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    Sizilien

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    Sizilien
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    Sizilien ist die größte Mittelmeerinsel und gehört heute zu Italien. In der Vergangenheit war sie eine der Hauptverbindungen der islamischen Welt zu Südeuropa. Wenn also Andalusien als das erste Fenster der islamischen Welt zu Europa (Spanien) verstanden werden kann, so ist Sizilien das zweite Fenster. Über die islamische Zivilisation in Andalusien sind die meisten Menschen mehr oder weniger informiert. Jedoch ist den meisten von uns Sizilien unbekannt geblieben, obwohl die Muslime dort mehr als zwei Jahrhunderte geherrscht und tiefe Spuren hinterlassen haben.

     

    Im Jahre 820 n. Chr. begannen die Muslime von Nordafrika aus in Spanien und Sizilien einzudringen. Gegen Ende desselben Jahrhunderts wurde die gesamte Insel und einige Teile Süditaliens von Muslimen regiert. Die Wissenschaft und Kultur der Muslime Siziliens, das bis zum Jahre 1092 mehr als zwei Jahrhunderte vollständig von Muslimen regiert wurde, hinterließ auch in den Phasen danach tiefgreifende Einflüsse.

     

    Der Islam in Sizilien

     

    Sizilien, das im Jahre 700 v. Chr. durch die Einwanderung der Griechen hellenisiert und so zu einem Teil des antiken Griechenlands wurde, geriet im Jahre 262 v. Chr. unter die Herrschaft der Römer. Ab dem dritten Jahrhundert n. Chr. begann in diesem Territorium die Ausbreitung des Christentums. Danach wurde es ein Verwaltungsbezirk der Byzantiner. Zu Beginn der islamischen Expansion waren bei den ersten Feldzügen gegen Sizilien keine Eroberungen möglich. Aufgrund der starken Flotte der Byzantiner in diesem Gebiet konnten die Abbasiden in den ersten Jahren keine Expedition starten, hielten jedoch ihre Handelsbeziehungen weiterhin aufrecht. Der Prozess, der im Jahre 827 n. Chr. mit der Eroberung von Mazere begann, wurde im Jahre 902 n. Chr. mit der Einnahme der gesamten Insel beendet.

     

    Die Muslime, die ab diesem Datum Sizilien für über zwei Jahrhunderte unter ihrer Regentschaft gebracht hatten, gaben den Christen in dieser Zeit sehr weitreichende Rechte. In dieser Periode fand ein Austausch zwischen der islamischen, griechischen und römischen Kultur und Zivilisation statt, wodurch eine spezifische Kultur und Zivilisation auf der Insel entstand. Muslime und Christen konnten ihren Glauben bewahren und dadurch in gegenseitiger Toleranz miteinander leben. Der Historiker C. H. Haskins erwähnt, dass nirgendwo sonst lateinische, griechische und arabische Kulturen in Frieden und Toleranz nebeneinander existierten, wie es in Sizilien geschah. Die islamische Regierung in Sizilien war wie eine Herberge für Gelehrte und Forscher, da sie zum einen nicht gezwungen waren, an Kriegen teilzunehmen und zum anderen die Möglichkeit hatten, jedes Gebiet der islamischen Welt frei zu bereisen, um ihr Wissen zu erweitern. Des Weiteren installierten die Muslime Bewässerungskanäle, entwickelten landwirtschaftliche und industrielle Techniken und ermöglichten die Erhöhung des Wohlstandes. Später werden diese Techniken über Sizilien in die westliche Welt gelangen.

     

    Siziliens größte und die damals islamische Stadt Palermo konnte im 10. Jahrhundert eine Bevölkerung von 300 000 Einwohnern aufweisen. In deer Stadt befanden sich mehr als 300 Moscheen. Unter diesen befanden sich solche, in denen 7000 Menschen Platz fanden. Außerdem befanden sich in vielen dieser Moscheen Medresen, aus denen viele bekannte Gelehrte hervorgingen.

