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    „Taqlid“ – die religiöse Nachahmung (Teil 3): „Idschtihad“ und „Taqlid“ in den reinen Schriften und Quellen

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    Da die Hauptquellen der religiösen Rechtsurteile, nämlich der heilige Qur’an und die gesegnete Sunnah [1] des heiligen Propheten und seiner Ahl al Bayt (a.), bis zum heutigen Tage erhalten blieben, wurde der „Idschtihād“ (Anstrengung) stets weiter geführt und als eine wissenschaftliche Lehre gefestigt, um jene Quellen zu analysieren und aus ihnen die religiösen Rechtsurteile zu extrahieren. Dies ist auch ein Grund, wieso der religiös Erwachsene nicht auf ein religiöses Rechtsurteil von Gelehrten beharren sollte, welche vor einigen Jahrhunderten gelebt haben, da die Anstrengungen und Analysen und Studium stets weiter geführt und ausgebaut wurden. Ansonsten wäre es so, als würde man sich immer noch auf die medizinische Heilkunde des Mittelalters verlassen und die neuste und moderne Technologie verwerfen, obwohl sie tiefreichender ist. Deshalb ist das Verhältnis des Nachahmers zum Vorbild der Nachahmung [2] stets ein lebendiges und andauerndes Verhältnis. Der Rang eines (wahrhaftigen) Rechtsgelehrten ist insofern wichtig, als das er der allgemeine Vertreter des Imams (a.) hinsichtlich der religiösen Aspekte ist. Das Vorbild der Nachahmung ist damit in der Zeit der großen Verborgenheit das Zentrum der Menschen, um die religiösen Urteile zu erkennen.

     

    فَلَوْلاَ نَفَرَ مِنْ كُلِّ فِرْقَة ٍ مِنْهُمْ طَائِفَة ٌ لِيَتَفَقَّهُوا فِي الدِّينِ وَلِيُنذِرُوا قَوْمَهُمْ إِذَا رَجَعُوا إِلَيْهِمْ لَعَلَّهُمْ يَحْذَرُونَ

     

    Warum zieht denn nicht aus ihrer jeder Schar eine Gruppe aus, auf dass sie wohl bewandert würden in der Religion und nach ihrer Rückkehr zu ihrem Volk es warnen könnten, dass es sich vor Übel hüten mag? [3]

     

    Die Gelehrten wurden als die Erben der Propheten vorgestellt und dies geht auf eine Überlieferung über den heiligen Propheten (s.) zurück [4].

     

    محمد بن الحسن وعلي بن محمد، عن سهل بن زياد، ومحمد بن يحيى، عن أحمد بن محمد جميعا، عن جعفر بن محمد الاشعري، عن عبدالله بن ميمون القداح، وعلي بن إبراهيم، عن أبيه، عن حماد بن عيسى، عن القداح، عن أبي عبدالله عليه السلام قال: قال رسول الله صلى الله عليه وآله: إن العلماء ورثة الانبياء

     

    In ihren Händen befinden sich die Angelegenheiten, so wie es uns vom Fürsten der Gläubigen (a.) überliefert wurde, dass er sagte:

     

    ذلك بأن مجاري الامور والاحكام على أيدي العلماء بالله الامناء على حلاله وحرامه

     

    „Die Angelegenheiten und Urteile befinden sich in den Händen der Wissenden um Allah (Gelehrten), die Anvertrauten über Sein Erlaubtes und Verbotenes.“[5]

     

    So groß wie die Verantwortung ist, welche die islamische Gesetzgebung den religiösen Rechtsgelehrten zugesprochen hat, umso größer sind auch die Voraussetzungen und Bedingungen, wie beispielsweise die Gottesfurcht, der Glaube und die Redlichkeit, sowie das Aufnehmen von sämtlichem Wissen, damit sie auch tatsächlich als Erben der Propheten bezeichnet werden können. So wird uns von Imam Ĥassan al-`Askari überliefert, dass er sagte:

     

    فأما من كان من الفقهاء صائنا لنفسه ، حافظا لدينه ، مخالفا على هواه ، مطيعا لامر مولاه ، فللعوام أن يقلدوه

     

    „Wer von den Fuqaha (Rechtsgelehrten) sich selbst zügelt, seine Religion schützt, gegen seine Neigung und nach dem Befehl seines Herrn handelt, so müssen die normalen Menschen ihn nachahmen (d.h. gemäß seinen Anordnungen handeln).“[6]

     

    In einer anderen Überlieferung, welche auf Imam Al-Sadiq (a.) zurückgeht, heißt es:

     

