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    Mensch und universelle Theologie (Teil 1)

    • Dr. Mohammad Razavi Rad
    • http://www.islamic-sciences.de
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    Als John Hick, der berühmte englische Philosoph, von säkularer Theologie sprach, schwiegen zahlreiche Denker aus Ost und West dazu oder übertrugen nur ihre Skepsis auf ihre Federn und versuchten, diese These zu verwerfen und zu verurteilen. Auch heute ist die Situation mehr oder weniger genauso; kaum etwas hat sich daran geändert. Aus diesem Grunde wollte ich einen erneuten Blick darauf werfen und prüfen, ob eine neue Studie der These der „säkularen Theologie“ und der Erforschung der Komponenten dieses Gedankens in mancherlei Hinsicht von Nutzen sein könnte. Nachdem ich die Gedanken von John Hick las, war das erste Wort, das mir in den Sinn kam, „warum nicht“ – wenigstens war ich im Großen und Ganzen in keinen Konflikt mit der Idee gekommen. Im Schatten dieses unerforschten Gefühls sah ich mich herausgefordert, unabhängig davon, wer diese These aufgeworfen hatte, und ebenso unabhängig davon, wer damit einverstanden wäre und wer sie ablehnte, zum wiederholten Male die theologischen Werke aus diesem Blickwinkel zu studieren, um herauszufinden, ob dieser Vorschlag akzeptabel wäre oder nicht – und wenn nicht, weshalb?

     

    Da die These der weltlichen Theologie auf religiösem Pluralismus basiert (mit anderen Worten auf der Basis „der Akzeptanz von Unterschieden“ aufgebaut ist), was die These impliziert, das die früheren Religionen durch die letzte offenbarte Religion eben nicht annulliert oder verworfen werden, scheinen die Vorstellungsmuster derer, die ihre Überzeugung auf anderen Fundamenten aufgebaut haben, auf schwerste Art und Weise gestört worden zu sein.

     

    Warum sollte es nicht möglich sein, durch Erzielung eines gemeinsamen Standpunktes dazu, was letztlich doch als Hauptsubstanz und Kernbedeutung der Weltreligionen gilt, den Weg zu einer gemeinsamen religiösen Koexistenz ohne jegliche Verstimmung zu ebnen?

     

    Welche der himmlischen Religionen können heute durch das Angebot einer klaren, bestimmten und akzeptablen Anschauung ihre Anhänger zur Ruhe bringen und zufrieden stellen?

     

    Warum versuchen wir stets die außenstehenden Menschen zufrieden zu stellen? Welches Geheimnis lüften Denkschulen und Splittergruppen inmitten der Anhänger jeder der großen göttlichen Religionen? Welche dieser Religionen kann ihre Auslegung der Religiosität für die absolut richtige halten? Jeder aufrichtige (islamische) Denker, der nur ein Quäntchen der Koranischen Überlieferungen berücksichtigt, wird, selbst wenn er die alten Religionen durch die neue Religion für aufgehoben hält (nasekh), in dieser Aufhebung (nashkh) nicht zugleich die Ungültigkeit aller Überlieferungen dieser Religionen sehen.

     

    Jedenfalls sind wir gehalten, uns und den anderen die Arbeit zu erleichtern. Gehören wir zu denen, die man mehr oder weniger bei jeder Religionsgemeinschaft finden kann, die von sich behaupten, sie seien die einzigen, die es verdienten, die Wahrheit zu verstehen und übermittelt zu bekommen, am besten gleich auch noch die absolute Wahrheit? Und sind andere von diesem Privileg ausgenommen und hat sich dieser Mangel auf ihrer und auf der Stirn zukünftiger Generationen so fest eingraviert, dass kein Heilungsprozess – auch nicht durch die heilende Wirkung von Zeit und Raum – in der Lage wäre, sie zu verändern und ihn zu heilen?

     

    Oder glauben wir, dass auch andere die Kapazität und Berechtigung zum Erhalt der Wahrheit innehaben? Wenn wir zur ersten Gruppe gehörten und auf dem Pferd der Selbstverherrlichung sitzend einen Weg beschritten, der nur in eine Richtung beritten werden kann und galoppierten, dann sollen wir doch wissen, dass wir an Selbstüberschätzung leiden. Dies ist nämlich jene Phantasievorstellung, welche Menschen und Gesellschaften auf einer Einbahnstrasse in die Sackgasse führt und außer Stillstand, Rückschritt und Vergessenheit kein anderes Resultat mit sich bringt. Die Auseinandersetzung mit einer solchen Gruppe hat nicht nur keinen Sinn und bringt keine Vorteile, sondern verschwendet auch das kostbarste Gut aller Zeiten, nämlich Zeit.

