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    Islamwissenschaften (Ilm-e Tafsir 1)

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    Die Ilm-e Tafsir hat die Islamwissenschaften und den Fortschritt der Islamischen Kultur und Zivilisation wesentlich beeinflusst.

     

    Diese Wissenschaft befasst sich mit der Erklärung des Korans und ist daher für das Verstehen des Koraninhaltes für die Muslime von großer Bedeutung. In diesem Beitrag

    möchten wir Sie mit der Wissenschaft der Koranauslegung und den großen islamischen Korankommentatoren und ihren Werken bekannt machen.

     

    Die muslimischen Araber zu Lebzeiten des Propheten hatten weniger Probleme, den Koran zu verstehen. Sie wussten, in welchem Zusammenhang Koranverse offenbart worden waren und dieses Himmelsbuch war in ihrer Muttersprache Arabisch. Bei eventuellen Fragen konnten sie sich an den Propheten (s.) wenden. Aber nach dem Verscheiden des Gottgesandten traten für die Muslime, und insbesondere die nicht-arabischen Neu-Muslime, die nicht mehr die Offenbarungszeit erlebt hatten, und insbesondere die nicht-arabischen Neu-Muslime Probleme hinsichtlich der Bedeutung einiger Koranstellen auf. Es entstanden unterschiedliche Meinungen über einige Koranstellen.

     

    Dieser Umstand und zudem die ausdrückliche Aufforderung des Korans, über den Inhalt der Koranverse nachzudenken, haben die Muslime von Anfang an dazu veranlasst, nach dem richtigen Koranverständnis zu streben. So entstand ein eigenständiger Wissenszweig in den Koranwissenschaften namens Tafsir (nämlich Interpretation, Auslegung). Auf diesem Gebiet erreichte man große Fortschritte. Die Wissenschaft der Koranauslegung erklärt den Koran aufgrund der göttlichen Ziele und gemäß dem menschlichen Auffassungsvermögen. Das arabische Wort Tafsir kommt einmal im Heiligen Koran vor und zwar in der Sure Firqan, Sure 25 im Vers 33 „Sie bringen keinen Einwand vor, ohne dass Wir dir die Wahrheit und die beste Erläuterung (das beste Tafsir) offenbaren.“

    In der wissenschaftlichen Disziplin der Koranexegese kommt es darauf an, welche Methoden die Korankommentatoren verwenden. Dafür gibt es verschiedene Formen wie:

     

    Erklärung des Korans durch den Koran selber, Erklärung aufgrund eigener Urteilsfindung (Tafsire Idschtihadi,) geschichtliche oder philosophische und sprachlichwissenschaftliche Erklärung, Erklärung aufgrund von Überlieferungen, aufgrund religionsrechtlicher und scholastischer Fragen, Entschlüsselung und mystische Auslegung u.ä. Die großen Korankommentatoren haben solche Richtungen gewählt.

     

    Eine wichtige Methode zur Auslegung des Korans ist die Auslegung durch den Koran selber. Dies war die Methode des Propheten (s.) und der Edlen aus seinem Hause, um den Koran zu erklären. Viel Korankommentatoren haben sich auch dieser Methode bedient, denn sie waren davon überzeugt, dass für ein richtiges Verständnis des göttlichen Wortes die göttlichen Verszeichen verwendet werden sollen. Sie berufen sich auf die Verse 18 und 19 der Sure Qiamah (Sure 75), nämlich:

    „Wenn Wir ihn (den Koran) vortragen, musst du dem Vortrag genau folgen. Dann obliegt Uns, ihn zu erläutern.“

     

    Imam Ali a.s. aus dem Hause des Propheten legte ebenso bei der Deutung des Korans die Koranverse zugrunde und hat darüber in seiner Rede 133 im Nahdsch-ul Balagheh gesagt:

    „Ein Teil des Korans spricht von einem anderen Teil und ein Teil zeugt für einen anderen.“

     

    Einige Korankommentatoren benutzten die Methode des Tafsir-e Idschtihadi. Hierbei wird der Sinninhalt der Koranverse aufgrund der Logik, der Grundlagen und mit Hilfe der Methoden selbständiger Urteilsfindung ermittelt. Auch diese Methode geht auf den Koran zurück. So unterstreicht der bekannte Kommentator Seyyed Mohammad Hussein Tabatabai, der die Exegese Al Mizan schrieb, wie folgt: „Es gibt im Koran 300 Verszeichen, die zum Nachdenken auffordern. Überhaupt hat der Koran den Erhabenen Propheten (s.) gelehrt, wie er zur Bestätigung der Wahrheit und zur Vernichtung der Unwahrheit argumentieren soll. Gott hat im Koran in einem Vers sogar Seine Diener dazu aufgerufen, dass sie ohne Wissen nicht an Gott und was von ihm kommt glauben sollen und nicht einfach blind Folge leisten dürfen. Sogar für die Gesetze und Gebote, die für die Gottesdiener aufgestellt wurden und deren Richtlinien der menschliche Verstand im Einzelnen nicht versteht, hat er Gründe angebracht.“

     

    Zweifelsohne gehören der Prophet und Ali (a.s.) zu denen, die mit rationalen Methoden und philosophischer Darlegung die Koranverse erläuterten.

