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    Teil 110: Sure An Nissa (Frauen) Verse 35- 39

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    Dieser Teil geht nun weiter mit der Übersetzung von Vers 35 der Sure An Nissa. Sie lautet: (4: 35- 39)

     

    وَإِنْ خِفْتُمْ شِقَاقَ بَيْنِهِمَا فَابْعَثُوا حَكَمًا مِّنْ أَهْلِهِ وَحَكَمًا مِّنْ أَهْلِهَا إِن يُرِيدَا إِصْلَاحًا يُوَفِّقِ اللَّـهُ بَيْنَهُمَا ۗ إِنَّ اللَّـهَ كَانَ عَلِيمًا خَبِيرًا

     

    „Und wenn ihr fürchtet, dass es zwischen einem Ehepaar zu einem ernsthaften Zerwürfnis kommt, dann bestellt einen Schiedsrichter aus seiner und einen Schiedsrichter aus ihrer Familie! Wenn die beiden Sich (dann) aussöhnen wollen, wird Gott ihnen zu ihrem (weiteren) Zusammenleben Gelingen geben. Er weiß Bescheid und ist wohl unterrichtet (was ihr tut).“ (4: 35)

     

    In diesem Koranvers ist zur Lösung von ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen Ehepartnern zunächst die Berufung von Schiedsrichtern aus beiden Familien vorgesehen. Der Koran sagt: Wenn es einen ernsthaften Ehestreit gibt, sollen sich die Familien beider Seiten zusammentun und versuchen diesen Streit beizulegen. Sie sollen versuchen zu verhindern, dass es zur Scheidung kommt. Die Schiedsrichter beider Familien sollen kein Urteil über den Mann bzw. die Frau fällen, sondern gemeinsam nach einer Lösung suchen.

     

    Dieses Konzept des Islams hat besondere Vorteile:

     

    Erstens: Eheliche Zerwürfnisse werden dadurch zunächst nicht vor Außenstehende gebracht und so bleibt die Ehre der Familie bewahrt. Vielmehr erfährt nur die Familie des Mannes und die Familie der Frau davon. Und diese finden sich in guter Absicht zusammen.

     

    Zweitens: Der Beschluss von Schiedsrichtern aus beiden Familien wird zu Gunsten beider Ehepartner ausfallen, während bei einem normalen Gericht eine Seite immer mit dem Urteil unzufrieden ist.

     

    Drittens: Das familiäre Schiedsgericht will nicht klären wer im Recht und wer ihm Unrecht ist und einen der Ehepartner verurteilen, weil dies nur noch mehr Uneinigkeit zwischen den Eheleuten verursachen würde. Vielmehr will es eine Einigung zwischen den Eheleuten erzielen.

     

     

    Wir lernen aus dieser Koranstelle:

     

    Erstens: Die Verwandten dürfen bei Ehe- und Familienstreitigkeiten nicht gleichgültig bleiben.

     

    Zweitens: Man sollte nachteiligen Folgen des Ehestreites vorbeugen, d.h. bevor es zu einer Scheidung kommt, soll die Familie etwas unternehmen.

     

    Drittens: Mann und Frau haben im Streitfall das gleiche Recht bei der Wahl eines Schiedsrichters. Jeder darf nur einen Schiedsrichter aus seiner Familie wählen.

     

    Viertens: Wenn gute Absichten bestehen und man eine Aussöhnung erreichen will, so lässt Gott dies gelingen.

     

     

    Der Vers 36 der Sure An Nissa lautet in einer Übersetzung:

     

    وَاعْبُدُوا اللَّـهَ وَلَا تُشْرِكُوا بِهِ شَيْئًا ۖ وَبِالْوَالِدَيْنِ إِحْسَانًا وَبِذِي الْقُرْبَىٰ وَالْيَتَامَىٰ وَالْمَسَاكِينِ وَالْجَارِ ذِي الْقُرْبَىٰ وَالْجَارِ الْجُنُبِ وَالصَّاحِبِ بِالْجَنبِ وَابْنِ السَّبِيلِ وَمَا مَلَكَتْ أَيْمَانُكُمْ ۗ إِنَّ اللَّـهَ لَا يُحِبُّ مَن كَانَ مُخْتَالًا فَخُورًا

    „Und dienet Gott und gesellt ihm nichts (als Teilhaber an seiner Göttlichkeit) bei! Und zu den Eltern (sollt ihr) gut sein, und (ebenso) zu den Verwandten, den Waisen und den Armen, (weiter) zum verwandten und fremden Nachbarn und zu den Gefährten und zu denen, die unterwegs sind (die dem Weg Gottes folgen und dabei in Not gekommen sind), und zu denen, was ihr (an Sklaven und Untertanen) besitzt. Wer eingebildet und prahlerisch ist, den liebt Gott nicht.“ (4: 36)

     

    Ab Vers 36 wird nun über weitere soziale Verantwortungen des Menschen gesprochen. Der Mensch hat also nicht nur seinem Ehepartner und seinen Kindern gegenüber Verpflichtungen. Ein gläubiger Mensch dient Gott, aber er hat auch Verpflichtungen gegenüber den anderen, den Eltern, den Verwandten, Freunden, Nachbarn und seinen Untergebenen, und vor allen Dingen gegenüber Waisen und Bedürftigen. Er soll also Verantwortungsgefühl besitzen.

     

    Der Mensch wird in dieser Ayeh zum Ihsan -zum Spenden und guten Handeln- aufgefordert. Das heißt nicht nur Bedürftigen gegenüber soll er sich verpflichtet fühlen, Ihsan bedeutet auch einen guten Umgang mit den Eltern, mit Nachbarn und Freunden. Denn Gott liebt prahlerische und eingebildete – also arrogante – Menschen nicht.