     

    Es wird erzählt, dass ein Dorfbewohner mit seinem Esel in die Stadt einkaufen ging und bei der Rückkehr ein Taxi bestieg. Der Taxifahrer fragte: „Was machen Sie nun mit Ihrem Esel? Der Dorfbewohner sagte: „Er wird mit uns Schritt halten, machen Sie sich keine Sorgen um ihn.“ Der Taxifahrer fuhr 20 km/h, das Tier machte mit, er erhöhte seine Geschwindigkeit, der Esel beschleunigte auch. Der Fahrer erhöhte seine Geschwindigkeit auf 120 km/h und beobachtete, dass das Tier zwar Schritt hielt, aber durch den eintretenden Schwindel ständig seinen Kopf hin und her bewegte. Der Fahrer sagte zu dem Eselbesitzer: „Sehen Sie, wie übel es dem Tier doch geht, ich sagte doch, dass das arme Tier es nicht aushält!“ Der Dorfbewohner, der an seinem Esel mehr glaubte als an das Taxi, sagte zu dem Fahrer: „Machen Sie sich keine Sorgen, ich kenne meinen Esel, Sie aber verstehen seine Sprache nicht. Wenn er seinen Kopf hin und her schwenkt, so will er uns nur zu verstehen geben, dass Sie mal zur Seite gehen sollen, damit er Sie überholt!“

     

    Der Fall eines Menschen, der sich im Recht sieht und an Selbstverherrlichung leidet, ähnelt der Geschichte des Mannes, der einem Esel, weil er ihm gehört, mehr zutraut als einem Wagen, der einem anderen gehört.

     

    Solch ein Mensch glaubt mehr an das, was er gar nicht besitzt als an das, was bei anderen tatsächlich existiert – solch ein Mensch ist an Ichsucht und Egoismus erkrankt. Der Unterschied dabei ist, dass bei dem einfachen Dörfler wenigstens sowohl ein Esel als auch ein Wagen existierten, wodurch ein Wettbewerb möglich wurde. Bei Menschen, die an der Krankheit der Selbstverherrlichung leiden, existiert aber nicht einmal die Vorstellung eines Wettbewerbes, womit die Fähigkeiten der jeweilig anderen Seite miteinander verglichen werden könnten.

     

    Wenn das nicht das A und O des Unverständnisses, der Disharmonie unter den Menschen ist, so bildet es wenigstens dessen Ursache und Wurzel. In solch einer Atmosphäre vergeht dem Menschen die Lust am Denken, wenn er sich stets mit einseitigen Fabelmärchen und Prahlereien konfrontiert sieht, die zur Fiktion geraten.

     

    So wie der persische Dichter-Philosoph Hafez gesagt hat: „Denn sie sahen nicht die Wirklichkeit, [1] so beschritten sie den Weg der Phantasmagorie!“ Oder wie im Qur’an darauf hingedeutet wird – im Fall einer Fiktion wird die Wahrheitsfindung unmöglich:

     

    (Leute) die ihre Religion (in verschiedene Gruppen) aufgeteilt haben und zu Parteien geworden sind, wobei jede Gruppe sich (nunmehr in kurzsichtiger Weise) über das freut, was sie (als eigene Lehrmeinung) bei sich hat![2]

     

    Der König der Vögel ist dem Märchenweber jedenfalls bisher nicht ins Netz gegangen. Gott der Wahrhaftige hat deshalb in aller Deutlichkeit und wiederholt im Qur’an zu verstehen gegeben, dass der Gedanke der Verankerung der Wirklichkeit in den Händen eines einzigen Menschen oder einer einzigen Gesellschaft verwerflich ist. Aus Sure Hud, Vers 118 geht hervor, dass Gott mit anderen Worten die Wirklichkeit nicht ausschließlich einer besonderen Gruppe zuerkannt hat, damit sich die anderen verpflichtet fühlen, das Licht dieser Gruppe wie ein Schmetterling zu umkreisen. Wenn Er es aber tun wollte, so könnte Er es tun und hätte dies auch getan:

     

    Und wenn dein Herr gewollt hätte, hätte er die Menschen zu einer einzigen Gemeinschaft (umma) gemacht. Aber sie sind immer noch uneins. [3]

     

    Die Tatsache, dass dem nicht so ist, ist also ein deutliches Zeichen dafür, dass Er dies auch nicht so wollte. Denn es ist unbestritten, dass im Reich der Schöpfung Gottes eine Nichterfüllung des Gewollten nicht denkbar ist.

