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    Islam und Spiritualität (10)

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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

     

    Es besteht kein Zweifel, dass die religiöse Spiritualität mit der Vernunft gekoppelt ist. In Wahrheit ist die religiöse Vernunft ein gedanklicher Rückhalt, welcher dazu führt, dass der Weg der Spiritualität ein moderater Weg ist und von jeder Art der Übertreibung und Untertreibung bewahrt und geschützt bleibt.

     

    Zu den Angelegenheiten, die einen wichtigen Beitrag im spirituellen Strom der Menschen spielen, kann die Rolle des menschlichen Willens bei seinem Wachstum und seiner Entwicklung aufgeführt werden. In diesem Lichte darf man seine Augen nicht vor dem freien Willen des Menschen in der Ausführung oder Beendigung einer Sache schließen, da der Mensch durch seine Entscheidungsmacht imstande ist jeder Angelegenheit nachzugehen oder sie nicht mehr zu verfolgen. Es ist mitnichten so, dass er von irgendjemandem zu einer Sache gezwungen würde. Auf der anderen Seite kann der Mensch durch die Steuerung seines Willens den Wert seiner Spiritualität anreichern und zu einem höheren Grad an Wachstum und Entwicklung gelangen. Durch die Akzeptanz der Wahrheit und des Glaubens, wie bspw. die Überzeugung über den Ursprung (des Seins) oder die Auferstehung, sowie durch die Anstrengung auf dem Weg dieser Überzeugungen, vermag es der Mensch seine spirituelle Stufe zu erhöhen.

     

    Der Determinismus, also die der Willensfreiheit widerstrebende Lehre von der Vorbestimmtheit des Willens durch innere oder äußere Ursachen, ist eine der Vernunft zuwiderlaufende Auffassung, welche gewiss nicht nur bei der Entwicklung der Spiritualität bedeutungslos ist, sondern zu einem Hindernis zur wahrhaftigen Spiritualität wird. Wenn der Mensch quasi gezwungen wird eine gute Sache zu tun, führt das Ergebnis einer solchen Handlung keinesfalls zur Entwicklung des Glaubens und der Überzeugungen. Deshalb kann man gewiss die Behauptung aufstellen, dass der Bund zwischen der Vernunft und der Spiritualität von tiefer Natur und unzertrennlich ist und dass das eine ohne das andere nicht zu seiner Vollkommenheit gelangt. Ohne Zweifel ist der vernünftige Mensch eine nach Spiritualität strebende Person, sowie der spirituelle Mensch eine vernunftorientierte Person ist. Diese Thematik ist von eminenter Bedeutung und die Aufmerksamkeit darauf bereitet den Boden für das zweidimensionale Wachstum der Vernunft und Spiritualität.

     

    Eine weitere Angelegenheit, die bei der Schaffung, Stärkung und Entwicklung der Spiritualität eine gewichtige Rolle spielt, ist die Strebsamkeit zum Handeln (gemäß den religionsrechtlichen Vorschriften). Gleich, ob die Handlung nun individueller oder gesellschaftlicher Natur sein sollte, so haben die religiöse Gesetzgebung (Scharia) und die Handlungsvorschriften der Religion durch diese Betrachtung der Angelegenheit ihren besonderen Platz inne.

     

    Obwohl einige bestrebt sind den Gedanken von einer Spiritualität und gar Mystik und Moral ohne die religiöse Gesetzgebung zu verbreiten und auch versuchen für eine Spiritualität ohne Religion zu werben, kann man durch die Aufmerksamkeit auf die Wahrheit der Spiritualität und einer richtigen Vorstellung darüber mit Leichtigkeit erkennen, dass das Erreichen einer beständigen und Glückseligkeit-spendenden Spiritualität ohne die religiöse Gesetzgebung nicht möglich ist. Auch beim Lesen über das Leben der Reinen und Rechtschaffenen der Welt, die stets Symbole des Friedens, der Spiritualität und Freundschaft unter den Menschen waren, wird der Standpunkt erleuchtet, dass die Erfüllung und Einhaltung der religiösen Vorschriften stets ihre Hymne und ihr Aufruf darstellten und sie selbst die größten Befolger der Handlungsvorschriften der Religion waren.

