islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Tafsir/Exegese 113. Sure Al-Falaq (Das Frühlicht) – Verse 1-2

    Tafsir/Exegese 113. Sure Al-Falaq (Das Frühlicht) – Verse 1-2

    Rate this post

     

    Tafsir/Exegese 113. Sure Al-Falaq (Das Frühlicht) – Verse 1-2

    قُلْ أَعُوذُ بِرَبِّ الْفَلَقِ ﴿1﴾ مِنْ شَرِّ مَا خَلَقَ ﴿2﴾
    (1) Sprich: Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn des Frühlichts. (2) Vor dem Übel dessen, was Er erschaffen hat.

    Diese Sure ist mekkanisch[1].

     

    Der Inhalt dieser Sure:

     

    Diese Sure enthält Anweisungen an den heiligen Propheten (s.) in seiner Stellung als Vorbild für die Menschheit und zur selben Zeit für die ganze Menschheit, dass sie Zuflucht nehmen sollen bei Allah vor dem Übel aller Übeltäter und dass sie sich auf Ihn verlassen und sich vor jedem Übel schützen sollen, indem sie sich an Ihn wenden.

     

    Offenbarungsgrund:

     

    Bezüglich des Offenbarungsgrundes dieser Sure, so gibt es einige Exegese-Werke, welche die Überlieferungen erwähnt haben, in denen es heißt, dass der heilige Prophet (s.) von dem Zauber einiger Juden beeinflusst und aus dem Grund krank geworden sein soll. Daraufhin soll Gabriel (a.) herabgestiegen sein und dem Propheten (s.) berichtet haben, dass sich das Zaubermittel, dass ihn beeinflusst und krank gemacht hat, in einem Brunnen befindet. Anschließend daran soll der Gesandte Gottes (s.) jemanden dahin geschickt haben, um dieses Zaubermittel daraus zu entfernen und rezitierte dann die Sure al-Falaq, woraufhin sich seine Gesundheit besserte.

     

    Es gibt verschiedene Meinungen zu diesen Überlieferungen, wobei die Mehrheit diese (und die Möglichkeit der Verzauberung des Propheten (s.)) ablehnt. Im Folgenden werden die Meinungen von vier Quran-Auslegern wiedergegeben:

     

    a. Ayatullah Makarim Shirazi in seinem Tafsir ul-Amthal[2]:

    Er ist der Meinung, dass diese Überlieferungen zweifelhaft sind und hat folgende Gründe genannt:

     

    1. Diese Sure ist seiner Meinung nach mekkanisch und sie entspricht dem bekannten Wortlaut und Stil mekkanischer Verse und der Prophet (s.) begegnete den Juden in Medina und das beweist, dass diese Überlieferungen gar keine Basis haben.

     

    2. Wenn die Juden mit ihrem Zauber das anrichten könnten, was sie angerichtet haben sollen, gemäß dieser Überlieferungen, so hätten sie die Möglichkeit gehabt ihn durch die Zauberei ganz einfach von seinen Zielen wegzulenken. Allah (swt) hat jedoch seinen Propheten (s.) beschützt und bewahrt, so dass er seiner Aufgabe als Prophet und Gesandter nachgehen kann.

     

    3. Wenn die Zauberei im Körper des Propheten (s.) das anstellen könnte, was es angeblich getan haben soll, so hätten sie ebenso die Möglichkeit gehabt, in seiner Seele einen Einfluss zu erzielen und somit wären seine Gedanken ein Spielzeug in den Händen der Zauberer gewesen und das führt dazu, dass das Vertrauen im Propheten zunichte geht und der heilige Quran antwortete auf jene, die dem Propheten vorgeworfen haben, verzaubert worden zu sein, indem er sagt: „..und die Ungerechten sagen: Ihr folgt lediglich einem verzauberten Mann. Schau, wie sie dir Gleichnisse aufgeführt haben. So sind sie abgeirrt, und vermögen keinen Weg zu finden.“ (Sure 25, Vers 8-9)

    Und das Wort „verzaubert“ soll hier sowohl für jenen gelten, den der Zauber in seinem Verstand als auch in seinem Körper getroffen hat.

