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    Mensch und universelle Theologie (Teil 2)

    • Dr. Mohammad Razavi Rad
    • http://www.islamic-sciences.de
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    Die Gegner der Universaltheologie und Integration

     

    Einige Religionswissenschaftler und Anhänger der Religionen versucht dadurch, dass sie sich und die eigene Religion als die Träger der Rechtmäßigkeit und Errettung sehen, Andersgläubige, selbst wenn sie gutgläubig und anständig sind, als diejenigen ohne mögliche Errettung zu brandmarken, nur weil sie nicht einer bestimmten Religion angehören. Unter den Muslimen, Juden und Christen gibt es Vertreter dieser Ansicht [14]. Freilich hat diese Anschauung mit dem Wesen und Inhalt der Weltreligionen nichts gemein, sondern ist überwiegend auf die Empfindung religiöser Menschen zurückzuführen. Sie hat bei denen, die nicht mit den Freiheiten der Religionsüberlieferungen vertraut sind, mehr Befürworter als bei den Experten der Religionswissenschaften. So hat es den Anschein, dass heutzutage Gedankengänge wie „Ich verstehe das besser als andere“ – „Wahrheit und Realität sind genau das, was ich behaupte“ – „Wer so denkt wie wir, hat Recht und wer anders denkt, ist auf dem falschen Weg“ – „Der einzige Weg zur Glückseligkeit sind mein Weg und meine Überzeugung“ – unter den bewussten und freizügigen Menschen kaum Befürworter und Anerkennung finden. So gesehen erzeugt so ein Standpunkt nichts anderes als Hass und Ekel. Ein arabisches Sprichwort sagt: Beweise zuerst, dass es eine Wand gibt, danach streiche sie so, wie du es gern hast. Manchen Religionsanhängern und bedauerlicherweise auch manchen Wissenschaftlern sollte nahe gelegt werden, zuerst zu beweisen, dass ihnen die Legitimation zu einer Aufteilung der Menschen in paradiesisch und höllisch oder glückselig und verdammt verliehen wurde, bevor sie dann die Menschen so auseinander dividieren können.

     

    Wer hat uns so eine Aufgabe erteilt oder deren Wahrnehmung von uns erwartet, für wie leicht wird es denn gehalten, hinter die innige Überzeugung und Anschauung der Menschen zu gelangen? Welche unparteiische und gerechte Glaubensermessung steht uns denn zur Verfügung, mit der wir meinen, tief in das Innere des Menschen eindringen zu können, um seine Gläubigkeitsstufe zu ermessen? Können und dürfen wir uns überhaupt als einen Gutachter zur Beurteilung der Frömmigkeit anderer betrachten und diese vor Gott in belohnenswert und bestrafungswürdig unterteilen?

     

    Die Selbstverständlichkeit der Ungültigkeit solcher Behauptungen hat manche Wissenschaftler dazu bewogen, eine etwas mildere Anschauung, nämlich die vom „umfassenden Glauben“, zu entwickeln. Nach Meinung dieser Gruppe ist es nicht so, dass andere Religionen nicht in den Genuss der Wahrheit gekommen wären, aber obwohl sie der Wahrheit verbunden seien, werden sie, weil ihre Erkenntnis nicht rein sei und nicht von der Urquelle stamme, als sekundäre Glaubensformen betrachtet, die einen niedrigeren Rang besäßen. [15] Dieser Gedanke ist im Westen vor allem mit dem Namen Karlrahner, einem katholischen Wissenschaftler, verbunden. Eine Vielzahl katholischer Denker ist der Überzeugung, dass der Weg Jesu der alleinige sei, der zum Heil führt, und leugnet es nicht, dass in anderen Religionen an einen Schatten des Messias im Verborgenen [16] sowie den anonymen Messias [17] geglaubt wird. Mit anderen Worten glaubt diese Gruppe Religionswissenschaftler, dass der primäre Rettungsweg eben der Weg des Christentums ist und andere Wege – obwohl sie einige Privilegien der Christlichkeit genießen – alle als sekundäre anzusehen sind, und spricht ihnen weder Glückseligkeit noch Erlösungskraft zu.

