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    Kleiner Überblick über die Geschichte der Trauerzeremonien für Sayyid ul-Schuhada‘ (Teil 2)

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     Die Trauerzeremonien zur Zeit der Abbasiden und Mongolen

     

    Nach dem Sturz der Abbasiden in Bagdad und dem Beginn der Mongolenherrschaft in einem großen Teil der islamischen Gebiete, wandelten sich allmählich Form und Inhalt der Trauervorträge über den Märtyrertod Imam Hussains. Dies kann daran gelegen haben, dass die Abbasidenherrscher sich als Kalifen und Statthalter des Propheten bezeichnet und behauptet hatten, dass sie seitens des Islams über die Muslime regieren sollen. Sie hatten es eine religiöse Pflicht der Bevölkerung genannt, dass sie den Abbasiden gehorcht. Die Glaubensrichtungen der Sunniten hatten sie als offizielle und gesetzliche und religionsrechtliche Religion bezeichnet und diese vollständig unterstützt. Es war verboten, Anhänger der schiitischen Glaubensrichtung zu sein. Offiziell folgte niemand in den staatlichen Ämtern und keine der juristischen Instanzen dieser religionsrechtlichen Schule.

     

    Dieser Denkweise stand die schiitische Denkweise gegenüber, gemäß der die Regierung das ausschließliche und Gott gewollte Recht der Imame ist und die von einem islamischen Regenten sehr hohe Eigenschaften und Denkweisen forderte. Wegen dieser beiden Denkrichtungen kam es auf ganz natürliche Weise zu einem Konflikt zwischen den Schiiten und der Regierung. Bei den Trauerzeremonien kamen diese Meinungsverschiedenheiten und der politische Kurs zur Sprache und mit Sicherheit fürchteten sich die Potentaten vor solchen Veranstaltungen. Die Zeremonien, bei denen über den Märtyrertod Imam Hussains gesprochen und Elegien vorgetragen wurden, waren daher nicht unpolitisch.

     

    Als nun die Mongolen zu herrschen begannen und jene außergewöhnliche Furcht verbreitet hatten, stellten sie Anspruch auf das Herrschen aber nicht auf das Kalifat. Die Trauerzeremonien waren nicht mehr vom politischen Protest geprägt und wurden zu typisch religiösen Zeremonien. Es wurde getrauert, um im Jenseits belohnt zu werden und um der Freundschaft mit den Ahl-ul-Bayt (ع) Ausdruck zu verleihen.

     

    In dieser Epoche wurde vieles den Berichten über das Geschehen am Aschuratag hinzugedichtet, um die Trauernden noch mehr zum Weinen zu bringen. Es wurden spannende Geschichten erzählt und man sprach nicht über die Politik und die Regierung, damit die Herrscher nicht die Zeremonien verbieten.

     

    Typische Merkmale für die Trauerzeremonien in dieser Zeit waren: Erstens: Ausdehnung der Trauerzeremonien vom Muharram und von Pilgertagen auf andere Tage; zweitens: Steigerung der Trauerzeremonien mit Elegienvorträgen zwecks größerer göttlicher Belohnung und Erreichung der Fürbitte der Unfehlbaren Imame (ع); drittens: Schilderung der Unterdrückungen und Untaten der Umayyaden und Abbasiden; viertens: Erinnerung an die Vortrefflichkeiten der Edlen aus dem Hause des Propheten (ع); fünftens: Hang zum Asketentum und Nicht-Einmischung in Regierungsfragen und Abkehr von der Welt und stattdessen Zuwendung zu Angelegenheiten des Jenseits; sechstens: Zunahme von Hussaini-Trauerhallen für die Abhaltung von Trauerzeremonien.

     

    In dieser Epoche hat jeder, der dichterisches Talent und Gefühl besaß, zur Beklagung Imam Hussains Reime verfasst. Viele von diesen Gedichten wurden mündlich weitergegeben oder handschriftlich festgehalten. Dazu gehören Gedichte, die auf den Dörfern vorgetragen werden oder unter den Nomaden bei ihren Trauerfeiern üblich sind. Manchmal wurden diese Gedichte von Leuten verfasst, die nicht über die Geschichte informiert waren, und sie wurden verfasst, um dem Imam (Hussain) einen Dienst zu erweisen und die Liebe zu den Ahl-ul-Bayt zum Ausdruck zu bringen.

