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    Islam und Abendland Verbindendes und Trennendes (1)

    • Prof. Falaturis
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    Vortrag Prof. Falaturis beim Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU in Bonn, 16.09.1991

     

     

    Meine Damen und Herren,

     

    als ich von Köln im Regen nach Bonn fuhr, dachte ich, daß viele durch den Regen heute abend den Vortrag nicht besuchen würden, aber ich sehe, daß der Regen keinen daran gehindert hat. Schönen Dank für Ihr Interesse und für Ihr Kommen. Meine Damen und Herren, wie Sie eben gehört haben, Islam und Abendland haben beide eine ganz lange Geschichte, eine Geschichte, die besteht aus positiven und negativen Verhältnissen.

     

    Klarheitshalber habe ich den Vortrag in vier Abschnitte eingeteilt, Abschnitt 1 ist die religiöse Ebene, die den Islam mit dem Abendland verbindet oder auch trennt, Abschnitt 2 ist die kulturelle Ebene, die ebenso die islamische und die christlich-abendländische miteinander verbindet, aber auch zum Teil voneinander trennt, der 3. Abschnitt sind die politischen Verhältnisse, die kaum positiv waren und diese politischen Verhältnisse in ihrer negativen Auswirkung haben auch die beiden anderen Bereiche in Mitleidenschaft gezogen. Als 4. Abschnitt, der das Resümee unserer ganzen Diskussion ist, soll überlegt werden, was wir als Verantwortliche für die jetzige, aber auch zukünftige Gemeinschaft der Menschheit schlechthin, hier tun können.

     

    Zunächst zum ersten Abschnitt, der religiösen Ebene. Auf dieser Ebene, meine Damen und Herren, werde ich nicht als ein Muslim hier reden, sondern mehr als Religionswissenschaftler, der versucht, Phänomene mit Distanz zu betrachten, ohne überhaupt daran zu denken, daß wir es mit Wahrheit oder Falschheit zu tun haben. Ich möchte Sie gerne auch darum bitten, in diesem Sinne sich das Ganze anzuhören. Es ist erstaunlich, daß unter allen Religionen der Welt allein der Islam Jesus Christus und Maria anerkennt, praktisch wird die Lehre von Jesus nur vom Islam und den Muslimen anerkannt. Es wird die Person – und ich möchte das gerne in den Vordergrund stellen, damit man Differenzen aufzeigen kann – Es werden im Koran alle Beschaffenheiten, die, die Christen Jesus Christus zuschreiben, bzw. an die sie glauben, wird der Koran in allem zustimmen, vielleicht ist manches sogar im höheren Maße, was sich um Maria handelt. Die Reinheit Marias, Unantastbarkeit, usw., dann auch Jesus wird im Koran so erklärt, definiert und beschrieben, wie sonst keine andere Gestalt im Koran. Dass er vom Geist Gottes ist, daß er das Wort Gottes ist, daß er in einer ganz anderen Art und Weise zur Welt gekommen ist, daß diese Empfängnis Marias durch den Heiligen Geist war, all das wird bestätigt. Nur eins nicht und gerade das legt die Differenzen:

     

    der Koran, und das ist in einer späteren Zeit, das, was ich bis jetzt gesagt habe, fängt bei Muhammad in der mekkanischen Zeit an. Zu Ihrer Information sage ich, daß man die islamische Geschichte, d.h. die Geschichte der Zeit Muhammads in zwei Epochen einteilt, einmal in die mekkanische, 610- Mitte 622 und dann von Mitte 622-632 ist die medinensische Zeit, als Muhammad von Mekka nach Medina ausgewandert war. Schon in der mekkanischen Zeit, ich betone das, weil sehr viele, die sich nicht historisch mit dem Islam auseinandersetzen, behaupten, daß Muhammad erst in Medina, nachdem er mit Juden und Christen konfrontiert wurde, hätte er von Christentum und Judentum gesprochen, das ist Unsinn, das hat schon in der mekkanischen Zeit, sogar in ganz frühen Phasen der Offenbarung begonnen und es ist ein Rätsel, wie ein Araber kommt, in einer Welt, die voll von Polytheisten ist, gerade das Judentum und Christentum vertritt. Das ist eine andere Frage, das können wir hier auch nicht behandeln, aber ich möchte nur auf Jesus und Maria zurückkommen.

