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    Mohammad Maraghi ein Pionier bei der Annäherung der Denk- und Rechtsschulen

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    Mohammad Maraghi ein Pionier bei der Annäherung der Denk- und Rechtsschulen
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    Maraghi muss zu den Reformisten an der Universität Al Azhar, im Gerichtswesen und bei der Annäherung der islamischen Denkschulen gezählt werden. Er hatte die Methode seines Dozenten Scheich Mohammad Abdeh übernommen.

     

    1-Geburt und Studium

     

    In der Stadt El- Maragha in der Provinz Sauhadsch kam am 05.03.1881 (oder auch 9.3.1881 (1298 nach d. H. Mndk.) in einer Familie, die eine Vorliebe für Wissenschaften hatte, ein Junge auf die Welt, den man Mohammed Mustafa nannte. Im Jugendalter prägte er sich den Koran ins Gedächtnis ein und ging später auf die Universität Al- Azhar, wo er von großen Dozenten Unterricht erhielt. Vom Alter her ist er die jüngste Person, die den wissenschaftlichen Grad „Al Alimya“ erreichte. Mohammed Mustafa war unter den Studenten der Beste. Im Jahr 1904 (1322 n.H.Mndk.) legte er im Alter von 23 Jahren eine Prüfung bei dem Gelehrten Mohammed Abduh und anderen Dozenten ab, welche er sehr gut meisterte. Danach übernahm er verschiedene Verantwortungen in der Al- Azhar.

     

    2-Charaktereigenschaften

     

    Professor Maraghi verfügte über ein starkes Gedächtnis. Mit seiner angeborenen Intelligenz war er berühmt für sein unabhängiges Denken. Beim Umgang mit seinen Rivalen und Gegnern respektierte er diese. Zwietracht und Schmeicheleien lagen im fern. Bei der Erledigung seiner Aufgaben war er sehr fleißig und ernst, arbeitete ständig und war unermüdlich.

     

    3-Werke

     

    Professor Maraghi hat viele Werke in den Bereichen Koraninterpretation, islamische Rechtswissenschaft und arabische Literatur hinterlassen. Zu seinem Erbe gehören auch reformatorische Programme, speziell im Zusammenhang mit der Universität Al Azhar und Familiengesetzen. Seinen wichtigsten Werke sind:

     

    – Al- Oulia- w`al mahdschurin: Dieses Buch beinhaltet Fragen über die islamische Rechtswissenschaft. Das handschriftliche Exemplar wird in der Universität der Al Azhar aufbewahrt. Mit der Darlegung dieser tiefgründigen Themen wurde er zum Mitglied beim Gelehrtenrat Hay`at Kibar al Ulama.

     

    – Interpretation des Korankapitels Tabaarak (29. Dschuz): Professor Maraghi hat diese Interpretation als eine Ergänzung der Exegese des Korankapitels „Amma“ (30. Dschuz´) von Professor Mohammed Abduh fertig gestellt.

     

    – Ein Artikel über die Notwendigkeit der Koranübersetzung

     

    – Ein Artikel für die Konferenz der Religionen in London mit dem Titel „Al Zomalat- ul- Ensaniah“

     

    – Diskussionen über islamische Gesetze und Dokumentation des Ehegesetzes mit der Nr. 25 im Jahr 1929

     

    – Themen über die arabische Rhetorik und Literatur

     

    – Unterrichtsunterlagen mit der Interpretation von einigen Suren des Korans, die in der Zeitschrift Al-Azhar veröffentlicht wurden. Diese Kurse fanden in den großen Moscheen Kairo und Alexandria statt, und wurden von (dem ägyptischen) König Faruq von 1937 bis 1945 besucht.

     

    4-Scheich Maraghi aus der Sicht Anderer

     

    Die wissenschaftliche Stellung und die hohe Position des Scheichs sind allen bekannt. Hier wollen wir die Ansichten einiger großer Persönlichkeiten über in aufführen:

     

    a) Dr. Muhammad Sayyid Tantawi, Mufti von Al Azhar: „Obwohl Scheich Maraghi nur kurz gelebt hat, ist sein Leben in Anbetracht der wissenschaftlichen Werke, die er hinterließ, lang und fruchtbar gewesen.“

