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    Islamischer Lebensstil (20)

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    Islamischer Lebensstil (20)
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    Wir möchten den Stellenwert der Fröhlichkeit im islamischen Lebensstil betrachten. Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Freude im Leben.

     

    Gott hat daher… in der Daseinswelt Dinge geschaffen, die ihm Freude bereiten und ihn fröhlich stimmen: wie der erfrischende Frühling, der prächtige Anblick des Sonnenaufgangs, grüne Wälder und herrliche Berge, eine Natur in allen Farben oder Vogelgesang usw. Auch die Liebe und Freundschaft zwischen den Menschen gehört zu diesen Dingen. Doch ist auch der Kummer Teil des Lebens und einige Dinge in der Daseinswelt können den Menschen traurig stimmen, wie der Sonnenuntergang, das Verwelken der Blumen, Krankheit und Tod.

     

    Angesichts dieser Tatsache verstehen wir, was die weisen Worte der großen Vorbilder des Islams zu bedeuten haben, wenn sie sagen, dass es im irdischen Leben nicht möglich ist, ständige Freude und Befreiung von Kummer zu erzielen. Aber nun möchten wir den Stellenwert der Freude und Fröhlichkeit im islamischen Lebensstil besprechen und definieren, was in den Islamischen Lehren unter konstruktiver Freude verstanden wird.

     

    Die umfassende Himmelslehre des Islams beachtet die Bedürfnisse des Menschen und die Voraussetzungen für seine Vervollkommnung , und sieht daher aus allen Sichtwinkeln auf das Thema Freude. Sie hat den Menschen Wege gezeigt, wie sie ihre Kräfte erneuern und sich seelisch auffrischen können. Daher lehnt sie das Mönchtum ab und erlaubt nicht die Abstinenz von irdischen Freuden. Der Islam legt Wert darauf, dass Freuden richtig genutzt werden. Freude soll dazu dienen, sich von Alltag und Stress zu erholen.

     

    Einige denken, der Islam sei eine Religion die die Trübsal will. Das stimmt nicht. Der Islam steckt voller Leben und Frohsinn. Diese Freude ist an den Gesichtern der wahren Anhänger dieser Religion abzulesen. Die meisten von uns Menschen beklagen, dass wir im Innern nicht wirklich fröhlich sind, und die äußerlichen Freuden des Lebens dieses innere Vakuum nicht ausfüllen können.

     

    ّFreude und Fröhlichkeit sind ein seelischer Zustand, welcher aus dem Gefühl der Zufriedenheit und des Erfolges hervorgeht. Diese Befindlichkeit entsteht, wenn der Mensch an ein Ziel oder an einen Wunsch gelangt ist, oder mit großer Wahrscheinlichkeit annimmt, dass dieser Wunsch oder dieses Ziel erreicht werden. Aber umgekehrt erfasst den Menschen Traurigkeit, wenn er nichts ans Ziel gelangt oder sein Wunsch unerfüllt blieb. Daher ist Kummer ein Zustand, der dem Gefühl der Enttäuschung und des Misserfolges entspringt. Zusammengefasst lässt sich sagen: Immer wenn jemand an einen seiner Wünsche gelangt, verspürt er im Innern einen Zustand, der sich „Freude“ nennt . Dies ist ein positives Gefühl, welches negative Emotionen wie das Gefühl des Misserfolges oder der Resignation, der Besorgnis oder der Angst verdrängt.

     

    Einige unterscheiden verschiedene Gradierungsstufen für Freude. Es gibt Freuden, die mit der materiellen, körperlichen Seite des Menschen zu tun haben. Diese Art der Freude, zum Beispiel an einem Essen oder einem Getränk an Unterhaltung und Freizeitbeschäftigung, steht auf einer niedrigeren Stufe als andere Freuden. Der Mensch kann sich ja auch auf einer höheren Ebene freuen. Zum Beispiel über eine vollbrachte Leistung.

     

    Höchstgradige Freude verspürt der Mensch bei ständiger Zufriedenheit. Diese Freude ist kontinuierlich und tief verankert.

     

    Die islamische Lehre bezeichnet alle Gradierungen der Freude für notwendig und wichtig, will jedoch den höchsten Grad an Freude herstellen, nämlich die innere beständige Freude und Fröhlichkeit. Freuden sollen gemäß dem Islam die Beziehung zwischen Gott und Mensch festigen. Genüsse, die dazu führen, dass wir Gott vergessen, sind der menschlichen Würde abträglich. Der Islam verbietet die vorübergehenden Freuden nicht, aber er ordnet die kontinuierlichen Freuden höher ein.

     

    Zu Vergnügen, die nützlich sind, zählen zum Beispiel Ausflüge in die Natur, Reisen, Besuche machen und selber eine Einladung geben und Ähnliches. Diese Dingen wirken sich günstig auf den Abbau von Stress und auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus.

