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    Teil 103: Sure An Nissa (Frauen) Verse 11- 14

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    In diesem Teil werden die Verse 11 bis 14 der Sure An Nissa, Sure 4, besprochen. Zunächst der relativ lange Vers 11: (4: 11- 14)

     

    يُوصِيكُمُ اللَّـهُ فِي أَوْلَادِكُمْ ۖ لِلذَّكَرِ مِثْلُ حَظِّ الْأُنثَيَيْنِ ۚ فَإِن كُنَّ نِسَاءً فَوْقَ اثْنَتَيْنِ فَلَهُنَّ ثُلُثَا مَا تَرَكَ ۖ وَإِن كَانَتْ وَاحِدَةً فَلَهَا النِّصْفُ ۚ وَلِأَبَوَيْهِ لِكُلِّ وَاحِدٍ مِّنْهُمَا السُّدُسُ مِمَّا تَرَكَ إِن كَانَ لَهُ وَلَدٌ ۚ فَإِن لَّمْ يَكُن لَّهُ وَلَدٌ وَوَرِثَهُ أَبَوَاهُ فَلِأُمِّهِ الثُّلُثُ ۚ فَإِن كَانَ لَهُ إِخْوَةٌ فَلِأُمِّهِ السُّدُسُ ۚ مِن بَعْدِ وَصِيَّةٍ يُوصِي بِهَا أَوْ دَيْنٍ ۗ آبَاؤُكُمْ وَأَبْنَاؤُكُمْ لَا تَدْرُونَ أَيُّهُمْ أَقْرَبُ لَكُمْ نَفْعًا ۚ فَرِيضَةً مِّنَ اللَّـهِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ كَانَ عَلِيمًا حَكِيمًا

    „Gott verordnet euch hinsichtlich (des Erbes) eurer Kinder: Der Anteil eines Sohnes ist gleich dem Anteil von zwei Töchtern. Wenn es (ausschließlich) Töchter sind )und zwar) mehr als zwei, stehen ihnen zwei Drittel der Hinterlassenschaft zu; wenn es (nur) eine ist, die Hälfte. Und den beiden Eltern (des Verstorbenen) steht jedem ein Sechstel der Hinterlassenschaft zu, wenn der Erblasser Kinder (oder: ein Kind) hat. Wenn er jedoch kinderlos ist und seine Eltern ihn beerben, steht seiner Mutter ein Drittel zu (und dem Vater der Rest). Und wenn er (in diesem Fall auch noch) Brüder hat, steht seiner Mutter ein Sechstel zu. (Das alles) nach Berücksichtigung einer (etwa) vom Erblasser getroffenen testamentarischen Verfügung oder einer (Zahlung der von ihm hinterlassenen) Schuld. – Ihr wisst nicht, wer von euren Vätern und Söhnen euch im Hinblick auf (den) Nutzen am nächsten steht. (Das gilt) als Verpflichtung von Seiten Gottes. Gott weiß Bescheid und ist weise.“ (4: 11)

     

    Nun der ebenfalls lange Vers 12 der Sure 4:

     

    وَلَكُمْ نِصْفُ مَا تَرَكَ أَزْوَاجُكُمْ إِن لَّمْ يَكُن لَّهُنَّ وَلَدٌ ۚ فَإِن كَانَ لَهُنَّ وَلَدٌ فَلَكُمُ الرُّبُعُ مِمَّا تَرَكْنَ ۚ مِن بَعْدِ وَصِيَّةٍ يُوصِينَ بِهَا أَوْ دَيْنٍ ۚ وَلَهُنَّ الرُّبُعُ مِمَّا تَرَكْتُمْ إِن لَّمْ يَكُن لَّكُمْ وَلَدٌ ۚ فَإِن كَانَ لَكُمْ وَلَدٌ فَلَهُنَّ الثُّمُنُ مِمَّا تَرَكْتُم ۚ مِّن بَعْدِ وَصِيَّةٍ تُوصُونَ بِهَا أَوْ دَيْنٍ ۗ وَإِن كَانَ رَجُلٌ يُورَثُ كَلَالَةً أَوِ امْرَأَةٌ وَلَهُ أَخٌ أَوْ أُخْتٌ فَلِكُلِّ وَاحِدٍ مِّنْهُمَا السُّدُسُ ۚ فَإِن كَانُوا أَكْثَرَ مِن ذَٰلِكَ فَهُمْ شُرَكَاءُ فِي الثُّلُثِ ۚ مِن بَعْدِ وَصِيَّةٍ يُوصَىٰ بِهَا أَوْ دَيْنٍ غَيْرَ مُضَارٍّ ۚ وَصِيَّةً مِّنَ اللَّـهِ ۗ وَاللَّـهُ عَلِيمٌ حَلِيمٌ