     

    Wir und all diejenigen, die unter Anwendung von Logik und Mut zum freiheitlichen Denken von der oben erwähnten Fiktion Abstand nehmen, wählen damit einen Weg, dessen Struktur derjenige Glaube bildet, der durch eine uns angemessene und nachdenkliche Erkenntnis zustande gekommen ist und nicht unbestimmt und unerkannt sein wird.

     

    Der Unterschied dieser Glaubensformen wird im Verlaufe, des Auf und Ab im individuellen und gesellschaftlichen Leben klar.

     

    Ein unbewusster Glaube kann niemandem in schwierigen Situationen aus dem Übel heraushelfen. Anstatt, dass dieser Glaube dem Menschen aus seinen vielfältigen Problemen heraushilft, muss ihm ständig jemand zur Seite stehen, um ihn vor den Sturmschäden der satanischen Einflüsterungen zu schützen. Aber ein bewusster Glaube kann uns im Verlaufe des turbulenten Lebens Würde und Wohl garantieren.

     

    Der unreflektierte Glaube hat stets Furcht vor Angriffen und betrachtet alles außer sich als fremd und bekämpfenswert, ständig ist er besorgt. Aber der bewusste Glaube ist durch seine beruhigende Wirkung und seine Selbstvertrauen vermittelnde Wirkung bei seinen Anhängern stets bemüht, die Engpässe gründlich zu erforschen und Probleme angemessen zu lösen.

     

    Im Schatten eines unbewussten Glaubens bekämpfen die Menschen das „Fremde“, anstatt es zu verstehen und das Geheimnis der Vielfalt zu lüften, weil der unreflektierte Glaube seinen Anhänger nur polarisiert und jeden Unterschied und das Anderssein als gegen seinen Enthusiasmus gerichtet interpretiert und die Bekämpfung derer, die damit seine falsche Ruhe stören, als obligatorisch ansieht.

     

    Wenn wir in der Geschichte der (religiösen) Auseinandersetzungen die Ursachen der Spaltungen unter den Religionen studieren, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass viele dieser Vorkommnisse ihre Wurzel im Egozentrismus als Produkt dieses unreflektierten Glaubens haben, in der Phantasievorstellung, dass nur der eigene Glaube heilig und wahr sei.

     

    Das Erreichen einer Glaubensstufe ist kein Monopol von bestimmten Individuen oder Gesellschaften. Gott hat im Diesseits keinem Menschen, der es verdient hätte, diese wertvolle Gabe vorenthalten. Solch ein Vorenthalten wäre weder mit dem Inhalt des Qur’ans, des alten und des neuen Testaments vereinbar noch passte es zu den Überlieferungen, aber auch nicht zum logischen und auf die Vernunft bezogenen Verständnis.

     

    So folgere ich aus den unumstrittenen Texten der Religionen nicht die Aufhebung einer offenbarten Religion durch die Nachfolgereligion, sondern das Gegenteil. Wäre dem so, was hätte dann die qur’anische Herbeirufung der Völker der Schriften zu einem gleichen Wort für einen Sinn?

     

    Sag: Ihr Leute der Schrift! Kommt her zu einem Wort des Ausgleichs (ilaa kalimatin sawaa’in) zwischen uns und euch! (Einigen wir uns darauf) dass wir Allah allein dienen und ihm nichts (als Teilhaber an seiner Göttlichkeit) beigesellen, und dass wir (Menschen) uns nicht untereinander an Allahs Statt zu Herren nehmen. Wenn sie sich aber abwenden, dann sagt: „Bezeugt, dass wir (Allah) ergeben (Muslim) sind!“ [4]

     

    Welche Notwendigkeit liegt in der Bestätigung früherer Religionen? Welche Philosophie liegt in der Verankerung der Vorschriften über die Beziehungen zwischen den Anhängern verschiedener Religionen und der Regulierung ihrer gesellschaftlichen Verbindungen? Mit einem Wort: Weshalb überhaupt so viele Bestätigungen, Belobigungen und Hinweise auf frühere Religionen?[5]

     

    Um zu einer friedlichen Koexistenz aller Religionsgemeinschaften zu gelangen und dafür alles Sekundäre von den Religionen abzuschneiden und lediglich auf den Monotheismus zu setzen, hat keine logische Rechtfertigung und theologische Begründung.

