Aus Dscha in Karbala bei Imam Hussein a.s. eingetroffen. Der Imam begrüßte ihn herzlich und Habib Ibn Mazaher dankte Gott mit einer Niederwerfung dafür, dass er neben seinem Schutzfreund Hussein sein darf. Habib war der älteste Helfer Husseins.

     

    Es war Abend und die anderen hörten wie Habib aus dem Koran las. Für ihn war das Lesen im Koran eine liebe Gewohnheit. Habib sprach auch zu den Feinden, in der Hoffnung, dass sie vielleicht von ihrem Vorhaben ablassen: Er sagte: „Ihr Leute. Ihr seid ein schlimmes Volk. Gestern habt ihr einen Brief geschrieben und Imam Hussein eingeladen und heute habt ihr das Bündnis gebrochen und euch nicht geschämt. Was wollt ihr morgen am Jüngsten Tag antworten, wenn ihr den Enkelsohn des Propheten Gottes mit seinen Verwandten und seinen Helfern getötet habt?“

     

    In der Nacht zum Aschura-Tag hatte auch Habib die Anweisung Imam Husseins gehört, dass sich alle auf den nächsten Tag vorbereiten sollen, an dem sie der Märtyrertod erwartet.  Habib betete zu Gott und las leise im Koran. Es war nach Mitternacht als Nafe`Ibn Hilal aufgeregt in sein Zelt kam. Habib fragte ihn, was los sei. Er berichtete:

     

    „Bei den Zelten habe ich unseren Mulla Hussein gesehen wie er Dornengestrüpp sammelt. Ich habe ihm dabei geholfen. Da hat er mir gesagt: Ich beseitige dieses Gestrüpp, damit  es morgen nicht die armen Füße der Kinder verletzt, wenn die Zelte geplündert und in Brand gesteckt werden und sie die Flucht ergreifen.“ Während ich dem Imam beim Beseitigen des Dornengestrüpps half tropften mir Tränen vom Gesicht und Blut von der Hand.

     

    Bald darauf kehrte der Imam zu den Zelten zurück und ich begleitete ihn. Er ging in das Zelt seiner Schwester Zenyab und ich hörte wie sie zu ihm sagte: Bruder! Hast du deine Helfer auf die Probe gestellt, damit sie dich morgen im Kampf nicht alleine lassen?“

     

    Nafe`fuhr fort: „O Habib, Die Enkeltochter des Propheten sorgt sich wegen morgen. Als ob sie uns nicht vertraut. Lass uns gehen und unsere Treue erklären!“

     

    Habib Ibn Mozaher ging mit einigen anderen  zum Zelt der Zeynab und vor ihrem Zelt angelangt sagten sie: „O Tochter des Propheten, du Freude Alis: Wenn unser Imam es jetzt gleich befiehlt, werden wir den Säbel dem Feind in den Leib bohren. Warum sollten wir das Leben nicht auf dem Wege Husseins opfern!“

     

    Da hörten sie wie Zeynab im Zelt antwortete:

    „Gegrüßt seid ihr Helfer. Verteidigt die Unantastbarkeit der Töchter der Propheten. Ihr Reinen. Seid Wächter der Zelte.“

     

    Habib fühlt die Hand Imam Husseins auf seiner Schulter und hörte ihn wie folgt seiner Schwester im Zelt antworten:  „Meine Schwester. Ich habe meine Helfer auf die Probe gestellt. Bei Gott, ich habe gesehen, dass sie nichts anderes sind als feste Felsen im Gebirge.“

     

    Habib sagte am Abend zum Aschura-Tag zu seinen Helfern: „Morgen müssen wir die ersten Märtyrer auf dem Schlachtfeld sein. Solange wir noch leben, dürfen wir nicht zulassen, dass die Bani Haschim (die Familie Husseins) den Kampfplatz betreten.“

     

    Der Tag des Heldenepos war angebrochen. Nach dem Gebetsaufruf  von Ali Akbar, Sohn des Imam Hussein und dem gemeinsamen Morgengebet trat Habib an die linke Flanke des kleinen Heeres und ordnete die Reihe der jungen Kämpfer. Dabei sprach er Verse aus dem Koran.

     

    Da aber begannen die Pfeile des Heeres von Umar Ibn Saad zu hageln. Habib  schritt auf den Schlachtplatz und rief: „Ich bin Habib, Sohn des Mazaher, der Einzelkämpfer mit dem Säbel in der Hand. Wir sind im Recht, aber ihr habt das Bündnis gebrochen und seid heimtückisch. Ihr Übeltäter! Statt zu rasten, schwinge ich den Säbel unter euch, ohne Angst zu haben. Für uns ist der Tod wie Nektar und Zucker. Ich bin der Helfer von Hussein, der rein ist und erhaben und geehrt!“

     