    „Und von der Hinterlassenschaft eurer Gattinnen steht euch die Hälfte zu, falls sie kinderlos sind. Falls sie jedoch Kinder haben, steht euch ein Viertel davon zu. (Auch dies) nach (Berücksichtigung) einer (etwa) von ihnen getroffenen testamentarischen Verfügung oder Zahlung einer (von ihnen hinterlassenen) Schuld. Und euren Gattinnen steht ein Viertel zu von dem, was ihr (Männer) hinterlasst, falls ihr kinderlos seid. Falls ihr jedoch Kinder habt, ein Achtel. (Auch dies) nach (Berücksichtigung) einer (etwa) von euch getroffenen testamentarischen Verfügung oder Zahlung einer (von euch hinterlassenen) Schuld. Und wenn ein Mann oder eine Frau (die keine Eltern oder Kinder zurücklassen) stirbt und er (bzw. sie) einen Bruder oder eine Schwester hat, steht jedem von den beiden ein Sechstel zu. Wenn es mehr als zwei sind, teilen sie sich ein Drittel (und zwar) nach (Berücksichtigung) einer (etwa) getroffenen testamentarischen Verfügung oder Zahlung einer (hinterlassenen) Schuld. Dabei soll niemand wegen des Testamentes des verstorbenen Schaden erleiden. (Das gilt) als Verordnung von Seiten Gottes. Gott weiß Bescheid und ist milde.“ (4: 12)

     

     

    Durch den Tod wird jeglicher Besitzanspruch des Menschen abgebrochen. Die Frage ist, was geschieht mit dem, was er im Laufe seines Lebens erworben hat?

     

    Bei einigen Völkern ist es üblich, dass nur männliche Hinterbliebene erben, nicht aber die Witwe oder die Töchter. In einigen anderen Ländern gilt der Besitz des Verstorbenen als Allgemeinbesitz und kein Angehöriger erbt etwas.

     

    Im Islam wird das Erbe entsprechend der im Koran festgelegten Gesetze aufgeteilt. Kinder, Ehepartner und nahe Verwandten beerben den Verstorbenen. Ein Drittel des Vermögens kann entsprechend den persönlichen Wünschen vererbt werden.

     

    Die islamischen Gesetze sehen den größten Anteil des Erbes für die Kinder des Erblassers vor. Damit entsprechen sie dem Bedürfnis des Menschen, für die Zukunft seiner Kinder, auch nach seinem Ableben zu sorgen. Dieses Bedürfnis gibt dem Menschen während seines Lebens Antrieb sich anzustrengen und zu bemühen.

     

     

    Die Frage ist nun, warum ein Sohn das Doppelte von dem bekommt, was eine Tochter erbt. Auf den ersten Blick scheint dieses Gesetz doch zum Nachteil der Frauen. Aber wir können das Erbrecht im Islam nicht getrennt von den anderen Bestimmungen sehen, denn es wirkt zusammen mit den anderen Geboten:

     

    Im Islam ist der Mann dafür verantwortlich, den gesamten Lebensunterhalt für Frau und Kinder zu bestreiten. Der Mann benötigt daher mehr Geld und Kapital als Frauen. Das islamische Erbrecht ist im Kontext mit der gesamten islamischen Gesetzgebung sogar zugunsten der Frau, denn:

     

    Die Frau braucht in der Ehe für nichts aufzukommen. Frauen können also, wenn sie etwas geerbt haben, dieses Erbe für sich persönlich nutzen. Männer aber müssen mindestens die Hälfte ihres Erbes für den Unterhalt ihrer Frau verwenden.

     

    Frauen sind also sowohl Besitzer ihres eigenen Erbes, als auch Teilhaberinnen am Erbe ihres Mannes. Unterdessen haben Männer keinen Anspruch auf das, was ihre Frau geerbt hat und müssen, auch wenn die Frau viel besitzt, trotzdem aus dem eigenen Vermögen oder Einkommen für alles sorgen, was diese benötigt.