     

    Als Beispiel kann der große Prophet Muhammad (s.a.) aufgeführt werden, der in der Verrichtung von religiösen Pflichten und Empfehlungen, sowie dem Meiden von religiösen Verboten und dem Verpönten die größte Anstrengung aufwendete, sodass über ihn gemäß historischen Berichten und aus Vernunftsgründen kein Makel überliefert worden ist. Durch sein Zeitmanagement widmete er einen Teil seines Lebens den individuellen Gottesdiensten, wie der Verrichtung von religiösen Geboten, der Rezitation von Bittgebeten, dem Gottesgedenken, Gottesdienste in der Nacht usw. und verbrachte einen anderen Teil mit gesellschaftlichen Angelegenheiten und entsprach seiner Sendung zur Einladung (zum Weg Gottes). Somit hatte er sowohl die Einkehr mit seinem Herrn, als auch seine gesellschaftliche Präsenz für die Rechtleitung und Führung der islamischen Gesellschaft.

     

    Keiner seiner Anstrengungen war unvereinbar mit seiner Spiritualität, sondern sie hatten in der Entwicklung und Stärkung der Spiritualität eine wichtige Rolle. Diejenigen, die die Gesamtheit zwischen diesen beiden Aspekten für nicht möglich erachten, haben gewiss keine umfassende Kenntnis über die Religion, da der Islam diejenigen Menschen, die sich von der Gesellschaft abkapseln und isoliert leben, nicht bestätigt, sondern gesellschaftliche und religiöse Verpflichtungen und Verantwortungen im Gleichklang mit den individuellen, geistigen und inneren Verpflichtungen betont. Aus Sicht des Islam ist in einer Gesellschaft, die in der Sicherung ihrer Existenzgrundlage Probleme hat und wo die weltlichen Angelegenheiten der Menschen chaotisch und ungeordnet verlaufen, kaum eine Spur von Religiosität und Spiritualität vorzufinden. So finden wir in unseren Überlieferungen vor:

     

    من لا معاش له لا معاد له

     

    „Derjenige, der materiell nicht erfüllt ist, wird spirituell auch nicht erfüllt sein.“

     

    كادَ الفَقرُ أن يَكُونَ كُفرًا

     

    „Es ist beinahe so, dass die Armut Kufr ist.“ (Bitte überprüft die Übersetzungen, in der Predigt waren keine Übersetzungen vorhanden)

     

    Die Wahrheit spiegelt wider, dass wenn die weltlichen Angelegenheiten des Menschen brüchig und chaotisch sein sollten, dies auch im Jenseits für sie so sein wird. Deshalb betont der Islam, dass für die weltlichen Belange der Menschen in einer Gesellschaft gesorgt sein muss, damit ein geeigneter Rahmen zum Wachstum und Fortschritt, sowie zur Vollkommenheit und Entwicklung bereitgestellt werden kann. Eine Herrschaft basierend auf der Religion muss diese Rahmenbedingungen bereitstellen, damit sich die Menschen auf dem Weg der Vollkommenheit positionieren und in Richtung der Anbetung schreiten. Der Wert der religiösen Herrschaft liegt eben darin begründet, dass sie basierend auf der Gerechtigkeit für jeden einzelnen Menschen in der Gesellschaft einen solchen Rahmen bereitstellen muss, da für eine religiöse Herrschaft kein Wert besteht, außer wenn Gerechtigkeit in einer Gesellschaft herrscht.

     

    Auf Basis der Verwirklichung der Gerechtigkeit wird jede Person gemäß seinem Anteil am Wohlstand der Gesellschaft teilhabend, sodass Sicherheit in der Gesellschaft herrschen wird. In diesem Fall werden sich die Menschen in einer Gesellschaft zur Anbetung Gottes begeben und die Spiritualität wird die Gemeinschaft allseits erfassen. In einer solchen Gesellschaft werden sich das Verantwortungsgefühl, der Dienst an den Menschen und die Lösung ihrer Probleme etablieren und dies zählt zu den wichtigsten Effekten der Spiritualität im gesellschaftlichen Bereich, welches später gesondert behandelt wird.

     

    Das Ergebnis der Sitzung ist, dass das Bekenntnis zur Handlung in den zwei Bereichen der individuellen und gesellschaftlichen Verpflichtungen keine Unvereinbarkeit mit der Spiritualität aufweist, sondern den Rahmen für eine größere Stufe der Spiritualität in der Gesellschaft bereitstellt und aus diesem Grund steht die Dienerschaft und der Dienst an Gott nicht nur nicht im Widerspruch zur Spiritualität, sondern ist eine Notwendigkeit, um zur wahren Spiritualität zu gelangen.

     

     

    Quelle: http://www.izhamburg.com