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    Modernismus und die muslimische Welt

    • Morteza As'adi
    • http://www.islamic-sciences.de
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    In jeder Diskussion über die Beziehung zwischen dem Islam und dem Westen ist es die erste Aufgabe, eine klare Definition vom Begriff „Westen“ zu geben.

     

    In unserer Diskussion hat „Westen“ zwei wesentliche Bedeutungen. Die erste Bedeutung ist eine rein geographische, die sich auf ein bestimmtes Gebiet bezieht; ein Gebiet, das ursprünglich auf Europa begrenzt war, das nun aber auch Amerika einschließt. Die zweite Bedeutung bezieht sich auf eine bestimmte Sammlung von intellektuellen, kulturellen, philosophischen und ontologischen Elementen, die in diesem geographischen Kontext geformt wurden. Und es ist diese letztgenannte Erscheinung, entstanden und sich ausbreitend in Europa seit der Renaissance und ausgestattet mit der technologischen Überlegenheit in deren Genuss dieser Kontinent gekommen ist, die die Ursache ist für so große Besorgnis nicht nur im Osten sondern in der ganzen Welt. Sie hat eine bestimmte Weltanschauung entstehen lassen, ein besonderes Verständnis vom Menschen, dem Sein und dem Kosmos und eine Lebensweise, die nahe daran ist, Universalität zu erlangen, die durch die Macht ihrer technologischen Überlegenheit nahe daran ist, der Welt eine uniforme Kultur aufzuerlegen. Das ist die alptraumhafte Gegenwart, die ihren dunkeln Schatten über die Welt geworfen hat, Furcht verursacht und solche Fragen wie „Was ist der Westen?“, „Was ist der Osten?“ usw. aufwirft.

     

    Mit anderen Worten: der Westen, der während der Renaissance wiedergeboren wurde, und der eine Ontologie, Weltanschauung und letztlich eine Lebensweise hat, die sich von allen vorherigen Kulturen und Zivilisationen völlig unterscheidet, neigt dazu, mit der Unterstützung der Technologie, einem rücksichtslosen, allmächtigen und säkularen Gott, die Welt ihrem eigenen Bild gemäß umzugestalten. Deshalb sieht sich der Teil der Welt, der diese Ontologie, Weltanschauung und Lebensweise nicht teilt, mit dem Problem konfrontiert, seine Identität und letztlich seinen Sinn und seine Bedeutung zu bewahren. Das ist deshalb das, was in diesem Artikel mit „Osten“ gemeint ist.

     

    Der Westen, der zur Ursache so vieler Schwierigkeiten für die Welt geworden ist, hat zwei bestimmende Merkmale: erstens die Trennung von der Religion und zweitens technologische Macht, die beide aus Entwicklungen während und nach der Renaissance hervorgegangen sind. Darüber hinaus wurde insbesondere nach dem 18. Jahrhundert oder dem „Zeitalter der Aufklärung“ der Schluss gezogen und propagiert, dass diese technologische Überlegenheit die logische und notwendige Folge dieses Nichtglaubens an die Religion sei. Leider und aus Gründen, deren Diskussion über den Rahmen dieses Artikels hinausgeht, beobachtet man auf dieser Seite der Weltkugel, d. h. im Osten, zwei herausragende Merkmale, die die Akzeptanz einer solchen Interpretation erleichtern, nämlich den religiösen Glauben und sein Zusammentreffen mit dem Fehlen technologischer Fähigkeiten.

     

    Es ist hier nicht angebracht, in eine detaillierte Diskussion einzutreten darüber, ob es eine kausale Beziehung zwischen dem westlichen religiösen Unglauben und der technologischen Überlegenheit gibt. Es soll genügen, hier zu sagen, dass ich nicht an die Existenz einer solchen Beziehung glaube, was natürlich nicht bedeutet, dass ich irgendeine wie auch immer gearteten Beziehung leugne. Müssten wir die zwei wichtigsten Merkmale des modernen Westens herausheben, dann wären es auf jeden Fall diejenigen, auf die gerade hingewiesen wurde.

