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    Islamischer Lebensstil (14)

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    Islamischer Lebensstil (14)
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    In unserem heutigen Beitrag geht es darum in Sachen „Arbeit“ weder zu übertreiben noch zu untertreiben und den Mittelweg zu gehen. Außerdem wird auch über die Bedeutung der Erholung und der Unterhaltung gesprochen. Den Mittelweg gehen bedeutet in Bezug auf Arbeiten, dass der Mensch sich sowohl vor Faulenzerei hütet als auch vor Überarbeitung. Beide haben nämlich einen zerstörerische Wirkung auf Leib und Seele.

     

    Der Islam ist der Weg der Mitte . Er fordert seine Anhänger auf, bei der Nutzung der Segnungen, die Gott zur Verfügung stellt, Ausgleich zu schaffen und Maß zu halten. Leider achten die meisten im Leben nicht auf die Regel der goldenen Mitte. Entweder übertreiben sie oder sie untertreiben. Fehlende Ausgeglichenheit ruft für den einzelnen, die Familie und schließlich für die Gesellschaft Komplikationen hervor. Es lässt sich sagen, dass die besten Bedingungen für die Entfaltung und Vervollkommnung des Menschen vorliegen, wenn er in allen Angelegenheiten auf dem Weg der Mitte bleibt.

     

    Ein wichtiges Hindernis auf dem Weg des Menschen zu seiner Vervollkommnung, kommt zustande, wenn er sich körperlich und seelisch unmäßig mit den weltlichen Dingen beschäftigt, denn in einem solchen Fall wird Gott ihm keine Gunst mehr erweisen. Imam Sadiq (a) sagt in Bahar ul Anwar, Band 78, S. 1: „Jemand der dauernd um das Weltliche besorgt ist, den beachtet Gott nicht.“

     

    Imam Sadiq (a) erklärt dazu weiter: Wenn der Mensch zu sehr nach dem Weltlichen verlangt, wird er sich nur noch damit beschäftigen. Er wird nicht mit dem, was er erreicht hat, zufrieden sein und immer das Gefühl haben, noch mehr zu brauchen. Wenn der Mensch aber nur aus Begierde nach neuem Besitz arbeitet, ist er maßlos geworden. Diese Übertreibung wird ihm schaden.

     

    Arbeit ist für alle von Bedeutung. Aber neben Arbeit muss es auch Zeiten der Erholung und Unterhaltung geben, ebenso wie Zeiten für das spirituelle Weiterkommen. Erholung und spirituelle Erfolge wirken sich sogar wieder günstig auf die Arbeit aus und steigern die Arbeitsqualität.

     

    Wenn der Islam der Rolle der Arbeit große Beachtung schenkt, bedeutet das nicht, dass der Mensch soviel arbeiten soll, dass keine Zeit mehr für gesunde Freizeitbeschäftigungen und für gottesdienstliche Handlungen übrigbleibt. Es gibt ein Hadith (Überlieferung) von Imam Musa Kadhim (a) und zwar empfiehlt er: „Seid bestrebt eure Zeit in vier Teile einzuteilen. Einen Teil für die Anrufungen Gottes, einen Teil für Arbeit und Anstrengung, einen Teil für die Beziehungen zu den (Glaubens-)Brüdern und vertrauenswürdigen Personen und einen weiteren für die erlaubten Freuden. Wenn ihr eine gesunde Freizeitbeschäftigungen habt, werdet ihr dadurch für die anderen Angelegenheiten des Lebens gestärkt.“

    Aus Tuhaf ul Uqul, S. 433)

     

    Gerade auch der letzte Hinweis in dieser Überlieferung verdient Beachtung, nämlich da wo es heißt, dass es sich positiv auf die Erfüllung einer Aufgabe auswirkt, wenn der Mensch seine Freizeit gesund gestaltet und auf diese Weise neue Kräfte schöpft.

     

    Pausenloses Arbeiten ruft zweifelsohne auf lange Sicht körperliche und seelische Beschwerden hervor. Einige Berufe haben sogar um ein Vielfaches mehr negative Begleiterscheinungen als andere. In den meisten Teilen der Welt gilt ein 8-stündiger Arbeitstag. Aber viele Berufstätige müssen mehr als 8 Stunden arbeiten. Untersuchungsergebnisse belegen, dass zuviel Arbeit psychische Mehrbelastung bedeutet, wobei dieser Stress zur Schlaflosigkeit und körperlichen Beschwerden führt und sogar das Abwehrsystem des Körpers schwächt.