     

    Alle diese Beschaffenheiten sind bestätigt, nur eins nicht, und dies eine, was nicht ist, ist erst in der medinensischen Zeit und in der Auseinandersetzung mit den jüdischen Behauptungen und das ist nicht an die Adresse der Christen, sondern an die Adresse der Juden, dieser Ausdruck, das ist Koran, 4/157, wo der Koran sagt, daß diejenigen, die behaupten, der Koran redet nicht, und das ist eigenartig, nie ganz klar, immer in einer bestimmten Ausdrucksweise, die haben ihn nicht getötet und nicht gekreuzigt, heißt es einfach, sondern es wurde ihnen eine andere Gestalt, eine Verwechselung lag vor. Das ist zunächst, es scheint ganz einfach zu sein, gut, die Christen sagen, Jesus ist am Kreuz gestorben und die Muslime sagen nicht. So einfach ist es nicht. Das hier packt praktisch diese Essenz der beiden Religionen und hier, wenn Sie hier ansetzen, merken Sie, daß die beiden Religionen sich essentiell voneinander unterscheiden. Damit ich dieses erkläre, möchte ich ganz kurz erst den Grund sagen. Der eigentlicheUnterschied zwischen Islam und Christentum ist ein anthropologischer Unterschied. Der Islam sieht den Menschen gut geschaffen und in dem Menschen liegt der Kern des Guten, der nachher, im Laufe der Zeit entweder der Mensch in der Lage ist, mit Hilfe der Offenbarung dieses Gute zu entwickeln, oder nicht.

     

    Im Christlichen dagegen, wissen wir, egal wie wir Sündenfall oder Sünde interpretieren, da möchte ich jetzt nicht drauf eingehen, aber das ist jetzt jedenfalls der Mensch, der mit Sünde behaftet ist und eine Erlösung braucht. Logisch ist natürlich, daß diese Erlösung auch in einer anderen Art und Weise geschehen soll, nicht durch menschliche Kraft, sondern durch göttliche. Darauf beruht die christliche Lehre, das System in sich ist sehr geschlossen und läßt keine Lücke offen. Der Islam sieht diese Sündhaftigkeit als Wesen des Menschen gar nicht an. In dem Sinne braucht er keine existentielle Erlösung. Das Wort Erlösung fällt im Koran gar nicht. Was der Mensch braucht, der von Natur aus gut ist, ist eine Rechtleitung. Rechtleitung bildet den Kern aller Offenbarungen nach der koranischen Auffassung. Thora, Evangelium, auch die Schriften von Abraham und David, wie alle Schriften, die wir auch in den semitischen Religionen kennen, aber auch darüber hinaus, alle Schriften, die auf Offenbarung zurückgehen, haben nur eine einzige Funktion, nämlich die Rechtleitung. Sehen Sie, hier haben wir ein ganz anderes Modell, das auch in sich sehr schlüssig ist. Nirgends geht der Koran von diesem Schema ab, der Unterschied zwischen Muslimen und Christen, bzw. der Grund ihrer Auseinandersetzungen ist, daß sie weniger versucht haben, sich in ihrem System zu verstehen.

     

