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    Islam als Lehre und gesellschaftliche Wirklichkeit (Teil 1)

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    Islam als Lehre und gesellschaftliche Wirklichkeit (Teil 1)
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    Vorbemerkung und Einleitung

     

    Die Abweichung der Wirklichkeit von der Lehre ist ein häufig auftretendes Phänomen. Die Aufgabe der Wissenschaft besteht darin, auf die möglichst reinste Form der jeweiligen Lehre zurückzugreifen, um die Abweichungsgründe erforschen und beheben zu können.

     

    a) Wichtigste historische Daten: Lebenszeit Muhammads (570—632); Offenbarungszeit (610-632); Auswanderung von Mekka nach Medina und Beginn der islamischen Zeitrechnung (623); Zeit der vier rechtgeleiteten Kalifen (632—661); Umaiyadenzeit (661—750); (750-1031 weitere Umaiyadenherrschaft im Westen); Abbasidenzeit (749—1258); Osmanisches Reich (14. bis Anfang des 20. Jh.);

     

    Weitere wichtige Reiche

     

    : Mogulherrscher in Indien (1526—1858); Safawiden im Iran (1501—1732); seit dem 17. Jh. Begegnung des Islams mit dem Westen als einer überlegenen Macht.

     

    – Quellen der islamischen Lehre

     

    sind 1. der Koran, das für alle Muslime verbindliche Wort Gottes (verbale Inspiration); 2. die den Koran deutenden (erklärenden) Aussagen und Verhaltensweisen Muhammads, genannt as-Sunna; 3. der durch Koran und Sunna legitimierte Consensus und 4. die für das Denken und die Praxis relevanten allgemeinen logischen Prinzipien.

     

    c) Der Mensch

     

    steht insofern im Mittelpunkt des koranischen Interesses, als seine direkte Beziehung zu Gott, d. h. seine Ergebenheit Gott gegenüber, den Inhalt des Islam (Gottergebenheit) ausmacht. Diese direkte Beziehung und Verbindung zu Gott bildet nicht nur den religiösen Kern der islamischen Lehre, sondern bestimmt darüber hinaus — wie später gezeigt wird — die gesellschaftliche und politische Struktur der islamischen Gemeinschaft.

     

    d) Entwicklungs- und Reformmöglichkeiten der islamischen Lehre:

     

    Der Koran wurde nicht auf einmal, sondern innerhalb von 23 Jahren sukzessiv entsprechend den lebendigen Situationen verkündet. Dem entspricht die Dynamik, mit der die Muslime bei der raschen Erweiterung des Islam fremdes Gut islamisierten und adaptierten. Dies, wie auch das Weiterleben des Islam unter verschiedenen Völkern führte zur Aufnahme vieler Strukturen, Sitten und sogar Lebensregeln, die für spätere Generationen als Dogma geltend das Leben und die Weiterentwicklung des Islam erschwerten. Die islamischen Reformatoren haben zu allen Zeiten bis heute ihre Aufgabe darin gesehen, über das Vorgefundene hinweg auf den Ursprung des Islam, auf den Koran, zurückzugreifen. Zu den wichtigsten Reformatoren werden gezählt: Ibn Hanbal (780-855); Abu‘l-Hasan al-Asch‘ari (gest. 946); Ihn Taimiya (1263—1328); Ibn ‘Abdalwahhab (1703—1787); Schah Waliyullah von Delhi (1703—1781). Für die Reformbewegungen anlässlich der Konfrontation mit der wirtschaftlichen und politischen Macht des Westens sind bis heute von besonderer Bedeutung: Djamal ad-Din, bekannt als al-Afghani (1839—1897) und sein ägyptischer Schüler Muhammad ‘Abduh (1849—1905) und ihre Schulen.

     

    e) Islamische und westliche Wertsysteme:

     

    Das konsequente Gefüge der islamischen Werte berechtigt uns, von einem islamischen Wertesystern (vgl. dazu das Folgende) zu sprechen, das sich von dem abendländischen in seinem Ansatz, seinem Gehalt und seiner Zielgerichtetheit unterscheidet. Diese Unterschiedlichkeit war und ist immer noch der Grund für gegenseitige Missverständnisse und Vorurteile. Ein besseres Verständnis des Islam setzt voraus, es zu vermeiden, nur die westlichen Denk- und Wertkategorien als Maßstab zu verwenden.

