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    Somalia: Das vergessene Opfer des globalen Krieges des Westens gegen die islamische Bewegung

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    Man sollt nochmals  ein Schlüsselelement aus Somalias jüngerer Geschichte  aufsuchen: Seine kurze Periode des Friedens und der Stabilität unter der islamischen Regentschaft im Jahr 2006.

     

    Dazu kam es aufgrund des Auftretens der einhimischen islamischen Institutionen der Einheimischen  nach dem Zusammenbruch des somalischen Staates im Jahr 1991 .

     

    Zu Beginn des Monats September, als  die westliche Welt entweder  des zehnten Jahrestags der Attacke auf das World Trade Center und das Pentagon im Jahr 2001 gedachte oder sie über die weitaus größen Gräueltaten, welche von den USA durch die aggressive Ausnutzung des neunten Septembers als Folge ihres weltweiten imperialistischen Interesses ausgeübt werden, nachdachte.  Hilfsorganisationen in Nordkenia berichteten von einer steigenden Anzahl somalischer Flüchtlinge, welche über die Grenze kamen, um einer immer größer werdenden Hungersnot in Somalia zu entfliehen, und humanitäre Organisationen warnten, dass fast 750 000 Menschen bis zum Jahresende sterben könnten. Das sind weit mehr als die Todesopfer der Hungersnot im Jahre 1990.

     

    Nur wenige Leute werden einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Geschehen erkennen. Somalia ist schon dermaßen lange Thema in den Nachrichten gewesen, dass viele Leute hinsichtlich der dortigen Probleme gleichgültig wurden. Aber die Tatsache ist, dass an der gegenwärtigen Tragödie fast gänzlich die Auswirkungen der Strategien der USA als ein Teil ihres „Antiterrorkampfes“ seit dem 11. September schuld sind. Diese Folgen haben die Somalier daran gehindert, ihre eigenen Probleme effektiv anzugehen und haben anstatt Ordnung und Stabilität, welche durch die natürlichen Führer lokaler Gemeinden, die lokalen islamischen Bewegungen, geschaffen worden waren, Konflikte und Chaos vorangetrieben.

     

    Aus diesem Grund war Somalia im letzten Jahrzehnt Opfer heimlicher amerikanischer Militäroperationen, politischer Manipulationen und Alternativkriege- heiß und kalt- geworden, welche von lokalen Alliierten wie Äthiopien und Kenia geführt wurden. Das Ergebnis war, dass Somalia auf der gleichen Ebene der Hauptopfer bei dem Krieg gegen den Terror steht wie der Irak, Afghanistan und Pakistan, aber mit weniger internationaler Aufmerksamkeit, als wie sie jenen anderen Ländern zuteil geworden ist.

     

    Es ist fast unglaublich, mit welchem Bewusstsein die augenblickliche Situation anstatt des Gesamtbildes fokussiert wird. Auf diese Weise werden die gegenwärtigen Probleme in Somalia vollkommen dem Bürgerkrieg zwischen der Regierung Scherif Scheich Ahmeds und der islamischen Bewegung al-Schabab zugeschrieben, wobei al-Schabab mit einer Schimpfkanonade bedeckt wird, weil sie angeblich die Autorität einer legitimen, international anerkannten Regierung zu akzeptieren ablehnt. Dies ist eine vollkommen einseitige und unsachliche Darstellung der Situation, die mit der Behauptung gleichzusetzen ist, die Palästinenser würden sich selber Leid zufügen, weil sie nicht bereit sind, gegenüber den israelischen Besatzern zu kapitulieren. Aber unglücklicherweise ist aus verschiedenen Gründen die Notlage Somalias und deren Hintergrund wesentlich weniger als die Situation der muslimischen Gemeinden, welche anderswo auf ähnliche Weise leiden, bekannt.

     

    Ein Grund dafür ist, dass die Nachrichtenagenda in der muslimischen Welt fast ausschließlich das reflektiert, was die westliche Presse schreibt; und weil der Westen intensiv den Irak, Afghanistan, Pakistan und Palästina im Fokus hat, da er in allen genannten Fällen direkt mit einbezogen ist, wurde Somalia in den westlichen Medien und somit auch in den meisten muslimischen Medien ignoriert.

     

    Man sollte daher ein Schlüsselelement aus Somalias jüngerer Geschichte nochmals aufsuchen: seine kurze Periode des Friedens und der Stabilität unter der islamischen Regentschaft im Jahr 2006. Zu dieser kam es aufgrund des Auftretens islamischer Institutionen der einheimischen unteren Schichten nach dem Zusammenbruch des somalischen Staates im Jahr 1991. Da das Land 15 Jahre lang unter Gesetzlosigkeit und Chaos litt ohne effektive staatliche Institutionen zu besitzen, und Kriegsherren das Land mit brutaler Gewalt kontrollierten, mussten gewöhnliche Somalier ihr privates Leben einfach irgendwie meistern und so gut sie konnten überleben. Dafür brauchten sie Gemeindeinstitutionen, weshalb sie ihre eigenen gründeten, und zwar auf der Grundlage gemeinschaftlicher Werte, nämlich jenen des Islam und dessen traditionellen Führern, d.h. ihren Religionsgelehrten.