    Der Christ widerlegt den Islam aus seiner ihm eigenen Logik. Dazu haben auch sehr viele Religionswissenschaftler seit dem 18./19. Jh. und ganz besonders im 20. Jh. beigetragen, indem sie von der christlichen Begrifflichkeit aus an die anderen Religionen herangegangen sind, u.a. auch den Islam, sie suchten nach der Erlösung, diese gibt es nicht in dem Glauben, ach ja, die Handlungen sind es, nach muslimischer Auffassung, die, die Muslime erlösen. Da kommt dann das Werkreligion und dann die Theorien und Thesen, die man darauf aufgebaut hat und die von Grund auf gar nicht haltbar sind. Also, in diesem Sinne aber hat Islam eine andere Leistung, indem er meint, daß die einzige Funktion der Religionen die Führung, die Rechtleitung ist, kommt auch ein Punkt und dieser Punkt ist religionswissenschaftlich gesehen sehr interessant, das ist, daß die für die Religion, also monotheistische Religion oder andere, gibt es nur eine einzige Möglichkeit, die Religion kann nur eine Religion sein, nicht in dem Sinne, daß man mehrere Religionen zusammenbringen und das Gemeinsame daraus nehmen würde, nein, Religion ist die Verbindung des Menschen mit Gott. Diese Verbindung ist nur eins, kann auch nur eins sein. Und diese Verbindung heißt nach dem Koran Islam. Und dieser Islam ist nicht nur von Muhammad, sondern die Offenbarung oder Lehre von Adam, denn Adam ist konsequenterweise für den Koran ein Prophet, ein Gesandter. Denn, es könnte nicht sein, daß Gott den Menschen mit diesen guten Anlagen geschaffen hat, den Menschen ohne Rechtleitung auf der Erde gelassen habe.

     

    Das ist vom ersten Augenblick an hat Gott diese Aufgabe erfüllt, Adam ist der erste, der die Offenbarung empfangen hat, das braucht nicht unbedingt eine Schrift zu sein. Also, seine Offenbarung war der Islam, Abrahams Offenbarung ist der Islam Jesus Offenbarung ist Islam, die Offenbarung Mose ist Islam. Es gibt gar keine andere Möglichkeit außer Islam, wenn man darauf besteht, daß die Religion, die, die Begegnung des Menschen mit einem nominosen, also mit Gott ist. Das ist in sich logisch. Genauso wie im Christentum es in sich logisch ist. Die Probleme sind, daß wir kaum versucht haben oder nicht versucht haben, einander näher kennenzulernen und der Koran geht auch damit genauso von Anfang der Offenbarung an bis zum Schluß um, d.h. bei Anerkennung der Juden und Christen, das ist nicht Toleranz, das ist ein Glaubensmoment im Koran, daß die Christen und die Juden den Islam besitzen, das ist nicht nur leben lassen, das ist eine Bestätigung, das sind Glaubensbestandteile, mehr als Toleranz, was wir meinen. Aber der Koran setzt sich auseinander mit Juden und Christen, die ihre eigene Religion nicht aufrechterhalten. Der Koran lobt aber Juden und Christen, die sich nach ihrer Religion verhalten. Das alles konsequent, nur eine Sache möchte ich sagen, meine Damen und Herren, wir bewegen uns auf zwei Ebenen, einmal die Ebene der Offenbarung und einmal auf der Ebene der Geschichte. Die Geschichte ist von Anfang an bestimmt gewesen von politischen Interessen. Da ist es dann natürlich nicht immer so schön vor sich gegangen, wie der Koran es wollte.

     

    Ich kann nur eines sagen und dann gehe ich zum zweiten Abschnitt über, denn wir haben uns vorgenommen, dass ich eine Dreiviertelstunde spreche und wir nachher diskutieren. Das ist immer besser und deshalb mache ich auch kein Manuskript, daß ich dann 30 min. reden kann oder 40, 50 mm, eine Stunde anderthalb Stunden, aber ich werde eine Dreiviertelstunde machen und dann diskutieren wir. Ich kann nur ganz kurz sagen, schlagen Sie den Koran auf, wenn Sie Zweifel haben an dem, was ich sage, denn vieles kommt Ihnen ganz anders vor. Das bestätige ich, gebe ich zu. Schlagen Sie den Koran auf, Sure 5/5. Dieser Vers gehört zu den allerletzten 5 Versen, die 3 Monate vor dem Tod Muhammads offenbart worden sind. In diesen Versen, die beginnen: „Heute habe ich Eure Religion vervollständigt“ wird unter anderem so auf die Beziehung zwischen Muslimen und den Schriftbesitzern, das sind Juden und Christen, Stellung genommen. Es wird da Tischgemeinschaft und Ehegemeinschaft zwischen den Muslimen und den Schriftbesitzern vorgeschlagen. Was bedeutet das ? Das bedeutet für mich unheimlich viel, weswegen ich meine, daß die politische Auseinandersetzung zwischen Muslimen, Juden und Christen diesen Geist unterdrückt haben. Das bedeutet, daß trotz aller theologischen und manchmal auch gesellschaftlicher Auseinandersetzungen mit Juden es nicht so ganz leicht gewesen ist, sogar ganz hart, trotz allem wird am Ende des Lebens von Muhammad am Ende der Offenbarung diese Anerkennung wie ein Gebot zum Ausdruck gebracht.

