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    Islam und Gerechtigkeit (17): Gesellschaftliche Gerechtigkeit (8)

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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, Dem Erhabenen, Dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. Oh Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    Häufig verfügen Menschen über keine hinreichende Definition von Gerechtigkeit und fassen dann ihre üblen Taten als gerecht auf. So hat es in der Vergangenheit Herrscher und Könige gegeben, die sich selbst als gerechtigkeitsliebend, sogar als das Manifestation der Gerechtigkeit hielten, während ihre Taten der eigentlichen Gerechtigkeit in keinster Weise glichen. Auch heute werden Parolen, die vermeintliche Gerechtigkeit und Menschenrechte einfordern, gerne genutzt, um der Menschheit ein Scheinbild von Gerechtigkeit überzustülpen. Es ist wichtig, dass die Grundsätze der Gerechtigkeit anhand ihrer korrekten Charakteristika identifiziert werden, damit sich die wahre Gerechtigkeit in der Gesellschaft durchsetzen kann. Im Folgenden werden wir uns mit den wichtigsten Merkmalen gesellschaftlicher Gerechtigkeit befassen.

     

    Kompetente Führung

     

    Eine gerechtigkeitsliebende Gesellschaft ist eine Gesellschaft, deren Sachwalter freiheitsliebende, rechtschaffene und gerechte Menschen sind, die sich um die Verwirklichung der Gerechtigkeit in der Gesellschaft bemühen. Aus diesem Grund wird in den ethischen Anweisungen des Islam sehr betont, dass man das Amt einer Sachwalterschaft der verantwortungsvollsten Person zu übergeben hat. Versucht ein Sachwalter sich im äußersten Maß an islamische Richtlinien der zu orientieren, so ist er befähigt, gesellschaftlich gerecht zu handeln. Kompetenz und Religiosität gehören daher zu den Hauptbedingungen des Verantwortungsbewusstseins. Menschen, die gewisse Grundvoraussetzungen des gerechten Handelns nicht inne haben, sind nicht befugt, die Verantwortung über eine Nation zu übernehmen; sie sollten generell keine größere Verantwortung übernehmen.

     

    Gesetzesmäßigkeit

     

    Das Gesetz führt zum Fortschritt einer jeden Gesellschaft und unterstützt ihre Ordnung. Gesetzmäßigkeiten haben in jeder gesellschaftlichen Formation einen hohen Stellenwert. Wenn die Gesetzmäßigkeit einer Gesellschaft nicht eingehalten wird, können die Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens und der Rechte der Menschen erschüttert werden. Die gesellschaftliche Gerechtigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass in einer Gesellschaft die Gesetze respektiert und durchgeführt werden und für alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen gelten. Die Gesetze müssen selbstverständlich umfassend genug sein, um materielle und spirituelle sowie individuelle und gesellschaftliche Ansprüche zu erfüllen. Alle Rechte der Menschen müssen in der Rechtsordnung geschützt sein. Der Islam verfügt über solche Gesetze, die – wenn sie anerkannt und vollzogen werden – gesellschaftliche Gerechtigkeit ermöglicht und jedem Bürger der Nation seine Rechte zugestehen.

     

    Rechtliche Sicherheit

     

    Je mehr rechtliche Sicherheiten und weniger Übergriffe, Unterdrückung und Verletzungen der Rechte vorhanden sind, desto näher begibt sich eine Gesellschaft der juristischen und gesellschaftlichen Gerechtigkeit. Die juristische Gerechtigkeit wird es sein, die die rechtliche Sicherheit in der Gesellschaft festigen und die Rechte einzelner beschützen wird. So gab Imam Ali (a.s.), gemäß einer Überlieferung, dem Herrscher von Ägypten die Anweisung, einen Teil seiner Zeit den Belangen der Bedürftigen zu widmen:

     

    „Ich hörte wiederholt den heiligen Propheten (s.a.s.), wie er sprach: Das Volk, in dem die Rechte der Schwachen nicht ohne Angst und Schwierigkeiten bei den Mächtigen geholt werden können, wird niemals erlöst werden.“[1]

     

    Kampf gegen die Armut und Überbrückung der Kluft zwischen den gesellschaftlichen Schichten

     

    Eine politische Ordnung muss sich der Unterstützung der Bedürftigen widmen. Die Unterschiede im Einkommen und zwischen den gesellschaftlichen Schichten müssen reduziert werden, so dass es möglich sein wird, Armut endgültig zu beseitigen. Es wird keine Bedürftigkeit mehr geben und allen werden ihre Mindestrechte zugestanden, die sie als Bürger benötigen. Die Regierung muss dazu fähig sein, ihre Programme so zu gestalten, dass die Gesellschaft nicht mehr mit einer Kluft zwischen den Schichten zu kämpfen hat. So erhöht sich der Verdienst aller Menschen und keiner wird sich unter der Armutsgrenze befinden.

     

    Beseitigung der Zweifel und das Ermöglichen des Wachstums und Fortschritts der Allgemeinheit

     

    Der Islam verlangt, dass dem Menschen alle Möglichkeiten zum wahren Wachstum und Fortschritt gegeben werden. Alles, was zum wissenschaftlichen, ethischen und religiösen Wachstum benötigt wird, muss laut den islamischen Anweisungen in der langfristigen kulturellen Planung berücksichtigt werden. Die Kultur muss in eine Richtung gesteuert werden, in der es für den Menschen möglich ist, den notwendigen Fortschritt zu erzielen. Dies ist nur dann möglich, wenn die wahren Bedürfnisse, Notwendigkeiten und Prioritäten in der Planung berücksichtigt werden.

     

    Es müssen auch die Dinge identifiziert werden, die die Spiritualität der Menschen bedrohen. Dem Islam nach muss die Regierung bemüht sein, sich um die spirituellen Bedürfnisse der Menschen zu kümmern, denn dies sind die wahren, menschlichen Bedürfnisse. Eine Regierung darf sich nicht in erster Linie um das finanzielle Wohlergehen der Gesellschaft kümmern und das spirituelle Wohlbefinden der Menschen wie einen nachträglichen Einfall behandeln. Diese Priorität wird vom Islam ausdrücklich betont und dies muss in der kulturellen Planung von den Sachwaltern der Kultur einer Gesellschaft berücksichtigt werden. Auch der kulturelle Übergriff muss bekämpft werden, welcher die menschlichen Werte und ihre spirituellen und wahrhaftigen Aspekte anzugreifen versucht.

     

     

    [1] Nahdsch-ul-Balagha, Brief 52.

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com