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    Tafsir/Exegese 113. Sure Al-Falaq (Das Frühlicht) – Verse 3-5

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    Tafsir/Exegese 113. Sure Al-Falaq (Das Frühlicht) – Verse 3-5

     

    وَمِنْ شَرِّ غَاسِقٍ إِذَا وَقَبَ ﴿3﴾ وَمِنْ شَرِّ النَّفَّاثَاتِ فِي الْعُقَدِ ﴿4﴾ وَمِنْ شَرِّ حَاسِدٍ إِذَا حَسَدَ ﴿5﴾
    (3) Und vor dem Übel der Finsternis, wenn sie hereinbricht. (4) Und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen. (5) Und vor dem Übel eines Neiders, wenn er neidet.

     

    (3) Und vor dem Übel der Finsternis, wenn sie hereinbricht.

     

    Exegese:

     

    Gemäß Allamah Tabataba’i  stammt das arabische Wort „ghasiq“ von dem Wort „al-ghasaq“ ab und bedeutet „Abenddämmerung“ und das Wort „waqab“ bedeutet „eintreten“. Zusammengefasst soll der Vers also aussagen: „Und vor dem Übel der Abenddämmerung, wenn sie eintritt/hereinbricht.“ Das Übel wurde hier der Nacht zugeschrieben, da die Dunkelheit den üblen Wesen dabei verhilft und sie schützt und bedeckt, um ihr Unheil zu treiben und daher geschieht in der Nacht mehr Unheil als am Tag.[1]

     

    Ayatullah Makarim Shirazi hingegen sagt in seinem Werk, dass das arabische Wort „ghasiq“ von dem Wort „al-ghasaq“ abstammt und „Finsternis“ bedeutet, nicht Abenddämmerung, womit die starke Dunkelheit zur Mitternachtszeit gemeint sei.[2] Aus diesem Grund sagt der heilige Quran auch, auf das Ende der Zeit, in der das Abendgebet nicht mehr verrichtet werden kann, hindeutend: „…bis die Finsternis (ghasaq) der Nacht eintritt.“ (17.78)

     

    Im Gegensatz zu Allamah Tabataba’i, sagt er auch, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass mit Wort „al-ghasaq“ die Dunkelheit zu Beginn des Abends, sprich die Abenddämmerung gemeint sein könnte, da das Wort ursprünglich die Bedeutung der Fülle (al-‘imtila‘) und des Fließens (sayalaan) hat und die Finsternis füllt die Nacht, wenn es Mitternacht ist und nicht zur Abenddämmerung. Eine andere Bedeutung des Wortes ist allerdings auch „der Angriff/Sturm“ und dieses könnte in diesem Vers am wahrscheinlichsten gemeint sein.

     

    Das bedeutet, dass in dem Vers die Rede von folgendem ist: Dem Angreifer oder dem üblen Wesen, dass die Dunkelheit der Nacht nutzt und sich damit bedeckt, um Angriffe ausführen zu können. Dabei sind es nicht nur die wilden Tiere, welche in der Nacht aktiv werden und andere verletzen, sondern auch andere üble Wesen nutzen die Nacht, um ihre falschen Ziele zu verwirklichen.

     

    Das arabische Wort „waqaba“ stammt von dem Wort „al-waqab“ ab und bedeutet „Grube“. Daraufhin wurde das Wort „waqaba“ im Arabischen für den Eintritt in die Grube benutzt. Und es scheint, als würden diese bösartigen Lebewesen die Dunkelheit der Nacht ausnutzen, um ihre Pläne in dieser Grube zu schmieden und umzusetzen.

     

    (4) Und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen.

     

    Exegese:

     

    Das arabische Wort „nafathat“ stammt von dem Wort „al-nafath“ ab und damit ist das „spucken“ gemeint und da man während dem Spucken den Speichel herausbläst, wurde dieses Wort auch mit der Bedeutung des „Blasens“ benutzt. Das Wort „‘uqad“ ist die Pluralform des Wortes „‘uqdah“, welches „Knoten“  bedeutet.

     

    Viele Quran-Ausleger haben gesagt, dass mit den „nafathat“ die weiblichen Zauberer gemeint seien und dass dieses Wort die Plural- und Intensivierungsform[3] von dem ursprünglichen Wort „nafatha“ sei. Und diese Frauen haben damals eine Art Zauber ausgeführt, indem sie auf Knoten (‘uqad) geblasen haben, um sie zu lösen. Der Grund, weshalb nur die Frauen genannt wurden, liegt darin, dass die meisten Zauberer damals weiblich waren.

     

    Es wurde auch gesagt, dass es eine Andeutung auf die Frauen sein könnte, welche in die Ohren der Männer und vor allem der Ehemänner, geflüstert haben, um ihre Willen zu schwächen und sie von ihren Frauen zu trennen, so wie es in einem anderen Quranvers in der Sure Baqarah, Vers 102 lautet: „..Und so lernten sie von den beiden das, womit sie zwischen dem Mann und seiner Gattin Zwietracht herbeiführen können. Doch sie fügten damit niemandem Schaden zu, es sei denn mit der Ermächtigung Allahs.“

     

    An dieser Stelle ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass auch wenn der Vers auf den Zauber der weiblichen Zauberer hinweisen sollte, dies kein Beweis für den angeblichen Offenbarungsgrund dieser Sure ist, der von einigen Quran-Auslegern genannt wurde.[4] Viel mehr weist dies daraufhin, dass der heilige Prophet (s.) bei Allah (swt) Zuflucht genommen hat vor dem Übel der Zauberer. Und das ist so, wie wenn jemand bei Allah (swt) Zuflucht nimmt vor einer gewissen Krankheit, ohne, dass sie ihn überhaupt befallen hat.

     

    (5) Und vor dem Übel eines Neiders, wenn er neidet.

     

    Exegese:

     

    Neid ist eine der schlimmsten und schlechtesten Eigenschaften überhaupt, die ein Mensch haben kann, da der Neider sich dabei wünscht, dass das Gute was bei einer anderen Person vorhanden ist, von ihr genommen wird, auch wenn sich der Neider dieses nicht für sich selbst wünscht. Allerdings gibt es eine Form der guter Eifersucht, welche sehr gepriesen ist und zwar, dass man sich das Gute, was bei jemand anderem vorhanden ist, ebenso für sich selbst wünscht, jedoch ohne, dass es der anderen Person genommen wird.[5]

     

    Und in dem Vers wird dazu aufgerufen Zuflucht zu nehmen vor der Person, die vom Neid befallen ist, da Neider meistens nicht mit ansehen können, wie jemand anderem etwas Gutes geschieht und daher alles dafür tun, damit es ihr genommen wird. Es wurde auch gesagt, dass dieser Vers den bösen Blick miteinschließt, da der böse Block eine der Formen des seelischen Neides ist.[6]

     

    [1] Siehe: Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 455

    [2] Gemäß al-Raghib al-Isfahani in seinem Werk „Mufradat gharib ul-Quran“, Band 1, Seite 474

    [3] Arab.: „sighat mubalagha“. „Sie sind Adjektive, die in der Regel auf die intensive Bedeutung des Partizip Aktivs hinweisen.“, siehe: „Die Säulen des Arabischen“ von Yusuf Üretmek, Seite 626.

    [4] Siehe: Der Offenbarungsgrund der Sure al-Falaq

    [5] Quelle: Tafsir al-Bayan, Band 10, Seite 434

    [6] Quelle: Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 455

     

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    Quelle: http://www.al-quran.de/tafsir/113/3.htm