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    Mullah Sadra

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    Sein Leben

     

    Mullah Sadra, genauer Sadr al-Din al-Shirazi, gilt als bedeutendster Vertreter der Schule von Isfahan. Er wurde 1572 als Sohn eines Ministers und Gelehrten in Schiraz geboren. Er studierte in Isfahan zunächst die offenbarte Wissenschaft bei Shaikh Baha’i – und anschließend die intellektuellen Wissenschaften bei Mır Damad, bevor er sich für mehrere Jahre in ein Dorf nahe Qum zurückzog und sich in der Askese und in spirituellen Techniken übte. Eine solche Phase der Kontemplation ist nach Suhrawardi – Teil der Ausbildung zum wahren Philosophen. Von den vielen Positionen, die ihm angeboten wurden, lehnte er alle ab, unter anderem wohl weil er sich wiederholt der Anschuldigung der Blasphemie ausgesetzt sah, schließlich jedoch erklärte er sich bereit, im Auftrag Abbas des II. in Schiraz zu unterrichten. Er starb auf seinem Fußmarsch zu seiner siebenten Hajj-Reise im Jahre 1640.

     

    Seine Gedanken

     

    Das wichtigste seiner Werke ist „al-Hikma al-muta’aliya fi’l-asfar al-‚aqliyya al-arba’a“ (Die vier intellektuellen Ausfahrten). Darüber hinaus umfassen seine Schriften die offenbarte Wissenschaft ebenso wie die intellektuelle, wobei Werke zu letzterer die größere Bedeutung erreichten. In ihnen verteidigte er sowohl die Gnosis (Irfan) gegenüber allzu dogmatischen Gelehrten als auch die Scharia und die rituell-„äußerliche“ Dimension des Islam gegenüber den „Übertreibern“ in den Sufiorden. Im Zentrum der Lehren von Mullah Sadra steht die gnostische Erfahrung der Realität des Seins. Anders als sein Lehrer Mır Damad bevorzugt er die Priorität der Existenz. Für ihn existiert nur eine einzige Realität (wujud), deren Abgrenzung durch verschiedene Quiditäten (mahiyyat) den Eindruck einer Multiplizität des Existierenden erweckt. Das Prinzip des ‚wujud’ erlebt er als eines, als abgestuft und grundlegend. Er übernimmt von Ibn Arabi das Konzept des ‚Wahdad al-Wujud’, der mystischen Erfahrung der Einheit des Seins. Mullah Sadra vergleicht die scheinbare Multiplizität des Seienden im Verhältnis zur Einheit des Seins mit dem Verhältnis der Sonnenstrahlen zur Sonne selbst. Die Sonnenstrahlen sind nicht die Sonne und doch nichts anderes als sie. Wie erwähnt, ist wujud darüberhinaus abgestuft (tashkik al-wujud), wobei jeder höhere Grad des wujud alles wujud (alle Realität) enthält, das in der Stufe darunter existiert. Dies basiert auf der Lehre Suhrawardıs, die auch Mır Damad beeinflusst hat.

     

    Auf dieser Grundlage – vornehmlich des ‚Wahdad al-Wujud’ -, ist verständlich, was Mullah Sadra dazu bewogen hat, das „ist es?“ ebenso wie Ibn Sına höher zu bewerten als das „was ist es?“, wie es Mır Damad und Suhrawardi getan haben.  ‚Wahdad al-Wujud’ ist für Mullah Sadra auch Ausgangspunkt seiner Interpretation von der Allwissenheit Gottes.

     

    Al-Ghazzali bezeichnete die Meinung der Peripatetiker, Gott verfüge über Kenntnis von den großen nicht aber den kleinen Dingen als häretisch, denn Gott wisse von allen Dingen. Auch Mullah Sadra ist dieser Überzeugung. Die Einheit des Seins impliziert, dass Gott als das Seiende schlechthin an allem anderen Seienden Anteil habe und daher uneingeschränktes Wissen über es habe.

     

    Mullah Sadra vertritt die Vorstellung einer transsubstantiellen Bewegung. Jede Bewegung habe einen Auslöser, ein Subjekt, das das Objekt in Bewegung versetze. Alles auf den unterschiedlichen Seinsebenen, der physischen, psychischen, imaginären, die sich bis hin zu den nicht-zeitlichen Archetypen erstrecken, befinde sich in ständiger Bewegung. Dies bildet die Voraussetzung für die Durchdringung des Kosmos durch das Sein sei. Form und Materie befänden sich im ständigen Wandel, Kleid folge auf Kleid, die alte Form verwandle sich in die neue, sei so weiter Bestandteil; gleichzeitig finde jedoch eine Entwicklung zum nächst höheren Niveau statt (Sperma, Fötus, Baby, Kind usw.). Das in der Welt Seiende bewegt sich durch die transsubstantielle Bewegung aufwärts bis es schließlich die Zone der Archetypen erreicht. Damit erfüllt diese Lehre einen spirituellen Zweck, denn die Welt als Ganzes und die Menschheit in ihr bewegen sich so auf ihre Perfektion zu, die als ihr Zweck und Ziel gesehen wird. Zudem stützt sie den Beweis der körperlichen Auferstehung, wie sie im Quran angekündigt wird. Zu erwähnen ist ebenfalls das Konzept von der Einheit des Erkannten mit dem Erkenner. Im Moment des Erkennens bildeten das Erkannte, der Erkenner und letztlich auch der Intellekt als erkennende Instanz selbst eine Einheit, seien identisch. Die steht in Zusammenhang mit der transsubstantiellen Bewegung, die den Erkenner durch die Identität mit dem Erkannten weiter erhöht. So impliziert diese These in der Konsequenz die Einheit von Sein und Wissen.
    Quelle: http://www.islamische-akademie.de/buecher/islamimdialog/islamimdialog.htm