     

    Was ist der Islam und wozu verpflichtet man sich als Muslim?

     

    Die Hingabe an einen einzigen Gott macht den Inhalt einer religiösen Haltung aus, die der Ausdruck „Islam“ wiedergibt. Das gilt nicht nur für die von Muhammad verkündete Lehre, sondern auch für alle anderen religiösen Lehren, die, die Gottergebenheit zum Inhalt haben. Als Prototyp eines wahren Muslims hebt der Koran die Person Abrahams, den Bekämpfer der Götzenanbeterei, hervor. In diesem Sinne bringt der Koran auch allen vorherigen Religionen Anerkennung entgegen, die Gottergebenheit gelehrt haben. „Die (einzig wahre) Religion bei Gott (immer und überall) ist der Islam“ (Koran: Sure 3/Vers 19). Als Muslim verpflichtet man sich zur Erfüllung dieser religiösen Haltung. Erfüllung findet sie nicht in einer rein gefühlsfreien logischen und philosophischen Überzeugung, sondern in einer mit dem höchsten lebendigen Wesen emotional verbindenden Überzeugung und in den Handlungen, die mit dieser Überzeugung korrespondieren. Anders gesagt: Man verpflichtet sich als Muslim auf Glauben und Handlung; ein Glaube, – der in der Handlung seine Realisierung findet und Handlungen, die ihren Sinn im Glauben erblicken. Diese untrennbare Zusammengehörigkeit des Glaubens und der damit verbundenen Handlung ist die Konkretisierung der un-mittelbaren Gott-Mensch-Beziehung; Mensch nämlich als Individuum und als Mitglied der Gemeinschaft, umma, zu der auch die Person Muhammads als eines der Mitglieder gehört. (Er ist also in keinem Falle Mittler zwischen den Menschen und Gott, was gegen den Sinn des Islam, gegen die ausschließliche Hingabe an Gott, verstößt.) Diese unmittelbare Gott-Mensch-Beziehung wird bestimmt:

     

    a) durch den Glauben, daß es nur einen Gott gibt; daß die Gesandtschaft zur Verkündung dieser wahren Lehre notwendig ist; daß die Verbindung zwischen Gott und den Menschen nicht mit dem Tode abbricht, sondern es ein ma‘äd, eine Wiederkehr am Tage des Jüngsten Gerichtes, und in diesem Sinne ein Weiterleben gibt; daß al-qadä wa‘l-qadar‘ d. h. ein ständiges Präsentsein der Allmacht Gottes die Entscheidungen und Handlungen des Menschen begleitet, ohne dem Menschen seine freie Entscheidung und seine Verantwortung abzunehmen; daß sich der Erschaffungsakt nicht nur auf ein intelligibles Wesen Mensch beschränkt, sondern daß es weitere erschaffene Mächte (als Engel bezeichnet) gibt, die dem göttlichen Willen voll und ganz ergeben sind.

     

    b) durch Handlungen auf der privaten und gesellschaftlichen Ebene, die diese Überzeugungen in der Weise repräsentieren, daß sie daraufhin gerichtet sind, bzw. sein sollen.

     

    So stellt der Glaubensbereich in seinem vollen Umfange die weltanschauliche und die Handlungsbereiche in ihrer Differenziertheit (private, gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische, juristische usw.) die praktische Seite der islamischen Lehre dar, indem die erste das Fundament für die zweite liefert und die zweite die faktische Verwirklichung der ersten sein soll. In diesem Sinne kommt eine besondere Bedeutung denjenigen Handlungen zu, die als „Säulen des Islam“ bezeichnet werden, nämlich: Gebet (5 mal am Tag), Fasten (Monat Ramadan), Abgaben von Geld und Gütern zum Erhalt der Gemeinschaft und die Pilgerfahrt nach Mekka (nach Möglichkeit mindestens einmal im Leben).