     

    In dieser Epoche war man darum bemüht, dass die vortrefflichen Eigenschaften der Edlen aus dem Hause des Propheten dargelegt werden und die Bevölkerung mit ihnen Bekanntschaft schließt. Diese Bekanntschaft hat eine sehr bedeutende Rolle bei der Fortsetzung der Linie der Ahl-ul-Bayt und der Schiiten gespielt. Dies war daher ein bedeutendes und verdienstvolles Werk, welches hohen Lohn bei Gott findet; denn wenn an die hohen Tugenden der Ahl-ul-Bayt erinnert wird und die Menschen mit deren spirituellen Rang vertraut werden, bedeutet dies die Fortsetzung der Führungslinien und der Aufruf der Gesellschaft zu Ehre und Würde und der Wahrung der hohen Werte des Islams für die kommenden Generationen.

     

    In dieser Epoche fanden die Trauerzeremonien in der heute geläufigen Form Verbreitung . Einige haben deren Ursprung auf den Brauch zur Zeit der Buyiden, sich zum Ausdruck der Trauer mit der Hand auf Haupt und Brust zu klopfen, zurückdatiert. (1)

     

     

    Trauerzeremonien in der jüngsten Epoche

     

    In den jüngsten Zeitabschnitten hat das Trauern quantitativ und qualitativ zugenommen. Am Todestag des Propheten (ص) und der Imame und der Ehrwürdigen Zahra (ع) finden Trauerveranstaltungen statt. Einige Merkmale der Trauerzeremonien in der neuen Ära beziehen sich auf folgende Punkte:

     

    1. – historische Genauigkeit

    Personen, mit besonderen Vorzügen und Kenntnissen sind darum bemüht, die Ereignisse zu Aschura und die Trauerelegien für die anderen Imame aufgrund der historischen Dokumentation zu schildern und hüten sich ernsthaft davor, hinsichtlich des Ranges der Imame Schlussfolgerungen zu ziehen, die nicht mit dem Verstand vereinbar und unüblich sind.

     

    2. Analytische Geschichtsbetrachtung

    Redner und Autoren setzen sich analytisch mit der Geschichte über Aschura auseinander. Sie gehen den Ursachen der Ereignissen nach und beschreiben die Entstehungsfaktoren und die gesellschaftlichen Auswirkungen.

     

    3. Ziele Imam Hussains (ع)

    Bei den Trauern wird die Lebensweise dieses Ehrwürdigen und werden die Gründe , die er für seinen Aufstand genannt hat, betrachtet. Aus welchem Beweggrund hat jener Ehrwürdige sich erhoben und welches Ziel wollte er mit seinem Vorgehen erreichen? Wollte er getötet werden? Wollte er die Schiiten zum Weinen bringen und sie retten? Hat er sich erhoben, um an die Regierungsmacht zu gelangen? Handelte er aus Zwang und hätte er nicht an einen anderen Ort ziehen können? usw… Jeder hat auf bestimmte Weise eine Beurteilung vorgenommen und ein Resultat gezogen und jeder hat zur Untermauerung seiner Aussagen Belege aus der Geschichte und Beweisgründe aus dem Wort des Propheten (ص) oder Imam Hussains (ع) angeführt. Wenn auch einige Irrtümer begangen haben, so handelt es sich jedoch insgesamt um eine wertvolle Sache, dass diese Initiative ergriffen wird und die Ziele jenes großen Anführers der Religion Gottes analysiert werden.

     

    4. Verschmelzung der Berichte über Aschura (Rozeh) mit der Politik

    Die Zeremonien zur Erinnerung an das Aschura-Geschehen sind niemals von der Politik getrennt gewesen. Diese Sitzungen waren und sind auch heute noch eine äußerst geeignete Gelegenheit für das Gedeihen des politischen Bewusstseins und der Stellungnahmen gegenüber unterdrückerischen Regimen. Viele politische Entschlüsse wurden auf diesen Versammlungen getroffen. Dies wird bei Betrachtung der politischen Geschichte Irans seit der Konstitutionellen Bewegung und den Vorbereitungen zu ihr deutlich. Diese Gelegenheit war ein wichtiger Faktor für die Volksbewegungen, denn es werden die Ziele, die Imam Hussain (ع) verfolgte, untersucht und besprochen. Die Treue der Trauernden zu den Zielen Imam Hussains ist ganz eindeutig. Die Befolgung Imam Hussains (ع) als einen Imam, dem zu gehorchen es Pflicht ist, stellt zu allen Zeiten eine klare Angelegenheit dar.

