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    „Taqlid“ – die religiöse Nachahmung (Teil 1): Wie entstand die Notwendigkeit zur selbstständigen Rechtsfindung?

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    „Taqlid“ bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch die Nachahmung eines religiösen Rechtsgelehrten. Genauer gesagt bedeutet „Taqlid“, dass der religiöse Gläubige, der nicht zur selbstständigen Rechtsfindung befugt ist, gemäß den Rechtsurteilen eines Experten handelt und diese Taten wie eine Kette (arab. „al-Qilade“) an seinem Hals legt. Die Bedingungen, Voraussetzungen und Verantwortung des religiösen Experten sind dementsprechend hoch.

     

    عن أبي محمد العسكري عليه السلام

    فأما من كان من الفقهاء صائنا لنفسه ، حافظا لدينه ، مخالفا على هواه ، مطيعا لامر مولاه ، فللعوام أن يقلدوه

     

    Es wird von Imam Hassan al-Askari (a.) überliefert, dass er sagte:

     

    „Wer von den Fuqaha sich selbst zügelt, seine Religion schützt, gegen seine Neigung und nach dem Befehl seines Herrn handelt, so müssen die normalen Menschen ihn nachahmen.“

    [Al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasa’el al-Shia“, Band 27, S. 131, Hadithnummer 33401]

     

     

    Inhaltsverzeichnis

     

    1. Wie entstand die Notwendigkeit zur selbstständigen Rechtsfindung?

    2. Wie entstand die Notwendigkeit zur religiösen Nachahmung?

    2.1 Die erlaubte und verbotene Nachahmung

    3. „Idschtihad“ und „Taqlid“ in den heiligen Schriften und Quellen

    4. Die religiöse Nachahmung in den Glaubensüberzeugungen

    4.1 Die grundlegenden Glaubensüberzeugungen

    4.2 Die Zweige in den Glaubensüberzeugungen

    5. Zusammenfassung

     

     

    Nachdem der Mensch den Glauben an Allah (t.) angenommen und den Islam als Gesetzgebung [1] akzeptiert, sowie die Kenntnis erlangt hat, dass er für jede seiner Tat verantwortlich ist, verpflichtete er sich zur Verrichtung der Taten, welche die Gesetzgebung vorschreibt. Damit obliegt ihm die Pflicht, sich diese Informationen zu beschaffen und dafür gibt es insgesamt drei Wege:

     

    Selbstständige Rechtsfindung (Idschtihād – إجتهاد)

    Religiöse Nachahmung (Taqlid – تقليد)

    Verfahren auf dem Prinzip der Vorsorge (Iĥtiyāţ – إحتياط)

     

     

    1. Wie entstand die Notwendigkeit zur selbstständigen Rechtsfindung?

     

    Die Hauptquelle der religiösen Rechtsurteile ist der heilige Qur’an und die gesegnete Tradition und Verfahrensweise [2] des Gesandten Gottes Muhammad (s.). Diese Rechtsurteile waren jedoch für eine Vielzahl von Menschen aufgrund des großen zeitlichen Unterschiedes zum Zeitpunkt der Herabsendung nicht in greifbarer Nähe. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Angelegenheiten in den Quellen nicht direkt, unmittelbar und unmissverständlich benannt worden sind, sondern auch Platz für Interpretationen und Zweifel gelassen haben. So entstand die Notwendigkeit, diese Quellen zu analysieren und zu studieren.

     

    Diese wissenschaftliche Anstrengung wurde immer größer, je mehr sich der Mensch vom Zeitpunkt der Herabsendung entfernt hat, bis die zeitliche Differenz zwischen ihm und der Herabsendung ein großes Ausmaß annahm. Diese zeitliche Differenz sorgte unter anderem dafür, dass einige Wortlaute bezüglich den Überlieferungen verloren gingen, oder aber dass die Überlieferungsketten nochmals geprüft werden mussten. Des Weiteren wurden viele verfälschte Überlieferungen in Umlauf gesetzt und dadurch Lehren entstellt, welche aus diesem Grund mit der eigentlichen Botschaft nicht mehr viel gemeinsam hatten. All diese Aspekte machten es notwendig, dass eine genaue Analyse und ein genaues und detailliertes Studium der Quellen notwendig waren, um exakte Rechtsurteile zu extrahieren.

     

    Auch entstanden im Laufe der Zeit viele neue Angelegenheiten, worüber keine Überlieferungen oder Qur’anverse existierten und die Menschen damit überfordert waren, wie sie mit diesen neuen Begebenheiten umgehen sollten. Deshalb war es umso nötiger, dass die Hauptquellen studiert wurden und eine Lösung für die neu entstandenen Probleme gefunden werden konnten.

     

    All diese Aspekte und all diese Probleme und Fragen machten die Lehre der Rechtsfindung zu einer komplizierten, detaillierten und schwierigen Lehre, welche große Anstrengungen und großen Aufwand forderten.

     

     

    [1] Al-Schari’a – الشريعة

    [2] Sunna – السنة

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de/rechtswissenschaft