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    Mohammad ‚Abduh

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    Der ägyptische Religionsgelehrte, Jurist und liberale Reformer Mohammad ‚Abduh führte im späten 19. Jahrhundert in Ägypten und anderen muslimischen Ländern eine Bewegung an, um muslimische Institutionen zu „modernisieren“.

     

    Mohammad ‚Abduh war besonders von Jamal-ud-Din Afghani, dem Begründer der modernen panislamischen Bewegung, welcher die muslimische Welt unter dem Banner des Glaubens vereinigen wollte, beeinflusst worden. Als sie sich 1872 in al-Azhar trafen, war `Abduh gerade aus seiner Askese zum Aktivismus aufgerüttelt worden und strebte danach, eine Renaissance des Islam und eine Befreiung der Muslime vom Kolonialismus zu bringen. Im Gegensatz zu seinem Mentor Jamal ud-Din Afghani versuchte ‚Abduh die Politik von der religiösen Reform zu trennen. ‚Abduh setzte sich dadurch für die Reform des Islam ein, indem er ihn zurück in seinen ursprünglichen Zustand führen wollte und das abwerfen wollte, was er als dessen gegenwärtige Dekadenz und Teilung ansah. Seine Ansichten standen im Gegensatz zu dem festgesetzten politischen und religiösen Gesetz, aber waren später von den Arabern nach dem Ersten Weltkrieg mit offenen Armen empfangen worden.

     

    `Abduh verbrachte einige Jahre im Exil in Paris, wo er Afghani half, die antibritische muslimische Zeitschrift „Urwah al- Wuthqa“ (Das festeste Band) herauszugeben. ‚Abduh trennte sich schließlich von Afghani. Er unterrichtete in Beirut. Nachdem er den Radikalismus, von dem er in den 1870-er und 1880-er Jahren begeistert gewesen war, von sich wies, kehrte er nach der willkommenen Intervention der Briten mit dem Chediven nach Kairo zurück, um erzieherische und sprachliche Reformen zu verbreiten. Diese Zuwendung zum Liberalismus stand parallel dazu, dass die revolutionäre Glut der Persönlichkeiten in ländlichen Gebieten in den späten 1880-er Jahren nachließ.

     

    Nach der britischen Übernahme Ägyptens 1882 stiegen die Steuern unter dem Chediven Isma’il (Regierungszeit von 1863 – 1879) auf ein intolerables Maß an, und das neue Kolonialregime Evelyn Barings (die spätere Gräfin von Cromer) sah sich wegen Gefahr zunehmender Revolten dazu gezwungen, die Steuern zu senken. Die landbesitzenden Familien, welchen es gelungen war, ihre Großbesitze zusammenzuhalten, wandelten sich selbst in Agrarkapitalisten um und wurden zu verstädtlichten, abwesenden Landbesitzern; viele von ihnen widersetzten sich nicht aktiv dem britischen Regiment, und ihr Nationalismus wurde durch die Überzeugung, dass die Ägypter nur durch Erziehung und eine stufenweise Reform Unabhängigkeit erreichen könnten, stumm gehalten. ‚Abduh wurde zum Sprecher dieser Schicht. 1899 war er durch britischen Einfluss zum Großmufti (Rechtsberater) für das ganze Ägypten ernannt worden und nutzte das Amt dafür, liberale Reformen im islamischen Gesetz, der Verwaltung und Erziehung zu verbreiten.

     

    Als der europäische Einfluss in Ägypten wuchs, nahmen Westler in Ägypten westliche Erziehung, westliche Wissenschaften und ein westliches Medium zum Lehren, insbesondere Französisch, an. ‚Abduh misstraute den Westlern. Er rief die Eltern dazu auf, ihre Kinder nicht in die von Missionaren errichteten Schulen zu schicken. Aber er war keineswegs gegen westliche Wissenschaften und westliche Technologie. In einem Artikel, den er 1877 schrieb, befürwortete ‚Abduh die Einführung moderner Wissenschaften neben den einheimischen Wissenschaften an der Al-Azhar Universität. Er beschrieb die Stärke der Vorurteile gegen die modernen Wissenschaften in Al-Azhar und berichtete, dass Ghazali und andere das Studium der Logik und ähnlicher Disziplinen als unabdingbar für die Verteidigung des Islam betrachten. Er fuhr fort zu sagen:

     

    „Es gibt keine Religion ohne Staat und keinen Staat ohne Autorität und keine Autorität ohne Macht und keine Macht ohne Vermögen. Der Staat besitzt weder Handel noch Industrie. Sein Vermögen ist das Vermögen der Leute, und das Vermögen der Leute ist ohne das Verbreiten dieser Wissenschaften unter ihnen nicht möglich, so dass sie vielleicht die Wege, um zu Vermögen zu kommen, kennen.“ (Tarich, Bd. 2, S. 37 ff.) Er sagte, dass neue und brauchbare Wissenschaften für unser Leben in dieser Zeit essentiell seien und zu unsere Verteidigung gegen Aggression und Erniedrigung dienen sowie des weiteren die Grundlage für unsere Freude, unser Vermögen und unsere Stärke sei. Er sagte auch: „Diese Wissenschaften müssen wir erwerben und bis zu ihrer Meisterhaftigkeit weiterentwickeln“.

