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    Tafsir/Exegese 111. Sure al-Masad (Die Palmenfasern) – Vers 1

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    Tafsir/Exegese 111. Sure al-Masad (Die Palmenfasern) – Vers 1

    تَبَّتْ يَدَا أَبِي لَهَبٍ وَتَبَّ ﴿1﴾
    (1) Zugrunde gehen sollen die (beiden) Hände Abu Lahabs und (auch er) soll zugrunde gehen.

     

    Diese Sure ist mekkanisch.

     

    Der Inhalt dieser Sure:

     

    Diese Sure ist mekkanisch und wurde zu Beginn der öffentlichen Einladung zum Islam offenbart. Sie ist die einzige Sure im Heiligen Quran, die einen der Feinde des Islams und des Propheten (s.) stark angreift und ihn dabei namentlich erwähnt und zwar: Abu Lahab. Aus der Sure wird ersichtlich, dass er eine große Feindschaft gegen den Gesandten Gottes (s.) hegte und dass er und seine Frau ihm (s.) jegliche Arten des Schadens zufügten. Der Heilige Quran äußerte offenkundig, dass sie zu den Höllenbewohnern gehören und keinen Weg zur Rettung mehr finden werden. Entsprechend der quranischen Prophezeiung starben beide schließlich in ihrem Unglauben.

     

    Offenbarungsgrund:

     

    Über ibn Abbas, dass er sinngemäß sagte: Als (der Vers) herab gesandt wurde „Und warne deine nächsten Stammesangehörigen“, wurde dem Propheten (s.) befohlen, seinen Stamm zu warnen und sie zum Islam einzuladen. Der Prophet (s.) stieg auf den Berg Safa und rief: „Oh Sabaha!“[1] Als die Leute in Mekka diesen Ruf hörten, fragten sie: „Wer ruft?“ Es wurde gesagt: „Muhammad.“ So näherten sie sich ihm und der Prophet (s.) begann alle arabischen Stämme bei ihrem Namen zu nennen, daraufhin sagte er ihnen: „Seht ihr, hätte ich euch gesagt, dass der Feind euch am Morgen oder Mittag (angreift), hättet ihr mir dann nicht geglaubt?“ Sie sagten: „Doch.“ Daraufhin sagte er: „Ich bin ein Warner für euch vor einer großen Qual.“ Daraufhin sagte Abu Lahab: „Mögest du zugrunde gehen! (Nur) aus diesem Grund hast du uns (alle) zusammengerufen?“ So sandte Allah (swt) diese Sure herab.[2]

     

    Es heißt, dass die Frau von Abu Lahab (Um Jamil) erfahren hat, dass diese Sure wegen ihr und ihrem Mann herab gesandt wurde. Daher ging sie zum Propheten (s.), ohne ihn jedoch vorzufinden. Sie trug einen Stein bei sich und rief dann: „Ich hörte, dass Muhammad (Verse) über mich erdichtete. Ich schwöre, wenn ich ihn sehe, so werde ich seinen Mund mit diesem Stein stopfen. Ich bin ebenso eine Dichterin.“ Daraufhin erdichtete sie Gedichte, in denen sie den Propheten und den Islam beleidigte.[3]

     

    Die Vorzüge dieser Sure:

     

    Bezüglich des Vorzugs dieser Sure gibt es eine Überlieferung vom Gesandten Gottes (s.), in der es heißt, dass er sagte: „Wer sie liest (gemeint ist Sure al-Masad), bei dem flehe ich zu Allah, dass er ihn und Abu Lahab nicht in einem Haus (im Jenseits) versammeln möge.“[4]

     

    Es ist klar, dass dieser Vorzug lediglich jenem zuteilwird, dessen Lebensweg sich von dem Lebenslweg von Abu Lahab unterscheidet und nicht dem, der diese Sure zwar mit seiner Zunge rezitiert, jedoch dessen Handlungen, den Handlungen von Abu Lahab ähneln.

     

    Und über Imam al-Sadiq (a.), dass er sagte: „Wenn ihr die (Sure) „tabat“ (Sure al-Masad) rezitiert, so spricht ein Bittgebet gegen Abu Lahab, denn er war von den Leugnern des Propheten (s.) und dem, womit er von Allah (swt) gekommen ist.“[5]

     

    (1) Zugrunde gehen sollen die (beiden) Hände Abu Lahabs und (auch er) soll zugrunde gehen.