     

    Auf diese Weise kam die islamische Bewegung in Somalia von der unteren somalischen Gesellschaft her hoch, um den Bedürfnissen der normalen Bevölkerung in einem politischen und institutionellen Vakuum zu dienen. Diese Bewegung, welche sich im Laufe der Zeit den Bedürfnissen und Erwartungen der Somalier entsprechend entwickelt hatte, baute allmählich eine militärische Kraft auf, um die Somalier vor dem Missbrauch durch ihre Kriegsherren zu schützen. Im Juni 2006 trat die Islamische Gerichtsunion in Mogadischu in kraft, wobei sie nach eineinhalb Jahrzehnten Krieg und Anarchie Frieden und Stabilität in Somalias Hauptstadt brachte. Nach Berichten zahlreicher westlicher Medien zufolge konnten sich Einheimische und Fremde zum ersten Mal wieder sicher in der Stadt bewegen. Zum ersten Mal waren auf der Straße keine Gewehre mehr zu sehen und zum ersten Mal konnten Geschäfte, Schulen und Krankenhäuser ohne Furcht vor Angriffen arbeiten. Im Juli 2006 war der Flughafen in Mogadischu nach seiner Schließung im Jahre 1991 wieder für internationale Flüge geöffnet worden.

     

    Die Reaktion des Westens besagte viel. Nach Jahren des Ignorierens der Not der Somalier setzen die USA sofort die neue Regierung einem politischen Krieg aus. Nachdem alles fehlgeschlagen hatte, ermutigten sie Äthiopien im Dezember 2006 einzumarschieren, um den „Präsidenten“ Abdullahi Jusuf, einen weiteren Kriegsherrn, zu unterstützen. Anfangs unterstützten die USA Äthiopien aus dem Hinterhalt und nachdem Mogadischu einmal erobert und der Sieg sicher war, verstärkten sie ihre Hilfen, um die somalische vom Volk gewählte, einzig legitime Regierung durch Inszenierung von Serien mörderischer Luftangriffen auf Dörfer, welche sich den äthiopischen Regeln widersetzt hatten, zu stürzen. Die Marionettenregierung, welche von den Äthiopiern eingesetzt worden war, war internationaler Anerkennung sicher und die Tatsache, dass viele ICU Mitglieder und andere Somalier fortfuhren, sich gegen die Besetzung ihres Landes zu stellen, wurde als ein Zeugnis ihres Extremismus und ihrer terroristischen Tendenzen ausgegeben und diente damit somit post facto als eine Rechtfertigung des amerikanisch-äthiopischen Vorgehens.

     

    Vielleicht war es nicht zu vermeiden, dass Somalias spätere politische Geschichte noch komplizierter wurde. Die islamische Bewegung des Landes wurde sich darüber uneinig, wie man am besten angesichts der Tatsache der äthiopischen Besatzung und der Bestimmung des Westens, keine islamischen Gesetze im Land zuzulassen, weiter vorgehen sollte. In einem Muster, das weit davon entfernt ist, unbekannt zu sein, wünschte 2008 eine Fraktion unter dem früheren ICU Führer Scherif Scheich Ahmed ein Einverständnis mit der Marionettenregierung, bei dem die äthiopischen Truppen formal das Land verlassen würden, und Ahmed der Führer einer Koalitionsregierung nationalen Einheit, die von Äthiopien und dem Westen unterstützt wird, werden sollte. Wie auch immer, andere islamische Aktivisten, besonders die al-Schabab Gruppe, verwarfen diesen inakzeptablen Kompromiss, der einer Unterwerfung gleichkam, und halten seither militärischen Widerstand, jetzt in der Form eines Bürgerkrieges, der mehr gegen die Ahmed Regierung als gegen die fremde Besatzung gerichtet ist.

     

    Das Für und Wider dieser Positionen zu diskutieren würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Die Erfordernisse der Situation, in welcher sie sich sahen, haben zweifelsohne beide Parteien in Positionen, Ordnungen und Handlungen getrieben, welche ihre Unterstützer- und sie selbst- vorher für undenkbar gehalten hätten. Diese betreffenden Positionen und die Debatten ihrer Unterstützer zu analysieren, wäre eine nicht praktikable sinnlose Übung in widersprüchlichen Spekulationen.

     

    Wie auch immer, was klar ist und Muslime nicht vergessen dürfen, ist die Tatsache, dass die Muslime Somalias zumindest für eine kurze Zeit, die für ihre eigenen Antworten auf Probleme zur Verfügung stand, bewiesen, dass sie ihre eigenen Gemeindeinstitutionen und Führer aufstellen sowie ihre Probleme selber auf der Grundlage ihres Glaubens und Werte klären und lösen konnten.

     

    Sie zeigten ebenfalls, dass es für Muslime unterschiedlichen Islamverständnisses möglich war zusammen zu arbeiten, um eine islamische Ordnung hervorzubringen , welche für die von Sufis dominierten somalische Gesellschaft tauglich war. Die Muslime sollten sich außerdem der Antwort des Westens auf diese Situation erinnern: die Somalier in die Unterwerfung zu bombardieren und einem der ärmsten und schutzlosesten Völker auf der Erde erneut Chaos sowie Anarchie zu bescheren.

     

    Das ist die wahre Geschichte hinter den Berichten, die über die neue Massenhungersnot in Somalia eingehen, obwohl es eine Geschichte ist, die ignoriert wird, sobald der Westen mal wieder seine vermeintliche humanitäre Großzügigkeit hinausposaunt und – mit seiner gewöhnlichen marktschreierischen Heuchelei – angeblichen Extremismus, vermeintliche Unversöhnlichkeit und suggeriertes erbarmungsloses Eigeninteresse der islamischen Bewegung für alles Leid der Somalier verantwortlich macht.

     

    Quelle: Taghrib.ir