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    Lachen und Weinen in der Islamischen Kultur

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    Der Islam beachtet alle Seiten der menschlichen Existenz. Persönliche und gesellschaftliche, körperliche und seelische Bedürfnisse werden berücksichtigt und die Wege zu ihrer vernünftigen Deckung vorgestellt. Diese Lehren kommen von Gott, der alles überblickt und dem nichts entgeht.

     
    Ein wichtiges Anliegen der Islamischen Kultur sind die Grundlagen für einen gesunden Charakter und in diesem Zusammenhang werden sogar für Lachen und Weinen – fruchtbare Hinweise gegeben.Lachen und Weinen sind natürliche körperliche Reaktionen auf erfreuliche Dinge bzw. auf Härten und Leid und nehmen einen wichtigen Einfluss auf die Psyche. Wir lachen zumeist im Kontakt zwischen einer oder mehreren Personen. Es hat mit sozialem Verhalten zu tun und ist Zeichen für das Vertrauen zu den anderen. Gesundes Lachen stärkt die sozialen Beziehungen und ruft Freundschaft hervor. Psychologen sagen, dass umgekehrt der Kummer zum Persönlichkeitsverlust führt und nennen Kummer eine Gefahr für die Gesundheit der Seele. In der Psychologie wird unterstrichen, dass der Mensch nach Unterhaltung sucht, verreist, Besuche macht und weitere Dinge, die die Stimmung anheben, unternimmt. Besonders in der heutigen materiell ausgerichteten Welt der westlichen Länder, in der Selbstmorde, Depression und Jugendkriminalität zunehmen, sind wir Zeuge von großen Anstrengungen, die Menschen bei guter Laune zu halten. Inwieweit dies alles richtig sein soll, müsste getrennt von diesem Beitrag untersucht werden

     

    Gemäß den jüngsten medizinischen Empfehlungen sollten wir jeden Tag einige Minuten zu lachen, um uns auf diese Weise von vielen Krankheiten freizuhalten. Der Islam betrachtet Fröhlichkeit grundsätzlich als etwas Gutes. Der Prophet des Islams war für sein freundliches und fröhliches Gesicht bekannt und hat gesagt: „Sucht das Gute bei denen, deren Gesicht fröhlich und freundlich ist.“

     

    In einigen Koranversen wird der Mensch auf die unterschiedliche Bedeutung von Lachen und Weinen aufmerksam gemacht. Wir wollen dazu einige Beispiele besprechen.

     

    Jeder Mensch hat laut der Islamischen Kultur das Recht und Bedürfnis fröhlich zu sein. Dieser Punkt wird in den Lehren der Großen Vorbilder der Religion beachtet. Imam Resa a.s. sagt:  Teilt eure Zeit in vier Teile auf: Einen Teil für das Gott-Dienen, einen Teil für Arbeit zur Besorgung des Lebensunterhaltes, einen Teil für die Geselligkeit mit vertrauenswürdigen Glaubensbrüdern und Leuten, die euch auf eure Fehler aufmerksam machen, und einen Teil für Vergnügen und die von Gott erlaubten Freuden. Durch die Freude in der Freizeit und die Fröhlichkeit könnt ihr für die Bereitschaft zur Erfüllung der anderen Aufgaben sorgen.“

     

    Aber wie alle anderen Bedürfnisse des Menschen verursacht auch dieses Bedürfnis nach Fröhlichkeit, wenn es nicht gewissen Regeln unterworfen wird, hundertprozentig Schäden. Deshalb ist zwischen gesunden und erlaubten Freuden gegenüber flüchtigen und unangemessenen Freuden klar zu unterscheiden.

     

    Der Koran befürwortet unnütze Fröhlichkeit nicht, sondern ist vielmehr für Fröhlichkeit, die mit einem göttlichen oder menschlichen Ziel einhergeht. Seine Verse über die Fröhlichkeit lassen sich in zwei Gruppen einteilen.

     

    Die eine Art von Versen lädt die Menschen zur Fröhlichkeit ein – wie zum Beispiel der Vers 58 in der Sure 10; (Prophet!) Sag: Ihr solltet euch nun über die Huld Gottes und über Seine Barmherzigkeit (und über die Herabsendung des Korans) freuen. Das ist besser und nützlicher, als was ihr an Besitztümer für euch anhäuft.

     

    Die Menschen sollen sich also über den endlosen Segen Gottes und über die segensreiche göttliche Schrift glücklich sein und nicht über die Anhäufung von Reichtum oder eine hohe weltliche Position.

     

    Im Koran wird in einigen Versen Lachen und Fröhlichkeit als Erfolgsergebnis eines guten Handelns bezeichnet. In der Sure 80 ist in den Versen 38 und 29 über die Gesichter der Gläubigen wie folgt zu lesen: An jenem Tag wird es strahlende Gesichter geben, die lachen und fröhlich sind.