     

    Ich kritisiere Hick deshalb, weil ich mich frage, weshalb wir unsere guten Absichten und Beweggründe durch unrealistische und nichtverwirklichbare Vorhaben verfolgen sollen? Sein Ziel ist das Abstreifen. Er versucht, die Religionen von allem, was nicht monotheistisch ist, abzustreifen, und beachtet nicht dabei, dass die Religionen ohne ihre Gesetzmäßigkeiten und Besonderheiten ihrer Existenz eingeengt sein würden, geschweige denn, dass sie sich über das Einheitsprinzip einigen. Warum sollten wir nicht für die meisten Religionsanhänger unverständliche Religionsinhalte vereinfachen und sie für die Verwirklichung einer gemeinsamen guten Idee verwenden?

     

    Es scheint, dass die Übertreibung seitens Hick und die Untertreibung anderer, die Anhänger der Religionen in Zweifel und Skepsis gebracht und daran gehindert haben, pragmatische Wege zu einer friedlichen Koexistenz zu finden, ja – sie werden sogar daran gehindert, in zahlreichen Bereichen des Lebens herzensgut und harmonisch miteinander umzugehen.

     

    Da die Verschiedenartigkeit und Vielfalt der Essenz und Natur der Schöpfung innewohnt und erst mit der Beerdigung der Schöpfung diese Vielfalt verschwindet, soll man nicht [im Leben] das Ende dieser Mannigfaltigkeit erwarten.

     

    Das richtige und logische Verständnis der existierenden Verschiedenartigkeit und ihren nutzbringenden Einsatz kann und wird dem Geist aller, die an das Glück und die Erlösung der Menschheit denken, Harmonie verleihen.

     

    Es ist ohne Zweifel aber so, dass wenn andere sich unter Verzicht auf ihre Eigenartigkeiten in unsere Reihen einordnen und der uns gewiss gewordenen Glückseligkeit nacheifern würden, dies uns nicht in eine bessere Welt der Religionen als die gegenwärtige führen würde.

     

    Der Qur’an zeigt ein klares Bild von der Mannigfaltigkeit und Vielfalt auf: „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiß, Allah ist Allwissend und Allkundig.“ [6]

     

    Dieser Vers macht uns auf die beste Art und Weise vertraut mit dem Weg, tatsächliche Herzensgüte und Harmonie zu erzielen und glücklich zu werden. Dort wird der Mensch mit Betonung der Unumgänglichkeit der Verschiedenheiten zu gegenseitigem Verständnis, Respekt und zur Unterlassung all dessen, was als Gegensatz zu unserer menschlichen Identität steht, angeregt.

     

    Ferner wird die Glückseligkeit nicht als Eigentümlichkeit eines Individuums oder einer Volksgruppe anerkannt und als alleiniger Grund zur Erzielung der Nähe Gottes und Erlösung betrachtet. Somit bin ich unter Zuhilfenahme dieses Verses sogar gewillt zu sagen: Wenn wir eine Welttheologie verwirklichen wollen, so können wir auf nichts anderes als auf „gute Taten“ setzen.

     

    Wenn alle Menschen sich ihrer hochwertigen und edlen Menschlichkeit bewusst an nichts anderes als an „gute Taten“ denken und sich nicht in Sumpf der auf Unwissenheit basierenden Prahlerei einlassen, könnten sich alle unter Beibehaltung aller kulturellen, religiösen Eigenheiten und Unterscheidungsmerkmale den Karawanen der Glückseligkeit anschließen.

     

    Die Schwierigkeiten, die der religiöse Mensch im Laufe seiner Geschichte erfahren hat, sind nicht religiöser Natur, sondern sind in seiner Handlungsweise verwurzelt.

     

    Wenn die Anhänger der Religionen miteinander Differenzen haben, so ist der Grund darin zu suchen, dass sie sich von Werten ihrer Religionen distanziert haben und mit ihrer Religion nicht vertraut und in einer nicht bewussten Anschauung verfallen sind.

     

    Aufgrund dessen, was gesagt wurde, halte ich fest, dass ich insgesamt die Idee von John Hick akzeptiere, jedoch mit der Methodik der Verwirklichung dieser Idee nicht einverstanden bin, denn die Folge ist eine ununterbrochene Entartung. darunter die größte vor allem, nämlich die Verfremdung der Menschen. Ich vertrete aber die Ansicht, dass ein Weltethos die Verwirklichung durch Zuhilfenahme der wertvollen Essenz der Religionen, die gute Tat, erreicht werden kann.