    وعن أحمد بن محمد بن الهيثم ، عن أحمد بن يحيى ، عن بكر بن عبدالله ، عن تميم بن بهلول ، عن أبيه ، عن محمد بن سنان ، عن حمزة بن حمران ، قال : سمعت أبا عبدالله ( عليه السلام ) يقول : من استأكل بعلمه افتقر ، قلت : إن في شيعتك قوما يتحملون علومكم ، ويبثونها في شيعتكم ، فلا يعدمون منهم البر والصلة والاكرام فقال :ليس اولئك بمستأكلين ، إنما ذاك الذي يفتي بغير علم ولا هدى من الله ، ليبطل به الحقوق ، طمعا في حطام الدنيا

     

    „Wer sein falsches Wissen verkauft, erleidet die Armut.“ Ich sagte: „In euren Anhängern befinden sich jene, welche euer Wissen tragen und es unter euren Anhängern verbreiten und dennoch von den Leuten angesehen und besucht und respektiert werden.“ Da sagte er (a.): „Diejenigen gehören nicht dazu. Betroffen sind die, welche ohne Wissen und ohne Rechtleitung heraus Rechtsurteile erlassen gierig die Güter des Diesseits sammeln.“[7]

     

    Ähnliche Überlieferungen finden wir ebenso bezüglich des heiligen Gesandten Gottes Muhammad (s.).

     

    علي، عن أبيه، عن النوفلي، عن السكوني، عن أبي عبدالله عليه السلام قال: قال رسول الله صلى الله عليه وآله: الفقهاء امناء الرسل ما لم يدخلوا في الدنيا قيل يا رسول الله: وما دخولهم في الدنيا؟ قال: اتباع السلطان فإذا فعلوا ذلك فاحذروهم على دينكم.

     

    „Die Rechtsgelehrten sind die Anvertrauten der Propheten, solange sie nicht dem Diesseits verfallen.“ Er wurde gefragt: „O Gesandter Allahs, und was ist das Verfallen zum Diesseits?“ Er (s.) antwortete: „Das Folgen des Sultan [8]. Wenn sie dies tun, dann gebt Acht vor ihnen für eure Religion.“[9]

     

    Viele Überlieferungen weisen uns darauf hin, dass die Religion niemals von ihren Gelehrten getrennt werden kann. Es sind die Gelehrte, welche ein tiefgründiges Verständnis besitzen, sowie fähig sind, seine Lehren den anderen zu übermitteln und die falschen Behauptungen allesamt zu widerlegen. Diesen Aspekt machte der Gesandte Gottes (s.) in der folgenden Überlieferung deutlich.

     

    وعن محمد بن مسعود ، عن محمد بن علي بن فيروزان القمي ، عن أحمد بن محمد بن خالد البرقي ، عن أحمد بن محمد بن أبي نصر ، عن إسماعيل بن جابر ، عن أبي عبدالله ، قال قال رسول الله يحمل هذا الدين في كل قرن عدول ، ينفون عنه تأويل المبطلين ، وتحريف الغالين ، وانتحال الجاهلين ، كما ينفي الكير خبث الحديد .

     

    „Die Religion wird in jeder Epoche von Gerechten getragen. Sie widerlegen die falschen Interpretationen der Unwissenden, die Irreleitungen der Übertreiber und decken die Falschheiten der Unwissenden auf, welche eine hohe Position bekleidet haben.“ [10]

     

    Der heilige Qur’an selbst macht den Menschen darauf aufmerksam, dass er im Falle der Unwissenheit die Experten und Wissenden befragen soll.

     

    فَاسْأَلُوا أَهْلَ الذِّكْرِ إِنْ كُنْتُمْ لاَ تَعْلَمُونَ

     

    so fragt die, welche die Ermahnung besitzen, wenn ihr nicht wisst [11]

     

    Das Schauen in das Gesicht eines Rechtsgelehrten wurde als Gottesdienst bezeichnet, damit die Menschen motiviert werden, bei Unwissenheit zu ihnen zurück zu kehren und das Wissen und die Rechtsurteile von ihnen zu entnehmen. Viele Überlieferungen bestätigen uns diese Tatsache.

     

    وعن محمد بن عبدالله الحميري ، ومحمد بن يحيى جميعا ، عن عبدالله بن جعفر الحميري ، عن أحمد بن إسحاق ، عن أبي الحسن ( عليه السلام ) ، قال : سألته وقلت من اعامل و عمن آخذ وقول من أقبل ؟ فقال : العمري ثقتي ، فما أدى إليك عني فعني يؤدي ، وما قال لك عني فعني يقول ، فاسمع له وأطع ، فإنه الثقة المأمون

     قال : وسألت أبا محمد ( عليه السلام ) عن مثل ذلك ، فقال : العمري وابنه ثقتان ، فما أديا إليك عني فعني يؤديان ، وما قالا لك فعني يقولان ، فاسمع لهما وأطعهما ، فانهما الثقتان المأمونان

     

