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    Quran-Exegese

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    Die „Tafsir“ dient also dem Erschließen von Aussage und Bedeutung Quranischer Begriffe, Aussagen und Inhalte. Und da Worte und Texte des Quran mehr als eine Interpretations-Wahrscheinlichkeit haben können, wird die „Ta’wil“ – das weitmögliche Ergründen des eigentlichen Sinnes und Zieles der jeweiligen Ayat – hinzugezogen.

     

    Gesetzt der Fall, dass mehrere Wahrscheinlichkeiten gegeben sind, wird derjenigen Priorität beigemessen, die dem Offenkundigen des betreffenden Quranverses entspricht.

     

    Zu beachten ist, dass die Tafsir nicht in Widerspruch zur Ta’wil geraten darf. Beide – Tafsir und Ta ‚wil – haben dem gleichen Anliegen und Ziel zu gelten, nämlich der höchstmöglichen Aufklärung über Sinn und Bedeutung Quranischer Aussagen, das heißt also des Wortes des Erhabenen Gottes an die Menschen …, Seine Geschöpfe.

     

    Wer sich mit dem Wesen der „Tafsir“ und den Methoden der Mufassiran [1] – dass heißt jener, die sich um die „Tafsir“, die Erschließung des Quran bemühen – befasst, wird feststellen, wie leicht bei dieser Arbeit Irrtum und Ausgleiten möglich sind. Einige Quran-„Kommentatoren“ sind bedauerlicherweise dieser Gefahr in die Arme gelaufen und letztlich gestolpert und gestürzt.

     

    Das heißt, infolge der unqualifizierten Art und Weise, in der sie bei der Exegese Quranischer Texte vorgingen – mitunter stützten sie sich auf völlig unzuverlässige und gar fingierte Überlieferungen – entfernten sie sich immer mehr von Sinn und Ziel der Quranexegese sowie dem eigentlichen Anliegen der Ayat.

     

    Einige ließen sich sogar dazu herbei, den Quran nach eigenem Gusto und von ihrer eigenen subjektiven Warte aus zu betrachten und entsprechend „auszulegen“. Ohne sich auch nur den Deut um die wahren Zusammenhänge und Anliegen des Quran zu scheren, brachten sie seine Verse mit besonderen Ereignissen, Personen und Situationen in Bezug und „kommentierten“ in geradezu „vergewaltigender“ Weise.

     

    Einige Religionsphilosophen z. B. glichen Quranische Textstellen irgendwelchen Ansichten, Vorstellungen und Thesen an und ordneten somit das Wort Gottes ihrem eigenen Weltbild unter.

     

    Andere – Schriftsteller, Redner und Interpreten – gingen hin und „erklärten“ die Verse des Buches Gottes nach rein wissenschaftlichen, ökonomischen, sozialen und politischen Gesichtspunkten, ohne zu berücksichtigen, ob dieses der Quranischen Aussage und Wahrheit entsprach oder nicht. (Ganz abgesehen davon, dass wissenschaftliche Erkenntnisse – welcher Art auch immer – dem Wissensstand der gegebenen Zeit und Epoche entsprechen und ständig neue Erfahrungen und Kenntnisse hinzukommen, d. Ü.)

    Offensichtlich ist, dass durch derartige Praktiken das Wort Gottes missbraucht wird.

     

    Nicht wenige Kommentatoren – auch wenn sie zu Beginn wirklich nach der Wahrheit suchten – gerieten vom Wege ab und begannen, den Quran auf Geleise zu zerren, die ihrem Denken und Trachten genehm waren. Etwas, das vormals versucht wurde und bedauerlicherweise auch heute noch seitens mancher praktiziert wird.

