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    Islam und Gerechtigkeit (6), Individuelle Gerechtigkeit (3)

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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    In der vergangenen Ansprache wurde darauf hingewiesen, dass die individuelle Gerechtigkeit einer Aufteilung unterzogen wird, nämlich glaubensbezogene, ethische und verhaltensbezogene Gerechtigkeit. In dieser Woche möchten wir uns etwas mehr mit der glaubensbezogenen Gerechtigkeit befassen.

     

    Es sollte nur noch kurz über die ethische Gerechtigkeit gesagt werden, dass es dabei darum geht, dass sich die Menschen durch Übung einen Grad der Selbstbeherrschung aneignen, die sie von jeder Art der Über- und Untertreibung bewahrt, so dass sie stets das Maß einhalten. Die Gerechtigkeit bedeutet also im ethischen Sinne die Mäßigung der Wollust, der Wut und der Anfälligkeit auf teuflische Versuchungen. Hier ist die Gerechtigkeit der mittlere Weg zwischen Übertreibung und Untertreibung. Gerechtigkeit ist hier die Mäßigung aller treibenden Kräfte und die Läuterung des Geistes.[1]

     

    Islamische Denker sind der Ansicht, dass die Gewohnheiten und das Verhalten der Menschen von ihren primären Überzeugungen beeinflusst werden. So befindet sich die ethische Gerechtigkeit nach der glaubensbezogenen und hat einen niedrigeren Stellenwert als diese. Manche Forscher und Denker sind der Meinung, dass der Mensch die ethische Gerechtigkeit erlangt hat, wenn die glaubensbezogene Gerechtigkeit in ihm vorwiegt und er sein Verhalten und sein Tun daran orientiert. Dadurch erreicht er den Zustand, der vom hl. Propheten (s.) wie folgt beschrieben wird: „Was du für dich selbst nicht willst, sollst du auch anderen nicht wünschen und was du selbst willst, sollst du auch für deinen Bruder wollen.“ Ein solcher Mensch wird sich beim Fällen von Urteilen gerecht verhalten und die Gerechtigkeit erfolgreich aufrechterhalten.[2]

     

    Wenn die ethische Gerechtigkeit vorherrscht, werden die Gesellschaft und das Individuum so fortgeschritten sein, dass niemand mehr unterdrückt und niemandem Unrecht getan wird. Zweifelsohne ist dies für unsere heutige sowie für unsere zukünftige Gesellschaft von großer Bedeutung, weil gerade der Mangel an ethischer Gerechtigkeit eines der größten Probleme darstellt, die die menschliche Gesellschaft bedrohen. In der heutigen Welt sterben manche an Armut und Hunger, während andere an ihrer Völlerei erkranken weil die Menschheit sich selbst nicht erzieht und den Geist der Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft nicht stärkt. Sie denkt nicht an die Probleme und an das Unheil, dass andere befällt. Ihr ist egal, wie es anderen ergeht, sie denkt nur an ihr eigenes Vergnügen, Verlangen und an die Genüsse dieser materiellen Welt.

     

    Menschen, die sich keiner Geistesläuterung unterzogen haben beobachten den Kummer und die Armut anderer Menschen, und fühlen sich nicht im Geringsten Verantwortlich oder zu irgendetwas verpflichtet, während sie eigentlich auf ihr Gewissen hören und einsehen sollten, dass alle Menschen Geschöpfe des erhabenen Gottes sind und dass die wohlhabenderen Menschen der Gesellschaft damit beauftragt worden sind, die Armut zu bekämpfen und die Probleme zu bewältigen. Reichtum ist etwas, was Gott dem Menschen verleiht, damit er es richtig einsetzt. All diese Probleme haben ihren Ursprung darin, dass Tugenden wie Großzügigkeit und Freigiebigkeit nicht gepflegt worden sind.

     

    Über die restlichen, ethischen Merkmale sollte gesagt werden, dass sie sich auf den Fortschritt und die Entwicklung der Menschen sehr stark auswirken und viele Probleme der Gesellschaft beseitigen können, wenn sie ihre gerechte und gemäßigte Position einnehmen und entsprechend berücksichtigt werden.

     

    Die verhaltensbezogene Gerechtigkeit bildet einen Teil der menschlichen Existenz und sollte als Prinzip für jeden Menschen dienen. Die islamischen Lehren betrachten die verhaltensbezogene Gerechtigkeit als eine der wichtigsten Prinzipien des menschlichen Lebens und daher sind auch alle großen Reformer bemüht, die Gesamtheit ihrer Taten und ihres Verhaltens auf dieser Gerechtigkeit zu basieren und jegliche Art der Unterdrückung und der Ungerechtigkeit zu meiden. Die islamische Jurisprudenz ist ein Zweig der islamischen Lehren, der sich ernsthaft mit der verhaltensbezogenen Gerechtigkeit befasst und jeden einzelnen Gläubigen Menschen mit seinen Pflichten zu jedem Zeitpunkt vertraut macht. Der Mensch bereichert sich mit verhaltensbezogener Gerechtigkeit, wenn er die Pflichten, die ihm diese wertvolle Wissenschaft vorschreibt richtig erkennt und sie erfüllt.

     

    Es muss daran erinnert werden, dass die verhaltensbezogene Gerechtigkeit ein stärkeres, äußeres Erscheinungsbild hat als die anderen hier erwähnten Arten der Gerechtigkeit. Was in manchen Überlieferungen als Anzeichen gerechter Menschen erwähnt wird, ist darauf zurückzuführen. Als man z.B. Imam Sadegh (a.s.) fragte, wie man bei einer Person erkennen kann, dass sie gerecht ist, und dass man sich auf etwas verlassen kann, was sie bezeugt, antwortete der Edelmutige:“Erkennt die Menschen an ihrer Scham und ihrer Keuschheit. Erkennt sie daran wie sehr sie ihren Hunger und ihr Verlangen mäßigen und wie sehr sie es unterlassen, verwerfliches zu tun oder zu sagen. Gerechte Menschen meiden große Sünden (für die Gott das Feuer verspricht) und können so erkannt werden. Jeder, der diese Eigenschaften hat und all seine Fehler verbirgt, der muss unter den Menschen als Gerecht bekannt werden und es ist ausdrücklich verboten, ihm übel nachzureden.“[3]

     

     

    [1] Schahr Hadith Djonoud Aql wa Djahl, S. 148

    [2] Muhammad Mahdi Reyschahri, Fürhung im Islam, S. 197

    [3] Muhammad Mahdi Reyschahri, Mizan ul-hikma, Band 6, S. 80

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com