     

    Die Verteidiger dieser These meinen im Endeffekt, dass die Anhänger anderer Religionen in Wirklichkeit christlich seien, ohne selbst darüber Bescheid zu wissen. Die Verworfenheit dieser These trotz ihrer Modifizierung ist nicht weniger leicht zu erkennen. Gewiss ist, dass diejenigen auf der Welt, die nur an sich selbst und die aus der eigenen Reihe glauben, an Egozentrismus leiden. Es hat einmal jemand behauptet, da wo er sich aufhalte, sei exakt der Mittelpunkt der Erde. Als er nach seiner Begründung gefragt wurde, meinte er, wer ihm nicht glaube, solle es ausmessen, um sich zu überzeugen. Die Ptolemäer haben, Himmel sei Dank, wenigstens die Erde als Mittelpunkt des Universums betrachtet. Wir haben danach gewisse Fortschritte gemacht und nun betrachten wir wie Kopernikus die Sonne als die Achse und das Zentrum.[18]

     

    Die Behauptung des Besitzes eines Monopols an Wahrheit, sei sie doktrinärer oder soterologischer Art, ist verwerflich; zudem ist sie mehr eine Folge des Egozentrismus denn rational. Diese Sichtweise der Dinge zeugt von seelischer und geistiger Entbehrung sowie problematischer Ermittlung der Wahrheit, psychologisch gesehen. Wer inniger mit der Wahrheit verbunden ist, sieht sich durch seine Erkenntnis der Tiefe und Weite der Wahrheit nicht genötigt, überheblich zu werden, sondern gönnt, durchdrungen von Demut, den anderen den Genuss der Wahrheit, soweit sie sie errungen haben.

     

    Erlösung und Heil wird denen zuteil werden, die Gottesfürchtig sind und der Ausgang (aller Dinge) ist für die Gottesfürchtigen [19], und im Quran wird ferner klar darauf hingewiesen: zweifelsohne verdienen Anhänger aller Religionen, durch Aufrichtigkeit und gutes Tun das Heil zu erfahren.

     

    ( Allah nimmt nur von den Gottesfürchtigen (Opfer) an [20]

     

    Meiner Erfahrung nach und an die Adresse aller gerichtet, die sich für die monotheistischen Religionen verantwortlich fühlen, lässt der heutige Mensch solche Gedanken hinter sich. Das heißt, ein Teil der Menschen achtet überhaupt nicht auf die Weisungen der Religion, weil die Befriedigung tierischer Triebe sie taub und blind macht, und dieses Zeitalter, in dem alles viel komplizierter und undurchschaubarer geworden ist, schürt im Menschen das Unbewusstsein. Ein anderer Teil der Menschen, der an die Schöpfung und Offenbarung glaubt, hat entweder aufgrund eben beschriebener Zwietracht im Ideenkreis der Religionen alles beiseite geschoben oder sich vorsichtig und berechnend zu einem milden Leben zurückgezogen. Selbst wenn diese Gruppe der Menschen eine bestimmte Religion als die ihre akzeptiert hat, wird sie ohne erkenntnisreiches Wissen nicht in der Lage sein, sich um diese Achse zu sammeln. Der heutige Mensch ist bei weitem nicht der Mensch, von dem wir in den Geschichtsbüchern lesen. Es genügt einen Blick auf die Situation der Theologen, Missionare und der Philosophen zu werfen: wie viel Prozent der Weltbevölkerung befolgen tatsächlich ihre Lehren und Weisungen? Wie viel Prozent von denen, die sie befolgen, verstehen diese Weisungen? Wie viel derer, die sie verstehen, halten sie für richtig? Und ob aus ihrer Sicht all dass, was die Theologen behaupten, im Einklang mit den Realitäten unserer Zeit gesehen wird? Und letztlich muss gefragt werden, wie viele von denen, die es für vereinbar mit den Realitäten erachten, sich diesem tatkräftig widmen? Wenn wir uns darüber klar geworden sind, werden wir begreifen, dass die heutige Generation bedauerlicherweise diese Diskussionen, welche von der Heiligsprechung einiger Ideen und der Verdammung anderer Ideen begleitet werden, satt hat.