     

    Eine andere Gruppe von Koranversen tadelt sinnlose Fröhlichkeit. Für den Koran besitzt der Mensch Würde und nimmt einen hohen Platz bei Gott ein, deshalb sollte sich der Mensch nicht von den flüchtigen Dingen der Welt täuschen lassen und nachlässig werden. In diesem Zusammenhang führt der Koran die Geschichte von Qarun (Korah) an, jenem egoistischen hochmütigen Menschen der trunken vor Freude wurde. Dabei lässt der Koran, die anderem im Volke des Qarun zu Wort kommen. Laut Sure 28, Vers 76 mahnen sie ihn: Freu dich nicht zu sehr! Gott liebt diejenigen nicht, die sich hochmütig freuen.

     

    Der Qarun ist Sinnbild eines Menschen mit schwachem Charakter. Er war an einen großen Reichtum gelangt, was ihn freudetrunken machte. Diese Art der Fröhlichkeit wird vom Koran abgelehnt. 772

     

    Lachen ist gemäß Koran nicht immer ein Zeichen der Freude, manchmal steckt auch Spott dahinter. Wie beim Pharao der sich über die Wundertaten des Moses belustigte. Auf ihn und seine Leute trifft sicher der Vers 29 in der Sure 83 zu: Die Sünder lachten über die Gläubigen.

     

    Diese Art des Lachens geht auf Frevel, Einbildung und Ahnungslosigkeit zurück. Imam Sadeq a.s. hat laut Überlieferung gesagt: Wie viele gibt es, die zum Zeitvertreib unmäßig lachen und am Jüngsten Tag sehr viel weinen. Wie viele gibt es, die (im Leben) wegen ihrer Sünden viel weinen und sich fürchten, aber am Jüngsten Tag im Paradies sehr fröhlich sind und lachen.

     

    Weinen kann in manchen Fällen ein großer göttlicher Segen für den Menschen sein. Imam Ali a.s. sagt: Das Weinen der Augen und die Angst der Herzen gehen auf göttliche Barmherzigkeit zurück. Wenn ihr dies erkannt habt, dann wisset die Bittgebete und Anflehungen zu schätzen.

     

    Bei großen Schwierigkeiten und Leid ist das Weinen eine natürliche Reaktion und tröstet. In der Islamischen Mystik werden durch gnostische Bekümmernis eine innere Befreiung und ein neuer Beginn erreicht. Nach einem inständigen Gebet zu Gott und dem tiefen Bedauern von Sünden und beschämtem Weinen wegen ihnen oder nach dem Betrauern des Verlustes der Edlen aus dem Hause des Propheten und dem Vergießen ehrlicher Tränen, empfindet der Mensch Erleichterung und eine Art Freude. Psychologisch gesehen bringt dieses Weinen und diese Trauer in Wahrheit Fröhlichkeit. Im Koran gibt es viele Stellen über das Weinen. Zum Beispiel wird in der Sure 5 im Vers 83 das Weinen als Zeichen dafür dass einige zu aufrichtigen Muslimen wurden, angeführt:

     

    … Und wenn sie hören, was zu dem Gesandten herabgekommen ist, siehst du, wie ihre Augen auf Grund der Kenntnis, die sie von der Wahrheit haben, von Tränen überfließen. Sie sagen: Herr! Wir glauben. Verzeichne uns unter der Gruppe derer, die die Wahrheit bezeugen.

     

    An einer anderen Stelle im Koran bezeichnet Gott das Weinen als Konsequenz der schlechten Taten, und als Strafe der Sünder. In der Sure 9, Vers 82 heißt es gerichtet an die Heuchler, die sich freuten nicht mit dem Propheten in das Gefecht von Tabuk gezogen zu sein: : Ihr werdet ab nun wenig lachen und (als Strafe) für das was ihr getan habt, viel weinen.

     

    Ob ein Lachen oder Weinen gut ist, hängt also im Islam von den Bedingungen ab. In der islamischen Kultur ist nicht jedes Lachen gut und jedes Weinen schlecht. Der Islam hebt aber hervor, dass der Mensch in der Gesellschaft durch eine fröhliche Art anderen über Kummer hinweghelfen kann, und er ruft die Gläubigen auf, sich nicht finster und niedergeschlagen zu zeigen, denn dies wirkt sich sowohl auf sie selber als auch auf die anderen negativ aus.

     

    Quelle: http://german.irib.ir/radioislam/beitr%C3%A4ge/beitr%C3%A4ge/item/246541-lachen-und-weinen-in-der-islamischen-kultur