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    Islam und Glaube (8)

    Islam und Glaube (8)
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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    Um weiter auf das Thema des Glaubens einzugehen, wäre es angebracht, die Ansichten mancher islamischer Denker zu erwähnen. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass die meisten islamischen Denker den Glauben für eine Angelegenheit der Emotion und der Erfahrung halten. Dies entspringt allerdings nicht den Ansichten, die Teilweise in der westlichen Kultur vertreten sind auch wenn der Glaube dort ebenfalls nicht mit einem mündlichen Bekenntnis assoziiert wird. Die besagten islamischen Denker sind nicht der Überzeugung, dass der Glaube das Bekenntnis zu einer Menge von religiösen Sätzen bedeutet. Sie sind der Ansicht, dass der Glaube ein Vorgang ist, in dem der Mensch – als beschränktes Wesen – von seinem Schöpfer – welcher eine unendliche Essenz besitzt – bezaubert und begeistert wird. Dieser Ansicht nach ist ein Gläubiger jemand, der sein ganzes Wesen etwas widmet, so wie man sich sonst einer Person, oder als Enthusiast einer gewissen Musik oder einem Film und desgleichen widmet.

     

    Ihre Überzeugung beschreiben sie wie folgt: „Der Glaube beginnt mit einem Aufruf. Gott ruft den Menschen, und solange der Mensch diesen Aufruf nicht hört oder ihm nichts offenbart wird, verwirklicht sich der Glaube nicht.“[1]

     

    Diese Ansicht hat allerdings ihre Mängel. Hier wird der Glaube bloß als eine Angelegenheit der Erfahrung bezeichnet, diese Ansicht lässt also die Kenntnis aus. Sie ist daher nicht zuverlässig und vertrauenswürdig genug, man kann nämlich für das Bekenntnis zu einem Glauben kein Kriterium setzen. Damit will nicht gesagt sein, dass der Glaube nichts mit dem zu tun hat, was man innerlich erfährt. Diese Erfahrung kann nur nicht die Essenz des Glaubens sein, weil der Glaube auf Kenntnis basiert. Der Glaube kann zwar mit der menschlichen Erfahrung gemischt, aber nicht darauf reduziert werden. Er kann nämlich nicht von einem Aufruf abhängen: Was wäre, wenn es diesen Aufruf nicht gegeben hätte, und was hat die Menschheit heute zu tun, wo es diesen direkten Aufruf nicht mehr gibt? Die Vertreter dieser Ansicht meinen, dass der Glaube zur Zeit des hl. Propheten (s.) angefangen hat, und dass erst durch sei Erscheinen, also zu einem gewissen Zeitpunkt in Gang gesetzt wurde.

     

    Die Frage ist, wie soll die Menschheit heute, wo es den direkten Aufruf von Gott nicht mehr gibt, das Thema des Glaubens angehen?

     

    Wenn der Glaube außerdem nur den Aufruf Gottes zu bedeuten hat, dann beschränkt er sich auf den Glauben an Gott, während die islamische und qur’anische Kultur auch andere Arten des Glaubens kennt, wie z.B. den Glauben an Engelswesen, an die Worte Gottes und an himmlische Schriften, sowie an alle monotheistischen Propheten: „Der Gesandte glaubt an das, was ihm von seinem Herrn herabgesandt worden ist, ebenso die Gläubigen; sie alle glauben an Allah und an Seine Engel und an Seine Bücher und an Seine Gesandten.“[2]

     

    Es muss auch beachtet werden, dass dieser Ansicht nach der Glaube vor der Kenntnis entsteht, während der Glaube auf der Kenntnis über Gott und andere Dinge basiert, an die man zu glauben hat.

     

    Die Vertreter dieser Ansicht sind meines Erachtens von zwei großen, westlichen Philosophen inspiriert worden, nämlich Emil Brunner und Paul Tillich[3]. Sie definieren den Glauben als das Ende emotionaler Bindung. Dies ist nicht richtig, es gibt viele Fälle, in denen es keine ultimative, emotionale Bindung gibt, sondern in denen mehrere Bindungen nebeneinander existieren, wobei keine der anderen überlegen ist. Abgesehen davon gibt es einen großen Unterschied zwischen „muss sein“ und „ist“. Für manche Gläubige bedeutet Gott nicht das Ende emotionaler Bindungen, und dennoch sind sie nicht als Ungläubige zu bezeichnen. Ein weiterer, bemerkenswerter Punkt in Tillich’s Denkweise ist, dass er die Vernunft und die Kenntnis nicht in seine Theorie über den Glauben miteinbezieht, während diese Dinge im Qur’an und in den Überlieferungen einen hohen Stellenwert haben.

     

     

    [1] Kian, S. 11

    [2] 2:285

    [3] Brunner vertritt in seinem Buch „Wahrheit als Begegnung“ und Paul Tillich in Büchern wie „Wesen und Wandel des Glaubens“ und „Das Ewige im Jetzt“ diese Ansicht

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com