islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Islam und Freiheit (24)

    Islam und Freiheit (24)

    Rate this post

     

    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    Die Freiheit ist für alle Menschen ein schöner und gern angewendeter Begriff. Gott hat den Menschen frei erschaffen, und ihm den Wunsch nach Freiheit in die Natur gelegt. Auch alle Religionen, ob monotheistisch oder nicht, sprechen von der Freiheit. Wichtig ist dabei aber, dass die Bedeutung der Freiheit richtig verstanden wird, vor allem, was die menschliche Freiheit betrifft; und wie der Mensch nun diese Freiheit zu erlangen hat.

     

    Der Islam erkennt als letzte, monotheistische Religion die Freiheit an und betrachtet sie als ein Geschenk der monotheistischen Propheten. Die Gesamtheit der Qur’an-Verse und der Überlieferungen besagen, dass der Mensch zwar gewissen Geboten und Verboten folgen muss, dass dies aber nicht zu bedeuten hat, dass ihm seine Freiheit genommen wird. Jedes der göttlichen Gesetze und Regelungen dienen dem Zweck, den Menschen vor schädlichen Dingen zu schützen.

     

    Die göttlichen Regelungen schützen sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft, weil es dem Menschen nicht gestattet ist, sich selbst oder seiner Gesellschaft Schaden zuzufügen. Genauergesagt hat weder das Individuum das Recht, der Gesellschaft Schaden zuzufügen bzw. sie in ihren Freiheiten einzuschränken, noch wurde der Gesellschaft das Recht gegeben, den einzelnen Menschen zu beschränken oder ihm im Interesse der Allgemeinheit zu schaden. Dies ist eines der grundlegenden, islamischen Prinzipien.

     

    Zur Beziehung zwischen Mensch, Gott und Glauben sagen die Qur’an-Verse und die Überlieferungen, dass der Mensch die freie Bekenntniswahl hat und auch von niemandem dazu gezwungen werden kann, sich zu etwas zu bekennen. Dem Menschen ist die Freiheit überlassen, sein Schicksal so zu bestimmen, wie er es will. Die Propheten und göttlichen Anweisungen wurden natürlich auserwählt und offenbart, damit sie dem Menschen den Weg zur Glückseligkeit im Diesseits und im Jenseits weisen. Zweifelsohne bleibt dem Menschen keine Wahl, außer den Anweisungen zu folgen, wenn er den Zutritt ins Paradies sucht, aber dennoch ist ihm die Wahl gegeben, den Anweisungen nicht Folge zu leisten.

     

    Freiheit bedeutet aus islamischer Sicht, dass dem Menschen auf seinem Weg zur Vervollkommnung keine Hindernisse im Wege stehen, ob diese Hindernisse nun von innen kommen wie z.B. Versuchung und Wollust, oder von außen wie z.B. durch Unterdrückung, Unrecht und Ausbeutung. Sind diese Hindernisse beseitigt, kann der Mensch Fortschritt erzielen und seine inneren Kapazitäten und Talente nutzen. Die absolute Freiheit, die dem Menschen erlauben würde, zu tun und zu lassen, was er will – ganz gleich ob es nun ihm selbst oder der Gesellschaft schadet oder nicht – ist aus islamischer Sicht keine Freiheit. Vielmehr würde dies Anarchie bedeuten, was den Individuen sowie der Gesellschaft den Frieden und die Sicherheit nehmen würde.

     

    Diese „Freiheit“ macht den Menschen zu einem Sklaven seines Verlangens und seiner Wollust, und lässt ihn vom Pfad der Vervollkommnung abirren. Jene, die ganz uneingeschränkt ihrem Verlangen und ihrer Gier folgen, nehmen sich selbst die Freiheit – jene Freiheit, die ihnen ja zu ihrem Ziel helfen soll.

     

    Es gibt auch Denker wie z.B. Erich Fromm, die die Freiheiten zwei verschiedenen Gruppen zuordnen, nämlich den positiven und den negativen, und demnach Dinge wie Zügellosigkeit ablehnen. Wenn also Zügellosigkeit und Anarchie verhindert werden, bedeutet dies keine Einschränkung der Freiheit, weil es keinen Widerspruch mit dem Konzept der Freiheit hat. Laut „Espinoza“ bedeutet Ethik Freiheit, und der Mensch kann Freiheit erlangen, indem er sich dazu verpflichtet. Dies ist der Fall, wenn diese Freiheit durch Vernunft, Überlegung und Bewusstsein, durch die Eroberung der Herzen erlangt wird, und nicht wenn sie durch Gewalt erzielt wird und indem jeder andere Weg verschlossen wird.

     

    Weiter wurden die individuelle und die gesellschaftliche Freiheit erörtert. Wir betonten, dass man niemals den wahren Wert des Menschen außer Acht lassen soll. Zunächst muss der Mensch ganz klar definiert werden, wenn es darum geht, seine Freiheiten zu definieren. Aus der Sicht des Qur‘an ist der Mensch das wertvollste aller Geschöpfe, und ihm wurde die Fähigkeit, Vervollkommnung zu erlangen in die Natur gelegt. So hat er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel wie Verstand, Natur, Instinkt, Wille und Wahl zu nutzen damit er dieses hohe Ziel erreicht und sich mit Eigenschaften wie Wissen, Weisheit, Macht und Lebhaftigkeit schmückt.