     

     

    Die islamische Weltanschauung als Basis des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhaltens

     

    Die islamische Weltanschauung erschöpft sich nicht darin, daß man an Gott, an die von ihm geschaffene Welt und ihre Ordnung und an seine durch die Gesandten verkündete Lehre glaubt. Sie ist vielmehr durch die Art, durch das Wie des Glaubens zu charakterisieren. Ent-scheidend dabei ist die Weise des Glaubens an Gott. Nicht nur die Überzeugung, daß es einen einzigen Gott gibt, sondern das Verneinen all dessen, was außer ihm als wirkende oder mit-wirkende Macht und Kraft in Frage kommen könnte (Ia ilaha illa‘ llah) liefert das Fundament der islamischen Weltanschauung, von dem die anderen Glaubensartikel als Folge abhängen. Nur Gott, seine Allmacht, seine Allwissenheit und sein Wille begleiten jedes Geschehen; alles, was sonst als wirkende oder mitwirkende Ursache daran beteiligt zu sein scheint (vom Metaphysischen bis hin zu Gesandten Gottes oder anderen Kräften, Mächten und sogar Menschen) ist dem Willen Gottes untergeordnet. So entsteht eine vom Willen Gottes durchzogene Welt und Weltordnung, zu der auch der Mensch, sein Leben, sein Handeln und die Bestimmung seines Verhaltens durch die Offenbarung gehört. Die Kausalität in der Natur und die Freiheit des Menschen werden nicht abgelehnt. Sie sind allerdings immer und überall vom göttlichen Willen begleitet, ohne den es sie nicht geben kann, bzw. ohne den sie nicht wirken können.

     

     

    Die Grundstruktur einer islamischen Gesellschaft

     

    Die dem Menschen gebotene Haltung, sich in allen Angelegenheiten nur einem einzigen Gott zuzuwenden und die Überzeugung, daß alles andere außer ihm nur als unter dem göttlichen Willen stehend zu respektieren und jede Art von Personenkult abzulehnen ist, bestimmen die Grundstruktur einer islamischen Gesellschaft, die durch weitere Strukturmomente ausgebaut wird: Jeder Mensch als Individuum und als Mitglied der Gesellschaft hat eine direkte Beziehung zu Gott zu pflegen, der seinerseits in der gleichen direkten Beziehung zu den anderen Gesellschaftsmitgliedern steht. Die Wechselbeziehung der Mensch-Gott-Gemeinschaft verschafft als Abbild von der Einheit Gottes eine gesellschaftliche Haltung, die der islamischen Gemeinschaft von innen heraus auf ein Endziel hin eine Einheit bietet, die jenseits aller materiellen Interessen die Mitglieder der Gemeinschaft ohne Rang- und Wertunterschiede miteinander und mit Gott verbindet.

     

    Der Vollzug einer solchen Haltung bedeutet, daß in einer solchen Gesellschaft sich keiner über den anderen erheben darf, weder aus materiellen, noch sogar aus immateriellen, etwa geistigen, Gründen. Nur die Frömmigkeit im Sinne eines vollen Vollzuges der Gottergebenheit, d.h. vollständige Erfüllung privater und gesellschaftlicher Pflichten, gibt Anlaß zu einem Rangunterschied („der Vornehmste sein“), und nur vor Gott und nicht unter den Menschen (Koran: Sure 49/Vers 13).

     