    Habib  zog mit seinem Säbel in den Kampf gegen das große Heer des Umar Saad. Er kämpfte solange bis ihn ein feindlicher Säbel am Kopf und an der Seite traf. Das Blut färbte die weißen Haaren des alten Kämpfers rot. Dann sah Imam Hussein, wie die Feinde das abgetrennte Haupt des Habib  hochhielten und herumtrugen.  Tränen traten ihm in die Augen und er sagte: „O Habib, Gott segne dich. Welch ein vorzüglicher Mensch warst du, dass du jede Nacht bis zum ersten Morgengrauen  den Koran gelesen hast.“

     

    Freiheitlich zu denken bedeutet, dass der Mensch seine Würde kennt und seine Seele nicht erniedrigt und sich vom Leben einfangen lässt. Auf dem gewundenen Pfad des Lebens kann es vorkommen, dass einige wegen  weltlicher Interessen und dem was sie besitzen, jede Art der Erniedrigung akzeptieren und sich selbst versklaven. Aber freiheitlich denkende Menschen akzeptieren selbst auf Kosten ihres Lebens keine Schmach.  Deshalb hat Imam Hussein a.s.  gesagt: Der Tod ist besser als ein Leben in Herabsetzung und Schmach. (siehe Bihar al Anwar, Bd. 44, S.196) .

     

    Die Aschura-Bewegung spiegelt das Freiheitsdenken Imam Husseins und seiner Gefährten wieder. Im Islam gilt dieses Denken als ein großer Wert.  Die Entscheidungsfreiheit ist mit dem Wesen des Menschen verwoben und die beste Grundlage  für die Erreichung hoher geistiger und seelischer Stufen.  Imam Ali hat zu seinem Sohn gesagt: „Für alles was du verlierst und hergibst, kann ein Preis festgelegt werden aber es gibt etwas, für das du nirgendwo auf der Welt  einen Preis finden kannst, und das bist du selber.  …“

     

    Aus dem Koran geht hervor, dass das freiheitliche Denken die Befreiung von dem Dienst an allem, was nicht Gott ist, bedeutet. Das Gott-Dienen führt zur Aufrichtigkeit in der Religion  und zur Abwendung von dem Hässlichen und der Befreiung aus Dunkelheit und Irrtum. In dem Vers 2 der Sure 39 heißt es: „Diene nun deinem Herrn und stelle dich in deinem Glauben ganz auf ihn ein.“

     

    Gemäß Islam bedeutet es eine Versklavung wenn der Mensch einem anderen dient als Gott und sich der Sünde verschreibt.  Die erste Voraussetzung zur Beschreitung des Weges Gottes ist die Trennung von den weltlichen Lieben.  Wer Gefangener seiner weltlichen Verlangen ist, kann keine hohen Ziele erreichen.  Die Angst vor Verlusten oder vor Verzichten schwächt den Willen des Menschen , wichtige Entscheidungen zu treffen.

     

    Aber es ist Eigenschaft der Freiheitsliebenden  frei von ihren Wünschen zu sein. Wie oft verhindert ein Verlangen den Menschen an seinem Aufstieg zu hohen Zielen und wie oft hat der Verzicht auf das weltliche Verlangen Menschen die Spitze der Menschlichkeit erreichen lassen. So war es bei denen die das Heldenepos zu Karbala schufen.

     

    Imam Hussein brauchte Helfer, die freiheitlich denken und sich vom Hang zum Weltlichen befreit hatten, damit er  die hohen Werte verteidigen konnte. Einer dieser freiheitlich Denkenden in Karbala war Horr Ibn Yazid Riahi. Horr war auf einen höheren Posten im Heer des Umar Ibn Saad gelangt, doch dann wandte er sich von allem ab, befreite sich und schloss sich Imam Hussein an.

     

    Horr  hatte ungern die Reise angetreten. Er hatte einen Auftrag erhalten. Horr wusste dass Yazid ein sündiger Mensch ist. Aber dennoch hatte er , um seine Familie zu schützen, ihm die Treue geschworen und Ubaidullah , der Verwalter von Kufa hatte ihn an die Spitze von 1000 Soldaten gestellt.  Doch Zweifel quälten Horr.  Er war beauftragt, sich mit seinen Mannen der Karawane des Imam in die Quere zu stellen.

     

    Horr und seine 1000 Retter durchquerten die Steppe. Sie waren alle müde und durstig. Da erblickten sie die Karawane Imam Husseins. Als Imam Hussein hörte, dass das Heer des Hors durstig ist,  sagte er seinen Helfern: „Gebt ihnen und ihren Pferden Wasser.“  Als er sah, dass einer der Soldaten zu matt ist um Wasser zu trinken, stand er auf , und gab ihm selber zu trinken und tränkte sein Pferd.  Dann sagte er man solle auch die Mähnen der Pferde mit Wasser kühlen.

     

    Es war Zeit für das Gebet. Horr und seine Leute stellten sich hinter dem Imam zum Gebet auf. Nach dem Gebet hielt der Imam eine kleine Ansprache: „Ihr Leute: Wenn ihr Gott fürchtet und das Recht auf der Seite seiner Diener seht, so wird Gott mit euch zufrieden sein.  Wenn ihr euch daran halten wollt, dann schließt einen neuen Treueschwur und wenn ihr nicht denkt, dass wir im Recht sind und etwas anderes meint, als das was ihr im Brief geschrieben habt, so  wende ich mich von euch ab.“

     

    Horr fragte: Welche Briefe meinst du denn?

