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    Islamischer Lebensstil (12)

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    Wir möchten nun über Arbeit und Anstrengung als wichtigen Teil des Islamischen Lebensstils sprechen.

     

    Die Beschäftigung und Ausübung eines Berufes gehört zu den entscheidenden Bestandteilen des Lebensstils. Ein Beruf ist nicht nur finanziell von Nutzen und notwendig, sondern auch wichtig für die Psyche. Im Islam kommen bei der Debatte um einen geeigneten Lebensstil Arbeit und Anstrengung als notwendige Faktoren und vitale Bestandteile des Lebens zur Sprache. Der Mensch kann dank Arbeit und Anstrengung seine körperlichen und geistig-seelischen Bedürfnisse erwidern. Die Bedeutung der Beschäftigung ist in allen Lebensbereichen zu verspüren und es lässt sich sagen, dass sich dies direkt und indirekt auf die geistig-seelischen Zustände und die Denkweise und Werte des Menschen auswirkt.

     

    Der Mensch muss arbeiten, um überleben zu können. Wertvolle Ziele lassen sich nur durch unermüdlichen Einsatz erreichen. Jede Person und jede Nation, die die Gipfel des Fortschrittes erklimmen und erfolgreich sein will, muss auf Trägheit verzichten.

     

    Die verschiedenen Zivilisationen der Menschheit sind das Ergebnis der unermüdlichen Anstrengung von Menschen gewesen, die durch Anwendung der Fähigkeiten, die ihnen Gott mitgab, eine einflussreiche Rolle im Dasein spielen konnten. Die verschiedenen wissenschaftlichen Fortschritte in unserem heutigen Zeitalter wie die Verwirklichung des Wunsches den Luft- und Weltraum zu bereisen, tödliche Krankheiten zu heilen, Tunnel anzulegen und große Industrieanlagen zu errichten und die Zauberwelt der digitalen Komuikationen aufzubauen und so weiter, gingen aus der geistigen Arbeit und den Mühen von lobenswerten Menschen hervor.

     

    Wenn keiner mehr in einer Gesellschaft arbeitet, wird ihr Untergang einsetzen. Will Durant, schreibt in seinem Werk „Kulturgeschichte der Menschheit“:

     

    „ Arbeiten ist gesund. Die Beschäftigung ist eines der Geheimnisse für die Zufriedenheit des Menschen im Leben. Ich denke wir sollten lieber Gott um Erfolg bei der Arbeit und bei unsrem Tun bitten, als um Eigentum und Vermögen.“

     

    Arbeit und Anstrengung gehören wie Wasser und Nahrung zu den vitalen und dringenden Notwendigkeiten für das menschliche Leben. Der Mensch ist von sich aus an Arbeit und Anstrengung interessiert. Würden die Menschen nicht ihre Arbeitsfähigkeiten nutzen und würden ihnen alle guten Gaben ohne die geringste Anstrengung zufallen, so wäre ihr Leben dennoch nicht fröhlich und sie würden mit der Zeit ihre Motivation zum Leben verlieren.

     

    Imam Sadiq (a) aus dem Hause des Erhabenen Propheten des Islams hat wie folgt indirekt die positive Wirkung von Arbeit auf die Stimmung des Menschen veranschaulicht:

     

    „Würden die Bedürfnisse der Menschen (ohne Arbeit und Anstrengung) gedeckt, würde ihr Leben dadurch nicht schön und sie hätten keine Freude daran. Stellt euch vor, jemand sei bei einigen zu Gast und könnte sich eine Zeitlang bei ihnen ausruhen. Dabei wäre für alle Dinge, die er braucht, wie Speisen und Getränke gesorgt und er würde mit allem bedient. Nach einer Weile hätte er die Untätigkeit satt und ihm würde nach Arbeit verlangen, damit er sich beschäftigen kann.

     

    Und nun stellt euch vor, wie sich der Menschen fühlen würde, wenn sein ganzes Leben lang für alle seine Bedürfnisse gesorgt wäre.“

     

    Diesen Worten Imam Sadiqs (a) ist zu entnehmen, dass die Arbeit im Leben nicht nur deswegen wichtig ist, weil der Mensch sich einen Unterhalt verdienen muss, sondern Arbeit verleiht dem Menschen auch innere Zufriedenheit und gibt ihm das Gefühl nützlich zu sein. Der Mensch hat also , auch wenn er finanziell abgesichert ist, das Bedürfnis zu arbeiten.

     

    Der französische Schriftsteller Voltaire sagt: „Immer wenn ich spüre, dass Schmerz und Krankeit mich umwerfen wollen, suche ich bei der Arbeit Zuflucht. Sie ist das beste Mittel um die Schmerzen in mir zu beseitigen.“

     

    Die Arbeit hat also sowohl einen äußeren als auch einen inneren Nutzen. Der äußere besteht in dem Erwerb eines Unterhaltes und der Weiterentwicklung und der innere, in der Befriedung des Wunsches nach einer Beschäftigung und danach, nützlich zu sein. Dieses Gefühl erweckt Hoffnung im Menschen und Hoffnung ist eines der wichtigsten Dinge für seine Entfaltung.

     

    Doch was sollte das Ziel der Beschäftigung des Menschen sein? Arbeitet er nur, um seine materiellen Bedürfnisse zu erwidern und ein besseres Leben zu haben? Nimmt der Mensch Nahrung zu sich, damit er in der Lage ist zu arbeiten, oder arbeitet er, damit er sich bessere Speisen und ein bequemeres Leben leisten kann?