     

    In diesem Zusammenhang wiederhole ich meine Ermahnung, dass wenn die Anhänger der Religionen, insbesondere die Elite der Theologie ihrer Verpflichtung zur Erkenntnis der einheitlichen Essenz der Religionen nicht gerecht wird, es morgen für alle zu spät sein wird.

     

    Wenn man zu einem logischen und realistischen Verständnis seiner Epoche gelangen und die Verpflichtung der Religionen der Menschheit gegenüber erkennen will, so hat man keine andere Wahl, als dies über einen effektiven Dialog und die Gemüter verbindendes Studium der Situation zu versuchen. Es versteht sich von selbst, dass weit entfernt von einer voreiligen Beurteilung der Verschiedenartigkeit alles Erdenkliche zur Herauskristallisierung der Essenz der Religionen unternommen werden sollte. Keiner von uns ist im Besitz des Schlüssels zum Glück der Menschen oder zu Paradies oder Unglück und Hölle, so dass wir nicht befugt sind, über die Aufteilung der Menschen in Erlöste und Verdammte im Jenseits zu entscheiden und diese Oase des Glücks der Menschen diesseits durch unbegründete Meinungsverschiedenheiten, von Unverständnis herrührende Auseinandersetzungen und eine falsche Interpretation der Religion in Brand zu stecken.

     

    Welche Religion gibt uns die Legitimation dafür, Menschen und ihr Leben so zu behandeln? Wer hat uns befugt, sie in Menschen erster und zweiter Klasse aufzuteilen? Welche Religion legt in uns die Saat des Hasses und der Rachsucht gegenüber anderen Menschen? Nur weil sie anders denken? Und schließlich, welche Religion fordert uns zur Ignoranz der Rechte und Gedanken anderer auf unter dem Vorwand des Ziels einer Universalität unserer Weltanschauung? Im Laufe der Geschichte und bei vielen Wissenschaftlern beobachten wir Egozentrismus, Engstirnigkeit und einseitige Beurteilung der Dinge. Aber da sie von der Allmacht der Zeit überholt und überrumpelt worden sind, ermutigt dieser Prozess den heutigen Menschen dazu zu handeln oder wenigstens andere nicht zu ignorieren. Somit ist der Weg zu einer gegenseitigen Verständigung und Verbundenheit in unterschiedlichen Bereichen geebnet.

     

    Die Eliten der Religionen können mit Hilfe ehrlicher und intensiver Gespräche entscheidende Schritte zur Rettung aller Gott ergebenen Religionsanhänger vor dem unschönen Gefühl der Entfremdung oder gar zu bedauernden Feindseligkeiten tun. Wenn ich das größte Hindernis auf dem Wege eines Dialogs beim Namen nennen soll, so muss ich auf die Unehrlichkeit und mangelnde Seriosität derer hinweisen, die zwar den Begriff „Dialog“ bei ihren Auftritten oder in ihren Stellungnahmen als ein modernes und nützliches Mittel bezeichnen, in ihren Taten jedoch zeigen, dass sie entweder gar nicht daran glauben oder keinen ernsthaften Schritt zur Verwirklichung des Dialogs machen wollen.

     

    Wenn wir uns wieder der Religion zuwenden und ihre Botschaften von Neuem analysieren, wird sich zeigen, dass die Religion die Menschen niemals zu Untaten und unlogischen oder unmenschlichen Handlungen motiviert. Sie wird die Wahrheit nicht zum Gefangenen einer bestimmten Gruppe machen und verschließt nicht einer bestimmten Gruppe das Tor zum Glück und Heil, degradiert sie nicht zu Verdammung und Heillosigkeit, nur weil sie eine andere Tradition, Gepflogenheit, Sprache und andere Gedanken hat. Wäre die religiöse Pluralität inakzeptabel und unlogisch, hätte Gott keine unterschiedlichen Religionen zu verschiedenen Zeiten herabgesandt. Wenn hierzu gesagt werden sollte, in diesem Fall entstehe eine Vielfalt an Wahrheiten, was logisch unmöglich ist, meine ich erstens: Wer behauptet, dass die religiöse Vielfalt zur Wahrheitsvielfalt führen würde? Wir sind uns doch darin einig, dass die Religionen alle eine einzige Essenz und Wirklichkeit haben. Und zweitens: Selbst wenn eine Wahrheitsvielfalt entstehen sollte, was für ein Problem stellt die Breite der Wahrheit dar?