    Da zeigte einer der Helfer des Imam dem Horr die Beutel mit den Briefen, welche die Kufaner an den Imam geschrieben hatte. Horr aber sagte: Ich wusste nichts von diesen Briefen und man hat mir befohlen, euch zu Ubaidullah, dem Verwalter von Kufa zu bringen.

     

    Imam Hussein a.s. merkte, dass es wenig Sinn hat mit Horr und seinem Heer zu sprechen und so gab er seiner Karawane Anweisung, dass sie den Weg fortsetzen, doch das Heer des Horr stellte sich ihnen in den Weg.  So änderte die Karawane Husseins, die auf dem Weg nach Kufa war, die Richtung und zog in Richtung Karbala.

     

    Am 10. Tag des Muharram war Horr sich angesichts des Heeres von circa 3000 Reitern gegenüber Imam und seinen 72 Helfern im Klaren darüber, dass die Umayyaden Imam Hussein töten wollten.  Der Gedanke, dass er nun gegen den Sohn der Prophetentochter Fatima antrat setzte ihm zu: „O Gott, ich habe dem Enkelsohn des Propheten den Weg versperrt!“

     

    Horr überlegte, soll er im Heer des Umar Saad bleiben? Kurz vorher hatte man ihm die Befehlshabung von 4000 Mann anvertraut. Horr sah auf der einen Seite die Schande stehen und auf der anderen Seite die Seligkeit: Er dachte: O Gott nicht dass sich die Türen der Welt für mich öffnen und dafür die Tore zum Paradies schließen.  Nun bin ich schon über 50 Jahre alt. Wie lange werde ich denn noch leben.?! Und wenn man mir alle Paläste von Schaam schenkt, was nützen sie mir wenn ich schließlich sterbe.

     

    Was handele ich mir anderes als deinen ewigen Zorn ein, wenn ich mich an dem Tod des Nachkommens des Propheten schuldig mache. …

    O Gott , ich war es der ihn in diese trockene Ebene getrieben habe. Wehe mir!

     

    Horr verspürte wie sehr dem Imam Unrecht geschah und er hörte Imam Hussein rufen. Unter dem Vorwand, sein Pferd habe Durst entfernte er sich von dem Heer des Yazid und wechselte zum Heer des Rechtes über.

     

    Horr hatte das Zelt Imam Husseins erreicht: “ O Hussein, ich bin es gewesen, der Zeynab das Herz brach und dich in diese Wüste trieb , so dass dich Durst und Umzingelung und 33 Tausend Säbel und Speerspitzen erwarteten.“

    Der Imam sagte: „Horr! Warum steigst du nicht vom Pferd ab?“

     

    Er: „Ich steige solange nicht vom Pferd ab, bis mir deine Kinder verziehen haben. Bis Zeynab meinen Fehler vergibt. Bis deine gütige Hand meine Hand ergreift“

    Der Imam sagte: „Steig ab, Horr, wir empfangen dich“.

     

    Horr fragte: „Nimmt Gott meine Reue entgegen?“

    Der Imam: „Ja, Gott nimmt deine Reue entgegen und er vergibt dir deine Sünde.“

     

    Horr sagte:   „Ich war der erste, der dir den Weg versperrt hast. Ich steige nicht vom Pferd ab, bevor du mir nicht erlaubst, dass ich der erste bin, der auf deinem Weg und für deine Ziele getötet wird. Vielleicht werde ich in jener Welt mich zum Propheten setzen dürfen.“

     

    Horr  ritt auf den Kriegsplatz. Er mahnte das feindliche Heer und als diese auf ihn zielten rief er: „Ich bin Horr und  Wächter des besten Menschen von Mekka. Ich kämpfe und schwinge meinen Säbel und habe keine Angst.“

     

    Horr kämpfte bis zum letzten Augenblick, bis ihn ein Pfeil traf. Als er zur Boden fiel, hörte man ihn sagen: „O Sohn des Propheten, steh mir bei.“

    Da spürte er  die Hand Husseins auf seiner Stirn.

     

    Und der Imam sprach: „Sei beruhigt und lass mich deine Stirn verbinden. Hast du nicht gesagt, ich soll im letzten Augenblick neben dir sei?! Öffne die Augen und sieh: du bist nun frei. Du warst im Leben ein freier Mann und bist es auch im Jenseits.“

     

    Hussein verband Horr den Kopf:

    Horr sagte: „Hast du mir verziehen? Hat Gott mir vergeben?  O lächle doch, mein Herr und Freund, damit ich zur Ruhe finde und beruhigt zu Gott heimkehren kann.“

     

    Der Imam sagte zu ihm: „Wie gut ist Horr, dass er auf den Ruf Husseins gehört und sein Leben für ihn geopfert hat. O Herr, nimm ihn im Paradies in Empfang.“