     

     

    Die Verse 11 und 12 der Sure Nissa weisen nur auf einen Teil der islamischen Erbgesetze hin. Weiteres steht in zuverlässigen Überlieferungen vom Propheten. Es ist auch darauf zu achten, dass aus dem Erbe erst die Schulden des Verstorbenen zu zahlen und seine besonderen letzten Wünsche zu erfüllen sind. Das Recht des Verstorbenen und Dritter geht damit vor dem Recht der Erben.

     

    Wir entnehmen diesen Versen:

     

    Erstens: Das Besitzrecht an dem Vermögen eines Verstorbenen geht in der Hauptsache auf die über, die in Wirklichkeit auch die Fortsetzung seiner Existenz darstellen: die Kinder.

     

    Zweitens: Zwar bekommt eine Tochter einen geringeren Erbanteil, d.h. nur die Hälfte von dem Anteil eines Sohnes. Dieser Unterschied geht jedoch auf realistische Unterschiede und Anforderungen im Familien- und Gesellschaftsleben zurück. Außerdem beruht diese Bestimmung auf der Weisheit Gottes. Wer an Gott, den Allweisen glaubt, akzeptiert Sein Gebot.

     

    Drittens: Es ist von sehr großer Bedeutung, das Recht anderer zu erfüllen. Das lässt sich daran erkennen, dass diese Forderung in den beiden genannten Koranversen viermal wiederholt wird. Die Erben dürfen also nicht die Ansprüche Dritter gegenüber dem Verstorbenen übergehen.

     

    Es folgt nun die Übersetzung der nächsten beiden Verse aus der Sure An Nissa, zunächst Vers 13:

     

    تِلْكَ حُدُودُ اللَّـهِ ۚ وَمَن يُطِعِ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ يُدْخِلْهُ جَنَّاتٍ تَجْرِي مِن تَحْتِهَا الْأَنْهَارُ خَالِدِينَ فِيهَا ۚ وَذَٰلِكَ الْفَوْزُ الْعَظِيمُ

     

    „Das sind die Gebote Gottes. (So handelt danach und wisset:) Wer nun Gott und seinem Gesandten gehorcht, den lässt er (dereinst) in Gärten eingehen, in deren Niederungen Bäche fließen, und in denen sie (ewig) weilen werden. Das ist dann das große Glück.“ (4: 13)

     

    Und Vers 14 lautet sinngemäß:

     

    وَمَن يَعْصِ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ وَيَتَعَدَّ حُدُودَهُ يُدْخِلْهُ نَارًا خَالِدًا فِيهَا وَلَهُ عَذَابٌ مُّهِينٌ

     

    „Wer aber gegen Gott und seinen Gesandten widerspenstig ist und seine Gebote übertritt, den lässt er in ein Feuer eingehen, damit er (ewig) darin weile. Eine erniedrigende Strafe hat er zu erwarten.“ (4: 14)

     

    In den beiden Versen 11 und 12 geht es um göttliche Gebote hinsichtlich Vermögensfragen und speziell hinsichtlich des Erberechtes. In den Versen 13 und 14 wird der Mensch aufgerufen, jeden Verstoß gegen die göttlichen Gebote zu vermeiden, denn solche Verstöße wiegen schwer und haben schlimme Folgen. Wir sehen also, der Gehorsam gegenüber Gott bedeutet nicht nur die täglichen Gebete und die Fastengebote zu erfüllen, sondern Rücksichtsnahme auf das Recht der anderen.

     

    Wir lernen aus den beiden Versen 13 und 14 der Sure An Nissa:

     

    Erstens: Der Weg zu hiesigem und ewigem Wohl führt über die Befolgung der religiösen Gebote und nicht über Befolgung eigener Wünsche oder von Menschen gemachter Gebote, die den göttlichen entgegen stehen.

     

    Zweitens: Wer die Rechte der anderen verletzt wird sich wie ein Gottesleugner harte Strafe einhandeln.

     

    Drittens: Auch wenn der Verstorbene nicht anwesend sein kann, um den gerechten Umgang mit seiner Hinterlassenschaft zu überprüfen, so ist Gott zugegen und kein Verstoß gegen das Recht von Erben oder Dritten wird Ihm entgehen.