     

    Gemäß Untersuchungen in England steigert ein zu langes Arbeiten die Gefahr der Herzerkrankungen und beschwört in einigen Fällen sogar eine akute Todesgefahr herauf. Bei Menschen, die mehr als 11 Stunden am Tag arbeiten, ist die Gefahr eines Herzinfarktes nämlich größer als bei anderen, die 7 bis 8 Stunden am Tag eine Berufstätigkeit ausüben. Der fehlende Schlaf führt ohnehin zu weiteren Schwierigkeiten. Jemand der viel arbeitet, schläft normalerweise weniger als 6 Stunden am Tag. Aufgrund der genannten Forschungsarbeit wird Ärzten empfohlen, bei der Untersuchungen von Patienten auch nach ihrer Berufssituation zu fragen, um der Krankheitsursache nachzugehen. Der Stress wegen viel Arbeit führt nämlich zu höherem Blutdruck und kann sogar Verdauungskomplikationen hervorrufen.

     

     

    Gemäß Islam besitzt die Arbeit einen hohen Stellenwert, dennoch lehnt er eine Übertreibung ab. Es ist klar, dass einige zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes zur Mehrarbeit gezwungen sind.

     

    Der Koran und die Überlieferung sagen auch nicht, dass der Mensch nicht eine Minimum an Unterhalt für die Familie anstreben soll. Er lehrt vielmehr , dass der Mensch sich vor der Weltenliebe und der Anhäufung von unnötigem Reichtum hüten muss und sich nicht aus Raffgier überarbeiten darf. Der Mensch soll soviel arbeiten, dass er beschaffen kann, was er und seine Familie brauchen, und ohne dass er seelisch aus dem Gleichgewicht kommt. Imam Sadiq (a) hat gesagt:

     

    „Jemand der wegen dem Jenseits, das weltliche Leben vernachlässigt oder sein jenseitiges Leben, wegen dem irdischen ignoriert, der gehört nicht zu uns!“ (aus Wasail al Schia, Bd. 12, S. 49)

     

    Eine weitere negative Folge von Mehrarbeit besteht darin, dass der Mensch weniger Zeit mit seiner Familie verbringt, und dies gefährdet die Beziehungen in der Familie. In Familien, in denen Vater oder Mutter oder beide Eltern lange Zeit auf der Arbeit verbringen, sind ihre anderen Mitglieder,   insbesondere die Kinder belastet. Der Pädagoge Mudschtaba Hurai sagt dazu:

     

    „Manche Leute sind so sehr an ihrem Beruf interessiert, dass sie andere Prioritäten des Lebens völlig vernachlässigen. Sie planen keine Zeit für das Streben nach Wissen ein und sie beachten nicht ihre Ehefrau und deren Bedürfnisse oder die Erziehung der Kinder. Für sie sind die Beziehungen in der Familie und Freundschaften unwichtig geworden. Manchmal übertreibt ein Mensch dermaßen seine Berufstätigkeit, dass er nicht mehr auf die eigene körperliche und seelische Gesundheit achtet. Zweifelsohne ist auch Trägheit bei der Arbeit als eine Verhaltensstörung zu betrachten. Die Übertreibung bei der Arbeit führt jedoch zu individuellen und sozialen Problemen.“

     

    Die Notwendigkeit von Freizeit und Erholung ist nicht von der Hand zu weisen, aber natürlich darf auch hierbei nicht übertrieben werden,   denn das würde erneut materielle und immaterielle Verluste verursachen. Es ist also ein Mittelweg zu wählen. Imam Sadiq (a) empfiehlt:

     

    „Hütet euch vor Übertreibung bei der Arbeit und bei Anstrengungen und hütet euch auch ernsthaft vor Faulenzerei, denn mit Über- und Untertreibung beginnt alles Unglück…“ (Bihar ul Anwar, Bd. 78, S. 180)

     

    Während Arbeit und Anstrengung den Aufstieg des Menschen zu den Gipfeln des Erfolges ermöglichen, führen Faulheit und Untätigkeit zur Verkümmerung der Fähigkeiten des Menschen. Um den Mittelweg zu finden sollte man als eine angemessene Zeit für Arbeit und Beruf bestimmen und die restlichen Stunden für andere Angelegenheiten des Lebens nutzen, wie gesunde Beziehungen zu anderen, Gott-Dienen und geeignete Freizeitvergnügen.