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    Islamischer Lebensstil (15)

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    Islamischer Lebensstil (15)
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    Wir möchten diesmal das Thema Freizeit und Bedeutung der Freizeitgestaltung für den Islamischen Lebensstil betrachten.

     

    Zum Lebenstil gehören wie gesagt, Bekleidungs- und Essengewohnheiten, Art der Arbeit und Gestaltung der Freizeit. Außerdem zählen auch die sozialen Bräuche und die menschlichen Beziehungen dazu. Dies alles sind Bestandteile eines Lebensstils, welcher wiederum in Anlehnung an die Weltanschauung des Menschen zustande kommt.

     

    Ein Lebensstil   aufgrund einer materiell ausgerichteten Denkweise wie der westlichen entspricht in vielem grundsätzlich nicht der religiösen Denkweise , die auf dem Glauben an dem einen Gott fußt. Aus diesen beiden Weltanschauungen gehen zwei verschiedene Lebensstile hervor. Die religiöse Denkweise sagt, dass Gott für jeden Aspekt im menschlichen Lebens ein Programm hat und dass das Leben einem Zweck dient. Im Gegensatz zu dem westlichen Lebensstil baut der religiöse Lebensstil nicht auf dem persönlichen Genuss des Einzelnen auf, sondern es geht nicht nur um persönliche Freuden, sondern auch vor allen Dingen darum, das Leben klug zu gestalten und ihm ein Ziel zu geben, und zwar auch in der Freizeit. Wir möchten Sie nun mit der Bedeutung von Freizeit und gesunder Freizeitgestaltung im Islam bekanntmachen.

     

    Die heutige Art der Freizeitgestaltung ist das Resultat des Stadtlebens, des Industriezeitalters und der Moderne. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sind die Menschen gezwungen, viele Jahre über in geschlossenen Räumen einer Arbeit nachzugehen. Dies hat körperliche und seelische Schäden hervorgerufen .

     

    Aber zum Erhalt der Leistungsfähigkeit der Arbeitskräfte haben einige eine entsprechende Programmisierung der Freizeit angestrebt. Dabei wurde die Freizeit zum Teil als eine Zeit interpretiert, in der er von allen moralischen und gesetzlichen Einschränkungen befreit sein soll, d.h. sie sind der Ansicht, dass die freie Zeit eine Zeit der Befreiung von jeder Verantwortung und Pflicht gegenüber der Gesellschaft sowie absoluter Freiheit.

     

    Diese Sichtweise ist von der Sichtweise des Islams verschieden. Aus der Sicht des Islams soll Freizeit aber nie eine Zeit der Verantwortungslosigkeit sein, denn der Mensch trägt, solange er Vernunft, einen freien Willen, Wissen und Fähigkeiten besitzt, auch eine Verantwortung. Daher kann er niemals die Freizeit als eine Zeit betrachten, in der er absolut frei und ungebunden und von jeder Aufgabe befreit ist.

     

    Außerdem gilt die Freizeit auch nicht als Zeit der Untätigkeit, denn das würde bedeuten, dass es nichts für den Menschen in seiner Freizeit zu erledigen gäbe. Unterdessen gibt es sehr viele Dinge, die in der Freizeit getan werden können. Gemäß einigen Überlieferungen wird Untätigkeit in der Freizeit sogar verurteilt und es heißt, dass ein untätiger Mensch den Unwillen Gottes hervorruft. Zum Beispiel steht im Usul-e Kafi, Band 5, auf Seite 84:

     

    „Gott der Allmächtige ist gegen übermäßigen Schlaf und Untätigkeit.“

     