     

    Der moderne Westen sieht sich selbst als Fortsetzung einer griechischen Geisteshaltung, die für ihr Vertrauen auf die Vernunft und den Rationalismus bekannt ist. Aus diesem Grund wird die europäische Geschichte vom vierten bis zum 14. Jahrhundert als Mittelalter bezeichnet. Tatsächlich werden einige Abschnitte davon als frühes Mittelalter bezeichnet. Carl Gustav Jung zufolge gehört das religiöse Denken, und insbesondere das monotheistische Denken, dem Osten, und selbst das Christentum, das Europa durch die Macht des Römischen Reiches durchdrang, war nicht einheimisch, und sobald die Bedingungen günstig wurden für eine Rückkehr zur griechischen Tradition, wurde es aus dem Herzen, Denken und Leben des Westens verbannt. Es sollte jedoch betont werden, dass dies nicht bedeutet, dass jeder Abendländer ein Atheist ist, und um mit Dr. Sayyid Husayn Nasr zu sprechen, sind Überreste christlicher Nächstenliebe noch immer auch in säkularisierten Bereichen der westlichen Gesellschaft zu sehen.

     

    Um die Fremdheit der Religion im Westen zu rechtfertigen haben viele Denker die Meinung vertreten, dass religiöse Sensibilität für den Osten charakteristisch sei. Einfach ausgedrückt ist es die Vorstellung, dass der östliche Mensch Gott als die letzte Quelle aller Macht ansieht, während der westliche Mensch diese Stellung dem Menschen selbst zuweist. Es ist interessant anzumerken, dass dieselbe intellektuelle und ontologische Menschzentriertheit, die wir im Humanismus der Renaissance und später im westlichen Denken reflektiert und formuliert sehen, den Weg ebnet für Erklärungen auf der Ebene von Rassen und Ethnien für die offensichtlichen Unterschiede im menschlichen Zustand, während sie ursprünglich auf der Grundlage von Neigung zu oder Distanz von religiösem Denken erklärt werden sollten.

     

    Genauer gesagt hat diese biologische und rassische Interpretation insbesondere seit dem 19. Jahrhundert versucht, die Ursachen für die Neigung der Menschen im Osten zur Religion und der Antipathie der Menschen im Westen ihr gegenüber zu erklären. Leute wie Gobineau, Renan und sogar Nietzsche können als Sprecher dieser ziemlich populären Denklinie angesehen werden. Die traurige Ironie hierbei ist die Auflösung des westlichen ethischen Humanismus in eine rassistische Theorie von Rassentrennung, ein Prozess, der zweifellos beeinflusst war von der Bildung und Systematisierung der Anthropologie und dem Erscheinen des Darwinismus.

     

    Um zum eigentlichen Thema zurückzukehren: im Westen sehen wir uns einer bestimmten Denkweise gegenüber, die sich in einem bestimmten geographischen Gebiet entwickelt und zu einer besonderen Lebensweise geführt hat. Der charakteristische Aspekt dieser Denkweise ist ihre Säkularheit, was die Erklärung von allem in Begriffen von Gründen und Ursachen bedeutet, die für den menschlichen Verstand akzeptabel sind. Letztlich bedeutet dies ausschließlich Vertrauen auf Wissen, das mittels der Sinne gewonnen wird. In dieser Denkweise wird die gesamte Existenz auf die von den Sinnen wahrnehmbare Dimension reduziert und somit gibt es keinen Platz für einen allmächtigen Gott oder für irgendeine andere übernatürliche Quelle oder Ursache. Der moderne westliche Mensch hat keinerlei Nutzen mehr für solche Phrasen wie „so Gott will, werde ich das tun“ oder „vertraue auf den Herrn“. In diesem neuen Materialismus wird alles rational analysiert, mathematisch kalkuliert und präzise geplant. Er glaubt nicht mehr der berühmten Behauptung Rumis, dass „die Beine der Rationalisten aus Holz sind“, geradeso wie er auch nicht mehr an diese Zeilen von Hafic glaubt:

     

    Warum sollte in den weltlichen Dingen, wo Vernunft und Intellekt der Zugang verwehrt wird, es unserem mickrigen Verstehen erlaubt sein, sich einzumischen?

