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    Islam und Glaube (7)

    Islam und Glaube (7)
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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    In den vergangenen Ansprachen wurde gesagt, dass der Glaube das wichtigste Thema in einer Religion ist, weil die Glückseligkeit der Menschen von ihrem Glauben abhängt. Aus diesem Grund ist der Glaube auch eines der wichtigsten Themen der Philosophie, Religion und Gnostik. Es muss dabei auch klargestellt werden, welcher Beschaffenheit der Glaube nun ist. Besteht er aus Treue, oder aus Gehorsam und Vertrauen? Ist etwa Abhängigkeit und Zuneigung die Essenz des Glaubens, oder Erfahrung, oder Überzeugung?

     

    Wir müssen auch feststellen, ob der Glaube eine Reihe von Reaktionen der Seele und der Psyche bedeutet, oder ob es sich dabei um Aktionen handelt, die von der Seele ausgehen?

     

    Kann der Glaube außerdem, wenn er eine Reaktion der Seele sein soll, eine Angelegenheit sein, bei der man die Wahl hat, oder hat man selbst keine Kontrolle darüber. Dies und viele andere Themen im Rahmen des Glaubens sind besonders wichtig und werden in jeder Religion auf die eine oder andere Art angesprochen.

     

    Eins ist ganz klar, nämlich dass der Islam nicht die einzige Religion ist, die sich mit dem Glauben befasst. Es waren nicht nur islamische Wissenschaftler, die auf dieses Thema eingegangen sind. Der Glaube kann als eine interreligiöse Angelegenheit bezeichnet werden. Auch im Christentum spielt der Glaube eine sehr wichtige Rolle und gilt als einziger Weg zur Erlösung, nur die Gläubigen werden gerettet. Es gibt im Christentum allerdings zwei völlig verschiedene Auffassungen, was die Beschaffenheit der Offenbarung und in Abhängigkeit davon das Thema des Glaubens betrifft. Die erste, vorherrschende Ansicht wurde bereits im Mittelalter etabliert und wird heute noch vom Katholizismus vertreten. Demnach hat die Offenbarung eine sprachliche Interpretation. Es wird hier davon ausgegangen, dass die Offenbarung eine Menge von Tatsachen ist, die in Urteilen und Lehrsätzen erwähnt werden. Eine ähnliche Ansicht wird auch was den Glauben betrifft vertreten: Der Glaube bedeutet die Anerkennung der offenbarten Tatsachen, ohne sie auf irgendeine Weise zu hinterfragen.[1]

     

    In diesem Fall würden Kenntnis und Bewusstsein der religiösen Lehren und Überzeugungen die Essenz des Glaubens bilden. Diese Ansicht, also die sprachliche bzw. wählbare Auslegung des Glaubens ist weitgehend von christlichen Theologen vertreten. Es gibt im Christentum aber auch eine weitere Ansicht, was die Essenz der Offenbarung betrifft. Hier wird die Offenbarung nicht als eine Sammlung von Tatsachen über Gott betrachtet. Man ist hier der Überzeugung, dass Gott in den Bereich der menschlichen Erfahrung eintritt, indem er die Geschichte beeinflusst.[2] Die Offenbarung ist dieser Ansicht nach eigentlich eine Manifestation Gottes, der die Menschheit im Laufe der Geschichte direkt gegenüberstehen wird. Glaube bedeutet hier volle Ergebenheit Gott gegenüber, was im Menschen Vertrauen, Sicherheit und Gottvertrauen erzeugt.

     

    Es muss daran erinnert werden, dass die Quellen dieser beiden Ansichten in der Wurzel des Wortes „faith“ gefunden werden kann. Geht man nämlich auf den lateinischen Stamm des Wortes, nämlich „fiducia“ zurück dann kann der Glaube von Wissen und Kenntnis abgeleitet worden sein, sondern ist vielmehr ein Geisteszustand in dem sich der Mensch befinden kann. Die andere lateinische Quelle „fide“ würde implizieren das Wissen und Kenntnis die Essenz des Glaubens sind.

     

    Beide oben genannten Theorien sind im Christentum wohl vertreten. Die erste Ansicht wird z.B. von Thomas Aquinas, dem Vatikan, Pascal und William James vertreten, die der Überzeugung sind, dass Glaube die Anerkennung einer Menge von Behauptungen bedeutet. Andere wie Paul Tillich und John Hick welche zu den einflussreichsten, protestantischen Philosophen gehören vertreten die zweite Ansicht, nämlich dass der Glaube nicht zu bedeuten hat, dass man eine Reihe von Lehrsätzen anerkennt und befolgt, sondern dass man sich innerlich voll und ganz Gott anvertraut, ihn liebt und sich zu ihm verpflichtet.[3]

     

     

    [1] John Hick, Philosophy of Religion, S. 119-120

    [2] Ebd. S. 133

    [3] Ebd. S. 130

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com