    Ein wichtiges Kennzeichen für die Freizeit besteht darin, dass der Mensch in dieser Zeit von der täglichen Arbeit, mit der er seinen Unterhalt verdient, befreit ist. Gerade dieses Merkmal mag einige dazu verleitet haben, die Freizeit als eine Zeit der Untätigkeit zu deuten. Aber das ist nicht der Fall. Befreiung von der Berufstätigkeit bedeutet nicht Untätigkeit. Die Freizeit hebt sich auch dadurch von der täglichen Arbeitzeit ab, dass der Mensch nicht gezwungenermaßen und eventuell gegen seinen Willen einer Tätigkeit nachgeht, sondern Dinge tun kann, die er gerne hat. Mit anderen Worten kann der Mensch für die Freizeit Tätigkeiten wählen, die ihm gefallen. Es kann sogar sein, dass jemand während seiner Freizeit hart arbeitet. Es hängt einfach von der Persönlichkeit und der sozialen Identität , der Erziehung und der Moral eines Menschen ab, wie er seine Freizeit verbringt.

     

    In der Freizeit streben die meisten keine finanziellen Vorteile an. Aber natürlich lässt sich der allgemeine Freizeittrend so lenken, dass es zu einem Wirtschaftsaufschwung und einem besseren Geldumlauf führt. Die Freizeit ist nicht nur für eine bestimmte Bevölkerungs- oder Altersgruppe bestimmt. Jedes Mitglied der Gesellschaft bedarf der Freizeit. Dieses Bedürfnis macht die Bedeutung einer Freizeitplanung auf höherer Ebene spürbar.

     

    Ausgehend von dem, was der Islam über die Bedeutung der Zeit lehrt und ausgehend davon, dass er sinnlosen Zeitvertreib tadelt, lässt sich sagen, dass er niemals die Freizeit als eine Zeit sieht, die sinnlos verbracht werden darf. Der Islam sieht die Freizeit aus dem Blickwinkel der Erziehung, Charakterveredlung und der Moral.

     

    Freizeit ist unter anderem deshalb so wichtig, weil sie die beste Zeit für den Kulturaufbau liefert. Durch Freizeitprogramme   können die Überzeugungen und Werte, das Verhalten und die Wünsche der Einzelnen in die gewünschte Richtung gelenkt werden. In vielen westlichen Ländern wird daher in die Produktion von Filmen, Fernsehserien, Animation, Spielzeuge und Computerspiele investiert. Diese Kulturprodukte sollen die Freizeit ausfüllen.   Sie sollen sogar andere Gesellschaften durch die Verbreitung und Einflößung der westlichen Werte beeinflussen.

     

    Die Freizeit kann verschiedene Funktionen erfüllen. Zum Beispiel kann sie Eintönigkeit vorbeugen und verhüten, dass körperliche und seelische Ermüdung auftreten, welche die Erfüllung von Pflichten beeinträchtigen. Die Freizeit kann dem Wiederaufbau von Kräften dienen und dadurch die Arbeitsleistung steigern.

     

    Freizeit kann viele seelische Probleme und Belastungen, Ängste und Aggressionen eindämmen oder beseitigen und seelische Ruhe und körperliche Entspannung hervorrufen.

     

    Wenn die Freizeit mit gesellschaftlichen Tätigkeiten ausgefüllt wird, fördert sie das soziale Denken im Menschen und kommt den sozialen Beziehungen zugute. Ein richtiges Management der Freizeit kann also zur Beseitigung von Schäden und Schadensgefahren für die Gesellschaft und den Einzelnen beitragen.

     

    Für Muslime ist es erstrebenswert, in ihrer Freizeit den religiösen Angelegenheiten und der Erweiterung ihres Religionswissens   Aufmerksamkeit zu widmen . Imam Ali (a) sagt dazu:

     

    „Vergiss nicht deine Gesundheit, Kraft, Freizeit und Jugend und deine Energie für das Streben nach dem Jenseits zu nutzen.“ (Ma`ani al Achbar, S. 325).