     

    Und genau in dem Kontext dieser neuen Weltlichkeit hat sich die Aufgabe der Philosophie von der „Erklärung der Welt“ gewandelt in ihre „Veränderung“, weil in den Worten Nietzsches „Gott tot ist“. Der nachfolgende Qur’anvers zeigt sehr gut die Schwäche eines solchen materialistischen Ansatzes und seine völlige Opposition zu religiösem Denken und religiöser Wahrnehmung auf: „Sie kennen nur die Außenseite des diesseitigen Lebens; das Jenseits aber beachten sie gar nicht.“ (30:7).

     

    Es ist somit klar, dass dieser Glaube an das Jenseits vom Qur’an als wesentlich für die Erlangung spiritueller Erlösung angesehen wird.

     

    Eine Frage, die sich in diesen Tagen vielen stellt, ist, ob das westliche Denken nicht für andere Teile der Welt akzeptabel sein kann. Lassen Sie mich dies mit einem alten Witz beantworten. Jemand wurde gefragt: „Ist es wahr, dass Melone und Honig nicht gut zusammenpassen?“ Er antwortete: „Überhaupt nicht. Sie passen sehr gut zusammen, sie kommen nur mit dem Menschen nicht gut aus.“ Die Antwort ist also ganz einfach, dass die westliche Weltanschauung an einigen Orten akzeptabel ist, dass sie aber auch dort zur Zerstörung der Grundlage des religiösen Denkens führen wird. Und das ist genau das grundlegende Problem, dem sich ein Osten gegenübersieht, der mit einem offenen und versteckten westlichen Hegemonismus konfrontiert wird. Wenn das moderne westliche nichtchristliche Denken nicht in einer solchen unversöhnlichen totalen Opposition zum religiösen Denken und seinen Grundlagen stehen würde, dann wäre die Haltung des Ostens allgemein und der islamischen Welt im Besonderen nicht so kritisch und beunruhigend wie sie sich heute darstellt. Das Problem liegt für die östliche Welt und die islamische Welt darin, dass dieses unreligiöse oder genauer gesagt antireligiöse Denken, gestützt durch technologische Überlegenheit und die stets zunehmende gesellschaftliche Tendenz zu struktureller Differenzierung, global wird.

     

    Eine andere wichtige Frage ist, ob der Modernismus und moderne Wissenschaft etwas Westliches sind. Beantwortend müssen wir sagen, dass moderne Wissenschaft, d. h. genaues Wissen hinsichtlich von den Sinnen wahrgenommener Phänomene erlangt mittels Erfahrung, Experiment und wiederholter Beobachtung, begleitet von induktiven Schlussfolgerungen, was zur Bildung allgemeiner Gesetze führt, ein Produkt des 17. und insbesondere des 18. Jahrhunderts war. Diese Art von Wissen, welches ein Produkt des Glaubens an die unbestrittene Autorität des Verstandes als dem letzten Richter war, und schließlich das Vertrauen auf eine skeptische Haltung und der Prozess des induktiven Folgerns haben den Westen und insbesondere den modernen Westen als Geburtsort.

     

    Wir müssen uns jedoch nicht mit dem oberflächlichen Sinn dieser Frage zufrieden geben, sondern die verborgenen Anliegen ansprechen, die sie veranlassen. In dieser Hinsicht muss ich sagen, dass die neue Wissenschaft, die auf die zuvor beschriebene Weise geboren wurde, im Körper der Weltanschauungen und Empfindsamkeiten gewachsen ist und sich entwickelt hat, was letztlich zu ihrer Transformation führten. Während sie sich ursprünglich die Aufgabe stellte, Behauptungen bezüglich der sinnlich wahrnehmbaren Dinge zu beweisen oder zu widerlegen, Naturphänomene zu beschreiben oder definitive Schlussfolgerungen über sie zu erlangen, kam sie letztlich dahin, alle dem Menschen offen stehenden Wissensbereiche auf den der Sinneswahrnehmungen zu reduzieren. Sie hat mit anderen Worten eine positivistische Sichtweise angenommen, erlebte eine umfassende Verallgemeinerung und leugnete die Existenz einer Welt über die Reichweite der menschlichen Sinnesorgane hinaus. Vielleicht wäre es fairer, den modernen Wissenschaftler für diesen Verstoß und die übermäßige Verallgemeinerung die Schuld zu geben, obgleich die moderne Wissenschaft selbst vielleicht insgesamt nicht weniger schuldlos ist.