     

    Gesellschaftliche Anerkennung der Juden und Christen. Bitte denken Sie nicht daran, an das, was ich jetzt sage, daß ja, das steht im Koran, das ist Theorie – das nein. Dieser Geist hat immer wieder im Laufe der Geschichte, die ich Ihnen auch jetzt sagen werde, sich immer wieder gezeigt und diesen Geist brauchen wir heute. Das ist, was ich im vierten Abschnitt sagen werde. Jetzt komme ich zum Kulturellen. Auf kultureller Ebene hat der Islam schon in seiner islamischen Welt in der frühesten Geschichte hat sich mit den fremden Wissenschaften beschäftigt. Ich möchte den Ansatz erst sagen. Wenn Sie den Koran aufschlagen, sehen Sie im Koran mehr als in allen anderen heiligen Schriften die dauernde Betonung und Aufforderung des Menschen zum Nachdenken, zum überlegen, zum Einsatz des Verstandes und der Vernunft, so daß man manchmal als Religionsphänomenologe sagt, ist das Religion oder ist das Philosophie ? Wozu soll der Mensch immer wieder nachdenken? Darauf kommen wir zurück in der Diskussion: Was heißt dieses Nachdenken? Jedenfalls, der Begriff Vernunft nicht als Organ verwendbar, aber verbal kommt er immer wieder im Koran vor. Das hat den Gelehrten am Anfang der islamischen Zeit den Anlaß dazu gegeben, sich nicht nur dogmatisch nach Vorschriften zu richten, sondern darüber hinaus Prinzipien zu entwickeln und weitere gigantische Rechtsgebäude aufzubauen. Wie kommt das? Ich kann es erklären, denn wenn Sie den Koran, der Koran hat mehr als 6.000 Verse, von denen sind nur zwischen 300 und 500 Verse, die sich mit Normen beschäftigen.

     

    Der Koran ist kein Gesetzbuch, was man immer wieder sagt und wiederholt. Der Rest hat eine gewisse Weltanschauungskraft, die wir hier gar nicht behandeln können. Jedenfalls, dogmatische Vorschrift gibt es sehr wenige. Mit diesen wenigen Vorschriften konnten die Muslime nach den Eroberungen der großen Kulturen seinerzeit nicht fertig werden. Es kamen unheimlich viele Fragen an sie heran, die gar nicht im Raume Arabien existent waren. Sie mußten einen Weg suchen und das haben die Gelehrten getan. Sie haben aus dem Koran-und das ist die Flexibilität des Islam, wenn man sich nach diesem Prinzip richten würde-aus bestimmten Dingen Prinzipien entwickelt, woraufhin dann weitere Gesetze und Normen ableitbar waren und diese gigantische damalige islamische Welt, die praktisch die beiden Kulturen, die iranische und byzantinische, umfaßte, Herr werden. Man sagt auch, die Aufklärungszeit des Islam habe anfangs begonnen und ist dann nachher ins Dogmatische zurückgefallen. Daran ist etwas Wahres, denn in der Zeit haben im Zuge dieser Großzügigkeit und Aufgeschlossenheit für alles Denken sich sogar die Kalifen mit griechischem, iranischen und indischen Gedankengut beschäftigt. Ganz gierig und systematisch haben sie alles, was sie in die Hand bekamen, ins Arabische übersetzt, Philosophie, Logik, Medizin, Mathematik, Chemie, Astronomie, Physik; die Physik war damals die aristotelische Physik, umfaßte Psychologie, Mineralogie, Zoologie, Erdkunde, alles mögliche. Sie haben alles ins Arabische übersetzt und weiterentwickelt. Meine Damen und Herren, ohne diese Entwicklung hätten wir keine Dezimalzahlen, keine Null, in der Medizin diese Erfahrungen nicht gehabt. Die Bücher von Avicenna und Razi waren bis zum 17. Jh. Lehrbücher in den medizinischen Fakultäten in Frankreich und anderswo. In der Mathematik Algebra, das sind alles diese Begriffe, die entstanden sind, Logarithmen bis zum ??? sind alle von Al-Chorazmi, das sind alle Entdeckungen, die da waren, man hat dies übersetzt in die europäischen Sprachen und wohl entwickelt. Aber ohne dies hätte man nicht zu dieser Entwicklung kommen können. Es ist ungerecht, daß man diese Tatsache übersieht. Die islamische Kultur als Kultur ist ein Bestandteil der abendländischen Kultur.

