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    Islamischer Lebensstil (19)

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    Zum Lebensstil gehört die Gestaltung der Freizeit und wir haben über Freizeitbeschäftigungen wie Sport, Reisen, Geselligkeit und einen vernünftigten Medienkonsum gesprochen. Es gibt noch weitere sinnvolle Freizeitbeschäftigungen.

     

    Die islamische Kultur erlaubt uns nicht, auch nur einen Augenblick unseres Lebens sinnlos zu verbringen, denn wir müssen für jeden Augenblick unseres Lebens geradestehen. Laut Überlieferungen werden wir am Jüngsten Tag zum Beispiel darüber gefragt wie wir unsere Jugend verbracht haben.

     

    Die Leitbilder der Religion haben uns oft und nachdrücklich aufgefordert, alle guten Gelegenheiten im Leben zu nutzen. Sie haben gemahnt , dass wir auf die Zeit, die uns zur Verfügung steht, achten, da sie sich nicht speichern lässt und nicht zurückkehrt. Der Prophet (s) hat Abu Dharr Al-Ghaffari wie folgt empfohlen:

     

    „Abu Dharr! Beim Investieren deines Lebens sei geiziger als als beim Anlegen deines Geldes.“

     

    Wir sagten bereits, dass der Islam die Freizeit aus dem Blickwinkel der Erziehung und Moral sieht. Die Lehren dieser Religion sehen in der freien Zeit keine Zeit, die der Mensch ziellos verbringen soll oder als Gelegenheit für Unsinniges auffassen darf. Ein gläubiger Mensch plant gemäß Imam Ali (a) für den ganzen Tag und bleibt nicht untätig.

     

    Die richtige Nutzung der Freizeit macht in jeder Gesellschaft Maßnahmen auf dem Gebiet der Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft erforderlich. Wenn die freie Zeit nicht richtig geregelt wird, kann sie die größten Gefahren für die Moral und die psychische Gesundheit der Gesellschaft heraufbeschwören. Freizeit ist nicht auf eine bestimmte Bevölkerungsschicht, Altersgruppe oder Zeit begrenzt. Alle Mitglieder einer Gesellschaft brauchen Freizeit. Daran ist zu sehen, wie wichtig eine Planung für diese Zeit ist.

     

    Einer der besten Wege, Freizeit zur verbringen ist die Intensivierung der Verbindung zu Gott durch Bittgebete und Dankespreis und mit dem Besuch von religiösen Orten und Pilgerstätten. Jeder Muslim soll täglich durch das Ritualgebet eine Verbindung zu Gott herstellen, am besten in Gemeinschaft mit anderen. Das gehört zu seinen Pflichten. Darüberhinaus kann er aber auch einen Teil seiner freien Zeit der Stärkung des Glaubens und Festigung dieser Verbindung zum Allbarmherzigen und Gnadenreichen widmen.

     

    Der Lebensstil in der modernen Welt hält den Menschen leider mit seinen materiellen Aspekten, der Tendenz zu weltlichen Dingen und zur Vermögensanhäufung von den höheren immateriellen Werten und den moralischen Errungenschaften fern. Das Ergebnis sind zunehmende seelische Erkrankungen und soziale Schäden.

     

    Gemäß dem Heiligen Koran wurde der Mensch aber vor allen Dingen dazu erschaffen, dass er Gott dient. Wer also maximal dem Sinn seiner Erschaffung entsprechend handeln will, muss jeden Augenblick Gott zu Diensten stehen. Mit diesem Gott-Dienen sind nicht nur die üblichen gottesdienstlichen Handlungen wie das Ritualgebet und das Fasten gemeint. Der Mensch kann sogar essen , schlafen und seine Freizeibeschäftigungen in eine Art gottesdienstliches Tun verwandeln, falls seine Motivation Gott-orientiert ist und er dadurch Gott näher kommen möchte.

     

    Die Freizeit des Menschen soll eine Art Erholung und Entspannung für Körper und Seele sein. Daher ist es eine sehr nützliche Freizeitbeschäftigung sich gottesdienstlichen Dingen zuzuwenden – indem man zusätzliches Ritualgebet verrichtet, besondere Gebete liest, Lobpreis (Dhikr ) spricht, sich in den Koran vertieft oder religiöse Orte aufsucht. Pilgerbesuche und Bittgebete nehmen im Islam einen hohen Platz ein. Aus psychologischer Sicht stillen sie konstruktiv spirituelle und seelische Bedürfnisse.   Wir sollten also diese Dinge in unsere Freizeit mit einplanen.