     

    Die Wahrheit besitzt in jeder Zeit und unter jeder Bedingung eine ihr spezifische Form und entlang dieser Breite ergänzen und vervollständigen sich diese Formen, ohne sich gegenseitig im Wege zu stehen. Wir sind nicht mit einer unbeweglichen Wahrheit konfrontiert, sondern mit einer flüssigen und beweglichen Wahrheit, die am Horizont der Zeit und des Raumes wahrnehmbar ist. Diese Wahrheit wird allen Stufen der menschlichen Vollkommenheit gerecht und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Veranlagungen und veränderbaren Fähigkeiten der Menschen bedient sie sich zum Dialog mit ihnen nicht der Sprache des Alles oder Nichts. Der Gott dieser Wahrheit ist sich der gestuften Fähigkeiten der Menschen bewusst. Er wird keinem über seine Kapazität und Ausdauer hinaus etwas aufzwingen. [21] Also geht es weder um eine unbeständige Wahrheit noch um die Verschmelzung der Religionen ineinander, noch um Verzicht auf ihre Lokalitäts-– und Kausalitätsbesonderheiten. Vielmehr geht es um die natürliche Einheit der Religionen, die in unterschiedlichen Erscheinungsformen die Menschheitskarawane zu der einheitlichen Wahrheit führen wird.

     

    Ist die Priorität oder Posteriorität einer dieser Erscheinungsformen ein Grund für ihre Recht- oder Unrechtmäßigkeit? Ist die Verschiedenheit in Teilen der Religionen ein Zeichen der Vollständigkeit oder Unvollständigkeit bei deren Empfänger? Ist die Abrogation eine Folge von Unvollständigkeit der früheren Religionen? Wenn es so ist, wie können wir die fortwährende Schädlichkeit solcher Behauptungen neutralisieren? Und wenn es nicht so ist, welches Hindernis liegt dann auf dem Wege zu Verbundenheit und Vereinigung? Aufgrund des bisher Gesagten können wir behaupten, dass die monotheistischen Kulturen und Offenbarungsreligionen sich im Einklang mit der Schar der Wahrheitssuchenden der Welt befinden, ohne an Reinheit und Wahrheitsstreben etwas einzubüßen. Es steht doch außer Frage, dass der Grad an Reinheit und Wahrheitsliebe eines jeden Menschen durch seine Fähigkeit und Strebsamkeit bestimmt wird.

     

    Manche Theologen, die ihre Ansprechpartner zu Parteilichkeit bewegen wollen und vom eigentlichen Thema abweichen, ob gewollt oder ungewollt, stellen es so dar, als ob die Verfechter der Einheit und Pluralität nur in drei Gruppen zu finden wären:

     

    1. a) diejenigen, die eine schwache Position innehaben und notgedrungen solche Thesen unterstützen,

     

    1. b) diejenigen, die nicht genügend über das Wesen der Religionen wissen,

     

    1. c) diejenigen, die inmitten der politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen in einem Zeitabschnitt auf die Unterstützung von anderen angewiesen sind.

     

     

    Es ist denkbar, dass es dafür in der Geschichte einen Hauch von Wahrheitsbeweis gibt; ich habe glücklicherweise keines der aufgezählten Probleme.