     

    Etliche „Kommentatoren“ der verschiedensten Glaubensrichtungen – d.h. sunnitische als auch schiitische taten derartige Fehltritte, die sie dann durch irgendwelche Ansichten und Thesen zu rechtfertigen suchten. Eingehende Studien über eine echte, objektive Quran-Exegese machen jedoch deutlich, dass letztere derlei inkorrekte Methoden kategorisch verwirft und konkrete, objektive Richtlinien zur Quranerschließung an die Hand gibt.

     

    Wie wir vom Gesandten Gottes (s.), seiner Ahlul Bayt (a.) und aufrichtigen Gottesfreunden, Gelehrten und „Mufassiran“ [1] wissen, sind zur Exegese bestimmte Regeln und Grundsatze zu beachten, die ein objektives Erschließen, Begreifen und Verstehen des Quranischen Wortes ermöglichen. Wir möchten uns daher nun dem widmen, was uns Prophet Muhammad (s.), die unfehlbaren Imame (a.) und die Gelehrten der islamischen Ummah an zuverlässigen und fundamentalen Richtlinien zur Quran-Exegese als auch an Hinweisen und Bestimmungen, die dem Schutze dieser wichtigen und edlen Wissenschaft dienen, an die Hand geben. Auf dass mit ihrer Hilfe Wort und Wille Gottes so sorgfaltig und genau wie möglich erkannt und der Menschheit deutlich gemacht werden können …, zu deren eigenem Wohle und Halt.

     

    Tabrissi zitiert eine Riwayat, die Ahlul Bayt (a.) überliefert:

    Der Gesandte Gottes sprach:

    „Den Heiligen Quran zu kommentieren ist nur unter Hinzuziehung und Berücksichtigung der echten Sunnah und korrekter Riwayat gestattet!“ [2]

     

    Mit anderen Worten, diesen beiden fundamentalen Voraussetzungen zur „Tafsir“ ist unbedingt Genüge zu tun. Die Ahlul Bayt (a.) hielten sich genau an diese Weisung und wiesen Kommentationen, die diesen beiden Richtlinien nicht entsprachen, zurück.

     

    Ihre Devise war:

    „Tafsir Qur’an“ mit Hilfe des Quran! Das heißt, die Ayat sind unter Hinzuziehung und Berücksichtigung anderer Ayat zu ergründen und zu erklären.“

    „Tafsir Qur’an“ unter Hinzuziehung und Berücksichtigung echter Ahadith und Riwayat (Sunnah)!“

     

    Mit anderen Worten: Diesen beiden Grundsätzen und Richtlinien hat die Quranexegese zu entsprechen. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass auch dem Verstand eine wichtige und unbestreitbare Rolle bei dem Begreifen und Verstehen des Quran zukommt…, vorausgesetzt, dass er im gesetzten Rahmen (Heiliges Buch und Sunnah) bleibt.

     

    Prophet Muhammad sagte in diesem Zusammenhang:

    „Der Quran ist „zahm“ und verfügt über Möglichkeiten. Darum nutzt ihn in der würdigsten Weise!“ [3]

    Auch sagte er:

    „Macht den Quran offenkundig und erforscht seine Erstaunlichkeiten und Überraschungen.“ [4]

     

    Der Quran erkennt die Rolle des Verstandes bei der Exegese seiner Aussagen und Inhalte an und sagt über jene, die sich mit gewissenhafter Überlegung dieser Aufgabe widmen:

    „Jene werden ihn erschließen, die sich in ihn vertiefen und über ihn nachdenken.“

     

    Diejenigen aber, denen der Quran gleichgültig ist und die sich über seine Aussagen und Bedeutung keine Gedanken machen, tadelt er:

    „Denken sie denn über den Quran nicht nach oder ist es, dass ihre Herzen verschlossen sind?“ [Sure 47 : Vers 24]

     

    Einer korrekten „Tafsir“ liegen also drei wichtige und unerlässliche Momente und Richtlinien zugrunde:

    Tafsir mit Hilfe des Quran,

    Tafsir mit Hilfe der Sunnah,

    Tafsir mit Hilfe des Verstandes, der sich an Buch (Quran) und Sunnah getreulich hält.