     

    Keiner wird darauf jetzt überhaupt kommen und die Erziehung in der Schule ist so, daß keiner davon erfährt, dann die Feindbilder werden natürlich sehr schnell Erfolg haben können. In einem Buch habe ich gesehen-wir haben eine Schulbuchanalyse durchgeführt – dass die Muslime keinen freien Willen haben und deswegen zu den unterentwickeltsten Völkern der Welt gehören. Es ist traurig, es ist traurig, daß man diese Dinge, die praktisch ein Bestandteil der abendländischen Kultur sind, übersieht und diese Leistungen, die für die Welt heute noch aktuell sind, übersieht. Ich sage immer, das ist eine wissenschaftliche Ungerechtigkeit, Ungerechtigkeit kann auch wissenschaftlich sein. Diese Wissenschaften, meine Damen und Herren, sind entstanden und das ist was ich sage, wenn der Koran trotz aller politischen Auseinandersetzungen immer wieder sich in dieser Toleranz, die ich gesagt habe, gezeigt. Dieses gigantische wissenschaftliche Gebäude ist entstanden durch Zusammenarbeit von Muslimen, Christen, Juden, Zoroasthriern, sogar Sternanbetern. Die haben im Baume von Bagdad und Persien zusammengearbeitet, als ob sie ewig Brüder miteinander gewesen wären. Keiner hat daran irgendwie Anstoß genommen, daß der andere Jude oder der andere Muslim war.

     

    Die gleiche Atmosphäre, das war im 9./10. Jh. hauptsächlich, die gleiche Atmosphäre hat sich wieder gezeigt 200-300 Jahre später in Spanien. Als man angefangen hat wieder das Arabische ins Lateinische zu übersetzen. Wenn bei den ersten mehr die Christen, das sind die Nestorianer, die, die syrische Sprache beherrschten und als Mittel zwischen dem Arabischen und Griechischen fungieren konnten, wenn da mehr Nestorianer waren, die diese Vermittlerrolle gespielt haben, aber es waren auch Muslime und Christen dabei. Aber mehr jüdische Leistung. Und ganz friedlich. Das sind Abschnitte in der Geschichte, die doch zeigen, daß die Menschen auch anders sein können, unabhängig von Haß und unabhängig von Feindseligkeit. So, meine Damen und Herren, jetzt komme ich zum dritten Abschnitt, zu dem Abschnitt, der unangenehm ist. Also zu den politischen Verhältnissen zwischen Islam und Christentum und Judentum. Das hat begonnen mit der Ausbreitung des Islam nach dem Tode des Propheten. Wie geschah das? Man sagt, das ist natürlich nicht wahr, mit Feuer und Schwert hat man das gemacht und so, von diesem Jargon möchten wir absehen, aber ich komme jetzt zu den Tatsachen. Arabien war jahrhundertelang Kolonie vom Iran und Byzanz. Mal, wenn die Iraner über die Römer gesiegt haben, war mehr von Arabien in ihrer Hand und umgekehrt.

