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    Teil 102: Sure An Nissa (Frauen) Verse 7- 10

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    Dieser Teil beginnt mit der Übersetzung des Koranverses 7 der Sure An Nissa: (4: 7- 10)

     

    لِّلرِّجَالِ نَصِيبٌ مِّمَّا تَرَكَ الْوَالِدَانِ وَالْأَقْرَبُونَ وَلِلنِّسَاءِ نَصِيبٌ مِّمَّا تَرَكَ الْوَالِدَانِ وَالْأَقْرَبُونَ مِمَّا قَلَّ مِنْهُ أَوْ كَثُرَ ۚ نَصِيبًا مَّفْرُوضًا

     

    „Von dem, was die Eltern und nächsten Verwandten hinterlassen, es mag wenig sein oder viel, steht den Männern ein (bestimmter) Anteil zu, desgleichen den Frauen. (Das gilt) als gesetzlicher Anteil.“ (4: 7)

     

    Wir sagten bereits, dass zu Beginn der Sure An Nissa Fragen der Familie, Ehe und Gesellschaft behandelt werden – zum Beispiel die Probleme von fürsorgelosen Hinterbliebenen.

     

    Der Koranvers 7 wurde dem Propheten offenbart als folgendes geschehen war: Ein treuer Gefährte Mohammads (s.a.s.) verstarb und hinterließ Frau und Kinder. Seine Kinder waren noch klein, und die Neffen dieses Gefährten des Propheten teilten dessen Erbe untereinander auf und seine Frau und Kinder gingen leer aus. Damit handelten sie nach einer Unsitte aus vorislamischer Zeit, der zufolge nur Krieger erben konnten, Frauen und Kinder aber nicht.

     

    Der Koranvers 7 verteidigt somit die Rechte der Frauen und Kinder und sagt: Die Frauen erben ebenso wie die Männer einen Anteil. Gott bestimmt einen Erbanteil für alle.

     

    Wir lernen also aus diesem Koranvers:

     

    Erstens: Der Islam ist keine Religion, die nur Anweisungen für die täglichen Gebete und zum Fasten gibt. Diese Religion beachtet auch die weltlichen Fragen und Probleme der Menschen. Deshalb macht er den wahren Glauben zum Beispiel auch von der Gerechtigkeit in finanziellen Fragen abhängig und schützt auf diese Weise die Rechte von Frauen und Waisen.

     

    Zweitens: Die Aufteilung des Erbes soll aufgrund göttlicher Anweisungen und nach dem Willen des Verstorbenen erfolgen, und nicht aufgrund der Bräuche, die in der Gesellschaft gelten.

     

    Drittens: Die Höhe des Erbes wirkt sich nicht auf die Art der Verteilung aus. Wichtig ist, dass keiner der Erben benachteiligt wird.

     

    Der 8. Vers von Sure 4 besagt nun folgendes:

     

    وَإِذَا حَضَرَ الْقِسْمَةَ أُولُو الْقُرْبَىٰ وَالْيَتَامَىٰ وَالْمَسَاكِينُ فَارْزُقُوهُم مِّنْهُ وَقُولُوا لَهُمْ قَوْلًا مَّعْرُوفًا

     

    „Und wenn bei der Teilung (der Erbschaft) Anverwandte, Waisen und Arme zugegen sind, dann lasst ihnen etwas davon (von dem Erbe) zukommen und sprecht ihnen freundlich zu!“ (4: 8)

     

    Die Beziehungen zu den Angehörigen und Verwandten können nur gestärkt und aufrecht erhalten werden, wenn sie sich freundlich und gütig gestalten. Während im Vers 7 ein Gebot für eine gesetzliche Erbteilung genannt wurde, werden im Koranvers 8 zwei moralische Empfehlungen gegeben. Sie lauten:

     

    Wenn nicht erbberechtigte Verwandte und ganz besonders, wenn Bedürftige aus der Familie bei der Verteilung des Erbes anwesend sind, soll ihnen etwas von dem Erbe, auch wenn sie gesetzlich keinen Anteil an der Hinterlassenschaft haben, gegeben werden. Die Erben sollten sich untereinander einigen und den Verwandten etwas von ihrem Erbe abgeben. Es könnte nämlich sein, dass die nicht am Erbe beteiligten und arme Verwandte die Erben beneiden oder insgeheim hassen und dadurch die verwandtschaftlichen Beziehungen darunter leiden. Eine Mitbeteiligung an der Erbschaft stärkt die familiären Bande.

     

    Auch soll darauf geachtet werden, dass man freundlich und angemessen mit den Bedürftigen unter den Verwandten spricht, damit sie sich nicht schlecht behandelt fühlen, weil sie arm sind.