     

    Wir sehen, dass die Prämisse zu einer rechten und objektiven Quran-Exegese (Erschließung) bzw. „Tafsir Qur’an“ in dem Beachten exakter Bestimmungen beruht. Inkorrekte, fingierte und tendenziöse Auslegungen aber, die dem Gusto des Auslegenden, dessen Weltbild oder zeitgemäßen Wertvorstellungen, wissenschaftlichen Erkenntnissen, philosophischen Auffassungen und dergleichen untergeordnet sind, oder aber Interpretationen, die sich auf unzuverlässige, nicht fundierte und der Quranischen Aussage widersprechende Überlieferungen stützen, entbehren jeglicher Glaubwürdigkeit und sind als haltlos und irreführend zu verwerfen. Sie stehen in krassem Gegensatz zur Methode der Ahlul Bayt (a.) und der deren Richtlinien gewissenhaft befolgenden Gelehrten bzw. Exegeten.

     

    Bedauerlicherweise sind es nicht wenige Interpretationen aus sunnitischer wie schiitischer Feder – die die subjektiven, inobjektiven Ansichten und Vorstellungen derer, die sie niederschrieben, widerspiegeln oder aber durch oberflächliche, seichte und gewissenlose Praktiken „geboren“ wurden. Interpretationen, die den Voraussetzungen einer redlichen islamischen Quranexegese nicht entsprechen und dem Geist des Quran völlig fremd sind. Derlei Kommentationen ist kein Wert beizumessen, nur solchen, die den genannten Richtlinien gerecht geworden sind.

     

    „Mufassir Qur’an“ 99 ist der, für den der Quran das „A und 0“ darstellt, nicht seine eigene subjektive Meinung oder ähnliches. Und er wiederum ist nicht das „A und 0“ der Muslime, sondern der Quran ist es, der für sie zählt. Seine korrekte und redliche Erläuterung – „Tafsir“ – aber, die den Voraussetzungen und Tatsachen entspricht, dient einem besseren Verständnis, Erkennen und Praktizieren des Wortes Gottes.

     

    In etlichen Riwayat der Imame (a.) wird vor unfundierten, haltlosen Aussagen und Erklärungen gewarnt. Imam Baqir (a.s.) sagte diesbezüglich:

    „Sagt das, was ihr wisst und schweigt zu dem, über das ihr keine Kenntnis habt. Gott ist wissender!
    Der Mensch greift sich eine Ayah aus dem Quran heraus, deutet sie und stürzt dabei in Abgründe, die tiefer sind als die Entfernung zwischen Himmel und Erde …“ [5]

     

    Von Imam Sadiq (a.s.) ist dieses Wort:

    „Kriterium und Prüfstein für alles sind Quran und Sunnah!“ [6]

     

    a) Tabrissi, „Magma’l Bayan“, Vorwort, S. 13
    b) „Ischtiqaq kabir“: Regelung in der arabischen Sprachlehre, dergemäß durch Buchstabenverschiebung aus der Wortwurzel weitere Worte entstehen. Wie: „fassara“ aus „safara“. Bei diesem Wort sind die Buchstaben „f“ und „s“ verschoben worden.
    c) Tafsir: Objektiv-wissenschaftliches Erklären und Erschließen des Quran-Textes, Mufassiran: Gelehrte, die den Quran-Text erschließen und erklären.

    Tabrissi: „Magma’l Bayan“, Vorwort, S. 13

    Tabrissi: „Magma’l Bayan“, Vorwort, S. 13

    Tabrissi: „Magma’l Bayan“, Vorwort, S. 13

    Behbudi, „Sahih al Kafi“, B. 1, S. 5

    Behbudi, „Sahih al Kafi“, B. 1, S. 11

     

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    Quelle: http://www.al-shia.eu/die%20ahlulbayt/ahlul-bayt/Quran-Exegese.htm

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