     

    Obwohl das, was ich nicht weiß, das, was ich weiß, überwiegt – ganz unabhängig vom Ort des Wissensaustausches, an dem ich mich befinden mag – , steht jedoch fest, dass ich weder ahnungslos bin noch aufgrund einer politisch-gesellschaftlichen Beeinflussung diese Meinung vertrete, genauso wenig mich durch das Wesen und die Struktur meiner Denkweise und meines Glaubens in einer schwachen Position befinde. Als ein Mitglied der menschlichen Gesellschaft habe ich keine andere Ambition als die Offenlegung und Bekundung von Ergebnissen meiner Erforschungsarbeiten in Bezug auf die Religionen. Auch die Zufriedenheit des einen oder des anderen ist nicht meine Absicht. Wohlgemerkt wäre ich dankbar, wenn Wissenschaftler und Denker, die meine Sichtweise der Dinge nicht billigen, mich über ihre Argumente und Beanstandungen informieren würden. Manche, die die Integration und Verbundenheit der Religionen und ihrer Anhänger als schädigend für ihre ökonomischen und politischen Interessen empfinden, versuchen stets mit Betonung auf Vielfalt und Verschiedenheit der Religionen, die Menschen einander zu entfremden und gar wenn es geht, feindselig zueinander zu stimmen. Weiter versucht diese Gruppe, durch das Säen von Zwietracht das Gelangen zu der einheitlichen Essenz der Religionen unter denen, die Verständigung und Verbundenheit nähren wollen, unmöglich zu machen. Die bittere Wahrheit über Theorien und Menschen, die irgendwie versucht sind, Streitigkeiten unter den Religionen zu schüren, hat ihren Ursprung in solch unheiligen Anstrengungen. Sie sind um keine Religion besorgt und wünschen die Vernichtung aller Religionen, allerdings durch diese selbst. In solch einem Fall lehnen sie sich unbekümmert zurück und beobachten, wie ohne Aufwand ein Kampf inszeniert wurde, der sie zu ihrem Ziel führt, ohne dass ihre direkte Einmischung beobachtbar wäre. Aus diesem Grunde erfordert die Religiosität in unserer Zeit neben Tugendhaftigkeit, Heiligkeit und guten Taten auch Nüchternheit und Scharfsinn.

     

    Mit anderen Worten: die Verwirklichung der Religiosität ist durch die Fülle der erwähnten Eigenschaften bedingt. Sonst kann man vielen Religionsanhängern begegnen, deren Dogmatismus ein Wind im Segel der Feinde von Religionen und Gläubigkeit ist. Alle, die die Notwendigkeit eines Phänomens namens Religion für das menschliche Leben erkannt haben und glauben, dass ein gesundes, heilsames und fröhliches Leben im Schatten der Religion möglich ist, sollen berücksichtigen, dass jene Religion, die sich um das Menschliche kümmert, die interpretierbar und vertraut ist, auch in der Lage ist, ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Hingegen kann eine Religion, die mit den Empfindungen der Menschen nicht im Einklang steht, die sich auf die Ecke der Absolution zurückgezogen hat und die überschattet ist von aufgezwungenen Auseinandersetzungen und sinnlosen Streitigkeiten, die den Handlungsweisen ungerechter Menschen entspringen, ihren Anhängern kein Heil bringen. Religionen und Glaube sind nicht dafür da, dass daraus Götzen entstehen, in deren Dienst die Menschen zu bringen sind. Es ist die Religion, die wenn sie richtig verstanden wird, zur Erfüllung materieller sowie immaterieller Wünsche der Menschen im Dienste der Gesellschaft sein wird.

     

     

    Haben unsere Gedanken irgendetwas mit der Relativitätstheorie gemeinsam?