     

    Muhammad ist in einer Zeit gekommen, das ist historisch unheimlich interessant und wichtig, wo die Iraner und Byzantiner miteinander Kriege führten. Keiner, weder die Iraner noch die Byzantiner haben überhaupt von der Entwicklung in Arabien Notiz genommen. Auf der arabischen Halbinsel hat keiner überhaupt Notiz genommen, deswegen können wir auch keine Belege, keine Berichte über die Entwicklung in der damaligen Zeit in fremden Schriften finden. Alles, was wir über diese Zeit wissen, ist arabisch. Und es sind arabische Schriften, die zum großen Teil im 2. Jh. nach Muhammad entstanden sind, wo man nicht unbedingt die Richtigkeit garantieren kann. Nun, plötzlich sind die Araber, die ja 100 Jahre land gegeneinander gekämpft haben, eine Einheit, eine Macht und die Macht hat natürlich ihre Vergangenheit, ihre Unterjochung unter den Persern und Byzantinern nicht vergessen gehabt.

     

    Wir wissen nicht, d.h. ich weiß nicht, ob die Kriege, die geführt worden sind, als eine Revanche gegen Byzantiner und Iraner gedacht waren, oder als Vorbeugung, daß die Byzantiner und Iraner wieder kommen werden. Was auch immer, eins steht fest: daß im Jahre 628/29 ein christlicher Stamm in Nordarabien, sie heißen Rassawiden, von den Byzantinern dazu gehalten wurden, sich gegen Muhammad und gegen die anderen Araber zu stellen. Die hatten bis dahin gar nicht daran gedacht, die Christen, weil bis dahin Christen und vor allen Dingen Christen und Muslime sehr gut miteinander auskamen, die Stämme. Dieser Rassawiden Stamm hat das angefangen und dann hat ein Heer unter der Führung von Chalid Ibn-e Walid, ich nenne den Namen, weil ich Ihnen damit nachher etwas erklären möchte, hat diesen Rassawiden entgegen – geschickt und dass es ohne Krieg ist, haben die zurückgesteckt und es ist gut, aber das war eine Warnung für die Araber, daß Byzanz nicht geschlagen hat und nach dem Tode Muhammads ist die erste Auseinandersetzung mit Byzanz und nicht mit dem Iran. Und unter dieser Führung von Chalid Ibn-e Walid, wenn man diese Momente in der Geschichte miteinander verbindet, kommt doch etwas mehr dabei heraus. Natürlich, als die Araber Erfolg hatten in dem Krieg gegen die Byzantiner und da müßte ich auch sagen, daß sie auch nicht immer Erfolg der Araber gewesen, die unterdrückten christlichen Minderheiten haben diesen Arabern zum Sieg verholfen. Mindestens 10 verschiedene Richtungen, die immer noch existieren, die unter der Zentralmacht der Christenheit litten und genauso wie auch umgekehrt, Iraner haben die Araber mit wenigen Leuten besiegt mit der Hilfe der unzufriedenen Iraner, die unter dem Imperium, Königreich gelitten haben.

     

    Aber auf alle Fälle, die Araber haben Erfolg gehabt und finden Sie in der ganzen Geschichte einen, der, wenn er an der Macht ist, diese Macht aufgeben möchte? Dann ging es weiter. Heute ist es auch so. Die ganze Expansion später hat kaum mit dem Geiste des Islam, kaum mit überhaupt nicht mit der Missionierung — im Islam gibt es keine Missionierung, darf es auch nicht geben — das ist dann gemacht worden und dann nachher haben Leute zum Teil, weil sie davon Vorteile hatten, den Islam angenommen, diejenigen, die ihn nicht angenommen haben, sind auch so geblieben. Deswegen auch in diesen Gebieten gibt es bis heute die Kirchen, aber das ist auch unberechenbar, sage ich, es war immer abhängig von der Laune des jeweiligen Herrschers, ob die Christen und Juden akzeptiert wurden oder nicht. Das war kein Prinzip, deswegen auch bis heute. Gut, ich sage, damit habe ich die Kritik erst auf die Seite der Muslime geholt. Diese hatten natürlich Reaktionen hervorgerufen in der christlichen Welt. Die christliche Welt ist nicht von Anfang an mit der Lehre des Islam konfrontiert worden, im Gegenteil. Nur mit der Macht und der Politik. Was erwartet man denn? Die Muslime haben praktisch die Macht der Christen in der damaligen Zeit abgeschoben, denn wenn der Islam nicht gewesen wäre, hätte, vielleicht 50 Jahre später, die Christenheit in ihrer Vielfalt wohlbemerkt, hätte noch mehr oder vielleicht die Hälfte oder über die Hälfte der Erde unter ihre Macht gebracht. Aber das ist alles weg. Denn die Nestorianer waren bis Indien hinein haben sie ihre Bischöfe und großen Kirchenträger, sie haben allein auf dem Gebiet Iran mehr als 40-50 große Bistümer, wenn man so will, was damals die — gehabt. Das ist weg.