    Die Idschtihadi-Methode zur Erklärung der Koranverse wurde nicht von vielen eingesetzt. Denn die meisten begnügten sich mit der Heranziehung von überlieferten Prophetenworten. Aber die Unfehlbaren Imame (a.s.) haben ihre Schüler immer auf die Schule des Denkens, der selbständigen Urteilsbildung und Beweisführung aufmerksam gemacht. Auf diesen Gedanken ging auch die Entstehung von unterschiedlichen Denkgruppen und unterschiedlichen Richtungen im Idschtihad zur Zeit der Imame (aus dem Hause des Propheten) hervor. Es war eine Zeit der Weiterentwicklung dieser Methodik bei religionsrechtlichen Fragen und bei der Auslegung des Heiligen Korans. Einer der Schüler Imam Alis, namens Mudschahed Ibn Dschabr Makki begründete eine Tafsirschule, die von der Koranexegese im ersten Jahrhundert nach der Hidschra verschieden war. Er betrachtete Verstand und Idschtihad (die selbständige Urteilsbildung) als einen weiteren Grundsatz neben den Grundsätzen: Überlieferung, literarische Techniken und arabische Wortlehre.

     

    Die Beachtung dieser Regel bedeutet im Grunde eine Fortführung der Tafsirschule von Imam Ali aleihe salam und den anderen Imamen aus der Nachkommenschaft des Propheten, insbesondere Imam Sadiqs a.s., Begründer der schiitischen Denkschule. Die verschiedenen Denkrichtungen und Tendenzen zur Nutzung des Verstands und der selbständigen Urteilsfällung in den Koranauslegungen der Schiiten, führten dazu, dass die schiitischen Korangelehrten und Kommentatoren in den verschiedenen Koranwissenschaften den anderen islamischen Denkschulen voraus waren und qualitativ und quantitativ die schiitischen Werke über die Koranauslegung einen besonderen Platz einnehmen. Die schiitischen Kommentatoren haben daher enorm zur Stärkung der rationalen Debatte über das Koranverständnis beigetragen.

    Einige Koranausleger haben die literarische Methode bevorzugt. Die Offenbarungsschrift Koran ist auf Arabisch und daher besteht natürlich ein wichtiger Weg zur Kenntnis von der Bedeutung des Koraninhalts in der Beherrschung der Literaturwissenschaften und der Aneignung gediegenen Wissens über Satzlehre und Wortbau , Wortlehre und Rhetorik. Imam Sadiq a.s. sagt: „Erlernt die arabische Sprache, denn Gott hat im Koran in dieser Sprache zu den Menschen gesprochen.“

     

    Bei der Koranerklärung mithilfe der Sprachwissenschaften stützt sich der Gelehrte vor allen Dingen auf seine Kenntnisse auf diesem Gebiet. Es hat mehrere Kommentatoren gegeben, die sich dieser Methode bedienten. Zum Beispiel den bekannten Abul-Qasem Mahmud Zamachschari Chwarazmi, geboren 467 nach der Hidschra circa. 674 n. Christus. Er stammte aus dem Norden Irans und deshalb erhielt er den Beinamen Chwarzami, weil er aus einer Ortschaft in Chwarazm , wie ein Teil im alten Nordostiran hieß, stammte. Zamachschari beherrschte die Wissenschaft der Auslegung, Hadithkunde, Wort- und Bedeutungslehre. Dieser sunnitische Gelehrte war Anhänger der Denkschule der Mutazila . Er reiste viel und war der Ansicht, dass ein gläubiger Mensch sich an einem Ort niederlassen soll, wo er am besten seine Religion wahren und Gott dienen kann. Deshalb hat er lange Zeit in der Nähe von Mekka gelebt. Daher gab man ihm auch den Namen Dscharullah (Nachbar Gottes).

     

    Zamachschari scheint in Mekka seine große Koranexegese geschrieben zu haben. Er hat sehr viel über die Tugenden der Ahl Bait und die Liebe zu ihnen, den Edlen aus dem Hause des Propheten, geschrieben. Neben seinem Korankommentar Kaschaaf hat er noch andere Bücher verfasst. Für die Sunniten ist Kaschaaf die beste Koranauslegung. Zamachscharis Werk hebt sich hinsichtlich rhetorischer Aspekte von allen anderen Koranauslegungen ab. Kaschaaf ist eine wichtige Quelle und diesem Werk sind auf wissenschaftlichen Wege die Ansichten der Mutazila zu entnehmen. Das Buch liest sich sehr angenehm. Zamachschari hat in seiner Exegese zusammengefasst religionsrechtlichen Fragen unter den Koranversen besprochen, aber Schwerpunkt seiner Exegese bildet die Untersuchung von Überzeugungsfragen.

    Der bekannte Korankommentator Zamachschari verstarb 538 nach der Hidschra (1144) im Alter von 71 Jahren in Dschordschaniah in Chwarazm.

    Aus der Reihe: Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte

     

    Quelle: http://www.taqrib.info/germany/index.php?option=com_content&view=article&id=771:islamwissenschaften-ilm-e-tafsir&catid=64:koranische-themen&Itemid=128