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    Islam und Gerechtigkeit (10) – Gesellschaftliche Gerechtigkeit (1)

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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    In den vergangenen Wochen wurde einiges über die individuelle Gerechtigkeit dargelegt und es wurde auch erläutert, dass der Mensch eine wertvollere Persönlichkeit gewinnt, wenn die Gerechtigkeit und das Maß sowohl im religionsrechtlichen als auch im ethischen Sinne verwirklicht werden. Es führt nämlich dazu, dass der Mensch von seinen verborgenen Wahrheiten erfährt und sich selbst kein Unrecht tut. Durch Maß und Gerechtigkeit nimmt der Mensch seinen wahrhaftigen Platz ein und nützt die wertvolle Position, die ihm vom Gott dem Erhabenen gegeben wurde. Anhand der Überlieferungen, die uns vom hl. Propheten (s.) erreicht haben, ist die bedeutendste Wirkung der individuellen Gerechtigkeit die, dass der Mensch für andere das will, was er für sich selbst will, und anderen nichts wünscht, was er selbst meiden würde.[1]

     

    Die gesellschaftliche Gerechtigkeit aber, scheint sich erst nach der individuellen Gerechtigkeit zu verwirklichen und ist in Wirklichkeit das wichtigste, gemeinsame Ziel aller monotheistischen Propheten. Der hl. Koran sagt:

     

    „Wahrlich, Wir schickten Unsere Gesandten mit klaren Beweisen und sandten mit ihnen das Buch und die Waagewerte herab, auf dass die Menschen Gerechtigkeit üben mögen.“[2]

     

    Dieser Koran Vers besagt, dass es das wahre Ziele der Aussendung der Propheten gewesen ist, die wahrhaftige Gerechtigkeit unter der Menschheit zu verwirklichen. So kann behauptet werden, dass die Gerechtigkeit unter den Menschen zu verbreiten eines der wichtigeren Charakteristiken monotheistischer Religionen und vor allem des Islams darstellt. Aus den Koranversen und auch den Überlieferungen entnehmen wir, dass eine der wichtigsten Philosophien hinter der Ausseendung der monotheistischen Propheten die Verwirklichung der Gerechtigkeit gewesen ist. Gott der Erhabene spricht zu David:

     

    „O David, Wir haben dich zu einem Nachfolger auf Erden gemacht; richte darum zwischen den Menschen in Gerechtigkeit“[3]

     

    Die gesellschaftliche Gerechtigkeit ist ein allgemeingültiges, göttliches Gesetz, dass der Menschheit den Weg zur Vervollkommnung ebnet. In einer solchen Gesellschaft ist es niemandem erlaubt, jemand anderem Schaden zuzufügen oder ihn zu belästigen, und jedem einzelnen Individuum werden seine Rechte voll und ganz zugestanden.

     

    Gesellschaftliche Gerechtigkeit bedeutet, jeder Peron ihre Rechte und all das zuzugestehen, was sie wirklich braucht und was ihrem Wohl, und ihren wahren, natürlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen entspricht. Dies ist das wichtigste Geschenk der monotheistischen Propheten an die Menschheit und gilt als ein Hauptpfeiler der Religion, der zum allseitigen Ausbau der Gesellschaft dient. Die gesellschaftliche Gerechtigkeit zu verletzen ist eine unverzeihbare Sünde. Sie kann nicht durch Bitte um Vergebung und durch Rückkehr, ohne politische Korrekturen gelöscht werden.

     

    Anders als eine Verletzung der individuellen Gerechtigkeit kann es sein, dass diese Sünde nicht mit Bitte um Vergebung und Rückkehr verziehen wird. Die gesellschaftliche Gerechtigkeit dient überdies als Maß für Bewertung und Berechtigung der Regierungen und politischen Ordnungen. Eine ungerechte Regierung ist nicht zulässig. Der Koran als betont als heilige Schrift der Muslime die Gerechtigkeit, weil die Gesellschaft nur so zur Erlösung, Glückseligkeit und Vervollkommnung kommt und mit einem Sicherheitsgefühl ihren wichtigen, menschlichen Pflichten und Verantwortungen nachgehen kann. Gott der Erhabene sagt dies im Koran auf die beste Art:

     

    „Allah befiehlt euch, die anvertrauten Güter ihren Eigentümern zurückzugeben; und wenn ihr zwischen Menschen richtet, nach Gerechtigkeit zu richten.“[4]

     

    Dies ist ein guter Rat von Gott, dass die Menschen treu sind, wenn ihnen etwas anvertraut wird. Und sie sollen nach Gerechtigkeit richten, dadurch bringen sie sich selbst die Glückseligkeit in beiden Welten.

     

    Die Gerechtigkeit ist zweifelsohne eine allgemeine Pflicht, und alle müssen Bemüht sein, sie zu realisieren. Alle Menschen sind daran beteiligt, sie zu verwirklichen, doch die größte Verantwortung trägt dabei die Regierung.

     

    Die Gerechtigkeit muss die größte Sorge aller einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft sein, denn durch gesellschaftliche Gerechtigkeit kommt jeder zu seinem Anrecht. Die Bedürftigen zu unterstützen und ihre Rechte zu verteidigen ist ein wichtiges Prinzip und eine der Hauptverantwortungen einer Regierung. Nachdem die Menschenmengen zu Imam Ali (a.s.) kamen und ihn darum baten, die Regierung zu übernehmen, nahm er diese Verantwortung an und sagte:

     

    „Die Menschenmengen kamen zu mir, und Gott hat sich von jedem Denker versprechen lassen, dass er nicht schweigt, wenn die Unterdrücker sich sattessen und die Unterdrückten hungrig bleiben. Sonst hätte ich den Zügel des Kalifentums auf seinen Höcker geworfen und es stehen lassen.“[5]

     

    Der göttliche Mensch spürt daher die Verantwortung und die Pflicht, die Gerechtigkeit zu suchen. Er ist bemüht, für die Rechte aller Menschen aufrechtzustehen und für Gerechtigkeit für alle zu sorgen. Allein nach Gerechtigkeit zu rufen reicht natürlich nicht aus, um die Rechte aller Menschen zu verteidigen. Man muss die Gesetze durchsetzen und ein würdigerer Mensch sein, damit man den Weg zur gesellschaftlichen Gerechtigkeit ebnet, die Gerechtigkeit, auf die Menschen aller Epochen gewartet haben.

     

     

    [1] Die Lichtermeere, Band 7, S. 25

    [2] 57:25

    [3] 38:26

    [4] 4:58

    [5] Nahdjulbalagha, Übersetzt und Interpretiert von Faidh ul Islam, Ansprache 3, S. 52

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com