    Die direkte Folge einer solchen Gleichheit ist das weitere Strukturmoment, d. h. eine dementsprechende Gerechtigkeit, die als Ziel der prophetischen Sendung im Koran angegeben wird (Koran: Sure 57/Vers 25). Nicht nur die Gerechtigkeit unter den Menschen in ihrer Gemeinschaft ist das Ziel der prophetischen Sendung. Die Gemeinschaft nimmt darüber hinaus eine so zentrale Bedeutung ein, daß ihre Rechte als Rechte Gottes bezeichnet werden. Im Gegensatz zu haqq an-näs (Rechte eines jeden Menschen) bezeichnet haqq Alläh die Rechte Gottes, einmal gottesdienstliche Ehrerbietungen, die ihm und nur ihm gebühren und Rechte, die, die Gemeinschaft (umma) als Gemeinschaft besitzt. Zu den Rechten des Menschen gehört sein Besitz sein Leben, der Schutz seiner Familie usw. Zu der Rechten der Gemeinschaft, die als Rechte Gottes deklariert sind, gehört die Bewahrung der Sicherheit der Gemeinschaft, wozu die Vorbeugung vor jeder Störung des Friedens und der geordneten Koexistenz gehört. Diese höchst bedeutungsvolle Identifikation göttlicher Rechte und der, der menschlichen Gemeinschaft drückt nicht nur die einmalige Bedeutung der Gemeinschaft aus, sondern sie weist auf das Präsentsein Gottes in der Gemeinschaft als Beschützer und Partner hin. Der Einklang des göttlichen Willens und des Willens der Gemeinschaft als bestimmendes Merkmal der Struktur der islamischen Gemeinschaft wird noch dadurch verstärkt und weiter ausgebaut, daß der Mensch in der Sprache des Korans stets aufgefordert wird, nachzudenken (zikr, ‘aql), mitzudenken (‘ilm) und Gebote und Verbote nicht als Dogmen, sondern als verstandesgemäß (fahm) und gesellschaftlich gerechtfertigt zu akzeptieren. Die wirtschaftlichen, juristischen und politischen Vorschriften des Islam sind im wesentlichen als Konkretisierung dieser Gesellschaftsstrukturen konzipiert.

     

     

    Das islamische Gesetz, seine Entwicklung und Bedeutung für die gegenwärtigen Entwicklungen

     

    Die Charakterisierung des Islam als einer „Gesetzesreligion“ ist irreführend, wenn diese den Eindruck erwecken soll, daß der Islam aus einer Summe von Gesetzen, wie etwa den römischen oder dergleichen mehr, bestehe. Die Vorschriften, die das Leben des Individuums und der Gemeinschaft regeln sollen, sind nur als Verwirklichung der Hingabe an Gott auf der Ebene Mensch-Gott-Gemeinschaft zu verstehen. Nicht die Gesetze als solche — wie etwa -mathematische Gesetze —‚ sondern die Handlungen im -Sinne der Verwirklichung des menschlichen Lebens haben primäre Bedeutung; Handlungen, die ihrerseits der Vollzug des Verhältnisses der Mensch-Gott-Gemeinschaft sind.

     

    Es sind also nicht Gesetze, die als Bestandteile eines Rechtssystems auf einer Soll-Ebene existieren. Sie sind vielmehr als Ausdruck der‘ Form der Handlungen mit diesen verbunden. -D. h., mit dem Gesetz und dessen Verwirklichung ist ein Stück Glaube und dessen Realisierung verbunden. Das bestimmt das Verhältnis eines Muslims zum islamischen Gesetz. Gesetze sind nicht da, um als Einschränkungen angesehen zu werden, die man möglichst zu umgehen versucht. Sie sind Mittel zur Verwirklichung des Mensch-Gott-Gemeinschafts-Verhältnisses und nicht Selbstzweck; eine Zielsetzung, die in der Realität nicht bei jedem Muslim ernsthafte Resonanz gefunden hat. Darin ist die Tatsache begründet, daß sich verhältnismäßig wenige — weniger als 10% — der Koranverse mit den Gesetzen beschäftigt haben; daß auch diese Gesetze zu etwa 70% erst gegen Ende der Offenbarungszeit, d. h. nach der Stabilisierung des Mensch-Gott-Gemeinschafts-Verhältnisses verkündet wurden; dass die Gesetzesmotivation den Muslimen in verschiedenen Zeiten die Islamisierung anderer juristischer Güter und selbstschöpferische Bestimmungen ermöglicht hat. Die Schattenseite dieser Entwicklung war jedoch die, daß viele Regelungen später als Dogmen starre Formen annahmen, die der ursprünglichen Dynamik des Islam entgegenwirkend einer weiteren zeitgemäßen Entwicklung im Wege standen und noch im Wege stehen. Hier war — und ist heute noch — der Ort, wo die Reformatoren am häufigsten ansetzten und heute noch ansetzen müssen. Das Gemeinsame bei ihnen ist die Orientierung an den Urformen des Islam. Auch heute ist es dem Gebot des Koran nach möglich und sogar erforderlich, sich danach orientierend, ein den Bedürfnissen der Zeit ent-sprechendes Verhältnis verschiedener Gesetze herbeizurufen, ohne dem Koran zu widersprechen.