     

    Die Freizeit hat viele nützliche Seiten, aber sie kann auch, wenn sie nicht richtig geregelt wird, zu einer ernsthaften Gefahr für die moralische und seelische Gesundheit der Gesellschaft werden. Fast lässt sich sagen, dass eine der wichtigsten Ursachen für Entgleisungen und Kriminalität die Nichtplanung für die Freizeit im Privatleben und auf gesellschaftlicher Ebene ist.

     

    Imam Ali (a) sagt:

     

    „Zusammen mit der freien Zeit taucht auch die Neigung zu diabolischen Wünschen auf.“ (Uyun al Hikam wal Mawaiz , S. 485, Nr. 9048)

     

    Der Koran, der Prophet (s)und die Unfehlbaren Imame (a) haben einen allgemeinen Handlungsrahmen , Regeln und Wertmaßstäbe für die Freizeit aufgestellt. Dabei behandeln sie nur selten die Einzelheiten, da die Details der Freizeitgestaltung orts- und zeitgebunden sind und je nach Bedingungen variieren.

     

    Aber aus der Gesamtheit der Koranverse und Überlieferungen ist Folgendes zu unternehmen:

     

    Der Islam möchte nicht, dass wir eine Gelegenheit uns zu verbessern und zu vervollkommnen, aus der Hand geben. Immer wenn wir eine wichtige Arbeit hinter uns gebracht haben, sollten wir erneut etwas Nützliches tun. Dies aber setzt voraus, dass wir planen und uns weiter auf das wichtigste Ziel unseres Lebens zu bewegen. In der Sure 94 heißt es in den Versen 7 und 8:

     

    „Wenn du nun entlastet bist, (dann bleib nicht untätig und wende dich einer neuen Aufgabe zu und ) mühe dich eifrig.“

     

    „ Und deinem Herrn widme dich ganz.“

     

    In dieser Sure fordert Gott den Erhabenen Propheten auf, keine Gelegenheit für das Streben nach der Vervollkommnung zu versäumen . Er und seine Anhänger sollen, wenn immer eine wichtige Aufgabe erledigt ist, sich einer weiteren Aufgaben, die Gottes Zufriedenheit mit sich bringt, zuwenden.

     

    Gemäß der religiösen Kultur haben wir nicht das Recht, auch nur einen Augenblick in unserem Leben für Unsinniges zu vergeuden und werden für jeden Augenblick zur Rechenschaft gezogen.

     

    In den Überlieferungen heißt es zum Beispiel, dass der Mensch am Jüngsten Tag gefragt wird, wie er sein Leben verbracht hat. So kommt es, dass die Imame ständig gewarnt haben: Gebt acht! Die Gelegenheiten, die euch zur Verfügung gestellt werden, sind einmalig. Sie können nicht gespeichert werden und lassen sich nicht wieder zurückzuholen.

     

    Imam Sadiq (a) sagt:

     

    „Ich mag eure jungen Leute nur in zwei Zustände sehen: Entweder dass sie Gelehrte sind oder dass sie nach Wissen streben. Bei dem, der Mohammad zum Propheten berufen hat: wenn keines von beiden zutrifft und sie nichts unternommen haben und nachlässig sind, haben sie ihr Leben vergegeudet und wer sein Leben vergeudet ist sündig und wer sündig ist, der wird Insasse der Verdammnis sein.“

    (Bihar al Anwar, Bd. 1, S. 170)

     

    Der Islam möchte also, dass wir bewusst mit unserer Freizeit umgehen und den besten Nutzen aus ihr ziehen. Imam Sadschad (a) betet im Sahifah Sadschadiyah:

     

    O Gott! Wenn du für uns Zeiten der Befreiung von der Arbeit bestimmt hast, so lass sie gesund und heil sein, so dass uns keine Sünde und keine Müdigkeit darin überkommt, damit die Engel und die, welche die schlechten Taten aufschreiben, mit Akten von uns zurückkehren, in denen keine Sünde steht, und die , welche die guten Taten registrieren, sich über die guten Werke , die wir getan haben, freuen.