     

    Exegese:

     

    Diese Sure antwortet (so wie bzgl. des Offenbarungsgrundes erwähnt) auf das Verhalten von Abu Lahab, dem Onkel des Propheten (s.) und Sohn von Ibn Abd al-Muttalib. Er gehörte zu den größten Feinden des Islams. Als der Prophet (s.) mit seiner offenen Einladung zum Islam unter den Qurayschiten begann und sie vor der göttlichen Strafe warnte, sagte er: „Mögest du zugrunde gehen. (Nur) aus diesem Grund hast du uns (alle) zusammengerufen?“ Und der heilige Quran antwortete auf diesen Mann, in dem er sagte: (1) Zugrunde gehen sollen die (beiden) Hände Abu Lahabs und (auch er) soll zugrunde gehen.

     

    Die arabischen Wörter „al-tabb“ und „al-taab“ haben die Bedeutung des andauernden Verlustes, gemäß al-Raghib al-Isfahani in seinem Werk „al-Mufradat“. Es wurde auch gesagt, dass damit der Verlust gemeint sei, der mit der Zerstörung endet, gemäß Allamah al-Tabrisi in seinem Werk „Majma‘ al-Bayan“. Der Verlust in diesem Vers könnte sowohl diesseitig als auch jenseitig sein.

     

    An dieser Stelle stellt sich die Frage, weshalb diese Person hier so nieder gemacht und dabei ihr Name genannt wurde, wobei dies in Wirklichkeit nicht der Vorgehensweise und Praxis des Heiligen Quran entspricht, vor allem nicht in dieser Härte?

     

    Der Grund wird uns einleuchten, wenn wir die Position Abu Lahabs gegenüber der Einladung des Propheten (s.) zum Islam verstehen. Sein eigentlicher Name ist „Abd al-‘Izza“ und sein Beiname lautete „Abu Lahab“ (Vater des Feuers) und es wurde gesagt, dass ihm dieser Beiname gegeben wurde, aufgrund der starken Röte in seinem Gesicht. Seine Frau hieß „Um Jamil“ und ist die Schwester von Abu Sufiyan und sie gehörte zu den größten Feinden des Gesandten Gottes (s.).

     

    In einer Überlieferung von Tariq al-Mahari heißt es, dass er sinngemäß sagte: „Während ich auf dem Markt war, sah ich einen Mann der rief: „Oh ihr Menschen, sagt „es gibt keine Gottheit außer Allah“, so erlangt ihr Erlösung.“. Daraufhin sah ich einen Mann hinter ihm, der ihn (mit etwas) bewarf und seine Beine und Achillessehne getroffen hat und sagte: „Oh ihr Menschen, er ist ein Lügner, glaubt ihm nicht.“ So fragte ich: „Wer ist das?“ So sagten sie: „Es ist Muhammad, er behauptet ein Prophet zu sein und (der andere) ist Abu Lahab, er behauptet, er (Muhammad) sei ein Lügner.“[6]

     

    Und in einer anderen Überlieferung heißt es sinngemäß: „Immer wenn eine Gruppe zum Propheten (s.) kam, haben sie Abu Lahab über ihn befragt, aufgrund seines hohen Alters und seiner Verwandtschaft mit dem Propheten (s.). Abu Lahab sagte ihnen stets: „Er ist ein Zauberer.“ Und so sind sie wieder gegangen, ohne ihn zu treffen. Einmal kam eine Gruppe, die sagte, dass sie nicht gehen werden, ohne ihn vorher gesehen zu haben. So sagte er ihnen: „Wir behandeln ihn immer noch von seiner Verrücktheit.“[7]

     

    Durch diese Überlieferungen können wir eindeutig erkennen, dass Abu Lahab den Propheten (s.) meistens wie seinen eigenen Schatten verfolgt hat. Es gab keinen Weg, um den Propheten zu verletzen, den er nicht gegangen ist. Und er beleidigte ihn mit den schmutzigsten Worten und warf ihm die schlimmsten Dinge vor. Daher galt er als der größte Feind des Propheten und seiner Botschaft.

     

    Aus all diesen Gründen wurde diese Sure offenbart, um Abu Lahab und seiner Frau eindeutig und stark zu antworten. Er war der einzige, der das Abkommen der Bani Hashim zum Schutze des Propheten (s.) nicht unterschrieben und sich dagegen aufgelehnt hat und auf der Seite der Feinde war. Aus all dem erwähnten erkennen wir die Ausnahmesituation dieser Sure.

     

    [1] Dies war ein Ruf, den die Araber gerufen haben, wenn sie ein Überraschungsangriff ereilt hat, so dass alle Bescheid wissen und sich schnell Deckung begeben können. Dieser Ruf „Ya Sabaha“ (Oh Morgen) wurde gewählt, da die Überraschungsangriffe meistens früh am Morgen stattfanden.

    [2] Quelle: Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 446

    [3] Quelle:  Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 533

    [4] Quelle: Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 535

    [5] Quelle: Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 535

    [6] Quelle: Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 537

    [7] Quelle: Tafsir ul-Furqan, Band 30, Seite 503

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    Quelle: http://www.al-quran.de/tafsir/111/1.htm