     

    Der Vers 8 von Sure 4 lehrt uns:

     

    Erstens: Berücksichtigt die natürlichen Erwartungen der Bedürftigen. Ihr könnt ihnen bei den verschiedensten Gelegenheiten, abgesehen von dem was eure religiöse Pflicht ist, durch Geschenke usw. helfen und sie durch euer freundliches Verhalten spüren lassen, dass sie zur Familie gehören. Das stärkt die familiären Bande.

     

    Zweitens: Beugt Neid und Hass in der Familie vor.

     

    Nun kommen wir zum Inhalt des Verses 9 der Sure 4:

     

    وَلْيَخْشَ الَّذِينَ لَوْ تَرَكُوا مِنْ خَلْفِهِمْ ذُرِّيَّةً ضِعَافًا خَافُوا عَلَيْهِمْ فَلْيَتَّقُوا اللَّـهَ وَلْيَقُولُوا قَوْلًا سَدِيدًا

     

    „Und diejenigen, die um ihre minderjährigen (w. schwachen) Nachkommen in Sorge wären, wenn sie welche hinterlassen würden, sollen sich (davor, dass sie Minderjährige um ihr Recht bringen) in Acht nehmen. Und sie sollen Gott fürchten und sagen, was recht ist.“ (4: 9)

     

    Damit die Menschen Mitgefühl für die Lage der Waisen haben, fordert der Koran sie auf: Stellt euch vor ihr hättet selber schutzlose Kinder hinterlassen und die würden in die Obhut von hartherzigen Menschen fallen. Leuten, die weder auf deren Kummer und Sorgen achten, noch gerecht ihr Erbe verwalten.

     

    Der Koran sagt: Wenn ihr um die Zukunft eurer Kinder nach eurem Tod bangt, dann behandelt die Waisenkinder anderer gut und so wie es Gott euch rät. Ihr dürft sie schon gar nicht schlecht behandeln.

     

    Dem Vers 9 der Sure 4 entnehmen wir:

     

    Erstens: Behandelt die Waisen und Bedürftigen in der Gesellschaft auf die gleiche Weise, wie ihr es für eure hinterbliebenen Kinder wolltet.

     

    Zweitens: Unser freundliches Verhalten zu anderen bleibt in der Gesellschaft nicht ohne Widerhall. Nicht nur wenn wir leben, sondern auch nach unserem Tod, bleibt die Wirkung unseres Verhaltens bestehen und unsere Kinder werden sie spüren. Wir sollten also immer daran denken, welche Wirkung unser Verhalten, ob gut oder schlecht, auf die Gesellschaft hat.

     

    Drittens: Waisenkinder brauchen nicht nur Kleidung und Nahrung, sondern auch ihre Gefühle müssen berücksichtigt werden.

     

    Der nächste Koranvers ist Vers 10 der Sure 4, und in einer deutschen Übersetzung lautet er so:

     

    إِنَّ الَّذِينَ يَأْكُلُونَ أَمْوَالَ الْيَتَامَىٰ ظُلْمًا إِنَّمَا يَأْكُلُونَ فِي بُطُونِهِمْ نَارًا ۖ وَسَيَصْلَوْنَ سَعِيرًا

     

    „Diejenigen, die das Vermögen der Waisen zu Unrecht aufzehren, schlucken in ihren Bauch nichts anderes als Feuer. Und sie werden bald in einen Höllenbrand einkehren.“ (4: 10)

     

    Diese Koranstelle deutet auf etwas hin, was sich zunächst im Verborgenen und für uns unsichtbar abspielt. Von außen gesehen hat jemand, der das Vermögen eines Waisenkindes an sich reißt, dieses Vermögen aufgezehrt, aber in Wahrheit ist es wie Feuer, das er in sich hineinschluckt und dies wird erst am Tag des Jüngsten Gerichtes zu sehen sein. Dann wird all unser Tun wahre Gestalt annehmen. Alles Tun des Menschen hat nämlich eine äußere und eine innere, zunächst verborgene Gestalt.

     

    In diesem Koranvers wird die verdeckte Wirkung einer unrechtmäßigen Tat (hier: der unrechtmäßigen Aneignung fremden Besitzes) angesprochen. Wir lernen daraus:

     

    Erstens: Uns fremden Besitz anzueignen, insbesondere den Besitz von Waisenkindern, mag eine Verlockung sein, aber in Wirklichkeit hat ein solches Tun verheerende Wirkung auf uns selber.

     

    Zweitens: Das Feuer der Hölle ist in Wahrheit das Feuer, das wir mit unseren schlechten Taten entfacht haben und dass am Jüngsten Tag in Erscheinung tritt. Gott will nicht, dass seine Geschöpfe in den Höllenbrand geraten, wir selber sind es, die wir durch unsere schlechten Taten dieses Feuer anzünden.