     

    Es ist möglich, dass manche behaupten, dass was gesagt wurde, eine Zusammenfassung der Relativitätstheorie ist, über die gar nichts gesagt zu werden braucht. Damit dieses Missverständnis nicht entsteht und damit einige nicht die Absicht hegen, unsere Gedanken in die Sackgasse der Relativität zu lenken, halte ich es für dringend erforderlich zu sagen, dass meine Sicht der Dinge nicht Relativität predigt, sondern nur den Zweck verfolgt, auf die Möglichkeit hinzuweisen, Erkenntnis über die flüssige Wahrheit zu erlangen, wobei diese Wahrheit kausal, lokal und konditional aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und analysiert werden muss. Die Relativitätstheorie, die durch Protaguras ihren Anfang nahm und mit Gedanken von Baren, Kohn und Harald Brown etc. fortgesetzt wurde, basiert auf der Unfähigkeit des Menschen, eine beständige Erkenntnis zu erlangen. Es scheint so, dass der Werdegang der menschlichen Ideenentwicklung von Platon, Sokrates und Aristoteles bis zur heutigen Zeit in zahlreichen Denkschulen die Antwort auf die Nichtswürdigkeit dieser Theorie geliefert hat, so dass kein Ungültigkeitsbeweis erforderlich ist. Ist es völlig klar, dass gar keine Verwandtschaft zwischen dem, was ich hier vorgebracht habe, mit der Relativitätstheorie besteht?

     

    In der Hoffnung, dass eines Tages alle Befürworter der Religionen in der Lage sein werden, sich gegenseitig zu verstehen, und mit Anlehnung an die einheitliche Essenz aller Religionen, eine friedliche Koexistenz aufgrund guter Taten zustande bringen zu wollen – widme ich hier folgende Gedichte, die ich mit einer solchen Empfindung gedichtet habe:

     

     

    Erinnerst du dich?

    Das ferne Gestern

    Beide zusammen

    Ineinander gewachsene Blüten,

    die gefüllt waren mit

    himmlischen Perlen

    einander in die Augen blickend

    Hand in Hand

    fern jeder Unruhe

    Freundschaft und Zuneigung

    wie schön wir sie erlebten

    wir pflückten Blumen und verbanden

    unsere Herzen

    Du sprachst von mir und ich von dir

    Wir beide sprachen von morgen

    von Anfang an

    Perlen

    Die Kerne, die im Herzen der

    Erkenntniss lagen

    Welche unsere Lippen damit

    Überfüllt, beschmückt hatten

    Auf die wir zielten

    Wir seufzten

    Starre Blicke, von jedem

    In die Augen des anderen

    Unsere Hoffnung auf morgen gerichtet

    Und die Gassen der Einsamkeit

    Mit Perlen aus unseren Tränen

    Und Gebinde unserer Augenbrauen

    Wuschen und fegten

    An was für ein Tag war damals – Schulter?

    Einander die Hand auf des anderen – Schulter?

    Auf einem Fuß stehend

    Meine Hand war deineDein Fuß war meiner und

    Alle erstaunen darob

    dass wir zweisam sind.

     

    __________________________________

    14- wie z.B. Brunner, Karl Bart und j az a l i

    15- D.A. Hogos

    16- The hidden chris

    17- The anonymouschristian

     

    18- Der Grund, weshalb der Mensch stets auf der Suche nach einem Mittelpunkt ist, bedarf einer eigenständigen Studie, insbesondere durch die Theologie. Nur soviel sei gesagt: Solange der Mensch nicht bis zum Kernpunkt der Schöpfung vorgedrungen ist, und solange er nicht die Essenz des Seins, nämlich den Schöpfer, erreicht hat, wird diese Suche fortgesetzt. Diese Neigung des Menschen, zu einem Mittelpunkt zu gelangen, entspringt dem Wahrheitsstreben, das in seiner Natur verankert ist, und das Lüften dieses Geheimnisses wird keinem gelingen, wie ich es einem Gedicht zu deuten versucht habe:

     

    Dieses Thema ist tausendfältig und labyrinthisch Hunderttausende sind (besessen von Seiner Liebe) auf der Suche nach Ihm.

     

    19- Qur’an, Sure Alaraaf , Vers 1 28

    20- Qur’an, Sure Al-Maedah, Vers 27

    21- Qur’an, Sure al-Baqara, Vers 286

     

    Quelle:

    © Institut für Islamische Bildung e.V.

    Dialog – Zeitschrift für Interreligiöse und Interkulturelle Begegnung

    Jahrgang 3 • Heft 6 • Frühjahr 2005