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    Muslimisch & westlich - ein Widerspruch?

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    von Ali Ahmad

     

    In vielen migrantischen Gemeinschaften ist das Wort „westlich“ eine Chiffre für permanente Partys und Respektlosigkeit gegenüber den Eltern. Benutzen wir es so, erscheint die Vorstellung „westlicher Muslime“ als Widerspruch.

     

    Sitzt man aber in einer Freitagspredigt in gebrochener Landessprache, hat diese kaum eine Bedeutung für die eigene Lebenswirklichkeit. Dann wird man feststellen, dass man auch nicht „östlich“ ist. „Ost“ und „West“ als verzerrte Begriffe sind mehrheitlich nutzlos für die Beschreibung komplexer kultureller Fragen. Im Westen lebende Muslime bewahren oft Aspekte der Kultur ihrer Vorfahren. Bisher wurde der Integration kultureller Differenzen keine Aufmerksamkeit geschenkt. Unterschiede haben eine Wirkung auf religiöse Gemeinschaften und eine gemeinsame Kultur scheint wichtig für die Bildung zusammenhängender Gemeinschaften zu sein.

     

    Selbst in den multikulturellen Gesellschaften des Westens tendieren Muslime dazu, sich aufgrund nationalistischer oder regionaler Aspekte zusammenzuschließen. Skizzieren wir die Eigenschaften westlicher Muslime, können wir begreifen, wie eine einheitliche muslimische Gemeinschaft gebildet werden kann. Anbei ein kurzes – zugegebenermaßen subjektives – Profil westlicher Muslime:

    1. Die Landessprache ist die erste (vielleicht einzige) Sprache westlicher Muslime. 2. Sie wachsen in einer westlichen Kultur auf, und 3. sie stehen vor Herausforderungen, wie sie im ­Westen üblich sind.

     

    Sprache: Auch wenn die Landessprache für die meisten Migranten eine Zweitsprache ist, ändert sich dies generell in der zweiten und dritten Generation. Selbst wenn die Heimatsprache bleibt, wird die lokale Sprache mit ziemlicher Sicherheit zur ersten Sprache westlicher Muslime. Die Kommunikation zwischen Muslimen unterschiedlicher Herkunft und die Einbindung von Konvertiten dürfte sich so verbessern.

     

    Kultur: Vom kulturellen Standpunkt unterscheiden sich im Westen erzogene Kinder deutlich von solchen, die anderswo aufwuchsen. Selbst wenn die jeweilige Sprache ausgezeichnet beherrscht wird, unterscheiden sich Einstellungen, Praktiken und Denken von nicht-westlichen Menschen häufig. Ein westlicher Muslim mag mehr kulturelle Gemeinsamkeiten mit einem westlichen Nichtmuslim haben.

     

    Kulturelle Gemeinschaften dürften auch weiterhin bestehen. Im Laufe der Zeit aber werden kollektive „westliche Einstellungen“ entscheidende Faktoren bei der Bildung von Gemeinschaften sein.

     

    Fragestellungen: Muslime sind nicht immun vor den Herausforderungen des Lebens. Tatsächlich gestalten einige Fundamente migrantischer Kultur das Leben im Westen schwierig. Haushalte mit zwei berufstätigen Elternteilen müssen mit den Anforderungen ihrer Berufstätigkeit fertig werden. Heute sind Frauen besser ausgebildet als jemals zuvor, was zu Veränderungen bei Geschlechterrollen führt. Da westliche Muslime diese Probleme im Rahmen einer religiösen Minderheit lösen müssen, braucht es Diskussionen und Lösungen, die über traditionelle Grenzen hinausgehen.

     

    Für viele Einwanderer ist die religiöse Gemeinschaft ein Ersatz für die Großfamilie, die sie zurückließen. Sie müssen sich anpassen, damit sie den Anforderungen im Westen entsprechen. Dafür braucht es eine massive Änderung von Einstellun­gen und Praktiken. Gelingt es westli­chen Muslimen, ererbte nationalistische Vorurteile aufzugeben? Bekommen ­gebildete Musliminnen eine größere Rolle in den Moscheen? Ist das kulturell definierte Führungspersonal in der Lage, diesen Übergang zu gestalten?

     

    Dies sind einige Fragen, die sich Muslimen stellen. Auch wenn Fortschritte bei ihrer Lösung erreicht wurden, gibt es noch viel zu tun. Muslime können eine wirklich multikulturelle, muslimische Gemeinschaft schaffen – mit eigenen Traditionen, Kunst, Geschichten und Gewohnheiten. (Ali Ahmad)

     

    * Ali Ahmad ist Redakteur von „The Western Muslim“. Er studierte Recht an der Universität Toronto und arbeitet augenblicklich in Qatar.

     

     

    Quelle: islamische-zeitung.de