     

    Die Normannen- Dynastie

     

    Die Herrschaft der Muslime in Sizilien war nicht so langlebig wie in Spanien. Nachdem die Regierung der Insel am Ende des 11. Jahrhunderts von den Normannen übernommen wurde, eigneten sich die neuen Herrscher das Erbe der Muslime an und verinnerlichten ihre Regierungsgewohnheiten. Die islamische Kultur hatte die normannischen Herrscher dermaßen tief beeinflusst, dass sich auf ihren Höfen nahezu eine muslimische Lebensweise entwickelt hatte. Das Land erweckte unter der Herrschaft der Normannen eher den Anschein eines islamischen Staates, anstatt den eines christlichen. Die normannische Regierung vertraute auf die nahezu dreihundert Jahre lange Erfahrung der Muslime auf der Insel und führte in diesem Rahmen die islamische Regierungsweise fort, indem sie die Mehrheit der hohen Beamten beibehielt und die neuen aus den Reihen der Muslimen auswählte. Des Weiteren hat sie muslimische Gelehrte und Künstler am Hof versammelt und ihnen die Möglichkeit der Beschäftigung im Bereich der Bildung und der Künste gegeben. Unter den Sprachen, die am Hofe üblich waren, war Arabisch die am weitesten verbreitete. Außerdem deckte das von den Muslimen angewandte Zivilrecht die Bedürfnisse des Landes weitestgehend ab, so dass es die Normannen ohne eine Veränderung fortführten. Aus diesen Gründen kann behauptet werden, dass zur Zeit der Normannen das kulturelle und wirtschaftliche Leben der Muslime fortgeführt wurde.

     

    Friedrich II. und der Einfluss der islamischen Kultur auf Europa

     

    Auch nachdem die Normannen ihre Führung verloren hatten, bestand die islamische Kultur in Sizilien fort. Die Insel wurde im Jahre 1194 von der deutschen Staufer- Dynastie eingenommen. Die Epoche Friedrichs II. (1194 – 1250), der König von Sizilien und zugleich deutscher Kaiser war, war eine Zeit, in der der Hof von Palermo und die islamische Kultur und Zivilisation in Sizilien ihren Höhepunkt erreichten. Friedrich II. ließ für die Universität in Neapel, die in seinem Auftrag im Jahre 1224 erbaut worden war, zahlreiche handgeschriebene arabische Bücher sammeln und übersetzen. Somit galt er als der Vorreiter für die Übertragung des islamischen Wissens und der Kunst ins Lateinische. Indem er jeweils eine Kopie der Übersetzungen nach Paris und Polen schicken ließ, bewirkte er das Vordringen islamischen Wissens und islamischer Kultur bis in die Zentren Europas.

     

    Insbesondere seine – auch gegenüber Muslimen und Juden – tolerante Haltung ermöglichte es, in seiner Regierungszeit, die Grundsteine der europäischen Renaissance in Palermo, Florenz und Rom zu legen. Darüber hinaus blieb dieser Herrscher, der in seiner Gefolgschaft muslimische Wesire, Rechtsgelehrte und Offiziere unterhielt, aufgrund seines Interesses gegenüber dem Islam, immer in Kontakt mit berühmten Gelehrten der islamischen Welt. Er befragte sie über philosophische Themen wie die Ewigkeit des Seins, das Wesen der Seele und die Beziehung zwischen Glauben und Wissen. In seiner Zeit wurde neben Latein und Griechisch, Arabisch ebenfalls zur Amtssprache des Landes. Auf der anderen Seite wurde Friedrich II. beschuldigt, eher mit den Muslimen als mit den Christen in Kontakt zu stehen und wurde von Papst Georg II. aufgrund des Verdachtes auf außerchristliche Überzeugungen exkommuniziert.

     

    Sizilien nach dem Islam

     

    Die Staufer- Dynastie erlag im Jahre 1268 den Heeren des neapolitanischen Königs der Bourbonen- Dynastie. 1442 wurde Sizilien mit dem Königreich Neapel vereint. Nach dieser Periode ging in diesem Gebiet auch die muslimische Existenz verloren. Die Muslime in Sizilien und Italien wurden vermehrt christianisiert oder zur Auswanderung nach Afrika gezwungen. Sizilien, dessen islamischen Kultur nun erlosch und das den Weg in die europäische Geschichte einschlug, wurde ab 1861 Teil des italienischen Königreiches und gehörte anschließend zur Italienischen Republik. Forscher haben bis heute noch keine genauen Antworten gefunden, was mit den Muslimen passiert ist, die auxh nach der islamischen Zivilisation in Sizilien dort weitergelebt haben. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1990 zeigt, dass es in Sizilien etwa 30 000 Muslime gibt, die mehrheitlich aus Tunesien, Marokko und dem Senegal stammen und in den Städten Palermo, Ragusa, Catania und Agrigento leben.

     

     

    Quellen:

     

    -Sicilya, TDV İslam Ansiklopedisi, 37.cilt, s. 138-139

    -“İtalya’yı aydınlatan Sicilya güneşi”, Nazif Gürdoğan, Yeni Şafak, 14.11.2007

    -“Palermo’da 300 cami”, M. Ali Eren, Aksiyon, sy. 111, 18.01.1997