     

    `Abduh war der Ansicht gewesen, dass die persischen und griechischen Elemente, welche in der islamischen Tradition dominierten, nicht an die Modernität angepasst waren, und er arbeitete daran, die griechische Philosophie durch moderne Ideen zu ersetzen. Aufgrund seiner eigenen Grenzen und unzureichenden Kenntnisse der Wissenschaften, der modernen Philosophie und des Westen lief er oft über seine einfache Formel „Modernität ist auf Vernunft basiert, Islam muss daher zeigen, dass er nicht der Vernunft widerspricht, so können wir vielleicht beweisen, dass man Islam an die Modernität anpassen kann“ hinaus, um Übereinstimmungen zwischen detaillierten wissenschaftlichen Theorien oder Entdeckungen und dem Qur’an zu zeigen. Die Dschin wurden zu Mikroben und Schilderungen über Astronomie wurden damit erklärt, dass sie an die Verständnisebene einfacher Leute gerichtet seien.

     

    Er versuchte die Evolutionstheorie mit der Geschichte der Genesis im Qur’an zu vereinen, und er benutzte die Evolution um zu beweisen, dass Mohammad das Siegel der Propheten war. Er wollte zeigen, dass der Islam die Prinzipien der Kausalität nicht von sich wies und dazu bestimmt war, den Bereich des Übernatürlichen zu verringern.

     

    Zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts hin hatte sich die wissenschaftliche Auslegung als eine unabhängige Disziplin etabliert. 1898 ermutigte ‚Abduhs syrischer Student Raschid Rida ihn, einen Korankommentar zu schreiben, aber er war daran nicht interessiert gewesen. Daher machte sich Mohammad Raschid Rida während der Vorlesungsserien ‚Abduhs über den Qur’an Notizen, welche er erweiterte. Die erweiterte Arbeit wurde ‚Abduh, vorgelegt und von ihm, wo nötig, korrigiert. Diese Vorlesungen waren in der Zeitschrift „Al-Manar“ Band 3 im Jahr 1900 als „Tafsir Manar ‚Abduhs“ erschienen. Es hat etwas Ironisches an sich, dass der ernste und streng religiöse junge Rida eine enge Freundschaft zu dem mehr weltlich orientierten, geistesoffenen ‚Abduh entwickeln sollte. Aber dies ist vielleicht ein Hinweis auf ‚Abdus Fähigkeit, seine Konversationen auf das Interesse seiner Zuhörer zuzuschneidern. Nach ‚Abduhs Tod im Jahr 1905 setzte Rida das Tafsir al-Manar von Q. 4:125 bis Q. 12:107 fort, wobei er (in posthumen Abschnitten) diese Stellen auswies, welche das Ergebnis ‚Abduhs Vorlesungen und seine eigenen Ergänzungen waren. Schließlich wurde das Tafsir al-Manar 1927 in zwölf Bänden veröffentlicht . Eine spätere Ausgabe ist „Al-Qur’an al-Hakim al-Mustahir bi Tafsir al-Manar“, 12 Bände, Kairo, 1954 – 1961. Zusätzlich hat ‚Abduh zu Lebzeiten unter anderem Tafsir juz’ `Amma,Tafsir Surat al-`Asr, [Tafsir al-Fatiha],Fatihat al-Kitab und Tafsir al-Ustadh al-Imam veröffentlicht. Seine Vorlesungen über den Qu’ran sind als „Durus min al-Qur’an al-Karim“ herausgegeben worden.

     

    `Abduhs Ideen trafen sowohl auf großen Enthusiasmus als auch auf heftigen Widerstand. Auch heute noch, fast achtzig Jahre nach seinem Tod, sind sie noch immer Streitobjekt, da Fragen des Modernismus und der Tradition im Konflikt in der muslimischen Welt immer wieder auftauchen. Obwohl er seine Ziele nicht erreicht hatte, verbleibt Mohammad ‚Abduh als ein kontinuierlicher Einfluss, und sein Werk „Risalat al-Tauhid“ (Die Theologie der Einheit) ist die wichtigste Darlegung seiner Gedanken.

     

    Quelle: Taghrib.ir