     

    b. Allamah al-Tabrasi in seinem Werk „Majma‘ ul-Bayan“[3]:

     

    Auch Allamah al-Tabrasi ist der Meinung, dass diese Überlieferungen nicht wahr sein können, da jener, der als Verzauberter bezeichnet wird, gleich jenem ist, dessen Verstand durcheinander (verrückt) ist und dies hat Allah (swt) seiner Meinung nach in demselben Vers, wie dem obigen, widerlegt. Außerdem fügt er hinzu, dass es sein könnte, dass die Juden dies eventuell zwar versucht, allerdings nicht geschafft haben und das Allah (swt) seinen Propheten (s.) darin in Kenntnis gesetzt hat. Allerdings ist es nicht möglich, dass die Krankheit des Propheten (s.) von ihren Taten stammt, da sie, wenn sie wirklich Einfluss auf ihn haben könnten, sie ihn, sowie viele andere Gläubige, einfach getötet hätten, aufgrund ihrer Feindschaft gegenüber dem Islam und den Muslimen.

     

    c. Al-Sheikh al-Tuusi in seinem Werk „Al-Tibiyan fi Tafsir ul-Quran“[4]:

    Sheikh al-Tuusi führt dieselben Argumente auf, wie Allamah al-Tabrasi und vertritt dieselbe Meinung.

     

    d. Allamah al-Tabataba’i in seinem Werk „Tafsir ul-Mizaan“[5]:

    Sayyed Tabataba’i erwähnt, dass die Meinungen, welche diese Überlieferungen abgelehnt haben, es damit begründeten, dass der Prophet bewahrt sei vor dem Zauber und begründen es mit dem obigen Vers. Und er führt auf, dass man dem damit entgegnen könnte, dass mit der Verzauberung in dem Vers gemeint ist, dass sein Verstand nicht durch den Zauber beeinflusst werden kann, allerdings, gibt es keinen Beweis dafür, dass der Körper des Propheten (s.) davor geschützt sei, dadurch zu erkranken.

     

    Die Vorzüge dieser Sure:

     

    Es lassen sich bzgl. der Vorzüge dieser Sure einige Überlieferungen finden. Es folgen zwei davon:

     

    Über ‘Uqba bin ‘Amer, über den Gesandten Gottes (s.), dass er sagte: „Mir wurden Verse herabgesandt, deren gleichen mir keine herabgesandt wurden: (Und zwar) die zwei Zuflucht nehmenden (Suren).“[6]

     

    Über ‘Uqba bin ‘Amer, über den Gesandten Gottes (s.), dass er ihm sagte: „Oh ‘Uqba, soll ich dir zwei Suren lehren, welche die besten im Quran sind?“ Ich sagte: „Ja, oh Gesandter Gottes.“ So lehrte er mir die zwei Zuflucht nehmenden (Suren). Daraufhin verlas er sie im Morgengebet und sagte mir: „Verlies sie jedes Mal, wenn du aufwachst und schlafen gehst.“[7]

     

    Exegese:

     

    In dieser Sure sind die Worte an den Gesandten Gottes (s.) gerichtet mit Rücksichtnahme darauf, dass er das beispielhafte Vorbild für die Menschen darstellt.

     

    (1) Sprich: Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn des Frühlichts.

     

    Zuflucht zunehmen bedeutet, dass man sich vor dem Übel schützt und in Acht nimmt, in dem man sich jemandem unterordnet und bei ihm Schutz sucht, der fähig dazu ist, ihn zu bewahren und zu beschützen.[8]

     

    Das arabische Wort „falaq“ (Frühlicht) stammt von dem Wort „falaqa“ ab, welches zu Deutsch „spalten“ oder „trennen“ bedeutet. Und der Sonnenaufgang wurde aus dem Grund als „falaq“ bezeichnet, da das Frühlicht die Dunkelheit der Nacht spaltet.