     

    b) Dr. Nemat Ahmad Fu`ad: „Genau so wie er an das wissenschaftliche Wunder des Korans nach einem bestimmten Prinzip glaubte, war er auch an der arabischen Literatur interessiert. In diesem Zusammenhang sind von ihm Gedichte und Prosawerke hinterblieben. Er hat sich vergleichenden Religionsstudien gewidmet und sie gelehrt, um das leuchtende Gesicht des Islams vorzustellen. Er hob stets hervor, dass wissenschaftliche und philosophische Fortschritte nicht fähig sind, Krieg und Auseinandersetzungen vorzubeugen, und die wissenschaftlich fortgeschrittene Welt Zeuge von Gewalttaten und Verbrechen ist, während nur der Islam die Menschen vom Blutvergießen abhalten könne.“

     

    c) Dr. Mohammad Nael, ehemaliger Dekan an der Fakultät für arabische Sprache und Freund von Imam Maraghi hat über ihn gesagt: Professor Maraghi war eine revolutionäre Person, die auf dem Weg von Recht und Wahrheit niemanden fürchtete.“

     

    5-Exekutive und wissenschaftliche Verantwortungen

     

    1-Scheich Maraghi wurde nach seinem Abschluss im Jahr 1904 von seinem Dozenten Scheich Mohammad Abduh zum Richter der Stadt Dangale in Sudan ernannt. Er nahm diese Verantwortung an und war bis 1907 in diesem Amt tätig. Da aber der (militärische) britische Generalgouverneur Sudans sich ihm ständig widersetzte und ihm Hindernisse auf den Weg legte, legte er das Amt nieder und kehrte nach Ägypten zurück.

     

    2-Ab 1907 war er als Richter in Ägypten tätig bis er im Jahr 1923 zum Vorsitzenden des hohen religiösen Gerichts ernannt wurde.

     

    3-1928 wurde er im Alter von 48 Jahren zum Scheich der Al Azhar ernannt. Er war die jüngste Person in der Geschichte des Al Azhar, welche diese Stellung erreichte.

     

    4-Seine reformistischen Gesichtspunkte über das didaktische Programm und der Struktur des Al Azhar stießen auf die Kritik von dem ägyptischen König Malik Fu`ad und somit reichte Scheich Maraghi auch diesmal seine Kündigung ein.

     

    5-Wegen den Streiks und Druckausübungen der Studenten und Dozenten der Al Azhar änderte Malik Fu`ad seine Meinung und der Scheich wurde im April 1935 erneut zum Leiter der Al Azhar gewählt. Nach 10 Jahren Einsatz für den wissenschaftlichen und religiösen Fortschritt der Al Azhar verstarb er im Jahre 1945.

     

    6-Reformistische Denkweise und Annäherung der islamischen Denkschulen

     

    Maraghi muss zu den Reformisten an der Universität Al Azhar, im Gerichtswesen und bei der Annäherung der islamischen Denkschulen gezählt werden. Er hatte die Methode seines Dozenten Scheich Mohammad Abdeh übernommen. Im Folgenden werden einige reformistischen Denkweisen des Scheichs, sowie sein Aufruf an die wissenschaftliche und akademische Gemeinschaft zur Erlernung und Anwendung der fortschrittlichen Gesetze der Rechtschulen usw. aufgeführt:

     

    a) Gerichtliche Reformen

     

    Der verstorbene Scheich Maraghi wendete bei der Gewährleistung der Gerechtigkeit und Verbesserung der Lage der Bürger eine bestimmte Vorgehensweise an. Er war der Überzeugung ein Richter müsse sein Urteil aus dem Koran und der feststehenden Sitte des Propheten entziehen und nichtreligiöse Gesetze beiseite legen. Ein Richter müsse sich von jeglichem Machthaber oder Herrscher außer der Herrschaft Gottes freisprechen, um ohne Furcht die Gerechtigkeit in der Gesellschaft herstellen zu können. Er war der Ansicht dass die eine Hälfte der Arbeit eines Richters in der Verbesserung der Bestimmungen im Gerichtswesen besteht. Aus diesem Grund bildete er ein Komitee, welches er selbst leitete, um die Gesetzbestimmungen für bürgerliche Angelegenheiten in Ägypten erneut zu untersuchen. Er mahnte die Mitglieder des Komitees, sich nicht an eine bestimmte Rechtsschule zu binden. Da die ägyptischen Richter nur nach der religiösen Rechtslehre der Hanefiten urteilten, hat Professor Maraghi sie angewiesen, auch die Überzeugungen anderer Rechtsschulen in Betracht zu ziehen und diese anzuwenden, falls sie zum Vorteil für die Gesellschaft sind. Er hat den Komiteemitgliedern gesagt: „Verabschiedet ein Gesetz, das den Notwendigkeiten dieser Zeit und diesem Ort entspricht, denn das islamische Religionsrecht verfügt über eine dermaßen große Nachsicht und Flexibilität, dass wir die Gebote zweiten Grades in den Bereichen Zivil – und Strafgesetz soweit verändern können, bis sie der jeweiligen Zeit entsprechen.“

