islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Islam und Gerechtigkeit (18): Gesellschaftliche Gerechtigkeit (9)

    Islam und Gerechtigkeit (18): Gesellschaftliche Gerechtigkeit (9)

    Rate this post

     

    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, Dem Erhabenen, Dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. Oh Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    Will man die Gerechtigkeit vollkommen und umfassend durchsetzen, müssen zunächst gewisse unabdingbare Bedingungen erfüllt werden. In der heutigen Freitagsansprache sollen nur einige Bedingungen gesellschaftlicher Gerechtigkeit erwähnt werden, da eine ausführlichere Behandlung dieses Themas viel mehr Zeit benötigt und daher an anderer Stelle durchgeführt werden muss.

     

    Zu aller erst muss die Kultur der Gerechtigkeitsliebe in der Gesellschaft verbreitet werden. Die Denkweise der Allgemeinheit und die Atmosphäre, die über eine Gesellschaft herrscht, müssen es erlauben, gerechte Gesetze und Regelungen zu akzeptieren. Hierfür müssen die Menschen die Begriffe des Rechts und der gesellschaftlichen Rechte kennen und auf eine uneingeschränkte gleichartige Gerechtigkeit gegenüber allen Wert legen. Jeglicher Art von Gesetzlosigkeit und Übertritt sollte entgegengearbeitet werden. Ebenso sollte dieses Bewusstsein über Recht und Unrecht in einer Gesellschaft etabliert werden. Nur die aktive Präsenz des Volkes ermöglicht es, Gerechtigkeit durchzusetzen. Wenn eine Regierung für ihr Volk Gerechtigkeit walten lassen will, muss sie zunächst für Sicherheit und Frieden sorgen, denn so wird es allen ermöglicht, sich weiterzuentwickeln. Imam Dschaafar As-Sadiq (a.s.) sagte:

     

    „Alle Menschen benötigen drei Dinge: Sicherheit, Gerechtigkeit und Wohlstand.“[1]

     

    Wenn Unruhe und Anarchie über das Volk herrschen, so sind alle Bemühungen und Investitionen zwecklos. Sicherheit und Frieden sind in einer gesellschaftlichen Ordnung von so hoher Bedeutung, dass Imam Ali (a.s.) sagte:

     

    „Das Volk benötigt einen Herrscher, ganz gleich ob dieser gut ist oder schlecht. Der Gläubige soll unter seiner Herrschaft seinen Gottesdienst verrichten, während der Ungläubige seinem Profit nachgeht. Die Menschen leben solange ihr Leben unter einer Führung wie es von Gott vorgesehen wurde (ohne einen Führer vernichten sich die Menschen gegenseitig). Ein Anführer sorgt für sichere Wege und Strecken und kämpft für die Rechte der Schwachen. Der Wohltäter wird vor dem Übeltäter in Sicherheit sein.“[2]

     

    Um Gerechtigkeit walten zu lassen, müssen die Menschen versorgt sein. Ihre allgemeinen Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden, denn eine arme und rückständige Gesellschaft erfüllt nicht die Bedingungen, die für die Gerechtigkeit notwendig sind und kann außerdem keine Rechte gewährleisten. Eine solche Gesellschaft wird fortlaufend mit politischen und finanziellen Konflikten zu tun haben und von gesellschaftlichen Problemen heimgesucht werden. Imam Ali (a.s.) zählte das Bebauen der Stadt zu den Pflichten des Malik Ashtar und gab ihm die Anweisung, sich um die Bedürfnisse der Gesellschaft zu kümmern.[3] Solange die Gesellschaft mit Armut zu kämpfen hat und ihre Grundbedürfnisse nicht beachtet werden, kann es in ihr keine Gerechtigkeit geben.

     

    Es muss die Judikative gestärkt werden, so dass jeder zur Rechenschaft gezogen wird, der die Rechte anderer verletzt. Das Justizsystem muss also entschlossen und prompt der Kriminalität entgegenwirken, damit die Gesellschaft weniger Nachwirkungen aus kriminellen Handlungen davonträgt. Es müssen fähige und mutige Personen für die Justiz einer Stadt verantwortlich sein, bei denen keine Gefahr besteht, dass sie eingeschüchtert oder durch ihre Gier verleitet werden. Imam Ali (a.s.) sagte diesbezüglich zu Malik Ashtar:

     

    „Wähle den besten der Menschen dafür aus, um zwischen den Menschen zu richten. Er soll großzügig sein und mit Geduld die Wahrheit suchen. Und wenn er die Wahrheit erkannt hat, soll er entschlossen richten, er soll nicht durch Schmeichelei hinters Licht geführt werden, und es gibt nur sehr wenige derartige Menschen.“[4]

     

    „Damit bei der Entscheidung auch alles richtig läuft, muss sie unabhängig geschehen. Menschen, die für die Justiz zuständig sind, müssen die passende Ausbildung haben und ihre materiellen sowie natürlichen Bedürfnisse gedeckt sein.“[5]

     

    Entschlossenheit ist eine äußerst wichtige Eigenschaft wenn es um die Durchsetzung der göttlichen Gesetze und Regelungen geht. Sollte man in der Entschlossenheit nachlässig werden, dann wird den Mächtigen die Möglichkeit der Unterdrückung geboten. Die gesellschaftlichen Angelegenheiten müssen mit Transparenz angegangen werden. Man muss mit den Menschen aufrichtig umgehen, denn sie sind die wichtigste Stütze einer Ordnung. Wenn eine Ordnung ihre Verwaltung und die politische Unterstützung der Menschen einstellt, verliert sie ihre Gültigkeit. Offenkundig werden Menschen eine Ordnung unterstützen, die aufrichtig und transparent mit ihren Angelegenheiten umgeht und deutlich auf Schwachpunkte in der Ordnung hinweist. Die Führung einer Gesellschaft sollte all ihre juristischen Pflichten erfüllen und sich darüber bewusst sein, dass sie von ihrem Volk selbst unter schwersten Umständen unterstützt wird, sofern sie aufrichtig und vertrauensvoll mit den Menschen umgeht. Imam Ali (a.s.) hat in diesem Sinne Malik Ashtar sehr wertvolle Ratschläge und Anweisungen gegeben und betonte diese Angelegenheit im besonderen Maße.[6]

     

     

    [1] Harani, Ibn Schia: Tuhaf-ul-Ughul, S. 236.

    [2] Nahdsch-ul-Balagha, Ansprache 40.

    [3] Nahdsch-ul-Balagha, Brief 53.

    [4] Ebd.

    [5] Ebd.

    [6] Ebd.

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com