     

    Dies setzt voraus, dass der Mensch die Hindernisse kennt und sie bekämpft und mit viel Mühe und starker Willenskraft sowie durch den Erfolg, der ihm von Gott beschert wird, Schritt für Schritt diesen langen Pfad hinter sich lässt. Es ist daher sehr wichtig, für diesen Weg einen Plan bereit zu haben, den man einhält. Gott der Erhabene hat dem Menschen den Heilige Qur‘an als Buch des Lebens geschenkt, damit er studiert und verstanden wird und den Menschen zur Glückseligkeit in beiden Welten führt.

     

    Zur gesellschaftlichen Freiheit wurde gesagt, dass sie ebenfalls vom Qur‘an anerkannt wird. Den Menschen wurde schließlich das Recht eingeräumt, dass sie unter Einhaltung der göttlichen Gesetze bei Entscheidungen, die ihr Schicksal und gesellschaftliches Leben betreffen beteiligen. Ihnen wurde auch das Recht gegeben, das Handeln der Machthaber und der Verantwortlichen zu beobachten und zu kritisieren. Kritik, die konstruktiv ist und auf Solidarität basiert, wird helfen, Unterdrückung und Korruption zu verhindern.

     

    Der Qur‘an sieht dies im Rahmen des „Geheissens des Guten und Abmahnung des Verwerflichen“ als Pflicht aller Menschen: „Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das, was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht.“ (3:110) Imam Ali (a.s.) erwähnte diese gesellschaftliche Pflicht in einer seiner Ansprachen: „Und die wichtigste und höchste Verantwortung, die den Menschen von Gott gegeben wurde ist, mit Ratschlägen, Hilfe und Zusammenarbeit das Recht in der Gesellschaft zu erhalten.“

     

    Zu den verschiedenen Arten der gesellschaftlichen Freiheit wie z.B. zum freien Denken und Glauben und politischer Freiheit wurde gesagt, dass sie ebenfalls im Islam enthalten sind. Die Verpflichtung des Individuums, weder sich selbst noch der Gesellschaft Schaden zuzufügen besteht auch hier. Solange also die Grenzen eingehalten werden und die Würde der Menschen beachtet wird, sind alle Freiheiten gegeben. Wenn aber die Grenzen unter dem Vorwand der Freiheit überschritten werden; wenn Heiligtümer beleidigt und reine, fromme Menschen erniedrigt werden, kann die Rede nicht mehr von Freiheit sein. Außer Anarchie würde dies nur bedeuten, dass kein Heiligtum mehr bewahrt werden und an keine Wahrheit mehr geglaubt werden kann.

     

    Was die individuellen Freiheiten betrifft, muss gesagt werden, dass der Mensch frei ist, zu tun was er will, und zu wählen, welcher göttlichen Anweisung er folgen oder nicht folgen will. Was ihm die Religion nicht gestattet ist, sich selbst unter dem Vorwand der Freiheit zu schaden. Die Freiheit ist dem Menschen gegeben, auch einem falschen Glauben zu folgen oder sich schlecht zu verhalten und Verwerfliches zu tun, doch erwünscht ist das im Islam nicht. Man kann natürlich nicht diesen Pfad einschlagen und dann erwarten, dass man im Jenseits belohnt wird. Dies wird einem auch im irdischen Leben vorgeworfen.

     

    Es war der wichtigste Auftrag der monotheistischen Propheten, den Menschen die wahre Freiheit, nämlich die Freiheit von Gier und Wollust zu zeigen und ihnen als ein Wegweiser aus diesem Übel zu dienen. Die Freiheit muss auf die beste Art genutzt werden, damit Fortschritt und Vervollkommnung erzielt werden. Dieses göttliche Geschenk ist nicht zu missbrauchen. Es wurde auch die liberale Überzeugung angeschnitten, welche die Freiheit mehr im individuellen und politischen Sinne anerkennt als im philosophischen Sinne. Vielmehr wird damit auch „die Freiheit von etwas“ impliziert als „die Freiheit, etwas zu erreichen“. Oft ist auch die Freiheit gemeint, die bedeutet, dass man sein eigener Herr ist.

     

    Der liberalen Denkschule ist also die Freiheit des Individuums am wichtigsten. Die grenzenlose Freiheit würde natürlich den Tod der Freiheit bedeuten, weil sie die Sicherheit und Freiheit der anderen gefährdet. Die Freiheit ist daher auch im Westen nicht absolut, und endet da wo die Freiheiten der anderen sowie das Gesetz anfangen. Um die Freiheit zu gewährleisten, müssen unweigerlich vernünftige Grenzen definiert werden. Der Islam hat daher vernünftige Grenzen vorgesehen und ist der Überzeugung, dass die Freiheit als eine Stärke der Schöpfung zu betrachten und zusammen mit allen anderen, göttlichen Zuwendungen zu benutzen ist. Man muss dem Propheten im Inneren, nämlich dem eigenen Verstand und der Offenbarung folgen. Verstand und Offenbarung sind für den Menschen wie zwei Flügel, die ihm dabei helfen, das Ziel seiner Schöpfung zu erreichen.

     

    Der Islam erkennt die Freiheiten des Individuums an, aber auch die Freiheiten der Gesellschaft, und an einen Rahmen, der durch die göttlichen Regelungen gegeben ist. Diese Einschränkungen schützen den Menschen vor schädlichen Dingen wie Selbstsucht und die Vorherrschaft der Wollust und Gier, wodurch sich der Mensch selbst vernichten würde. Sein Leben würde auf das eines Tiers reduziert werden und ihm würden Vernunft, Spiritualität und Menschenwürde verwehrt bleiben. Der Islam ist eine Religion, die der Menschenwürde ihre Freiheit zugesteht und zwar durch Grenzen, die auf Verstand und Offenbarung basieren. Nur so kann jeder Mensch seine wahre Position und sein Hauptziel erreichen.

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com