     

    Auf jeden Fall ist das, was heutzutage als moderne Wissenschaft bekannt ist und wegen ihrer engen Verbindung mit dem westlichen Denken seit der Aufklärung als westlich bezeichnet werden kann, eine Wissenschaft, die ausgerüstet ist oder eingetaucht ist in eine völlig materialistische oder weltliche Weltsicht. Diese Wissenschaft hat sich selbst gestattet, ihre legitimen Grenzen zu überschreiten, und während sie ursprünglich einzig auf die materielle Welt angewendet werden sollte, hat sie sich selbst die Befugnis verliehen, über jedes wahrnehmbare Subjekt ein Urteil zu fällen. Und weil sie nicht in der Lage ist, entweder die Wahrheit oder die Falschheit von Behauptungen bezüglich Dingen in den übersinnlichen oder übernatürlichen Bereichen festzustellen, leugnet sie gerade die Existenz solcher Welten. Er sollte nochmals betont werden, dass die Schuld für diesen Widerstand gegen oder besser gesagt die Leugnung der Existenz einer für die gewöhnlichen menschlichen Sinnesorgane unzugänglichen Welt weitaus mehr auf den Schultern von materialistischen und weltlichen Wissenschaftlern liegt als auf jenen der experimentellen Wissenschaft per se. Zweifellos wäre eine Wissenschaft, die von solchen Personen praktiziert wird, belastet mit einer spezifischen Reihe von intellektuellen Mängeln und Vorurteilen, insgesamt ethikfeindlich, wenn sie an die Existenz einer spirituellen Welt und eines übernatürlichen göttlichen Wesens glauben würde; ein Wesen, das offensichtlich nicht der gewöhnlichen wissenschaftlichen Untersuchung unterworfen werden kann. In der qur’anischen Sure al-Baqara heißt es: „Dies ist (ganz gewiss) das Buch, das keinen Anlass zum Zweifel gibt, (es ist) eine Rechtleitung für die gottesfürchtigen, die…“ bestimmte Eigenschaften besitzen. Es sind z. B. jene, „die an das Verborgene glauben… und die mit dem Jenseits fest rechnen.“

     

    Mit anderen Worten: im islamischen Denken ist der Glaube an eine übernatürliche unsichtbare Wirklichkeit und ein Jenseits wesentlich für die Erlangung der Erlösung, gerade so wie es der Fall ist in allen anderen Arten von theistischen Glaubensüberzeugungen im Gegensatz zu deistischen.

     

    Wenn die moderne Wissenschaft nun darauf bestand, ihre eigenen wesentlichen und legitimen Begrenzungen zu ignorieren und sich selbst als kompetent ansah, die Existenz der spirituellen Welt, des Jenseits und Gottes zu leugnen (oder sogar zu bestätigen) und sich selbst als das einzige Mittel beurteilte, mit dem die Wahrheit oder Falschheit von jeglicher Behauptung in jeglichem Bereich bestimmt werden kann, dann wäre der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion unlösbar und man wäre gezwungen worden, entweder religiöses Denken, d. h. Glauben an die Existenz alternativer Wege zur Gewissheit, oder moderne Wissenschaft zu wählen.