     

    Der Mensch braucht die intensive und laufende Beziehung zu Gott. Leider gerät dieses Bedürfnis in der Turbulenz des heutigen Lebens schnell in Vergessenheit.   An heiligen Orten und Pilgerstätten wird der Mensch wieder auf dieses spirituelle Bedürfnis aufmerksam gemacht und wird die Stärkung der Beziehung zu Gott begünstigt. Diese Beziehung beschert dem Menschen wohltuende innere Ruhe. Beim Besuch heiliger Stätten und der Teilnahme an gemeinsamen religiösen Zeremonien geht der Mensch eine Harmonie mit einer besonderen Umgebung ein und wird für eine kurze Zeit von inneren Widersprüchen befreit. Es ist für den Menschen sehr vorteilhaft, in eine solche Umgebung zu gelangen und für einige Zeit mit Gott Verbindung aufzunehmen.

     

    Imam Ali (a) bittet Gott in einem Gebet:

     

    „Schenk mir freie Zeit , damit ich das erreiche, wozu du mich erschaffen hast.“

     

    Imam Sadiq (a) empfiehlt , dass jeder Muslim sich mindestens einen Tag in der Woche von alltäglichen Arbeiten freihält , um sich einer Selbstbewertung zu unterziehen und   religiösen Angelegenheiten zu widmen .

     

    Im Sadiq (a) sagt: „Schämen sollte sich ein Muslim, der sich nicht jeden Freitag für seine Religion und Fragen über sie (von anderen Dingen) frei macht.“

     

    Es gilt als wichtige Freizeitbeschäftigung, täglich eine Bilanz über die eigenen Taten oder die persönliche Vergangenheit zu ziehen. Manchmal ist der Mensch jedoch beruflich so eingespannt oder mit dem Alltag beschäftigt, dass er den eigentlichen Sinn seines Lebens vergisst. Es kann sein, dass mehrere Tage verstreichen , ohne dass er sich jegliche tiefere Gedanken gemacht hätte. Möglicherweise nimmt er sich überhaupt nicht die Zeit, über wichtige Fragen des Lebens nachzudenken und sie zu klären, wie die Frage nach dem Sinn und Ziel des Lebens und die Frage, wie er leben soll, damit er einen guten Ausgang findet. Die beste Gelegenheit zum tieferen Nachdenken über wichtige Fragen bietet die Freizeit.

     

    Imam Ali (a) hat gesagt: „Wie angemessen es ist doch, dass der Mensch eine Zeit zur Verfügung hat , in der die üblichen Tätigkeiten des Lebens ihn nicht beschäftigen; eine Stunde, in der über sich selbst Bilanz zieht und darüber nachdenkt, was er im Laufe eines Tages für sich erreicht und was er aus der Hand gegeben hat!“

     

    Die Freizeit ist aber auch eine günstige Gelegenheit für Wohltätigkeiten und gute Werke. Den Bedürftigen zu helfen ist ein besonderes wichtiges Thema in der Islamischen Kultur und Lehre. Die Wohltätigkeit ist nicht nur im Koran oftmals empfohlen worden sondern sie wurde uns auch vom Propheten (s) und den Edlen aus seinem Hause vorgelebt. Durch Wohltätigkeit werden nicht nur die Probleme der Bedürftigen behoben, sondern auch der Wohltäter selber tut sich damit einen Gefallen, weil er durch Wohltätigkeit eine innere Zufriedenheit und Ruhe erreicht. Daher sollte der Muslim sich in seiner freien Zeit auch guten Werken widmen. Gute Taten sind für den Einzelnen und die Gemeinschaft von Nutzen und bereichern die Kultur und das spirituelle Leben.

     

    Der Prophet (s) hat die Menschen wie folgt zu guten Werken angespornt:

     

    „Ihr solltet die Wohltaten und Wohltätigen lieben. Bei dem, in dessen Hand mein Leben ist: Mit der Wohltätigkeit und den Wohltätigen geht Segen und Gesundheit einher (Kanz al Ummal, H. 15974)!“

     

    Ein anderer begrüßenswerter Brauch, den der Mensch in der Freizeit pflegen sollte, sind Krankenbesuche. Der Islam hebt diese menschenfreundliche Tat so sehr hervor, dass der Prophet sagt:

     

    „Am Jüngsten Tag wird Gott ,der Allmächtige, einen Seiner Diener tadeln und sagen: „O mein Diener! Was hat dich davon abgehalten, Mich zu besuchen als ich krank war?“ Der Diener wird sagen: „O Gott! Du bist doch der Schöpfer dieser Welt und kennst keine Schmerzen, Leiden oder Krankheiten! Du bist gepriesen und rein von einer Erkrankung!“

     

    Gott aber wird sprechen: „Dein gläubiger Bruder war krank und du hast ihn nicht besucht. Bei Meiner Größe und Herrlichkeit! Wenn du ihn besucht hättest, hättest du Mich bei ihm gefunden und Ich hätte dir jede Bitte erfüllt und dies wegen der Achtung, welche ein gläubiger Diener bei Mir genießt. Ich bin Gott, der Allerbarmer und Gnadenreiche!“ (Safineh Ul Bihar, Bd. 2, Seite 534 und 535).