    Von Aĥmad Ibn Isĥāq wird überliefert, dass er Imam Aba al-Ĥassan (a.) fragte: „An wen soll ich mich wenden und von wem entnehme ich (religiöse Urteile) und wessen Worte gehorche ich?“ Der Imam (a.) antwortete: „Al-`Umari ist mein Vertrauter, was er über mich sagt, das stammt von mir, so gehorche ihm, denn er ist der Vertrauenswürdige.“

     

    Ich fragte Aba Muĥammad (a.) eine ähnliche Frage und er antwortete: „Al-`Umari und sein Sohn sind meine Anvertrauten, was sie über mich sagen, das stammt von mir, so gehorche ihnen, denn sie sind Vertrauenswürdig.“[12]

     

    حدثنا محمد بن محمد بن عصام الكليني رضي الله عنه قال حدثنا محمد بن يعقوب الكليني ، عن إسحاق بن يعقوب قال سألت محمد بن عثمان العمري رضي الله عنه أن يوصل لي كتابا قد سألت فيه عن مسائل أشكلت علي فورد التوقيع بخط مولانا صاحب الزمان عليه السلام

     

    وأما الحوادث الواقعة فارجعوا فيها إلى رواة حديثنا فانهم حجتي عليكم وأنا حجة الله

     

    Von Isĥāq Ibn Ya’qoob wird berichtet, dass er sagte: Ich habe Muĥammad Ibn `Uthmān al-`Umari darum gebeten, (dem Imam al-Mahdi) ein Buch von mir zu reichen, in dem ich einige Fragen gestellt habe, die mir ein Problem bereiteten. Da antwortete der Imam (a.) mit seiner eigenen heiligen Schrift: „Was deine Fragen betrifft, möge Allah Dich rechtleiten und befestigen, (und so fängt der Imam (a.) mit der Beantwortung der Fragen an, bis er die folgende Stelle erreicht): Was die eintretenden Ereignisse betrifft, so kehrt zu den Berichterstattern unserer Überlieferungen zurück, denn sie sind mein Zeichen über Euch und ich bin das Zeichen Allahs.“[13]

     

    Die Frage, die sich bei dieser Überlieferung stellen mag ist, wieso der heilige Imam von „Berichterstattern“ spricht und nicht von Gelehrten oder „Fuqahā“. Der Grund hierfür mag darin liegen, dass die Gelehrten der Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) nicht aus eigener Meinung handeln oder den religiös unzulässigen Analogieschluss (Qiyās) verwenden. Ihre Rechtsurteile haben die reinen Überlieferungen und Qur’anverse als Basis und damit sind sie letztendlich nicht mehr als die Berichterstatter der reinen Imame.

     

     

    [1] Bezeichnet die Verfahrensweise des heiligen Propheten (s.) und seiner reinen Ahl al Bayt (a.)

    [2] Arab.: „Marja‘“ – مرجع – bezeichnet den Rechtsgelehrten, der zur selbstständigen Rechtsfindung (Idschtihād) befugt ist und zu dem der Nachahmer (Muqallid) bei Fragen zurückkehrt. Er ist damit ein Vorbild der Nachahmung.

    [3] Der heilige Qur’an: Sure 9, Vers 122

    [4] Al-Schaykh al-Kulayni: „Usool al-Kāfi“, Band 1, „Kitāb Fadhl al-`Ilm“, Bāb Thawāb Al-`Alim wa al-Muta’alim, S. 34, Hadithnummer 1

    [5] Al-Schayk al-Thiqa al-Jaleel Abu Muĥammad Ibn Schu’ba al-Ĥarrani: „Tuĥf al-`Uquul `an Aal al-Rasul“, S. 238

    [6] Al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasa’el al-Shia“, „Kitab al-Qadhā”, Bāb 10, Hadithnummer 33401, Band 27, S. 131

    [7] Al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasa’el al-Shia“, „Kitab al-Qadhā”, Bāb 11, Hadithnummer 33427, Band 27, S. 141

    [8] Unrechtmäßiger Herrscher oder Despot

    [9] Al-Schaykh al-Kulayni: „Usool al-Kāfi“, Band 1, „Kitāb Fadhl al-`Ilm“, Bāb Al-Musta’kil bi `Ilmih, S. 46, Hadithnummer 5

    [10] Al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasa’el al-Shia“, „Kitab al-Qadhā”, Bāb 11, Hadithnummer 33458, Band 27, S. 150

    [11] Der heilige Qur’an: Sure 16, Vers 43

    [12] Al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasa’el al-Shia“, „Kitab al-Qadhā”, Bāb 11, Hadithnummer 33419, Band 27, S. 138

    [13] Al-Schaykh al-Saduq: „Kamāl al-Deen wa Tamām al-Ni’ma“, S. 484

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de/rechtswissenschaft