     

    Arbeit wird in jeder Gesellschaft von einer bestimmten Denkweise aus betrachtet und eingestuft. Einige sehen die Sache einseitig, und für sie ist Arbeit nur dazu da, die irdischen Bedürfnisse des Menschen zu stillen. Aber andere sehen aufgrund ihrer Ideologie in der Arbeit etwas anderes. Wer nicht nur die materielle Seite des Daseins sieht, der sieht Arbeit und Anstrengung in einem größeren Format als nur im materiellen Rahmen. Er sieht die Arbeit im Zusammenhang mit den hohen Zielen des Lebens. Der gläubige Mensch verfolgt im Sinne des Islams bei allem ein hohes Ziel. Ihm geht es im Leben darum, Gott zu dienen und Seinen Weisungen zu folgen. Dank dieser Dienstbarkeit erreicht er immaterielle und seelisch-geistige Vervollkommnungen. Die Nutzung der irdischen Dingen, darunter auch der wirtschaftlichen Betätigungen sind daher auch so weit von Bedeutung wie sie den Weg zur Vervollkommnung des Menschen ebnen. Die Rechtsordnung und Moral im Islam ist eine Summe von Regeln, welche den gläubigen Menschen in Richtung dieses wertvollen Zieles lenkt.

     

    Beim Islamischen Denken sind es die Überzeugungen des Menschen, die seine wirtschaftlichen und andere Tätigkeiten im Leben lenken. Daher ist das Thema der Wirtschaft im Islam wie andere Themen eng mit dem Thema Glauben und Moral verknüpft und so kommt es, dass Arbeit und Anstrengung mit der Immaterialität verschmelzen. Es gilt als eine Form des Gott-Dienens, wenn jemand für sein irdisches Wohl und um sich und seine Familie zu versorgen, Anstrengungen unternimmt und dabei Gottes moralischen Anweisungen folgen möchte. Arbeit in dieser Form wird von Gott auch im Jenseits belohnt.

     

    Islamisch gesehen soll der Mensch im Bereich der Wirtschaft moralische Grundsätze bei seinen Tätigkeiten beachten. Seine Tätigkeiten sind nicht den Wünschen der Triebseele unterworfen, sondern seine Triebe werden von den Grundsätzen der religiösen Morallehre kontrolliert. Ein Muslim will nicht nur selber die Segnungen Gottes nutzen, sondern auch dafür sorgen, dass die anderen, so gut wie möglich, in deren Genuss kommen. Er macht sich die göttlichen Gaben auf geeignete Weise zu Nutzen und setzt materiellen Besitz und Kapital dafür ein, sich selber zu vervollkommnen und zu einer bessere Gesellschaft     beizutragen.

     

    Der Heilige Koran hat in vielen Versen an die zahlreichen Möglichkeiten und Ressourcen auf der Welt erinnert und den Menschen angespornt, die Erde zu kultivieren und für seinen Unterhalt zu sorgen. Im Koran heißt es, dass Gott den Wind und den Regen schickt, die Nacht und den Tag werden ließ und dem Menschen Himmel und Erde unterworfen hat, damit der Mensch aufgrund dieser göttlichen Gnaden nach einem Unterhalt strebt. Dies ist nur durch Arbeit möglich. Einige haben die islamische Lehre falsch gedeutet und gedacht, dass Arbeit und wirtschaftliche Tätigkeit nicht mit der Religiosität vereinbar wären. Sie denken, wenn jemand einer Arbeit nachgeht und auf diese Weise etwas erwirbt, würde er das Weltliche lieben und das sei nicht mit der Gottesfürchtigkeit und dem Glauben vereinbar. Aber der Islam lehrt, dass gottesfürchtige Enthaltsamkeit darin besteht, dass der Mensch nicht die Äußerlichkeiten der Welt liebt.

     

    Er lehrt, dass der Mensch berechtigt ist, die Segensgaben Gottes zu nutzen . Er darf die Freuden genießen, die Gott ihm erlaubt hat. Allerdings ist es besser, dass er diese Möglichkeiten als Mittel für die Erzielung moralischer und seelischer Vollkommenheiten und für das Gott-Dienen nutzt. Der Prophet und die Edlen aus seinem Hause sind aufgrund dieser Denkweise alle einer Arbeit nachgegangen.   Einige die sich für fromm hielten, kritisierten sie wegen ihrer Tätigkeit auf dem Acker oder in den Plantagen.

     

    Es wird berichtet, dass Mohammad Ibn Munkadir, der als frommer Asket galt, an dem Acker vorbeikam, auf dem Imam Baqir (a) gerade in der Sommerhitze arbeitete. Mohammad ging auf den Imam, dem die Anstrengung den Schweiß auf die Stirn getrieben hatte,   zu und grüßte. Der Imam erwiderte seinen Gruß. Da sagte Mohammad Ibn Bunkadir zu ihm:

     

    „Geziemt es sich dass jemand wie Ihr auf der Suche nach dem Weltlichen diese Anstrengung unternimmt? Wie werdet Ihr Gott begegnen, wenn Euch in diesem Zustand der Tod ereilt?“

     

    Imam Baqir (a) unterbrach kurz die Arbeit und setzte sich an ein Mauer. Dann sagte er:

     

    „Wenn in diesem Zustand die Zeit für meinen Tod gekommen ist, werde ich mich sehr freuen, weil ich im Zustand des Gott-Dienens die Welt verlassen habe. Wenn ich mir keine Mühe geben und nicht arbeiten würde, müsste ich meine Hand vor dir und anderen wie dir ausstrecken.“

     

    Da bereute Mohammad Ibn Munkadir seine Worte und sagte: „Ich wollte dich mahnen, aber du warst es, der mir einen guten Rat gegeben hat.“