     

    Im Osten hat die zoroastrische Religion nicht überlebt, sonst wären auch Zorostrier heute, genauso wie die Christen, eine Gruppe gewesen, die sich gegen den Islam gestellt hätten, durch diese Geschichte. Oder haben nicht erlebt die Christenheit. Von Anfang an ist keiner lieber gewesen, aber die Kreuzzüge, die Antwort auf diese Siege waren, haben wieder gezeigt, daß auch wirklich seitens der Christen nicht unbedingt um die Religion ging. Wir wissen, daß die Kreuzzüge angefangen haben durch Uneinstimmigkeiten zwischen Kirche und Staat damals, aber nicht nur das. Wenn Sie die Geschichte der Kreuzfahrer in der Zeit da unten mal vergegenwärtigen, sehen Sie, wieviele Christen und Muslime sich zusammengetan haben gegen andere Gruppen von Muslimen oder umgekehrt. Muslime und Christen zusammen gegen andere Gruppen von Christen. Das waren nicht nur Kreuzfahrer einer Einheit, da waren viele. Die Muslime waren auch nicht eine Einheit, sie waren Türken, Araber, Kurden. Das war nur reine Herrschsucht. Man sah, wo man besser zur Macht kam, da hat man koaliert. Sie haben dann nur die Leute, wie heute auch, immer dazu bewegt, indem sie sagten, das sind Ketzer, da muß man gegen kämpfen und plötzlich wurde der Ketzer zum Freund, nicht wahr. Heute haben wir auch Beispiele. Na ja, darauf kommen wir zurück. Die ganz neue Geschichte dieser Auseinandersetzung hat im Grunde mit am Ende des 15. Anfang des 16. Jh. angefangen.

     

    Das heißt, mit dem Untergang des Islam in Spanien. Mit dem Untergang des Islam in Spanien und der Entdeckung der neuen Welt durch Kolumbus und dann nachher durch andere kam die ganze Welt, Portugiesen, erst in die Welt und dann nachher die anderen und die Araber. Da hat eine neue Geschichte sozusagen, eine Geschichte, die keine Heilsgeschichte, um nicht zu sagen Unheilsgeschichte begonnen. Hier war nicht mehr Auseinandersetzung zwischen zwei Religionen, hier war etwas anderes im Gange, das aber unter dem Vorwand der Religion durchgeführt wurde. Ich erzähle Ihnen etwas, was unglaubwürdig erscheint, aber das ist das Prinzip der Eroberungen, die man danach Kolonialisierung nannte, gewesen. Ich habe in meiner Vorlesung noch einmal ein Semester „Religion und Gewalt“, mehrere Vorträge auch durch Kollegen halten lassen. Ich lese ein paar Sätze aus einem Vortrag von einem Kollegen: „Der Glaubenskrieg der Muslime und anderer „Ketzer“ basierte auf einer ganz bestimmten Ideologie, auf die ich (der Redner) noch eingehen möchte. Gemeint ist die Rechtsfiktion, wonach Christen das Recht zusteht, Ungläubige zu unterwerfen. Dies war allerdings weniger die (Band Ende)…..