     

    Das grundsätzliche Problem in Bezug auf die Religionen ist der Gegensatz zwischen Vielfalt und Wahrheit, jenes Problem, das Selbstverherrlichung nach sich zog, so dass viele, die gleiche Anschauungen hatten, in manchen Fällen einander feindlich gesinnt wurden.

     

    Vielfalt birgt die Frage in sich, wer die eine Wahrheit verkündet. Da hört man in unterschiedlichen Sprachen die zutreffende Behauptung, Wahres zu behaupten, und begegnet so der Wahrheitsvielfalt. Bis hier gibt es keine Beanstandung. Das Problem beginnt dort, wo manche durch die Beanspruchung absoluter Wahrheit auf ihrer Seite die andere als Unwahrheit herabsetzen. Es wird dann gesagt: Unsere Rechtmäßigkeit bedeutet die Unrechtmäßigkeit des anderen. Solche Beurteilungsmethoden bringen viele Menschen zu einer pessimistischen Einstellung über die Gegenseite, die wiederum zu Feindseligkeit und schließlich zu Auseinandersetzungen führt.

     

    John Hick kann man als einen aufgeklärten Theologen bezeichnen, der diesbezüglich zu gerechteren Schlussfolgerungen gelangt ist und trotz Schwierigkeiten seine Erkundungen bekannt machte. Er bestätigte die Natürlichkeit und Richtigkeit, die Vielgestaltigkeit der Religionen, indem er die These der religiösen Vielfalt neben einer Reihe von Begriffen wie u.a. theologischer [7] und ideologischer [8] Pluralismus verbreitete und auf die Berechtigung jeder einzelnen Religion deutlich hinwies. Außerdem bekundete er seinen Abscheu vor denen, die selbstgefällig die religiöse Vielfalt nicht anerkennen. John Hick betont Gottbezogenheit und rät von Jesusbezogenheit ab. Nach seiner Überzeugung ist Gott das Verbindende aller Religionen und steht in ihrem Mittelpunkt, auf welche wichtige Tatsache er in seinem Buch „Die Auslegung der Religionen“ sehr ausführlich hinweist.

     

    Hick sieht in religiösen Traditionen und Gepflogenheiten Ähnlichkeit mit den Beschreibungen von Bergsteigern, die die Himalajaspitze bezwingen, wie Hafez sagt: „Jeder, der mich beurteilen will, legt sein eigenes Gradmesser an mich an!“ [9]Er betrachtet die unterschiedlichen religiösen Lebensweisen als systematische Versuche, welche das Produkt des jeweiligen Verständnisses und der Sichtweise der Wirklichkeit und Gottes sind. Im Gegensatz zu zahlreichen dogmatischen Theologen hält er Glückseligkeit und Erlösung nicht ausschließlich im Schoß einer bestimmten Religion für erreichbar. Er stellt Religionen als unterschiedliche Wege zur Erreichung des Heils dar.

     

    Heutzutage sind viele Anhänger der Religionen von Hicks These überzeugt, andere dagegen sind durch andere Ausführungen ebenfalls von der Vielfalt der Religionen überzeugt und dazu der Meinung, dass das Zugeständnis der Berechtigung einer Religion nicht zwingend ein Hindernis für die Akzeptanz der Berechtigung einer anderen Religion bedeute. [10]Der Grund für diese Annahme ist, dass die Religionen im Rahmen des Monotheismus in Wirklichkeit unterschiedliche Modelle und Formen von ein und derselben Wahrheit sind. [11]Mit anderen Worten: Die Religionen sind, was die Verinnerlichungen [12] betrifft, miteinander eng verbunden und haben in Fragen der Äußerlichkeiten [13] bei gleichem Erkenntnispfad durch unterschiedliche Formen, die von Gott bestimmt worden sind, unterschiedliche Gestalten.

     

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    1- Diwan Hafez

    2-Sure Rum, Vers 32

    3- Sure Hud, Vers 118

    4- Sure Al- < Imran, Vers 64

    5- Sure 5 Vers 82-84 & 43-48, Sure 2 Vers 62

    6- Sure 49 Vers 13

    7- Theological Pluralism

    8- Pluralism ideological

    9 – Diwan Hafez

    10- Z.B. Werner Guinon; Sayyed Hussein Nasr, Fritiof Schwan, und Augustin biszu einem gewissen Grad.

    11- The transcendent unity religions

    12- Esoterism

    13- Exsoterism