     

    Es wurde ebenso gesagt, dass mit „al-falaq“ die Geburt aller lebendiger Existenzen gemeint sein könnte, seien es menschliche, tierische oder pflanzliche (Existenzen). Der Grund ist, dass die Geburt jener Existenzen, verknüpft ist an die Spaltung (falq) ihres Samens und die Geburt gehört zu den erstaunlichsten Stadien der Existenz der Lebewesen, da es eine Art Wandlung in den Stadien ihrer Existenz darstellt und ein Übergang von einer Welt in einer andere Welt durchmacht. Der Erhabene sagt: „Wahrlich, Allah ist der Spalter (faliq) des Korns und des Kerns (Der sie zum keimen bringt), Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor, und Er ist der Hervorbringer des Toten aus dem Lebendigen.“ (6.95)

     

    Es wurde auch gesagt, dass mit „al-falaq“ die gesamte Schöpfung gemeint sein könnte, da die Schöpfung eine Spaltung des Schleiers der Nicht-Existenz darstellt, so dass das Licht der Existenz durchstrahlen kann.

     

    Jedes dieser drei Bedeutungen (der Sonnenaufgang, die Geburt der lebendigen Existenzen, sowie die Schöpfung aller Existenzen) weisen auf erstaunliche Phänomene hin, welche auf die Großartigkeit des Herrn und Schöpfers hinweisen.

     

    In einigen Überlieferungen heißt es, dass „al-falaq“ ein großartiger Brunnen in der Hölle ist und es scheint, als wäre eine Spaltung in seinem Inneren. Und es könnte sein, dass diese Überlieferungen auf eine der Bedeutungen dieses Wortes hindeuten und nicht den weiten Bedeutungsradius des Wortes „falaq“ auf dieses eingrenzen sollen.

     

    (2) Vor dem Übel dessen, was Er erschaffen hat.

     

    Exegese:

     

    Damit ist das Übel aller Lebewesen gemeint, sei es von den Menschen, Geisteswesen (Jinn), Tieren oder  das Übel der „Übel befehlenden“ Seele (al-Nafs ul-Ammara bil-suu‘). Allerdings soll das nicht bedeuten, dass die göttliche Schöpfung von Grund auf auf Übel basiert. Viel mehr entspringt das Übel von den Geschöpfen selbst, indem sie irregehen und sich nicht auf dem ihnen vorgeschriebenen Weg fortbewegen. Zum Beispiel gelten die Hörner der Tiere als eine Art Schutz vor ihren Feinden, um sich verteidigen zu können, genauso wie sich die Menschen mit ihren Waffen vor ihren Feinden schützen. Wenn die Waffen jedoch falsch eingesetzt werden, um z.B. Unschuldige zu töten, so wäre dies ein Übel, was von ihnen selbst ausgeht und nichts mit der Schöpfung der Menschen an sich zu tun hat.

     

    Es ist wichtig an dieser Stelle anzumerken, dass wir viele Dinge als Übel ansehen, obwohl es, wenn wir es tiefgründiger betrachten in Wirklichkeit viel Gutes beinhaltet, wie z.B. Unheil und andere Prüfungen, welche den Menschen aufwecken und ihn aus seinem Schlaf der Unachtsamkeit reißen und dazu bringen sich wieder in Richtung Nähe Allahs (swt) fortzubewegen und dies gilt eindeutig nicht als Übel.

     

    [1] Es herrscht Uneinigkeit unter den Quran-Auslegern (Mufasirin) bzgl. dem Ort, an dem diese Sure herab gesandt wurde. Einige sagten sie sei mekkanisch und andere sie sei medinisch. Allerdings lässt der Aufbau der Verse darauf hindeuten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie mekkanisch ist, höher ist.

    [2] Quelle: Tafsir ul-Amthal, Band 15, Seite 615

    [3] Quelle: Majma‘ al-Bayan, Band 10, Seite 555

    [4] Quelle: Al-Tibiyan fi Tafsir ul-Quran, Band 10, Seite 434

    [5] Quelle: Al-Mizan, Band 20, Seite 457

    [6] Quelle: Tafsir Nour ul-Thaqalayn, Band 5, Seite 716, Hadith Nr. 3

    [7] Quelle: Tafsir Nour ul-Thaqalayn, Band 5, Seite 716, Hadith Nr. 4

    [8] Quelle: Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 454

     

    *******

    Quelle: http://www.al-quran.de/tafsir/113/1.htm