     

    b) Reformierung der Al Azhar

     

    Zu den Prioritäten von Scheich Maraghi gehörte die Entwicklung der Al Azhar. Als er die Verantwortung für die Verwaltung der Al Azhar übernahm, errichtete er einen Ausschuss für die Revidierung der Gesetze und Lehrpläne. Er legte eines dieser Gesetze Malik Fu`ad dem 1. vor, der damals die Kontrolle über die Al Azhar hatte. Der Hofstaat des Königs aber behauptete, Scheich Maraghi habe vor, die Al Azhar aus der Aufsicht durch den König zu befreien. Aus diesem Grund lehnte Fu`ad das unterbreitete Gesetz ab. Professor Maraghi sah keinen anderen Ausweg, als auf der einen Seite spezielle Regelungen für die Reformierung der Al Azhar aufzustellen und auf der anderen Seite sein Amt nieder zu legen. Malik Fu`ad akzeptierte seinen Rücktritt, aber die Streiks der Dozenten und Studenten, welche 14 Monate lang andauerten, zwangen Malik Fu`ad dazu erneut Maraghi zum Rektor der Al Azhar zu ernennen. Nach der Rückkehr an die Al Azhar errichtete Scheich Maraghi drei neue Fakultäten, in denen die Studiendauer 4 Jahre betrug und die Studenten in einem Lehrfach spezialisiert wurden. Diese drei Fakultäten waren die: 1. Fakultät für die arabische Sprache, 2. Fakultät für islamisches Religionsrecht und Gesetz sowie 3. Fakultät für Grundlagen der Religion (scholastische Theologie – Ilm- i Kalaam)

     

    Professor Maraghi unterstrich, dass beim Unterricht Imitation und Suggestion vermieden und neue Methoden angewandt und für den Idschtihad (die selbständige Rechtsfindung) neue Hypothesen aufgestellt werden sollten. Damit die Studenten den Islam und die islamische Kultur verbreiten können gab er die Anweisung Fremdsprachen zu unterrichten. Er bildete mit den großen Gelehrten ein Komitee in der Universität Al Azhar zur Beantwortung religiöser Fragen von Einzelnen und Gruppen. Maraghi errichtete den größten Religionsrat der islamischen Welt mit 30 Religionsgelehrten. Die Mitgliedschaftsbedingung war, dass sie bei der Verbreitung der religiösen Kultur auf der Welt eine wichtige Rolle spielen und eine wissenschaftliche Dissertation vorzeigen können, die ihren wissenschaftlichen und kreativen Mut beweist.

     

    c) Annäherung islamischer Rechts- und Denkschulen

     

    Zu den weiteren Aktivitäten von Scheich Maraghi gehört seine Einladung zur Annäherung der islamischen Glaubensgruppen. Diesbezüglich hat er viel Mühe auf sich genommen. Dazu gehören seine Gespräche mit dem Oberhaupt der Ismailiten Aghakhan. Er verfolgte dabei das Ziel, eine Gruppe für religiöse Studien zu bilden, die die Vertiefung der Beziehungen zwischen den Muslimen auf der ganzen Welt anstreben. Somit wollte er auf eine Weise mit den Lehrgruppen in den verschiedenen islamischen Ländern zusammenarbeiten und die Muslime miteinander in Verbindung bringen, auch wenn sie verschiedenen Rechtsschulen und Glaubensgruppen angehören. Wegen solchen Aktivitäten gehört Scheich Maraghi zu den Pionieren der Annäherung der islamischen Rechtsschulen im 14. Jahrhundert nach der Hidschra und dem Mondkalender (circa 1883 -1980 n.Chr.).

     

    7-Dahinscheiden

     

    Scheich Maraghi starb in seinem 64sten Lebensjahr am Mittwoch den 21. August 1945 im gesegneten Monat Ramadan.