     

     

     

       Die Grundzüge der islamischen Wirtschaft

     

    Das unmißverständliche Streben des Korans nach einer absoluten gesellschaftlichen Gerechtigkeit findet unter anderem in einer der islamischen Maximen seinen Niederschlag, die für die islamische Wirtschaft von grundsätzlicher Bedeutung ist. Es ist das Prinzip einer gerechten Entsprechung zwischen Leistung und Gegenleistung, einschließlich immaterieller Leistungen. Auf die Wirtschaft angewendet bedeutet dies nicht eine Abschaffung des Eigentums oder gar eine gleiche Verteilung der Reichtümer unter allen Mitgliedern der Gemeinschaft. Es meint auch keine Absage der einseitigen Schenkungen und des Verzichtes auf einen Ausgleich. Übersetzt heißt das Prinzip vielmehr Absage gegenüber einer Ausbeutung der Leistung anderer Mitmenschen ohne entsprechende Gegenleistung; gegenüber Spekulationen, die letztlich die Wirtschaft in die Hände einiger Gruppen verlagern, von denen der Rest der Gesellschaft abhängig sein wird; gegenüber Monopolen; gegenüber allen denjenigen Geschäften, die nicht die Leistung, sondern den Zeitablauf als gewinnbringenden Faktor einsetzen: ein Prinzip, das konsequenterweise zum Zinsverbot geführt hat und zum Verbot gleicher Geschäfte, die Geld plus Zeit, aber ohne eigene Leistung für eine — daher ungerechtfertigte — Gegenleistung zu Grunde legen.

     

    Die Überzeugung, daß der göttliche Wille und die göttliche Macht alle Geschehnisse in der Welt und im menschlichen Dasein begleiten und die daraus resultierende, bereits angewandte Folge, daß Gott als Partner in der menschlichen Gemeinschaft ihre Rechte vertritt, hat auch erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen: Der Koran spricht von mal Allah, Reichtum Gottes (Koran: Sure 24/Vers 33), der den Bedürftigen — wirtschaftlich nicht Leistungsfähigen — gewährt werden soll. Es sind die Reichen, die dazu aufgefordert werden, nämlich diejenigen, die im Besitz von Vermögen sind, das über ihren angemessenen Bedarf hinausgeht. Der Überschuss gilt als mal Allah, als Gemeinschaftseigentum. Es steht jedoch nicht beliebig jedem zu, sondern nur denjenigen, die in einer durch und durch islamisch geordneten Gemeinschaft die Leistungsunfähigen sind.

     

    Die Rückbesinnung auf diese ursprünglichen islamischen Wirtschaftsprinzipien hat in den letzten Jahrzehnten in manchen islamischen Ländern zu einer noch im Werden begriffenen Umstrukturierung geführt. Es sind Länder, in denen die Suche nach neuen Wirtschaftsmodellen eine der Grundlagen der Revolution ausmacht, wie z. B. Algerien, Libyen und Iran. Die Endform der angestrebten Modelle ist jedoch nicht kurzfristig zu erreichen; mitentscheidend, freilich schwer zu kalkulieren, ist dabei die Reaktion der westlichen und östlichen Weltwirtschaft. Für die Rechtfertigung ihrer Meinung können sich die Vertreter dieser Umstrukturierung über die faktische Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung in den islamischen Ländern — welche die genannten Wirtschaftsprinzipien außer acht ließen — hinwegsetzen und sich auf die Zeit Muhammads und die reichhaltigen Belege in Koran und Sunna berufen.