     

    5. Die Bildung von „Heyatha“

    Unter „Heyat“ wird heute eine geordnete Gruppe verstanden, die mit ihrem besonderen Programm während der Trauertage Trauerbräuche pflegt.

    Es gibt zwei Arten von „Heyat“:

    A) Die eine Art von diesen „Trauerdelegationen“ wird nur im Monat Moharram und Safar und an anderen allgemeinen Trauertagen gebildet. Ihre Mitglieder versammeln sich an besonderen Tagen zur Trauerzeremonien umeinander.

    b) Es gibt aber auch Trauergruppen, die das ganze Jahr über aktiv sind. Sie haben sich darauf geeinigt, sich jeden Vorabend zum Freitag oder am Freitagmorgen oder Vorabend zum Mittwoch usw. zu versammeln. Auch sie können noch einmal in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt werden.

     

     

    Die Rolle der Trauerzeremonien

     

    Der Aufstand des Imam Hussain und sein Märtyrertod ließen die vorangegangenen Bemühungen seines Bruders, seines Vaters sowie seines Großvaters Früchte tragen und schufen die Grundlagen für die Bemühungen der nachfolgenden Generationen.

     

    In jenem Zeitabschnitt der Geschichte hatte Muawiyah weitgehende und allseitige Anstrengungen unternommen, um den Namen der Familie des Propheten in dem Gedächtnis der Menschen auszulöschen und der Mehrheit des Volkes war die Wahrheit über die Familie des Propheten fremd geworden und die, welche Hussain (ع) kannten, sahen in ihm nicht den Imam und Anführer, den zu befolgen es eine Pflicht war; denn sie verstanden unter „Itrat“ nur soviel wie „Familie des Propheten“ . Sie glaubten, dass alle, die von Propheten abstammen geachtet und geliebt werden müssen. Es ging also darum die „Itrat“ zu lieben und nicht darum, ihr zu folgen. Der Sinn ließ sich also verdrehen und die Behinderung der „Itrat“ ließ sich rechtfertigen.

     

    Aber Imam Hussain hat mit seinem Aufstand die Edlen Nachkommen aus dem Prophetenhaus, die „Itrat“ des Propheten, als Führer vorgestellt, die zu befolgen eine Pflicht ist. Er hat eine Maßnahme ergriffen, die nicht zu leugnen oder anderweitig zu erklären oder falsch darzustellen war. Er hat die Bevölkerung mit der wahren Bedeutung der „Itrat“ – der Familie des Propheten – vertraut gemacht. Nach seinem Aufstand kam es zu einer gewaltigen geistigen Bewegung in der Gesellschaft. Da für den Imam ein Islam ohne die rechtschaffene Führung und der Koran ohne die Interpretation durch diese nicht verwirklichbar und praktizierbar ist, hat der Imam den Gedanken von der Umsetzung des Korans mittels der Führung des Unfehlbaren Imams zur Sprache gebracht. Sein Aufstand hat die Grundlage und den Beweggrund für das Bekanntwerden mit dieser Wahrheit geschaffen.

     

    Die Tradition der Trauerfeiern zu Aschura schuf die Basis für die Hütung des schiitischen Denkens in der Zukunft, so dass niemand das Vortragen von Trauerelegien und das Trauern verhindern kann und im Rahmen der Trauerzeremonien die Bedeutung der Itrat, der Edlen aus dem Hause des Propheten, und die Ziele Imam Hussains (ع) beschrieben werden können.

     

    Wir schließen diesen Artikel mit Worten des achten Imams:

    Imam Ali Ibn Mussa (ع) hat gesagt:
    „O Sohn des Schabib! Wenn du den gleichen Lohn erhalten möchtest wie die Märtyrer, die Imam Hussain (ع) geholfen haben, dann sage immer, wenn du dich an ihn erinnerst: Ach wäre ich doch mit euch zusammen gewesen und hätte diese große Gunst erreicht.“ (2)

     

    (1)   Ath-Thaurat-ul Hussain Fi-l Widschdan-ul Schiai, S. 277
    (7)  Bihar, Bd. 44, S. 286

     

     

    Quelle: http://al-shia.de/aschura/trauerzeremonien.htm