     

    Es sind vier Dinge, die wir aus dieser Stelle im Koran lernen können:

     

    Erstens: In diesem Vers der Sure 4 wird sowohl das Recht Gottes genannt, nämlich, dass wir ihm dienen, als auch das Recht der Geschöpfe Gottes: nämlich dass wir gut zu ihnen sind. Dies zeigt wieder dass der Islam alle Aspekte berücksichtigt.

     

    Zweitens: Gebete und andere Formen der Gottesanbetung alleine genügen nicht. Wir müssen in allen Angelegenheiten versuchen, Gott mit uns zufrieden zu stellen.

     

    Drittens: Die Anweisung zu den Eltern gut zu sein folgt direkt nach der Anweisung, Gott zu dienen und nur ihn anzubeten. Dadurch wird die wichtige Bedeutung der Eltern für den Menschen deutlich. Der Mensch ist also verpflichtet nicht nur Gott, sondern an zweiter Stelle auch die Eltern zufrieden zu stellen.

     

    Viertens: Nachbarn, Freunde und Untergebene haben Rechte gegenüber dem Menschen. Der Mensch muss diese Rechte erfüllen.

     

    Der Vers 37 der 4. Koransure lautet in seiner Übersetzung:

     

    الَّذِينَ يَبْخَلُونَ وَيَأْمُرُونَ النَّاسَ بِالْبُخْلِ وَيَكْتُمُونَ مَا آتَاهُمُ اللَّـهُ مِن فَضْلِهِ ۗ وَأَعْتَدْنَا لِلْكَافِرِينَ عَذَابًا مُّهِينًا

     

    „diejenigen, die geizig sind und den Leuten gebieten, geizig zu sein, und verbergen, was Gott ihnen von seiner Huld gegeben hat. (sie sollen wissen: ) – für die Ungläubigen haben wir eine erniedrigende Strafe bereit.“ (4: 37)

     

    Dieser Vers mahnt davor, dass diejenigen die nicht nur selber geizig sind und auch noch die anderen dazu anhalten geizig zu sein, bestraft werden. Dieser Vers meint damit Menschen, die gut versorgt und wohlhabend, aber nicht bereit sind, etwas von ihrem Besitz abzugeben. Sie raten sogar den anderen, es ihnen gleich zu tun. Sie sind so geizig, dass sie nicht einmal für sich selbst mehr als unbedingt notwendig ausgeben, aus Angst die anderen könnten dann merken, dass sie wohlhabend sind und sie um Hilfe bitten. Derartiger Geiz ist nicht mit dem Islam vereinbar. Geizige werden vom Koran mit Ungläubigen gleichgestellt, die eine verdiente Strafe erwartet.

     

    Aus dem Vers 37 der Sure 4 entnehmen wir:

     

    Erstens: Seelische Krankheiten wie Geiz können genauso wie körperliche Krankheiten auf andere ansteckend wirken.

     

    Zweitens: Ein Weg für seinen Segen zu danken besteht darin, ihn zu nutzen. Seinen Segen zu verheimlichen ist Undank Gott gegenüber.

     

    Drittens: Segen ist Gottes Huld, und deswegen darf er uns nicht egoistisch machen.

     

     

    Die Verse 38 und 39 der Sure 4 lauten übersetzt:

     

    وَالَّذِينَ يُنفِقُونَ أَمْوَالَهُمْ رِئَاءَ النَّاسِ وَلَا يُؤْمِنُونَ بِاللَّـهِ وَلَا بِالْيَوْمِ الْآخِرِ ۗ وَمَن يَكُنِ الشَّيْطَانُ لَهُ قَرِينًا فَسَاءَ قَرِينًا

     

    „ und diejenigen, die ihr Vermögen spenden, um von den Leuten gesehen zu werden, und (in Wahrheit) nicht an Gott und den Jüngsten Tag glauben – wenn einer den Satan zum Gesellen hat, ist das ein schlimmer Geselle. (4: 38)

     

    وَمَاذَا عَلَيْهِمْ لَوْ آمَنُوا بِاللَّـهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ وَأَنفَقُوا مِمَّا رَزَقَهُمُ اللَّـهُ ۚ وَكَانَ اللَّـهُ بِهِمْ عَلِيمًا

     

    Was würde es ihnen den ausmachen, wenn sie an Gott und den Jüngsten Tag glauben und von dem, was Gott ihnen beschert hat spenden würden? Gott weiß über sie Bescheid.“ (4: 39)

     

    In diesen beiden Versen heißt es also im Anschluss an Vers 37: Geiz bringt den Menschen vom Glauben an Gott und das Jüngste Gericht ab. Glaube setzt voraus, dass der Mensch die Zakat-Steuer zahlt und spendet. Beides im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten. Tut er dies nicht, hat er Gottes Gebot nicht befolgt. Zu spenden, nur um von anderen gesehen und geachtet zu werden, nützt dem Menschen vor Gott und am Jüngsten Tag nichts.

     

    Aus diesem Koranabschnitt ergibt sich also:

     

    Erstens: Aus Gründen des Angesehenseins bei den Menschen zu spenden, ist bei Gott genauso schlimm wie Geiz.

    Zweitens: Heuchler ernten von den Leuten Lob, erhalten aber von Gott keine Belohnung.

    Drittens: Spenden dient nicht allein der Sättigung von Hungernden, sondern auch dazu, dass der Spender seinen Charakter veredelt.