     

    Wäre dies der Fall, dann wäre die Situation von religiösen Gesellschaften, insbesondere muslimischen, die religiös bleiben wollen, während sie gleichzeitig ein lebenswichtiges Bedürfnis nach moderner Wis-senschaft und ihren Investitionen haben, sehr schwierig geworden. Ich glaube jedoch, wenn wir moderne Wissenschaft in ihrem weitesten Sinne in Erwägung ziehen, frei von den materialistischen und weltlichen Perspektiven, die ihr von modernen Wissenschaftlern auferlegt werden, dann wird der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft kein unüberwindlicher sein. In Wirklichkeit wird es überhaupt keinen Konflikt geben. Einerseits werden wir eine Religion haben, die sich mit einer übernatürlichen, unsichtbaren Welt beschäftigt und nach Wegen sucht, um Wissen über diese Welt zu erlangen, sei es durch Glauben oder innere, spirituelle, intuitive Erkenntnis und Erfahrung, und andererseits eine Wissenschaft, die per Definition sich bewusst ist, dass ihr Autoritätsbereich begrenzt ist auf den von den physischen Sinnen des Menschen wahrnehmbaren Bereich, d. h. auf die erfahrbare Welt. Rational gesprochen sollte Erkenntnis, die mittels einer „neutralen“ Wissenschaft gewonnen wird, unbelastet von positivistischen Neigungen, dem religiösen Verständnis nicht widersprechen oder sogar im Konflikt dazu sein. Und wo einige wissenschaftliche Fakten bestimmten religiösen Aussagen zu widersprechen scheinen, sollte es möglich sein, die Meinungsverschiedenheit zu lösen. Darüber hinaus sollten im Licht der zuvor hinsichtlich der wissenschaftlichen Methode ausgearbeiteten Begrenzungen solche Schwierigkeiten nicht zu einer vollständigen Leugnung der Existenz von Dingen führen, die außerhalb dieser Grenzen liegen.

     

    Um ein besseres Verständnis von den entsprechenden Funktionen von Wissenschaft und Religion zu gewinnen, können wir sie mit jenen des Ohrs und des Auges vergleichen, die zu zwei unterschiedlichen Formen des Erfassens führen, so dass es nicht in der Kompetenz des Ohres liegt, die Existenz eines Bildes zu leugnen. Konflikt zwischen Glauben und Wissenschaft entsteht nur, wenn die Wissenschaft in eine Religion umgewandelt wurde, mit anderen Worten, wenn sie eine Art positivistische Religion angenommen hat oder zumindest eine eigene Philosophie, und die wahre Form und Definition von moderner Wissenschaft überschritten hat, die strikte Neutralität von ihr erfordert. Aber wie ich bereits festgestellt habe, gebe ich die Schuld für diese Überschreitung zum größten Teil eher dem modernen Wissenschaftler als der modernen Wissenschaft. Wenn nun meine Haltung zu dieser Frage nicht völlig akzeptabel ist, so kann sie dennoch nicht als vollkommen grundlos beurteilt werden.

     

    Der Fall des Modernismus ist ein völlig anderer. Man kann sagen, dass der Modernismus gerade diese „Religion“ oder „Philosophie“ ist, die der modernen Wissenschaft auferlegt wurde und sie gezwungen hat, alles abzulehnen, was sie übersteigt. Es wäre falsch, den westlichen Modernismus einfach als eine ausgedehnte Form von Modernität anzusehen, denn er ist eine besondere Form von Modernität und Liebe zum Neuen, die auf einer bestimmten Vorstellung von Zeit oder vielleicht einer Art kosmischer oder universeller Philosophie der Geschichte beruht oder davon unterstützt wird. Das Modernismusverständnis der muslimischen Welt, das nicht auf diesem besonderen Zeitbegriff und dieser speziellen historischen Perspektive beruht, ist nicht mehr als eine Imitation oder ein schwacher Schatten des westlichen Originals.

     

    Quelle:

    © Institut für Human- und Islamwissenschaften e.V.

    Dialog – Zeitschrift für Interreligiöse und Interkulturelle Begegnung

    Jahrgang 1 • Heft 1 • 1. Halbjahr 2002