     

    Der Islam lehnt dahingegen flüchtige Freude ab, die aus unsinnigen und stupiden Beschäftigungen und Dingen resultieren und negative Folgen haben. Jeder Mensch wünscht sich Freude, die eine positive Wirkung hat und anhält. Je länger eine solche Freude anhält, desto mehr lieben wir sie .

     

    Die Vernunft gebietet, kurzfristige Genüsse und Freuden, welche langfristig Kummer zur Folge haben, abzulehnen. Möglicherweise bietet sich uns die Gelegenheit zu einer solchen Freude mit schweren Folgen an. Wenn wir uns dann von unseren Gefühlen und nicht mehr von der Vernunft leiten lassen und uns diesem Genuss hingeben, kann es sein, dass wir die Folgen ein Leben lang bereuen müssen.

     

    Freude und Genuss sind normalerweise nur ein augenblicklicher Zustand und erst innere Freude , die wahres Glück bedeuten, ist nachhaltig.   Wie die Freude über die Nähe zu Gott. Freuden und Genüsse, die dieses wahre Glück des Menschen gefährden, machen in einem islamischen Lebensstil nicht nur keinen Sinn, sondern der Mensch muss sich von ihnen fernhalten. Imam Ali (a) hat darüber gesagt:

     

    „Zahlreiche Genüsse sind von kurzer Dauer, haben jedoch langen Kummer zur Folge.“

     

    Zu den falschen und unerwünschten Freuden gehören solche, die mit dem Verstoß gegen Gottes Gebote einhergehen, zur Sünde und Zügellosigkeit verleiten, sinnlos oder gefährlich oder damit verbunden sind andere zu beleidigen oder zu quälen. Es sind Schein-Freuden. Sie sind flüchtig und nehmen keinen guten Ausgang. Imam Ali (a) hat die Situation von Leuten, die sich an irdischen Freuden berauschen und Gott vergessen, wie folgt beschrieben:

     

    „Wieviele geliebte schöne Leiber gingen in die Erde hinein, obwohl sie im Leben verwöhnt und als angesehen galten. Über kummervolle Augenblicke trösteten sie sich mit Vergnügen hinweg und immer wenn sie ein Unglück traf, haben sie bei der Gleichgültigkeit Zuflucht gesucht, damit sie bloß nicht einen fröhlichen Moment des Lebens, eines sinnlosen Spiels und ihrer Unterhaltung verpassen. O ja! Genau in dem Moment, wo der verwöhnte Liebhaber der Welt sich vergnügt und in dieser Atmosphäre eines Lebens in Achtlosigkeit , in der er und die Welt sich anlächeln,   trifft ihn   das Schicksal mit seinem tödlichen Stachel. Es zerstört, während Tage und Nächte einander abwechseln, seine Kräfte und das Ungeheuer des Todes starrt ihn aus der Nähe an.“

     

    Der Koran nennt in der Sure 40 im Vers 75 den Grund für die Bestrafung von Hölleninsassen und es heißt

     

    „Dies, weil ihr auf Erden frohlocktet ohne Recht und weil ihr übermütig wart.“

     

    Die unrechtmäßigen Freuden werden also, weil sie mit Verdorbenheit und Sünde einhergehen, schließlich einen schmachvollen Ausgang verursachen. Um den Menschen vor der ewigen Trübsal zu schützen, werden daher von der

     

    islamischen Lehre Grenzen für Freuden und Genüsse festgelegt. Der Islam gibt dem Menschen wertvolle und zugleich einfache Ratschläge wie er sich selber und anderen Freude bereiten kann, zum Beispiel indem er anderen mit einem Lächeln begegnet, sich sauber kleidet, helle Kleidung trägt , einen Duftstoff verwendet, Ordnung hält, in die Natur geht, den Anblick einer grünen Landschaft und eines Flusses, Sees oder Meeres genießt, Freundschaft zu den Mitmenschen hegt, Antipathie und Eifersucht vertreibt und für Fröhlichkeit sorgt. Das alles sind gute Dinge für den Einzelnen und die Gesellschaft.

     

    Der Islam empfiehlt dies alles, um einen frohe Stimmung herzustellen, Kummer durch Freude zu vertreiben und körperliche und seelische Kräfte zu erneuern. Imam Mussa Ibn Dschafar (a) sagt über die hervorragende Wirkung dieser Dinge:

     

    „Nutzt die weltlichen Freuden für eurer Glück und erfüllt die Wünsche des Herzen auf den erlaubten Wegen. Achtet dabei darauf, dass dies nicht eurer Ehre und eurer Anständigkeit schadet und übertreibt nicht. Ihr werdet mit Hilfe davon besser euren religiösen Aufgaben erfüllen können. Fürwahr, jemand der sich wegen seiner Religion von dem Weltlichen abkehrt oder sich von seiner Religion trennt um an das Weltliche zu gelangen, gehört nicht zu uns.“

     

    (Bihar al Anwar, Bd. 756, S. 321)